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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-01-13 · 2 (13.1.1911) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
2 (13.1.1911)
Date
1911-01-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 26 De. Bkochs schlossen. Zweimal war sie bereits festgesetzt und jedesmals aus anderen Gründen verschoben. Nun soll sie, falls nicht in letzter Stunde wieder ein „unerwartetes Hindernis" eintritt, dennoch! abgehalten werden. Die jüdischen Referaten haben nun die Möglichkeit, mit praktischen Vorschlägen hervorzutreten und dem Landesausschutz zu zeigen, seinen eigenen Beschlutz ernst zu nehmen. Der ungarische Ministerpräsident gegen eine antisemitische Rede seines Parteigenossen. Aus Budapest wird uns unter dem 4. Jänner berichtet: In der heute abend stattgefundenen Konferenz der nationalen Arbeitspartei brachte nach der Verhandlung und Annahme der Bankvorlage Abgeordneter Geza Antal die gestrige Rede des Abgeordneten Johann Wittmanns, der sich in der Debatte über den serbischen Han-, delsvertrag in Ausfällen gegen die Juden erging, zur Sprache. Ohne den Namen des betreffenden Abgeordneten zu erwähnen, führte Abgeordneter Antal aus, datz einzelne Ausdrücke einer gestern gehaltenen Rede den Anschein erwecken könnten, als ob die nationale Arbeitspartei sich von Zwei ihrer Grundprinzipien von den Doakschen Traditionen und dem bedingungslosen Freisinn entfernt hätten. Um solche irrige Auffassungen nicht aufkommen zu lassen, halte es der Redner für wünschenswert, datz in der Partei selbst konstatiert werde, datz die nationale Arbeitspartei den Boden traditionellen Freisinns, gu welchem sich auch der Ministerpräsident, der Führer der Partei, in seiner Programmrede eingeschworen und auf Grund dessen sich die Partei zusammengesetzt habe, nicht verlassen habe und auch niemals zu verlassen gedenke.! i?! Nach der mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Rede Antals, dem sich Abgeordneter Jssekucz anschloh, ergriff das Wort der Ministerpräsident Graf Khuen-Hedervary. Er führte aus, daß die mehrfach erwähnte Rede mehrere Entgleisungen enthalte, die hier im Zentrum, wo man die Prinzipien der nationalen Arbeitspartei kennt, wohl von niemand als Aeutzerungen der Partei erkannt werden, jedoch an ven Peripherien leicht zu Mitzdeutungen Anlah geben könnte. Er halte die Rede jedoch für viel zu unbedeutend, um hierüber einen Beschlutz der Partei zu provozieren. Jedenfalls sei hieraus die Lehre zu ziehen, datz Auffassungsverschiedenheiten, wie sie in sekundären Fragen wohl in jeder Partei Vorkommen, nicht vor das Abgeordnetenhaus getragen, sondern, wenn solche vorhanden sind, vorher in der Parteikonferenz auszugleichen sind, wo die Partei dann in der Einheit, über die sie Zweifellos verfügt, vor das Abgeordnetenhaus treten könne. Der Ministerpräsident gab sodann seiner Auffassung Ausdruck, datz Abg. Antal gleichfalls nicht eine feierliche Enunziation intendiert habe, sondern bloh darauf verweisen wollte, datz die Partei sich! mit derartigen unglücklichen Redewendungen, wie sie in der betreffenden Rede enthalten waren, nicht identifiziere. Die Konferenz nahm' die Äeutzerung des Ministerpräsidenten mit lebhaftem Beifall entgegen, worauf Abgeordneter Antal erklärte, datz er die Motivierung des Mmisterpräsidenten sich mit grotzer Freude zu eigen mache und von der Erbringung eines Beschlusses, den er gar nicht intendiert habe, ganz absehe. Damit wa!r der Inzidenzfall beendet. Ehrung. Aus Mnfkirchen wird uns berichtet: Ueber Antrag des Magistrates hat die Generalversammlung der Freistadt Fünfkirchen beschlossen, zur Verewigung der hervorragenden Verdienste, welche sich der dahingeschiebene PMident der hiesigen Kultusgemeinde Adolf Engel M» ÄWyll erworben, eine in der inneren Stadt neueröff- JtlNUfe „Janosi Engel Adolf utcza" zu benennen. Wochenschrift. *r-2 Ein jüdischer Typus aus der guten alten Zeit. Am 31. Dezember starb — wie uns gemeldet wird — in Königsberg i. Pr. im Alter von fast 71 Jahren Doklor pd.il. Ignaz Hercz. Mit ihm ist einer der immer seltener werdenden Vertreter jenes interessanten Typus an gelehrten *Kaufleuten aus dem Leben geschieden, an denen gerade das ungarische Judentum des vorigen Jahrhunderts so reich war. Geboren am 14. Januar 1840 in Mariko (Komitat Trencsen) bezog er mit 13 Jahren die Pozsonyer Rabbinerschule und absolvierte das dortige Gymnasium. An den Universitäten Budapest, Leipzig und Berlin lernte er orientalische Sprachen und Philosophie. Im Jahre 1869 promovierte er mit einer Dissertation über drei Abhandlungen des Averroes. Nachdem er mehrere Jahre als Rabbiner in Turovssentmarton gewirkt hatte, ging er nach Wien, wo er kurze Zeit als Sekretär und Religionslehrer angestellt war und kam 1875 als Erzieher in das Haus des Staatsrats v. Polinkoff in Moskau, 1895 kam er als Prokurist an die Moskauer Bank in Königsberg i. Pr., welche Stelle er bis zu seinem Tode bekleidete. Seine umfassende Bildung fand bedauerlicherweise niemals ein rechtes Betätigungsfeld. Kiazim Nami Bey gegen die konzentrierte Einwanderung der Juden. Der Inspektor des öffentlichen Unterrichtswesens im Vilajet Salonichi, Kiazim Nami Bey, eines der einflußreichsten Mitglieder des jungtürkischen Komitees „Union et Progrss" äußerte sich dem Redakteur des spaniolischen Tagesblattes „Jmparcial" gegenüber der Einwanderung der Juden und dem Zionismus, wie folgt: „Die junge Türkei wird die Realisierung der zionistischen Pläne, mögen sie politische Ziele haben oder nicht, niemals zulassen. Die junge Türkei wird eine konzentrierte jüdische Ansammlung in Palästina niemals gestatten, weil sie in die Zukunft blicken und die Eventualität, sichin späterer Zeit Feinde zu schaffen, von vornherein vermeiden will. Wir öffnen die Tore unseres Landes weit den in anderen Ländern verfolgten Juden unter der Bedingung, datz sie sich, gleichviel in welcher Provinz des Reiches, den Bedürfnissen der einzelnen Provinzen entsprechend, niederlassen. Die zionistischen Pläne hingegen werden wir mit aller Energie bekämpfen, so lange die junge Türkei existieren wird. Es ist wohl überflüssig. Ihnen besonders zu betonen, datz die Türken in weiterer Konsequenz ihrer Auffassung es nicht gerne sehen, wenn die ottomanischen Juden an dieser Bewegung teilnehmen und in ihrem Interesse arbeiten. Bisher Haben die ottomanischen Juden das volle Vertrauen der türkischen Behörden und des türkischen Volkes besessen. Gehen sie aber daran, eine verdächtige (?) Bewegung zu verbreiten. so ist es nur natürlich-, datz sie selbst auch' in Verdacht kommen, und dringt einmal der Zweifel in die Geister, so ist es schwer, ihn wieder gu entwurzeln. Die zionistische Propaganda in der Türkei ist daher nur geeignet, der ottomanischen Judenschaft Schaden zuzufügen." „Haben alle matzgebenden Kreise dieselbe ungünstige Auffassung über den Zionismus?" fragte der Berichterstatter. „Ich kann Sie versichern," antwortete Kiazim Nami Bey, datz die matzgebenden Kreise im allgemeinen dasselbe Mißtrauen gegen diese Bewegung hegen. Wenn hie und da ein Funktionär eine gegenteilige Meinung ausspricht, so drückt er bloß seine persönliche Anschauung aus, die jedoch im Widerspruche steht gu derjenigen der matzgebenden Kreise. Siewerden gut tun. Ihre Glaubensgenossen zu bewegen, den Zionismus nicht zu fördern, sich ihm vielmehr vollständig fernzuhallen, denn diese Bewegung ist nur geeignet, Vorurteile gegen die ottomanische Judenschaft hervorzurufen.

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