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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-01-06 · 1 (6.1.1911) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
1 (6.1.1911)
Date
1911-01-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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«ette 4 Dr. Bkochs Wochenschrift. Rr. i wieder1 ein Beweis die für erbracht worden, indem uns von gleicher Seite die Möglichkeit geboten wurde, ein benachbartes Haus zu erwerben und so dieser wohltätigsten unserer Institutionen einen neuen Aufschwung zu geben. Dafür müssen wir dem grossmütigen Spender wohl öffentlich unseren innigen und tiefgefühlten Dank abstatten und damit einer einfachen Pflicht genügen, deren Erfüllung ihm von anderer Seite so schnöde verweigert wurde. Denn als anlässlich der Eröffnung der zweiten Hochquellenleilung alle jene, die teils durch Entgegenkommen, teils durch kostenloses Ueberlassen ihrer Gründe für Stollen und für Aquädukte das schöne, für unsere Stadt so überaus wichtige Werk förderten, genannt wurden, hat man charakteristischer Weise gerade seinen Namen zu nennen übersehen. Nicht als Kultusgemeinde, sondern als Bürger und Bewohner dieser Stadt wollen wir hier diesen Dankeszoll abtragen, ater mehr als unsere Worte cs vermögen, ist wohl der Dank für diese schöne Tat in dem Bewusstsein enthalten, wieder einmal bewiesen zu haben, wie treu wir Juden zu der von uns geliebten Stadt Wien halten und dass wir stets freudig Opfer bringen, um zu ihrem Heile beizutragen. (Lebh. Beifall.) Denn auch die uns gewidmete grossmütige Spende trägt mit zum Wohle dieser Stadt in hohem Masse bei. Uns ist es nur durch sie möglich gemacht worden, unser Spital, welches nicht nur eine Stätte des Heils für kranke Juden, sondern leider auch ein Refugium für unsere, um ihre Ausbildungsmöglichkeit oft gebrachten jüdischen Aerzte ist, in dieser Beziehung auszugestalten und ein zweites Primariat der internen Abteilung zu schaffen. Gewiss bedeutete dies eine neue Belastung unserer Gemeinde, die insbesondere in der um K 60.000.— höheren Dotierung der allgemeinen Reserve ihren Hauptausdruck fand, dennoch haben wir es gerne getan und es als unsere unabweisbare Pflicht angesehen, der wir uns weder entziehen konnten, noch wollten. Wenn Sie, meine sehr geehrten Herren, auf die Referate der vergangenen Jahre zurückgreifend, diese stets mit den folgenden vergleichen, so könnte es leicht geschehen, dass man nur mit Bangen das gewaltige Anwachsen der Aufgaben sieht. — Aber auf der anderen Seite, und dies kann uns unsere Zuversicht zurückgeben, zeigt sich, dass auch in jedem Jahre die Kräfte sich steigern, dass durch die Erkenntnis der unser harrenden Aufgaben und durch opferwillige Hingabe auch der Wille in gleichem Masse immer stärker wird, dass stets die Männer und Frauen sich wiederholen, die wie Karl und Rosalie Goldschmidt ihre grossen Mittel dem Dienste der Allgemeinheit unserer Gemeinde widmen, und daraus, meine Herren, können wir wohl mit Recht auf die unbesiegbare, in unserem dreitausendjährigen Judentum lebende Kraft schliessen, nicht nur sich seihst zu erhalten, sondern auch mit dem eigenen Wohl dem Wohle der ganzen Mei schheit zu dienen. Ich empfehle das Budget Ihrer Annahme. (Lebhafter Beifall.) Kultusvorsteher Dr. Isidor Samuely erkennt bereitwilligst die ausgezeichneten Leistungen des Herrn Finanzrefereuteu an, erhebt jedoch Einwand dagegen, daß in der Darstellung des Referates von einem „Defizit" gesprochen wird, während nachträglich der Gebarungsausweis einen Ueberschuß ergibt. Das führt zu bedauerlichen Mißverständnissen. Ein solches Wort wird aufgegriffen, in die Versammlungen getragen und nun liest man in den Zeitungen große Artikel über „den finanziellen Zusammenbruch der Gemeinde", als ob wir vor dem „Bankerott" stünden. Redner legt Verwahrung ein gegen derartige irreführenden Darstellungen; die Verwaltung der Gemeinde befindet sich in der größtmöglichsten Ordnung. Die hohen Ansprüche, welche das Kapitel „Wohltätigkeit" an die finanzielle Kraft der Gemeinde stellt, darf nicht verwundern, Wohltätigkeit ist ein wesentlicher Teil der jüdischen Kultus- Übung, zählt somit zu den vornehmsten Pflichten einer Kultusgemeinde. Redner bespricht die Fürsorge für schutzbedürftige Kinder und regt an, daß man die Errichtung eines Kinderspitales ernstlich in Erwägung ziehe. Schließlich urgiert er die Vorlage des neuen Statutenentwursts und befürwortet die Herabsetzung des Steuerzensus behufs Erweiterung des Wahlrechtes. Man solle sich vor einer weiteren Demokratisierung der Verwaltung nicht fürchten, welche ftische Elemente und neue Kräfte der Gemeinde zuführen wird. Redner drückt die Hoffnung aus, daß der neue Kultusvorstand in diesem Sinne eine Reform des Statutes beschließen werde. Erster Vizepräsident Dr. Gustav K o h n möchte bloß ein Mißverständnis in den Ausführungen des Vorredners beseitigen. Die Frage der Herabsetzung des Steuerzensus hat mit den Prinzipien der Demokratie nichts zu tun; sie ist lediglich eine Finanzfrage und kann nur aus dem Gesichtswinkel des finanziellen Effekts eine solche Reform entschieden werden; sie muß bei Gelegenheit einer Beratung der Finanzreform zur Verhandlung gelangen. Kultusvertreter Dr. Markus Spitzer zollt dem Referenten für sein ausgezeichnetes Referat vollste Anerkennung. Bezüglich der Statutenänderung, die Redner gleichfalls für unerläßlich hält, weist er darauf hin, daß die Vorbereitungen bereits so weit gediehen sind, daß an die Schlußredaktion geschritten werden könne. Redner spricht den Wunsch aus, daß bei dieser Schlußredaktion nicht die Meinung der einen oder anderen Richtung allein, sondern gewissermaßen ein Kompromiß der divergierenden Meinungen zum Ansdrucke kommen werde. Im weiteren Verlaufe seiner Rede verweist Dr. Spitzer auf die Provisorien, die auf den wichtigsten Gebieten des Kultus und Unterrichtes in unserer Gemeinde gegenwärtig herrschen. Er erwähnt den Umstand, bei der Besitzung dieser Posten dessen eingedenk zu sein, daß die Wiener Kultusgemeinde, als größte und ein flußreichste Gemeinde des Reiches, die Pflicht habe, die freigewordenen Posten durch die besten und würdigsten Männer zu besetzen, und auch in Zukunft in jeder Beziehung mustergebend zu bleiben. Dr. Spitzer macht nun darauf aufmerksam, daß der von der Wiener Kultusgemeinde allein erhaltene Lehrerbildungskurs mit Ablauf dieses Schuljahres zu Ende geht. Von den ausgebildeten Religionslehrern find auch zwei von Provinzgemeinden angestellt worden. Es ist klar, daß eine solche Lehrerbildungsanstalt notwendig ist; es ist ebenso offenkundig, daß eine solche ständige Lehranstalt, die der Wiener Kultusgemeinde bisher K 100.000 gekostet hat, von dieser allein nicht erhalten werden könne. Eine solche Lehranstalt kann nur dann weiterbestehen, wenn die Provinzen, in denen ja auch ein Mangel an Religionslehrern besteht, zu den Erhaltungskosten in entsprechendem Maße beitragen. Mas die Ersparungen im Budget betrifft, so können solche nur dadurch erzielt werden, daß bei der ersten Bewilligung einer Post größere Vorficht geübt wird, denn ist einmal eine Subventionspost bewilligt, so ist ihre Eliminierung oder Restringierung in den folgenden Jahren schon schwer möglich. Er stimmt für die Annahme des Budgets, .gegen welches selbst die Gegner des Vorstandes nichts einwenden könnten, denn es ist ein gut jüdisches Budget. Professor Dr. E h r m a n n: Solange wir nicht über eine hinreichende Anzahl guter Lehrer verfügen, muß die Lehrerbildungsanstalt erhallen werden, ob sie nun von der Wiener Gemeinde allein oder mit Hilfe der übrigen Gemeinden erhalten wird Der Religionsunterricht in den Mittelschulen ist weder hinlänglich noch zweckentsprechend und muß von Grund auf geändert werden. In seiner heutigen Form ist er eher schädlich als nützlich. Dr. Leopold Kohn reflektiert auf die Ausführungen des Herrn Dr. Samuely und meint, daß die Frage der Herabsetzung des Wahlzensus von zwei Gesichtspunkten beurteilt werden müsse u. zw. vom Gesichtspunkte der Demokratie und vom ökonomischen Gesichtspunkte, da ja die Kultusgemeinde schließlich auch eine Verwaltungskörperschaft ist. Demokratisch sind wir seit zwei Jahrtausenden, hingegen muß vom ökonomischen Gesichtspunkte auf die zu wenig beachtete Tatsache verwiesen werden, daß das Zensitenreservoir in unserer Gemeinde schon beinahe erschöpft ist. Was den Lehrplan betrifft, so müsse bemerkt werden, daß der Lehrplan nach langen und eingehenden Beratungen fast in seiner Gänze fertiggestellt war, als der Fachreferent in der Kommission, Herr Rabbiner Dr. David, Plötzlich gestorben ist. Daher die Verzögerung. Hinsichtlich des Religionsunterrichtes in den höheren Klassen der Mittelschulen teilt Redner mit, daß sich eine besondere Kommission gegenwärtig mit dieser Frage eingehend befasse und in kurzer Zeit Vorschläge unterbreiten werde, die sicherlich allen Wünschen Rechnung tragen werden. Die Lehrerbildungsanstalt fei schon deshalb notwendig, weil die Zahl der aktiven jüdischen Volksschullehrer, aus deren Mitte die Gemeinde bisher die meisten Religionslehrer genommen hat, von Tag zu Tag geringer wird und man daher auf andere Weise für einen Pädagogisch ausgebildeten Nachwuchs sorgen müsse. Kaisers. Rat Kauders ist der Meinung, daß der Religionsunterricht, möge welche Methode immer angewendet

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