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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-01-06 · 1 (6.1.1911) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
1 (6.1.1911)
Date
1911-01-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr 1 Dr. Vlochs Wochenschrift. Seite 7 freundlich und unterhielt sich mit den einzelnen Mitgliedern derselben über die Lage der Juden. Merkwürdigerweise haben die Vorsteher die Gelegenheit ergriffen^ sich beim Pascha darüber zu beklagen, daß in letzter Zeit so viele arme jüdische Einwanderer nach Jerusalem kommen. Worunter die jüdische Bevölkerung so viel zu leiden habe. Man befürchtet, daß die unvorsichsichtigen Aeutzerungen der Herren Vorsteher weitere Folgen haben könnten. Wichtige Erfindung eines jungen jüdischen Gekehrten. Die englischen Tagesblätter und medizinischen Zeitschriften besprechen die wichtige Erfindung eines jungen jüdischen Chemikers namens Dr. Abraham Faitelowitz, welche einen ganzen Umschwung in der Säuglingsernährung .herbeizuführen berufen ist. Dr. Faitelowitz hat nach Diesjährigen Untersuchungen einen Apparat erfunden, dem er den Namen Bactrometer gatz, mittelst welchen in dreißig Minuten festgestellt werden kann, ob eine Milch frisch ist und ob sie von einer gesunden Kuh stammt. Die hervorragendsten Fachleute sind der Meinung, daß dieser Apparat aus Glas, der übrigens nicht mehr als vier Schilling kostet, in keinem Haushalte fehlen werde. Die 37. «rbrntl. Grneralverjammlmlg des israet. Tempelvereines für Mariahilf. Der israelitische Tempelverein für Mariahilf und Neubau hielt Donnerstag den 29. Dezember seine diesjährige Generalversammlung ab, welche einen neuerlichen Beweis bot für die Prosperität, die stete gedeihliche Fortentwicklung und das segensreiche Wirken dieses ausgezeichneten Vereines unter der zielficheren Leitung seines Präsidenten Herrn Kultusvorstehers Doktor Jakob Engel. Der Vorsitzende Kultusvorsteher Dr. Jakob Engel eröffnete die Versammlung, begrüßte die erschienenen Vereinsmitglieder, ferner besonders herzlich den Delegierten des israelitischen Kultusvorstandes Salo Cohn, den Vereinsrabbiner Herrn Dr. T a g l i ch t, den Präsidenten des Vereines „Nachlath Jeschurun" Dr. Löwy, die Vorsteherinnen des Frauenvereines, die Damen Taglicht und Wolf, sowie die anwesenden Ehrengäste. Der Schriftführer des Vereines Herr August F i s ch l verliest das Protokoll der letzten Generalversammlung und nach Verifizierung desselben erstattet der Vorsitzende den Jahresbericht. Redner gedenkt einleitend der Verluste, welche der Verein im letzten Verwaltungsjahr durch den Tod erlitten hat, insbesondere des ausgezeichneten Vorstandsmitgliedes Hermann Liebermann, welcher fast 40 Jahre für den Verein mit unendlichem Fleiße gewirkt und welchem der Vereinsvorstand wie die Vereinsmitglieder für alle Zeiten ein ehrendes Andenken bewahren werden. Der Bericht gedenkt ferner des Kommerzialrates Ignaz Großmann, welcher während der Bauzeit des Tempels in dem Vereine eine fruchtbringende Tätigkeit entfaltete, sowie des Hingeschiedenen Herrn Ignaz Reschovsky, welcher seit Gründung des Vereines demselben als Mitglied angehörte und lange Zeit als Revisor fungierte. In der Verlustliste des Vereines sind auch die Herren Bernhard S t r a k o s ch, Karl Reiß, Philipp A b e l e s, Josef E r n e tz, Josef Wertheim, Sigmund Wolf und die Gattin des ehemaligen Vereinsvorstehers Karl Grün. Die Versammlung hat zum Zeichen der Teilnahme sich von den Sitzen erhoben und beschlossen, die Trauerkundgebung in dem Protokolle zu vermerken. Die laufenden Angelegenheiten des Vereines wurden in 8 Plenarsitzungen und einer größeren Anzahl von Sektions- und Komitee-Sitzungen beraten. Von den 259 Mitgliedern zahlten: 1 einen Beitrag von K 50.—, 2 je K 40.—, 4 je L 30—, 3 je L 24 —, 51 je K 20.—, 6 je K 16.—, 1 einen Beitrag von K 15.— und der Rest je K 12.— Jahresbeitrag. Der Bericht referiert über wichtige bauliche Adaptierungen, die einen großen Kostenaufwand erforderlich machten, die zum Teil durch Erhöhung der Trauungstaxen und Tempelfitzpreise gedeckt wurden und fügt hinzu: Wir freuen uns, daß der Vorstand der Kultusgemeinde unfern Herrn Rabbiner Dr. T a g l i ch t zum Inspektor des Religionsunterrichtes an den Mittelschulen unserer Bezirke ernannt hat; wir beglückwünschen unfern verehrten Seelsorger zu dieser wohlverdienten Auszeichnung. Die von dem Vereine errichteten 2 Bethaus-Filialen im Festsaale des Architektenvereins und im „Hotel Savoy", die im abgeläufenen Jahre ein Reinerträgnis von über 3000 K abwarfen, stellen sich als eine Notwendigkeit für das religiöse Bedürfnis großer Schichten unserer Bevölkerung dar. Im Vereinstempel wurden im abgelaufenen Jahre 62 Trauungen, 16 Barmizwas und 18 Namengebungen abgehalten. An Spenden erwähnt der Bericht: Aus dem Legate des Kommerzialrates K. Krauß durch die Intervention des Präsidenten einen Betrag von 5000 K. Eine Maskir - Stiftung des Sigmund Nagel für seine Heimgegangene Mutter Johanna Nagel, eine Maskir-Stistung mit 1000 K als Zusatzspende zu dem seinerzeitigen Legate des verewigten Herrn Moritz Nagel. Eine Spende des Herrn Karl Körmendi, eine kostbare Bronzeuhr. Eine Spende des stets opferwilligen Vereinsmitgliedes Herrn Heinrich Bäck, 2 kostbare, goldbestickte Thora-Behänge. Der Bericht schließt mit den Worten: „Bor wenigen Wochen fanden in diesem Saale die Wahlen in den Vorstand unserer Kultusgemeinde statt. Bei dieser Gelegenheit wurde Ihr Präsident, welchen das Zentral-Wahlkomitee einstimmig als Kandidaten nominiert hatte, auf die Dauer von 6 Jahren in den Vorstand der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde entsendet. Wir müssen in diesem Berichte anerkennend registrieren, daß nahezu sämtliche in den Bezirken VI. und VII. abgegebenen Stimmen auf den Erstatter dieses Berichtes entfielen, was wohl als eine Anerkennung dessen Wirkens in unserer Gemeinde gedeutet werden kann. Wir verzeichnen diese Tatsache mit Genugtuung, weil wir uns dessen bewußt sind, daß diese Wahl nicht nur ein bloße Auszeichnung für den Mandatsträger, sondern ein hoher Gewinn für den Verein ist. der nunmehr wieder seine ihm gebührende Vertretung in dem Kultusrate der Residenz gefunden hat. Es ist selbstverständlich, daß wir in unserer Anhänglichkeit und in unserem Vertrauen zum Vorstande der Israelitischen Kultusgemeinde in Treue verharren und nach wie vor unsere Kräfte einsetzen wollen, für die Größe und das Ansehen unserer großen Gemeinde, der wir ja als ein wesentlicher Bestandteil angehören und bitten den hier anwesenden Vertreter des Kultusvorstandes von diesen Gefühlen dem Vorstande Kenntnis zu geben. Sie aber, meine sehr geehrten Herren, bitten wir, in der Liebe und Anhänglichkeit zu unserem Vereine nicht zu erlahmen und uns auch fernerhin Ihr freundliches Vertrauen zu schenken". (Lebh. Beifall.) Beim dritten Punkt der Tagesordnung ergreift das Wort Kafsaverwalter kais. Rat Friedrich Pollak, zur Vorlage des Rechnungsabschlusses und der Bilanz. Redner beglückwünscht den Verein zu der Wahl seines Präsidenten in den Kultusvorstand und gibt der Genugtuung Ausdruck, daß diese Wahl sämmtliche Stimmen der jüdischen Bewohner der beiden Bezirke vereinigte (Lebhafter Beifall). In weiteren, von Beifall begleiteten Ausführungen beleuchtet der Redner die einzelnen Posten des Rechnungsabschlusses und hebt hervor, daß, wenn es gelungen ist, trotz erhöhter Ausgaben für die Baulichkeiten, mit den Einnahmen auszulangen, dies das Verdienst des Präsidenten sei, auf dessen Bemühungen der Verein eine Spende von 5000 K erhalten hat (Lebhafter Beifall). Kultusvertreter Herr Salo Cohn ergreift das Wort und auch er widmet zunächst dem Andenken des verewigten Vorstandsmitgliedes Hermann Liebermann Worte wehmütiger Erinnerung. Redner fügt dann hinzu, daß er seit 20 Jahren die Ehre genießt, den Vorstand der KultuSgemeinde bei dieser Generalversammlung zu vertreten und immer war es ihm eine angenehme Pflicht, nach treuester Ueberzeugung im Vorstand j > f \ i? 1 1

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