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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-01-06 · 1 (6.1.1911) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
1 (6.1.1911)
Date
1911-01-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 1 Dr. Vkochs Wochenschrift. Sette S man: er war ein Chasen vom alten Schlage in des Wortes bester Bedeutung — einfach und ungekünstelt, wie sich ihm die Gebete aus dem Herzen rangen, sind sie auch tief ins Herz gedrungen.! Das letztvergangene Iahr war reich an Ereignissen von grösster Bedeutung für unser Vereinsleben. Ergab sich doch zum ersten Male seit dem Bestände unseres Vereines die Notwendigkeit, zwei ausserordentliche Generalversammlungen einzuberufen. Die eine wurde durch die Mandatsniederlegung des Vereinsvorstandes, infolge von Meinungsverschiedenheiten zwischen uns und dem Kultusvorstande, hervorgerufen, und wir wurden beauftragt, unsere Mandate zu behalten und Verhandlungen behufs Beilegung dfeser Divergenzen mit dem Herrn Präsidenten der Kultusgemeinde zu pflegen: es wurden uns seitens desselben gewisse Versprechungen gemacht, welche jedoch bisher nur zum Teile erfüllt wurden. Die wichtigste der strittigen Fragen habe die Rabbinerangelegen'heit betroffen^ über welche Herr Josef Kohn referieren werde. Die Zweite ausserordentliche Generalversammlung habe dem Projekte des Baues eines Schul- und Vereinshauses gegolten. Leider haben sich die Verhandlungen mit dem Besitzer des Baugrundes zerschlagen, so dass wir nichts Positives zu berichten haben. Der Vorstand wird aber auch weiterhin bestrebt sein, dieses Projekt zu realisieren. Redner weist ferner auf die erfreuliche Entwicklung der Bibelschule hin, welche derzeit mehr als 260 Schüler besuchen und eine noch weit grössere Anzahl besuchen würden, wenn uns die nötigen Räumlichkeiten zur Verfügung stünden. Auch die Schaffung eines Unterrichtes für Mädchen sei an diesem Mangel gescheitert. Er erwähnt weiters, dass, wie alljährlich, so auch Heuer während der hohen Feiertage Bethaus- Filialen eingerichtet worden sind, welche durch die Bemühungen der hiemit betrauten Vorstandsmitglieder einen würdigen Gottesdienst -böten. Zum Schlüsse spricht er allen jenen Herren, welche sich um die Institutionen des Vereines bemühten, den Dank für ihr Wirken aus. t Anschliessend an dem Bericht des Herrn Obmannes referierte Herr Josef Kohn über die Rabbiner-Angelegenheit. Er gibt eine historische Darstellung der Phasen dieser Frage seit der Erbauung des Tempels in der Brigittenau bis zum heutigen Tage und gelangt zu dem Schlüsse, dass die heutigen Verhältnisse, wonach ein Rabbiner zwei volkreichen Bezirken dienen soll, trotz aller Anerkennung, welche dieser Funktionär verdiene, unhaltbare seien. Er legt der Generalversammlung im Aufträge des Vorstandes einen Resolutionsantrag vor, welcher nach Zustimmungserklärungen der Herren Dr. Heinrich Schreiber und Michael Engel zur einhelligen Annahme gelangt: „Die Generalversammlung beharrt mit aller Entschiedenheit darauf, dass in unserem Gotteshause, ähnlich wie in den übrigen derartigen Gotteshäusern Wiens endlich ein eigener und selbständiger Rabbiner bestellt werde." ' lleber Antrag des Herrn Engel wird dem Vorstande das Abfolutorium erteilt und der Dank, sowie das besondere Vertrauen votiert. Weilers beschlieht die Generalversammlung über Antrag des Herrn Obmannes per Akklamation die Ernennung des Vorstandsmitgliedes Herrn Josef Wünsch zum Ehrenmitglieds. Der Obmann spricht der Versammlung namens des durch Unwohlsein am Ercheinen Verhinderten für die Ehrung des allgemein beliebten Mannes, welcher eineder ältesten Vereinsmitglieder sei, den herzlichsten Dank aus. Herr Mar Smolka rügt es, dass jüdische Kinder in den Schulen zum Mitsprechen von christlichen Schulgebeten verhalten werden, sowie dass dieselben Aufsätze über die Feste anderer Konfessionen machen müssen, und erbittet ein Einschreiten. Der Obmann erwidert, dass dies wohl keine Angelegenheit des Vereines sei, dass er aber diese Beschwerde an den Herrn Landes-Schulrat Dr. Gustav Kohn leiten werbe, welcher ja erst vor Kurzem in einer ähnlichen Angelegenheit einen freudig zu begrüßenden Sieg errungen habe. Die Wahlen ergaben: die Wiederwahl der Herren Adolf Feuer, Josef Kohn, Dr. Jakob Roth und Heinrich Weiner in den Vorstand: sowie die Neuwahl der Herren Bernhard Beck, Joses Faltitschek und Heinrich Hager als Vertrauensmänner. Korrespondenzen- Aus der öffentlichen Plenarfitzung des Wiener israelitischen Kultusvorftandes vom Sonntag den 1. Jänner 1911. Unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Beginn 11 Uhr vormittags. Zu Beginn der Sitzung begrüßt der Vorsitzende die neugewählten und wiedergewählten Mitglieder des Kultusvorstandes in herzlichen Worten'und gibt eine kurze Ueberficht über die wichtigsten Aufgaben, deren Lösung den nun wieder kompletten Vorstand in nächster Zeit beschäftigen wird. Eine der dringendsten Aufgaben sei die Erledigung der schwebenden Rabbiner- und Kantoren-Angelegenheiten. In den nächsten Tagen wird auch die Frage an den Vorstand herantreten, in welcher Weise sich die Kultusgemeinde an dem vom Bethausvereine „Am Bollert", geplanten Bau eines großen Tempels in der Leopoldstadt beteilige. Der Bau dieses Tempels in dem von tausenden unserer Glaubensbrüder bevölkerten Stadtteile entspricht tatsächlich einem dringenden Bedürfnisse, wie dies die vielen dort bestehenden ständigen oder transitorischen Minjamin bezeugen. Bon einzelnen unserer Gemeindemitglieder werden zum Baue dieses Tempels reiche Spenden beigesteuert und es wird nun die Frage entstehen, ob mit Zuhilfenahme dieser Spenden der Bau von der Kultusgemeinde geführt oder ob von letzterer eine den Verhältnissen entsprechend große Bausubvention geleistet werde. Auch hinsichtlich der ferneren Verwaltung dieses Gotteshauses seien Fragen zu lösen und es muß hier auf die langjährige, mustergiltige Verwaltung des sogenannten Fugbachtempels hingewiesen werden. Des ferneren wird die Verwaltung des Spttales Gegenstand eingehender Verhandlungen im Kultusvorstande sein. Wie Ihnen bekannt, hat sich die Notwendigkeit herausgestellt, zwei Primarärzte für die interne Abteilung zu bestellen. Hiedurch sowie durch die vergrößerte Zahl und die stärkere Inanspruchnahme der Ambulatorien, durch das Pflegerinnen-Jnstttut, das Röntgen-Institut rc. hat sich die Notwendigkeit einer besseren Ausnützung des Spitales für vermehrte Krankenaufnahme herauSgestellt. In Kenntnis dieser Tatsache wurden von bewährter munifizenter Seite der Kultusgemeinde die Mittel zur Erwerbung des Nachbarhauses zur Verfügung gestellt, in welches Haus die Verwalterwohnung, das Pflegerinnenheim, ein oder das andere Ambulatorium untergebracht werden könne. Die Dringlichkeit der Errichtung eines neuen Administrativ- Gebäudes ist, wie schon seit Jahren, auch letzthin bei Aufstellung unseres Voranschlages ausgeführt worden. Es ist zu erwarten, daß in diesem Belange, sowie zum Behufe der Erbauung eines der Größe und Bedeutung der Wiener Kultusgemeiude entsprechenden Monumentaltempels in der Inneren Stadt im Laufe dieses Jahres eine Entscheidung fallen werde. Der Belagraum des gegenwärtigen Friedhofes reicht nur mehr für verhältnismäßig kurze Zeit. Die Erwerbung eines neuen Friedhofgrundes ist dringend nötig. Auch diese Angelegeuheit wird Sie voraussichtlich in den nächsten Tagen beschäftigen.

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