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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-01-06 · 1 (6.1.1911) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
1 (6.1.1911)
Date
1911-01-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite « Dr. Vkochs Wochenschrift. Nr. 1 in langen Nekrologen. Die Judenheit Rußlands und das Gesamtjudentum wird seinen Namen nicht vergessen. Die Beerdigung des verblichenen Barons war geradezu .imposant und legt beredtes Zeugnis von der großen allseitig«: Verehrung und Beliebtheit des Verewigten ab. .Schon 8 Uhr morgens war das Haus des Verschiedenen von Tausenden umlagert. 9 Uhr fuhr der Leichenwagen mit 16 Pferden bespannt, ans Haus und der Sarg wurde hinausgetragen. Vorher jedoch hatte der Kantor noch eine „Haskoroh" gemacht, und Rabbiner Dr. Eisenstadt dem Verstorbenen ein „letztes Wort" nachgerufen. Den Sarg trugen Mitglieder der Petersburger Gemeindeverwältung hinaus. Hinter dem Wagen gingen die Mitglieder der Familie, sodann die Zöglinge des jüdischer Waisenhauses und des jüdischen Gymnasiums, sodann die 38 Deputationen von sämtlich«: großen Gemeinden Rußlands und jüdischen Gesellschaften, dahinter Tausende von Begleitenden. Während der Sarg hinausgeführt wurde, fuhr der Stadthauptmann von Petersburg!. Dratschewski, heran und legte einen Kram auf den Wagen. Um 2 Uhr war der Zug beim Friedhof angelangt. Die vornehmsten Mitglieder der Gemeinde trugen ihn an das Grab. Nachdem der Sarg eingesenkt war, begannen am offenen Grabe die Trauerreden. Es sprachen der bekannte jüd. Rechtsanwalt Schlotzberg, der Rabbiner von Moskau, Mase, der Advokat und Deputierte der ersten Duma Scheftel (namens der „Gesellschaft zur Verbreitung von Bildung unter den russ. Juden"), Warschewski (namens der „Jca"), hebräisch sprachen dann der Schüler der jüd. Akademie Chaurin- Hillel Slatopolski - Kiew, der Rabbiner von Wilna Rubinstein und namens der jüd. Studenten der Student Rabbinowitz. Die Trauerr^en machten einen erschütternden Eindruck, Tausende schluchzten bitterlich Ueberaus charakteristisch für die Seelengröße des Verstorbenen sind seine letzten Anordnungen. Obwohl das Familiengrab der Gümburg in Paris ist — dort ist sein Großvater und Vater begraben —, wollte er in Petersburg begraben sein, um unter seinen jüdischen Brüdern in Rußland zu liegen. Er wünschtej, ohne alle Feierlichkeit beerdigt zu werden^ besonders möge man nicht seine Leiche in die Synagoge führen, da dies ein unjüdischer Brauch sei. Endlich wollte er in der dritten Reche des Friedhofes beigesetzt werden!, da dort die Armen liegen, eine Verfügung, die von seiner seltenen Bescheidenheit und Menschenliebe Zeugnis ablegt. Die Bibliothek des verstorbenen Baron David Günzburg. Der verstorbene Vgron David Günzburg gehörte zu den gelehrtesten Juden Rußlands. Ein öffentliches Gymnasium hat er, wie die meisten Kinder reicher russischer Juden nicht besucht. Er wurde in Paris erzogen, wo chm sein Vater mehrere Hauslehrer hielt. Seine Lehrer waren lauter weltberühmte Männer, wie Adolf Neubauer, der spätere Bibliothekar der Bodleiana in Orford, Salomon Sachs und Hirsch Rabinowitsch. Mit zwanzig Jahre hatte er die Petersburger Univ!ersität absolviert und ging ins Ausland, um sich in der Kenntnis der orientalischen Sprachen zu vervollkommnen. Um diese Zeit begann Baron David Günzburg sich auch publizistisch zu betätigen und es gibt fast keine bedeutendere wissenschaftliche Zeitschrift, in welcher nicht wenigstens ein Originalartikel von Baron David Günzburg erschienen wäre. Unter solchen Umständen wird es wohl nicht' verwundern, zu erfahren, daß die Bibliothek des so früh verstorbenen gelehrten jüdischen Aristokraten eine der reichhaltigsten und wertvollsten Privatbibliotheken der Welt ist. Besonders zeichnet sich die Bibliothek mit ihren wertvollen, seltenen Büchern und Handschriften aus, unter denen sich eine große Sammlung spamnischer, . italienischer, provencalischer und afrikanischer Machsorim befinden. Die Bibliothek besitzt auch eine Sammlung handschriftlicher Gedichte der hervorragendsten Dichter des Mittelalters und überdies Handschriften jemenitischer Gelehrten über philosophische und wissenschaftliche Fragen. Von den vielen Unica, welche die Bibliothek besitzt, sei hier ein Teil einer Talmudausgabe erwähnt, die anläßlich der Verbrennung der hebräischen Bücher in Paris aus den Flammen gerettet wurde, ferner eine Ausgabe des Talmud Jeruschalmi mit Kommentaren von Abarbanel und Cyrillio, Targum-Handschriften mit arabischer Uebersetzung usw. Unter den gedruckten Büchern gibt es in dieser Bibliothek zahlreiche Bücher, von denen bloß das eine Exemplar überhaupt noch vorhanden ist: sie sind zumeist auf Pergament gedruckt. Diese Bibliothek, für welche ein amerikanischer Philanthrop dem verstorbenen Baron bei dessen Lebzeiten einen Kaufschilling von einer Million Rubel angeboten hat, hat nun Baron Günzburg seiner Familie vermacht, jedoch mit der Verfügung, daß die Bibliothek nur in ihrer Gesamtheit verkauft werden dürfte. Wie wir erfahren!, hat sich der amerikanische reiche Philanthrop Jacob H. Schiff bereits eine, Option auf die Bibliothek gesichert. Sie soll für eine amerikanische jüdische Anstalt erworben werden. I '! Juden in Uruguay. Tief in Südamerika, in der Hauptstadt der Republik Uruguay, Montevideo, gibt es eine jüdische Kolonie von 150 Personen^ darunter 16 russische Familien mit 76 Personen. Dann einige französisch-jüdische Familien, die vor dem deutsch-französischen Kriege aus dem Elsaß dahin eingewandert sind, der Reff stammt aus Rumänien und Griechenland. Die meisten dieser Juden haben früher in Vuenos-Aires gewohnt und sind später nach Montevideo übersiedelt. Die Juden beschäftigen sich mit allerlei Gewerbe und nur zum Teile mit Kleinhandel. Zehn junge russische Juden der Kolonie haben sich freiwillig in das republikanische Heer einreihen lassen: drei dieser Freiwilligen haben es bereits zur Sergeanten-Charge gebracht. Erschwerung fremder Aktiengesellschaften im Türkischen Reiche. „Progres de Salonique" schreibt: „Gewisse Aktiengesellschaften, die in der Türkei operieren, verursachen große Schwierigkeiten, daß sie sich, wenn es ihnen paßt, auf ihre ausländische Untertanenschaft berufen. Der Staatsrat, der diese Frage studiert, hat nun mit Rücksicht auf die Unzukömmlichkeiten, die daraus entstehen, daß eine Aktiengesellschaft, die mit Autorisation der türkischen Regierung gegründet wurde und verschiedene zu gründenden Aktiengesellschaften die ottomanische Untertanenschaft berufen, beschlossen, die Statuten der bereits bestehenden Gesellschaften einer Revision zu unterziehen und an ihnen die nötigen Aenderungen vorzunehmen. Ueberdies wurde beschlossen, daß die künftighin zu gründenden Aktiengesellschaften die ottomanische Untertanenschaft werden besitzen müssen. Jerusalemer jüdische Vorsteher gegen die Einwanderung armer Juden. Wie der Jerusalemer Korrespondent des „Haint" meldet, haben die Vorsteher der Jerusalemer Juden, unter Führung des Rabbiners Balitu, anläßlich! des Bairamfestes dem Pascha der Stadt einen Besuch abgestattet. Der Pascha empfing die Deputation überaus

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