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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-01-13 · 2 (13.1.1911) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
2 (13.1.1911)
Date
1911-01-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 30 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 2 Festes haben sich Frl. Frida Pollak, Herr und Frau Dr. Feuerstein, Frau Jda Zentner und Kultusvorsteher Mohr ganz besondere Verdienste erworben. Aus gleichem Anlasse fand an demselben Abend eine gemütliche Zusammenkunft der Kultusgemeindemitglieder samt Angehörigen statt, bei welchem unsere Künstler, Herr Adolf Hermann und cand. ing. Paul Fischer sowie eine neue Kraft, Herr Ernst Schick, ernste und heitere Sachen zum Vortrage brachten, worauf auch Terpsichoren gehuldigt wurde. Allen werden gewiß diese schönen Stunden in Erinnerung bleiben. Geheimrat Ehrlichs russische Auszeichnung. Petersburg. Der Zar hat Prof. Ehrlich den Annenorden erster Klasse verliehen. Feuilleton. Der Taufroma» eines russisch-jüdischen Mädchens in Aerusalem. Auf Grund persönlicher Erlebnisie dargestellt von Phil. Kieferndorf. (Fortsetzung,) Wie gelange ich zum russischen Konsul, um der armen Jüdin zu helfen? Nach einigem Ueberlegen kam mir der Gedanke, den in der letzten Zeit in der russisch-nationalen und jüdischen Presse wiederholt genannten russisch-„jüdischen" Direktor der Jerusalemer russischenPost und zweiten Konsulatsdragomau S a l o m i a k, ins Vertrauen zu ziehen und ihn für seine bedrängten Glaubensgenossen um Intervention bei dem Konsul, seinem „Herrn", zu bitten. Doch da kam ich so ’£)bn an, daß ich gleich das Wiederkommen vergessen Hab:. Herr Salomiak, den ich zuerst in seinem Bureau auf der russischen Post in dieser ihn als „Juden", angenommenermatzen noch mehr als mich interessierenden Angelegenheit zu sprechen suchte, empfing mich gleich höchst unwirsch und offenbar recht betroffen und erklärte mir, kurz angebunden, hier auf der Post sei nicht der rechte Ort, über „solche Dinge" zu reden und zu verhandeln (!) und wenn ich etwas weiter wollte, sollte ich anderen Tages auf das Konsulat kommen und den Konsul selber sprechen. Mit dem Bemerken, daß man für eine gute und edle Tat nach dem Religions- und Moralgesetz aller zivilisierten Nationen und Konfessionen zu jeder Zeit und an jedem Orte bereit sein müsse, zu reden und zu handeln, verlieb ich darauf Herrn Salomiak, um mich, seinem Bescheide gemäß, am andern Morgen selbst auf das russische Konsulat zu begeben, in der Hoffnung, nach der von Herrn Salomiak gegebenen Andeutung, den Konsul persönlich sprechen zu können. Nachdem ich auf dem Konsulate einem Kawassen meine Karte für den Konsul übergeben und mit langem Warten im Korridor das Schicksal der jüdischen Gesuchsteller am vorigen Tage redlich geteilt hatte, erschien endlich Herr Salomiak und fragte mich in einem noch weit barscheren Tone als gestern auf der russischen Post im Namen des Konsuls, mit welchem Rechte ich mich in diese Angelegenheit einmische, und erklärte zugleich, dah der Konsul weder für mich noch sonst jemand in der Sache, welche abgeschlossen sei, weiter zu sprechen sei, und dab ich darum gut täte, mich zu entfernen und meine Zeit und Kräfte wichtigeren und nützlicheren Dingen zuzuwenden. (!) Aus Anlatz dieser schmählichen Rolle, welche ein „Jude" in diesem jüdischen Taufdrama gespielt hat, mag es wohl nicht ganz unangebracht erscheinen, über Herrn Salomiak und sein Verhältnis zum Russentum und Judentum in Jerusalem en passant hier im allgemeinen noch einige Worte zu vermerken. Vor einigen Jahren noch habe ich diesen Herrn gegen die Angriffe des verstorbenen Berliner jüdischen Bankiers Cohn, in welchen derselbe Herrn Salomiak aus Rücksicht auf seine persönlichen Interessen den russischen Machthabern in Jerusalem und St. Petersburg geaenüber des Servilismus und oes Verrats am Judenrum anklagre. in Nr. 28 Und Nr. 41. Jahrg. 1904, der „Israelitischen Wochenschrift" des unlängst auf so tragische Weise aus dem Leben geschiedenen jüdischen Schriftstellers M. A. Klausner, teilweise wenigstens, in Schutz genommen: jetzt aber, nach der Rolle, welche Herr Salomiak in diesem russisch-jüdischen Taufdrama gespielt hat, kann und mutz ich dem verstorbenen Berliner jüdischen Bankier, der mich damals wegen meiner Parieiergreifung für Herrn Salomiak scharf in der Presse milnahm, in seinem Ärteil über diesen Herrn nur vollständig rechtgeben und würde ihm wenn er noch lebte, meinen damaligen Irrtum mit dem Ausdruck des Bedauerns bereitwillig eingestehen. Als ich Herrn Salomiak, welcher als Mensch und noch mehr als Jude doch gewiß eine ebenso große, wenn nicht größere und weiterreichende Verpflichtung gehabt hätte als ich, seinen unglücklichen Glaubensgenossen beizustehen, nach den geschilderten Vorgängen auf dem Konsulat etwas später auf der Straße traf und ihm wegen seines ungebührlichen Verhaltens Vorwürfe machte, bemerkte er nur achselzuckend und „kühl bis ans Herz hinan": „Nun, sagen Sie eben, daß ich ein schlechter Jude bin", worauf ich pur erwiderte: „Wenn Sie das jetzt offen von sich selber gestehen, brauche ich es Ihnen nicht erst ins Gesicht zu sagen und gerichtlich und amtlich beglaubigen zu lassen". Aus dem Gesagten werden die Leser (ermessen, wie wenig Ursache die „Nowoje Wremja" neulich hatte, sich wegen Herrn Salomiak zu ereifern und die russische Regierung und Postverwaltung anzuklagen, daß durch diesen Herrn die eminenten russischen Interessen in der hl. Stadt und in Palästina dem Judentum und Zionismus verkauft werden. Die „Nowoje Wremja" und die „Ruskoje Znamja" mögen ruhig schlafen, denn die politischen und religiösen russischen Interessen in Jerusalem und in Palästina könnten auch von dem Anführer und Wortführer oder einem Mitglied der „echt russischen Leute" und des „schwarzen Hunderts" nicht besser besorgt werden, als es durch diesen „Juden", Herrn Salomiak, geschieht. Der russische Konsul und die russischen Pfaffen in Jerusalem müssen doch ihre Leute kennen. Nachdem ich also persönlich dem russischen Konsul und den russischen /orthodoren Seelenjägern nicht nahe kommen konnte, entschloß ich mich, dem Konsul brieflich meine Meinung zu sagen, und weil die Kawassen von dem Konsul schon instruiert worden waren, meine Briefe, welche ich persönlich auf dem Konsulate abgeben wollte, nicht in Empfang zu nehmen, so habe ich dieselben mit der österreichischen und türkischen Post „eingeschrieben" gesendet, so daß ich auf alle Fälle sicher bin, daß der Konsul sie erhalten hat, wenn er sie auch kaum an den Spiegel gesteckt haben dürfte. Ich fragte ihn, ob er.dafürhalte, daß die Religion eine Tochter des Himmels oder der Hölle sei, daß sie den Menschen gegeben sei, zum Martern, Peinigen, Verderben und zum Vernichten, oder ^vielmehr zum Trösten. Lindern, "Heilen, Beleben und Erquicken, und ob (er sich denn, wenn er das letztere zugebe, kein Gewissen daraus mache, mit der an der armen, hilflosen Frau begangenen herzlosen, unmenschlichen Grausamkeit und Barbarei nichts anderes als leiblichen und seelischen Mord zu begehen? Ich suchte an den noch etwas vorhandenen kleinsten Funken natürlichen Gefühls und menschlicher Empfindung in dem Herzen des gewaltsamen Tyrannen izu appellieren, indem ich ihm darauf hinwies, daß er doch gewiß auch schon nicht ohne einige Rührung und Teilnahme gesehen haben dürfte, wie die unvernünftigen Kreaturen, eine Henne, eine Katze, ein Hund, denen man ihre Jungen nehmen will, sich wie die Löwen zur Wehr setzen und sich selbst eher das Leben nehmen lassen, als daß sie ihr Fleisch und Blut schütz- und wehrlos dem feindlichen Angriff preisgeben. Ich trat diesem rücksichtslosen Moskowiter aüklagend gegenüber wie wei-

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