Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 2 (13.1.1911)
- Date
- 1911-01-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 2 Sette 27 Dr. Blochs Wochenschrift. ilm nun zu beweisen, daß seine Ausführungen nicht gegen die Juden im allgemeinen, sondern bloß gegen eine bestimmte Richtung im Judentum e gerichtet sind, Nahm Kiazim Rami Bey an der Chanukafeier der Talmud-Thora in Salonichi teil und hielt dort eine Rede, in welcher er die Tugenden der Juden lobte und die Juden eine Stütze für Thron und Vaterland nannte. Eine jüdische Aerztin am Hose des Sultans. Aus Konstantmopel wird uns geschrieben: Eine seltene Auszeichnung wurde der Tochter unseres aus Ungarn stammenden, in Konstantmopel lebenden Glaubensgenossen Dr. Josef Frisch zu teil. Die junge Dame, Frl. Dr. Amalie Frisch, die in Gran in Ungarn geboren wurde und nach absolvierten Studien das Doktordiplom für die gesamte Heilkunde erhielt, ist gegenwärtig die einzige jüdische Aerztin an dem österreich-ungarischen Hospital in Konstantmopel. Ihre medizinischen Kenntnisse wurden am Sultanhofe wiederholt in Anspruch genommen. Hier hat sie so sehr die Gunst der höchsten Persönlichkeiten des Hofes gewonnen, daß sie, mit Umgehung der übrigen Hofärzte zur Entbindung der Frau des Kronprinzen Zia Eddin berufen wurde. Die Ernennung des Frl. Dr. Amalia Frisch zur Leibärztin der Kronprinzessin dürfte demnächst erfolgen. Die Nachfolger des Baron David Günzburg. Baron Daid Günzburg war bekanntlich auch Präsident der Petersburger Kultusgemsinde. Vorläufig versieht diese Funktionen das älteste Vorstandsmitglied Marsch awski. Ueber die endgiltige Besetzung der Präsidentenstelle konnte noch keine Einigung erzielt werden. Ein Teil möchte den Millionär A. Günzburg, der Armenreferent in Port Arthur war, und daher den Beinamen der „Port Arthurer" hat. zum Präsidenten haben. Herr . A. Ginzburg hat in der letzten Zeit zahlreiche große Spenden gemacht, .durch welche die Lage der Kleingewerbetreibenden verbessert werden soll. Eine andere Partei unterstützt die Kandidatur des jüngeren Bruders des verstorbenen Präsidenten Herrn Baron Alexander Günzburg. Neujahrsauszeichnungen in England. Anläßlich der üblichen Neujahrsauszeichnungen in England wurde auch eine hübsche Anzahl jüdischer Politiker und Philanthropen mit Auszeichnungen und Standeserhebungen bedacht. Unter den neuen Baronets bejin den sich der Politiker und Philanthrop Charles Henry, ferner Sir Herbert H. Raphael, Sir Arthur Levy und Joseph Lyons, die sich alle besonders auf philanthropischem und jüdisch-sozialem Gebiete große Verdienste erworben haben. Konferenz orthodoxer Rabbiner in England. In London soll noch in diesem Winter eine Konferenz orthodoxer Rabbiner in England stattfinden. Das Vorbereitungskomitee besteht aus den Herren Rabbinern Daiches-Leeds, Hillmann-Glasgow, Rabbinowitz-Edinburg, Joffe-Manchester und Horowitz-Sunderland. Nähere Details werden demnächst bekanntgegeben werden. Jüdische Auswanderung im Monat November. Im Verlaufe des Monats November 1910 sind im Newyorker Hafen 4966 jüdische Immigranten angekommen, und zwar 2659 Männer und 2307 Frauen. Von den eingewänderten Juden kamen aus: Rußland 2857. Oesterreich 979, England 311, Ungarn 255, Rumänien 247 Türkei 128, Deutschland 93, Frankreich 25, Belgien 19, Afrika 16 usw. Von den Eingewanderten blieben 3703 in Newyork, während die übrigen sich auf die übrigen Staaten der nordamerikanischen Republik verteilten. Im November 1909 waren 7692 jüdische Einwanderer in Newyork angekommen. Diese große Differenz ist mit dem Umstande zu erklären, daß die, jüdischen Feiertage im abgelaufenen Kalenderjahre bis spät in den Oktober hinein dauerten, so, daß diejenigen, die im November in Newyork ankommen wollten, ihre Reise während der Feiertage hätten antreten müssen, was viele die Auswanderung verschieben ließ. Vermischtes. Vortrag des Herrn Dr. Max Grunwald. Donnerstag den 19. Jänner 1911, präzise halb 8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekteu- Vereines, I., Eschenbachgasse 9. ein Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. Max Grunwald statt. Thema: „Jüdische Welt- und Forschungsreisende". Mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei, ohne Karten. Wien. Im Kaiser Franz Josef-Ambulatorium wurde in der letzten Plenarversammlung der Abteilungsvorstände die Gründung einer Abteilung für Sprachkrankheiten beschlossen. Zum Vorstand derselben wurde ein namhafter Spezialist dieses Faches, Dr. Hugo Stern, berufen. Er war Schüler und Assistent des Professors Dr. Hermann Gutzmann in Berlin und wirkt seit Jahren in Wien als Praktiker. Forscher und Fachschriftsteller. Nunmehr leitet er die erste selbständige Abteilung für dieses wichtige Spezialfach, das an einem öffentlichen Ambulatorium der Monarchie geschaffen worden. Wien. (Auszeichnung.) Anläßlich des 80. Geburtstages des Kaisers hat die Schriftstellerin Frau Sophie Großmann, Doktorsgattin, ein Buch patriotischer und anderer Gedichte unter dem Titel „Alpenblumen" herausgegeben. Für dasselbe wurde der Verfasserin der a. h. Dank mit dem Beifügen bekanntgegeben, daß die erwähnte Gedichtsammlung der Fannlienfideikommiß-Bibliothek einverleibt werden wird. Das Reinerträgnis dieses Buches wird Wohltätigkeitszwecken zugeführt. Wien. Der k. k. Bezirksschulrat Wien hat dem Direktor D. L ö w i t für dessen vieljährige, besonders ersprießliche Tätigkeit als Lehrer und das lebhafte Interesse, das er für Erziehung und Unterricht der Jugend jederzeit bekundet, die belobende Anerkennung ausgesprochen. Wien. (Trauung.) Sonntag den 15. Jänner l. I. findet um 2 Uhr nachmittags im Tempel, I., Seitenstettengaffe, die Trauung des Fräulein Stephanie Popper, Tochter des Herrn Joses Popper, mit Herrn Heinrich P e r g e r statt. Wien. (Generalversammlung.) Die „Palme", Versorgungs- und Unterstützungsverein der isr. Kultusgemeinde in Wien, hielt am 8. Jänner d. I. seine 28. Generalversammlung ab. Aus dem Berichte des Vereinskassiers Herrn Hermann Ascher aebt hervor, daß im verflossenen Vereinsjahre 1450 Kronen an Unterstützungen für Lehrerswitwen, sowie an ordentliche Mitglieder im Betraae von 350 Kronen verausgabt wurden; ferner wurden 4912 Kr. 40 H. als zinsenfreies Darlehen an Vereinsmitglieder erteilt. Das Vereinsvermögen hat sich gegen das Vorjahr bedeutend erhöht und beträgt heute schon 66.0P2 Kr. 67 H. Seitens der israelitischen Kuitusgemeinde wurde der Verein auch im heurigen Jahre mit einer Subvention von 10 jO Kronen bedacht. Hierauf beantragt der Vereinsvorstand, es sei zu Ehren des Präsidenten Herrn Schulinspektor Dr. Leopold Laugfelder der Betrag von 5000 Kronen behufs Gründung einer Stiftung zu widmen, die den Namen „Dr. Leopold Langfelder-Stiftung" zu führen hätte. Die Zinsen der Stiftung seien zur Unterstützung von Lehrerswitwen und -Waisen alljährlich gewidmet. Herrn Dr. Laugfelder sei das Vergebungsrecht eingeräumt. Herr Wilhelm Breuer beantragt, es sei in Würdiaung der außerordentlichen Verdienste des Herrn Präsidenten Dr. Langfelder, die er durch 28 Jahre dem Vereine geleistet, das Stiftungskapital auf 10.000 Kronen zu erhöhen. Der Antrag, vom Herrn Schulinspektor Professor M. Kanitz und Lehrer Schulhof wärmstens unterstützt, wird mit großem Beifall zum Beschlüsse erhoben. Lehrer Schulhof stellt sodann den Antrag auf Rev sion und Abänderung der Statuten, in erster Linie zu dem Zwecke, daß es jedem Religionslehrer der israelitischen Kultusgemeinde ermöglicht werde, dem Vereine „Palme" beitreten zu können. Die Bereinsleitung