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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-01-06 · 1 (6.1.1911) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
1 (6.1.1911)
Date
1911-01-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 1 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 3 ein Pins voll K 2600 für Gehalte und außerordentliche Erfordernisse, wegen Volkszählung, Kap. 33, ein Plus?* von Iv 10.000 für Adaptierungen im Bezirksamt XV. und Kanallegung, Kap. 34 beträgt dagegen diesmal um K 3700 weniger an Zuschuß, Kap. 35 hat ein um K 140.000 höheren Bedarf als im letzten Voranschlag, weil für Ankauf von Wertpapieren für geleistete Gutschriften um K 40.000 mehr, für allgemeine Reserve K 50.000 ebenfalls mehr angesetzt wurden, ferner für Restkosten der Mikwah K 50.000. Ein Teil dieser Posten wird, falls das Jahr 1911 mit einem Defizit schließen sollte, jedenfalls aus dem zukünftigen großen Investitionsanlehen zu bedecken sein. Die Darlehens-Rückzahlungen und Annuitäten sind infolge höherer Zahlungen an die Kommune um K 2000 größer als im Vorjahre. Beim Bericht über diesen Abschnitt ergreife ich, wie alljährlich,"gerne die Gelegenheit, um die Anhänglichkeit und Pflichttreue unseres Beamtenkörpers mit Genugtuung zu konstatieren und der ganzen Beamtenschaft, insbesondere unserem verdienstvollen 1. Sekretär, Herrn kais. Rat Doktor Theodor Lieben, unseren herzlichsten Dank auszusprechen. "Wenn das Verhältnis zwischen dem Vorstand und der Beamtenschaft ein so überaus angenehmes ist, wie es im allgemeinen bei anderen öffentlichen Körperschaften auch nicht annähernd in ähnlichem Maße der Eall zu sein pflegt, so ist dies wohl auch mit in erster Linie seinem nach beiden Seiten hin in gleicher Weise befriedigenden ausgleichenden Vorgehen zu danken. Nach den etwas ermüdenden Details meines Finanzberichtes gelange* ich nunmehr zum Referate über den Voranschlag im ganzen, der, wie ich eingangs auszuführen Gelegenheit hatte, mit einem rechnungsmäßigen Fehlbetrag von K 295.723"13 abschließt, und es wäre nun eigentlich meine Aufgabe, Ihnen, sehr geehrte Herren, Vorschläge zu machen, wie dieses vermutliche Defizit zu bedecken wäre. Ich glaube, dies aber um so leichter unterlassen zu können, als die praktische Erfahrung, von einzelnen Ausnahmsfällen abgesehen, uns gelehrt hat, daß solche vermutlichen Fehlbeträge, nach Aufstellung des Rechnungsabschlusses meist verschwinden, ja sogar sich manchmal in einen Heber - schuß verwandelt haben. Diesmal allerdings dürfte von einem Heberschuß wohl nicht die Rede sein, aber sicher scheint es mir, daß der sich ergebende tatsächliche Fehlbetrag in keinem Falle ein übermäßig hoher sein wird. Wenn also auch der diesjährige Voranschlag pro 1911 wiederum mit einem Defizit schließt, so können wir doch, wie ich glaube, mit ziemlicher Zuversicht der frohen Hoffnung Ausdruck geben, daß angesichts der machtvollen Entwicklung unserer Gemeinde das Gleichgewicht in unserem Haushalte keineswegs gestört werden, sondern daß der natürliche Fortschritt, zusammen mit der, wie wir mit Stolz sagen können, zielbewußten Verwaltung, auch weiterhin den Ausbau aller unserer Einrichtungen möglich machen wird. Daß mich hierbei kein unberechtigter Optimismus leitet, das beweist wohl am besten der Umstand, daß in unserem Voranschläge, wie es der Pflicht eines vorsichtigen Kaufmannes, umsomehr aber einer Gemeinde, entspricht, wir die Ausgaben und Reserven mit der Maximalziffer ansetzten, bei den Einnahmen hingegen uns davor ängstlich gehütet haben. Ich habe vorhin auf die zielbewußte Verwaltung unserer Gemeinde hingewiesen, denn wir haben die diesbezüglichen guten Resultate nicht zuletzt der Tüchtigkeit, ganz besonders aber der Gewissenhaftigkeit unseres Beamtenkörpers zuzuschreiben. Aber, meine Herren, seien wir uns klar darüber, daß diese Tatsache, wenn schon nichts anderes, uns doch zunächst, gegenüber der großen Zahl dieser wacker arbeitenden Männer, in den gegenwärtigen schweren Zeiten erhöhte Verpflichtungen auferlegt. Die allgemeine Teuerung, das Steigen sämtlicher für das Leben unentbehrlichen Bedürfnisse, trifft ja am allerschwersten den im fixen Sold stehenden, und der Kampf, den er heute auf allen Seiten zu führen hat, ist wahrhaftig in vielen Fällen ein verzweifelter. AVir können es mit Stolz sagen, daß unsere Gemeinde sich ihrer Beamtenschaft gegenüber nie auf den Standpunkt des bloßen Vertragsverhältnisses stellte, sondern in ihnen auch vor allem ihre eigenen Angehörigen erblickte. Wenn wir also auch keinen Anlaß haben, die zukünftige Entwicklung unserer Finanzen allzu rosig anzusehen, wenn im Gegenteil wir uns der schweren, unser harrenden Aufgaben voll bewußt sind, wenn wir auch noch nicht vollkommen klar sehen, in welcher Weise die Bedeckung großer, in Zukunft unvermeidlicher Mehrausgaben geschaffen werden soll, so kann und wird wohl all' dies kein Hindernis für uns bilden, uns unverzüglich der Frage von Teuerungszulagen, mindestens für die niedrig dotierten Stellen, zu widmen, und ich kann hinzufügen, daß unser Vizepräsident Herr Hofrat Dr. Rappaport sich mit dieser schwierigen Frage bereits beschäftigt. Denn in einem so großen Verwaltungskörper gibt es natürlich immer Sachen, die man machen kann, wenn die Mittel vorhanden sind, und solche, die man unbedingt machen muß, und zu dieser letzteren’gehört es sicherlich, den Beamten die Möglichkeit der Existenz zu sichern. Wenn die Gemeinde Wien diese Frage mit dem Hinweis auf die mangelnde Bedeck uns hinausschiebt und ihr derart ausweicht, so kann dies für uns weder ein Muster noch eine Ausflucht sein, unsere Gemeinde fühlt die Pflicht, für die Beamten einzutreten und wird sich ihr sicher nie entziehen. Dass dies nicht nur Worte sind, kann jeder daraus ersehen, dass wir in diesem Jahre bereits eine, wie wir mit Stolz sagen können, grosszügigo Regulierung von Beamtengehalten, nämlich die der Bezüge unserer Lehrerschaft durchgeführt haben, die sowohl die Lehrer, wie auch die Gemeindemitglieder zufriedenstellen konnte. Aber auch auf einem anderen Gebiete ist es uns in diesem Jahre gelungen, für die jüdische Lehrerschaft einen moralischen Erfolg von übrigens weittragender Bedeutung zu erzielen. — In dem vieljährigen Kampfe, den wir wegen des gesetzwidrigen Vorgehens bei der durch einen Nichljuden erfolgten Besetzung der Oberlehrers teile in der Werderthorschule zu führen genötigt waren, haben wir schliesslich einen vollen Sieg davongetragen. Durch Manipulationen, welche nunmehr durch den obersten Richterspruch als Gesetzesbruch stigmatisiert sind, hat es die in unserer Stadt herrschende Partei versucht, uns Juden auch noch um die wenigen Rechte, die wir im Schulwesen besitzen, zu bringen und wir können deshalb mit Stolz und Freude auf den in dieser Beziehung von uns erzielten vollen Erfolg unserer gerechten Sache hinweisen, einen Erfolg, der umso bedeutungsvoller ist, wenn man berücksichtigt, dass in allernächster Zeit eine ganze Reihe von jüdischen Schulleiterstellen im zweiten Bezirke zur Ausschreibung gelangen sollen. ' So bedeutungsvoll dieses sozialpolitische Vorgehen auch immer für eine Anzahl von Personen ist, wie wertvoll die sozialpolitische Tätigkeit überhaupt und nicht nur in diesem Falle, sondern auch dort sich darstellen mag, wo unserere Kultusgemeinde so oft Lasten auf sich nehmen muss, deren Erfüllung eigentlich dem Staate oder dem Lande zukämen, so obliegt doch unserer Körperschaft anderseits auch die Verpflichtung, dass sie, schon ihrem Namen nach, in allererster Linie den Kultbedürfnissen unserer Mitbürger ihr vollstes Augenmerk zu schenken habe, und freudig können wir es sagen, dass wir in dieser unserer Pflicht durch die opferfreudige Mithilfe der Wiener Judenschaft auf das Kräftigste unterstützt werden. Der Wiener Margarethner Tempelverein, den wir nach unseren Kräften, und diese wurden in diesem Falle überaus reichlich bemessen, gerne unsere Hilfe boten, hat in diesem Jahre im Südwesten unserer Stadt dem jüdischen Glauben ein neues würdiges Heim errichtet und am Volkert, einem der judenreichsten Quartiere Wiens, wird ebenfalls bald ein neues, schönes Gotteshaus entstehen. Wenn mitten in unserer Stadt, unter den noch immer hochgehenden Wogen der judenfeindlichen Instinkte, neue Glaubensstätten errichtet werden können, so ist dies wohl auch ein beglückendes Zeichen dafür, dass die Kraft des Judentums in keiner Weise gelitten hat, im Gegenteil, dass unter dem gemeinsamen Druck ein neues Erwachen und Aufblühen des Bewusstseins der Zugehörigkeit zu unserem Stamme erwachsen ist. Und vielen Dank müssen wir den alten Wiener Tempelvereinen und den hochverdienten Männern sagen, die an deren Spitze stehen, welche in so selbstloser Weise Zeit, Mühe und Geld der Sache des Judentums widmen. Denn gerade diese Opferfreudigkeit und selbstlose Hingabe, die ja zu den traditionellen Eigenschaften des Juden gehört, gibt uns auch die feste Zuversicht, dass in absehbarer Zeit das so heiss ersehnte Ziel erreicht werden wird, der Vertretung der Wiener Judenschaft endlich ein würdiges Heim zu schaffen, ein Amtshaus, welches schon in seinem Aeussern davon Kunde ablegen soll, dass die grosse Wiener Gemeinde, die 200.000 Seelen repräsentiert, und was noch mehr sagen will, eine ungeheuere Summe von Schaffensfreude, Kultur uud Intelligenz in sich birgt, dass diese Wiener Judenschaft ein machtvolles Zeichen ihrer Bedeutung vor aller Augen errichtet. Nicht eine Trutzburg wollen wir hinstellen, sondern durch diesen Bau dokumentieren, dass wir als treue Söhne dieser Stadt durch unsere eigene, würdige Vertretung auch zur Erhöhung ihres Ansehens und ihrer Schönheit nach allen Kräften beizutragen entschlossen sind. Damit nach dem sonnigen Bilde, welches ich nun vor Ihnen entworfen habe, auch der trübe Schatten nicht fehle, gestatten Sie mir, wehmutsvoll der schweren Lücken zu gedenken, diein diesem Jahre der Tod in den Reihen der wackeren Mitarbeiter für das Wohl der Wiener jüdischen Gemeinde gerissen hat, der Vorstandsmitglieder Horner, Wilhelm P o 11 a k, S e 1 i g m a n. n, S t i a s s n y, des Rabbiners Dr. David und des langjährigen Direktors unseres Spitales, des hochverdienten Hofrates Professor Oser. Seine ausgezeichneten menschlichen Eigenschaften, sein warmfühlendes Herz, haben förmlich mitgewirkt und nicht zum mindesten seiner tatkräftigen Mithilfe war es zu verdanken» wenn die-wahrhaft fürstliche Wohltätigkeit einer hiesigen Familie, deren Namen mit unserem Spital unauflöslich verbunden ist, in so munifizenter Weise auch unserem Krankenhause zugute kam. Ist doch erst in alleijüngster Zeit der Kultusgemeinde

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