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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-01-06 · 1 (6.1.1911) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
1 (6.1.1911)
Date
1911-01-06
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 1 Dr. Blochs Wochenschrift. serkc 11 nennen mutz, den er nicht braucht. Das Wesen der Gleichberechtigung könne aber nur darin bestehen, datz niemand von vornherein von den staatlichen Berufen ausgeschlossen sein soll und datz bei der Anstellung oder Vorrückung einzig und allein die Qualität des Betreffenden als Beamter, seine Fähigkeit, den Platz auszufüllen, matzgebend sein darf. All diese und die damit zusammenhängenden Fragen, die einen grotzen Teil des österreichischen und auch des jüdischen Problems in Oesterreich ausmachen!, gewinnen durch die bevorstehende Volkszählung eine erhöhte Bedeutung. Die Volkszählung liefert ja neue Waffen für die nationalen Ansprüche und stellt den Versuch einen Seelenfänges im Grotzen dar. Die Stellung der Juden zur Volkszählung sei eine ganz eigenartige: Während in unseren Reihen der Kampf tobtz ob wir ein Volk, eine Nation, oder eine blotze Glaubensgemeinschaft seien, während die Einen die Anordnung der Regierung, nicht nach der Nation, sondern nach der Umgangssprache zu zahlen, ob das Heftigste angreifen, die Andern dies als eine Errungenschaft betrachten, ist tatsächlich nicht zu leugnen, datz wir Juden die bestgezählte Gemeinschaft Oesterreichs waren und sind. Redner erklärt die Zählung nach der Umgangssprache Mar als wissenschaftlich unrichtig, allein vom rein praktischen Standpunkte könne man mit dem Ausbleiben der Rubrik „Nationalität" nicht unzufrieden sein. Tausende und Abertausende, die heute wahrheitsgemätz die Umgangssprache angeben, gehen andrerseits uns durch die Rubrik Konfession nicht verloren, während bei der Rubrik „Nationalität" ein grotzer Teil und speziell die wirtschaftlich stärkeren Elemente, sich dem Deutschen. Czechen, Polen usw. zurechnen und dadurch die anderweitige Statistik bezüglich der Juden verschlechtern würden. Seelen werden uns also bei der Volkszählung nicht verloren gehen, dafür aber alle anderen Elemente, die aus der Volkszählung resultieren und bei der wir sogar vielfach durch diese die Position unserer heftigsten Gegner festigen. Man wird überall den Juden mit deutscher, czechischer, polnischer usw. Umgangssprache den Deutschen, Czechen, Polen usw. zurechnen,' seine industrielle und kommerzielle Wirksamkeit, seine Intelligenz und Steuerkraft wird all diesen Völkern zugute kommen und dazu dienen, ihre Ansprüche gegenüber den anderen Völkern und auch gegenüber uns Juden selbst zu steigern. Redner zeigt an interessanten Ziffern, wie die Juden dazu herhallen müssen, die Ansprüche auf den deutschen Charakter der Wiener Hochschulen zu stützen und wie andrerseits den jüdischen Studenten die primitivsten Rechte negiert werden. Wie ja vor kurzem entmenschte Burschen den deutschen Namen dadurch schändeten, datz sie die armen hungernden und frierenden Kollegen aus der Mensa vertrieben, weck sie .. Juden waren. Die hochgehenden Wogen des politischen * Kampfes in Böhmen, Mähren und Schlesien haben das Bewusstsein der nationalen Zusammengehörigkeit derart gesteigert, dass der slavische Einwanderer in Wien nicht mehr als neutrales Element, sondern schon national geformt die Linie durchschreitet. Auf der anderen Seite hat Wien im Laufe der letzten Zeit viel von seinem grotzösterreichischen Empfinden verloren und rückt seinen historischen deutschen Charakter in den Vordergrund. Es kämpft um diesen Charakter und durch diesen Kampf wird die Aufsaugung der slavischen Bevölkerung direkt gehindert. Da die czechische Minorität von Jahr zu Jahr wächst, so kann man mit einiger Sicherheit die czechische Bevölkerung Wiens für das Jahr 1950 mit 600.000 annehmen. Und da auch die Vermehrungsguote der deutschen Bevölkerung eine geringere ist als die der Czechen. so muh mit mathematischer Sicherheit dieser ZeitpunÜ kommen, wo Wien tatsächlich eine doppelsprachige Stadt sein wird. In diesem AugenbliHe,und bis dahin nrüssen wir Juden überlegen» welche Stellung wir einnehmen sollen. In Böhmen, und speziell in Prag, waren die Juden unbedingte Parteigänger der Deutschen. Sie wurden zum deutschen Besitzstände gezählt: konnten es aber trotzdem nicht verhindern, datz im Prager Deutschtum der Antisemitismus vollkommen durchdrungen ist und datz der verstorbene Führer der Deutsch-Böhmen, Dr. Pergelt, im Parlamente auf einem Zwischenruf antwortete: er schenke die Juden den Czechen. Andrerseits predigen die Czechen den Boykott und lassen sich in Ritualmordgeschichten ein. Wenn wir diese Verhältnisse in Böhmen betrachten, so scheint es klar und selbstverständlich, datz unser Standpunkt einzig und allein nur derjenige sein darf, der uns in der Gesellschaft die uns nach Intelligenz, Steuerkraft und geistige Bedeutung zukommende Position sichert. Wenn wir irgend einem Volke nachlaufen, sind wir einfach nullifiziert. Wenn wir aber sagen, wir sind an niemanden gebunden, wir haben vor alljem die Pflicht, und das ist die Menschenrechte der Juden nicht nur theoretisch anerkannt, sondern auch praktisch durchgeführt zu sehen, weil wir damit den höchsten Menschlichkeitskampf führen, dann erst sind wir wertvolle Bundesgenossen. Dann wird man es nicht wägen, über uns zur Tagesordnung überzugehen, uns heute als die „verehrten Herren Wähler" mit Phrasen abzuspeisen und morgen einen mörderischen Kampf auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiete gegen uns zu führen, hinter unsere Namen Rufzeichen zu setzen und Leute weiter im politischen Leben zu lassen, die auf Judenköpfe Schuhgeld verlangen. Besinnen wir uns, datz wir Menschen sind, gleichwertige Bundesgenossen, wenn man uns sucht, nicht zu Verachtende Gegner, wenn man uns bekämpft oder nicht achtet. Das soll uns die Volkszählung lehren und diese Bedeutung hat sie für den Bestand des Judentums in Wien. (Stürmischer Beifall und Glückwünsche.) Brünn. (Oberrabbiner Dr. Placzek.) Wir erhalten folgende Zeilen: Den Freunden des Herrn Oberrabbiners Dr. Placzek, der bei jeder Gelegenheit seine tiefgehende Abneigung gegen ostentative Ehrenbezeigungen äutzerte, diene es zur gefälligen Beachtung, datz derselbe die ihm zur Vollendung seiner 50jährigen Amtstätigkeit in Brünn möglicherweise zugedachten Beweise der Aufmerksamkeit mit der höflichen, jedoch dringenden Bitte ablehne, solche wohlgemeinte Kundgebungen gütigst unterlassen zu wollen. Ein Mann, der an der Begründung und Ausgestaltung der Brünner Kultusgemeinde und deren wichtigsten Institutionen sowie an der Uebernahme des mährisch-jüdischen Landes-Massafondes in die autonome Verwaltung hervorragendsten Anteil hatte, fördernde Anregung beim Zustandekommen des Israeliten-Gesetzes bot, Mitbegründer des isr. theol. Hochschule in Wien, Verfasser der Schrift „Consistorien", welcher noch eine bedeutende Rolle für die- Zukunft zuerkannt wird, der den Gottesdienst und die Casualfunktionen geregelt oder neu eingerichtet, der u. a. den israelitischen Frauenverein, das Proseminar und den israelitischen Waisenhilfsverein ins Leben gerufen. welcher ihm weitaus die meisten Fonde und Widmungen zu danken hat: Dr. Placzek. der vor 30 Jahren die Idee, Kränze für Sarg und Grab durch gemeinnützige Spenden abzulösen, so nachhaltig angeregt hat, datz sie in den weitesten Kreisen Anklang gefunden, wodurch bedeutende Summen wohltätigen Zwecken zuflietzen: ein Mann, der niemals ein Ansuchen an eine Behörde oder Körperschaft aus Eigennutz und Ehrgeiz gerichtet, oder um irgend einen materiellen Vorteil zu erlangen. der sich niemals um eine Stelle, ein Amt, ein Mandat beworben hat — ein solcher Mann darf wohl auf die Markierung von Gedenktagen seiner 54 jährigen Wirksamkeit (auch in Hamburg und anderswo) leicht und gerne verzichten. — Seiner erfolgreichen landest

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