Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 1 (6.1.1911)
- Date
- 1911-01-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Kulturlebens hervorragenden Juden im Staate die volle bürgerliche Gleichberechtigung behalten müssen. Aber ein Oktroi, ein Aufzwiugeu einer Meinung, liegt uns ferne. Die „Oesterreichische Wochenschrift" ist allen als unparteiische Tribüne immer zur Verfügung gestanden, welche den Juden etwas zu sagen hatten, und ist für alle großen und guten Ideen stets mit Feuereifer eiugetreten. Bei dieser ihrer Haltung hat die ^Oesterreichische Wochenschrift" immer viele und eifrige Freunde gehabt, für deren Teilnahme sie ihren besten Dank abstattet. Zugleich jedoch ersucht sie um die Verlängerung der Sympathien und werftätige Beihilfe. Nur darauf angewiesen, von den Lesern unterstützt zu werden, deren Bedürfnissen sie nach besten Kräften zu dienen trachtet, bittet sie ihre Freunde, im Interesse einer für das Judentum unverzagt kämpfenden und arbeitenden Publizistik, nicht nur selbst ihre geschätzte Teilnahme zu zeigen, sondern auch noch weitere Kreise zu gewinnen, um der ^Oesterreichische« Wochenschrift" die Erfüllung ihrer dem Judentum gemeinnützigen Aufgaben auch in Zukunft zu erleichtern. Da» Kudgrt der Israel. Kultusgemeinde Me«. _ (Aus der öffentlichen Sitzung des Wiener israel. Kultus-'" Vorstandes vom Mittwoch de« 88. Dezember 1910 unter dem Vorsitze des Prüfidente« Dr. Alfred Stern.) Der Präsident Herr Dr. Alfred Stern widmet zunächst den beiden Hingeschiedenen ehemaligen Kultusvorstehern Oberbanrat Sigmund T a n s s i g und kaiserl. Rat Vogel Worte des Gedenkens. Erster Sekretär kais. Rat Dr. Theodor Lieben, verliest den Einlauf. Zur Tagesordnung übergehend, erstattet der Vertreter Herr G. R. Max Frank das Referat über den Voranschlag für das Verwaltungsjahr 1911.' Seine mit reichlichem Beifall begleiteten Ausführungen bieten ein interessantes Bild der weitverzweigten Tätigkeit der Wiener Kultusgemeinde auf allen Gebieten desjüdiscben Lebens. Das Referat lautet: Sehr geehrte Herren! Ich beehre mich, Ihnen Mendt den Voranschlag der Finanzgebahrung unserer Gemeinde für das Jahr 1911 zu unterbreiten, wonach sich die Ausgaben mit K 3,270.831 61, die voraussichtlichen Einnahmen mit K 2,975.108 38 stellen, so daß sich ein rechnungsmäßiger Fehlbetrag von K 295.723'13 ergibt. , Hievon entfallen K 225.723 13 auf die ordentliche, K 70.000 auf die außerordentliche Gebahrung, welche letzteren eventuell durch ein zukünftiges Anlehen, von welchem ich noch sprechen werde, zu bedecken sein werden. Gestatten Sie, daß ich vor allem die einzelnen Abschnitte, ohne allzusehr ins Detail zu gehen, erörtere. Abschnitt A, Bethäuser, Kultus- und rituelle Angelegenheiten, weist gegen das Vorjahr eine Erhöhung von K 20.000 aus, hievon entfallen auf Kap. 1 zirka K 600, Kap. 2 zirka K 1300, infolge verschiedener vermutlicher Mindereinnahmen, Kap. 3 K 1500, Kap. 4 K 2300, Kap. 5 K 2800, Kap. 6 K 1300, aus gleichen Gründen und wegen Gehaltserhöhungen, Kap. 7 K 1100, durch Mehrausgaben bei neuen temporären Bethäusern, Kap. 8, K 700, infolge Subventionierung zweier neuer Bethausvereine, Kap. 9, K 1200, Kap. 10, K 1500, durch höhere Dotierung der Reserve, Kap. 11, K 3000, höher angenommene Betriebskosten der Mikwah, Kap. 12, K 2600, durch höhere Dotierung des für Häftlingskost ausgesetzten Betrages und neueingeführte Verabreichung der rituellen Kost in Lainz und Steinhof, dagegen geringere Dotierung der Reserve. Abschnitt B, Unterrichtsangelegenheiten, ist gegen das Vorjahr um zirka K 20.000 höher, hievon entfallen auf Kap. 14 allein K 10.700, infolge der heuer durchgeführten Regulierung der Lehrergehalte, sowie Einstellung von K 3600 für eine event. zu systemisierende Stelle eines Mittelschulinspektors, dagegen geringeren Ansatz der Reserve, Kap. 15, plus K 1000, infolge neubeschlossener Verteilung der Beruria an. Mädchen, Kap. 16, K 4400, durch Erweiterung des Jugendgottesdienstes und erhöhter Subvention an den Verein Tefilas Haneorim, Kap. 17, K 3800 durch notwendige weitere Erhöhung der Beiträge an arme Schüler und der Reserven. Abschnitt G, Friedhofs- und Beerdigungsangelegenheiten hat eine Mehreinnahme von K 36.000, die entsprechend dem Ergebnis des Jahres. 1910 veranschlagt wurden. Die Ein- Nr. 1 nahmen dieses Kapitels werden bekanntlich teils dem Fonde zur Erwerbung eines neuen Friedhofes, teils zur Deckung der Ausgaben für Wohltätigkeit verwendet. Abschnitt D, Israelitisches Spital, hat ein Mehrerfordernis von K 13.000, infolge Erhöhung der Bezüge, teureren Beheizung und Vermehrung des Reinigungspersonales sowie Anschaffung von Sanitätsgeräten, dagegen zeigen verschiedene Posten Minderansätze, so auch die geringer als im Vorjahre dotierte Reserve. Leider steigt der Zuschuß, den wir für unser Krankenhaus zu leisten genötigt sind und der unsere Finanzen so überaus schwer belastet, fast von Jahr zu Jahr, allerdings zumeist infolge solcher Umstände, die nicht vorauszusehen waren, wie die konstante Steigerung aller Lebensmittelpreise. Allein wir können mit Sicherheit voraussetzen, daß es unserem neuen Direktor, Herrn Primarius Doktor Fleischmann, gelingen wird, an allen jenen Stellen Ersparnisse zu erzielen, welche das Wohl der Kranken in keiner Weise beeinflussen, und schon der vielversprechende Beginn seiner Tätigkeit läßt uns diesbezüglich frohen Mutes in die Zukunft blicken. Abschnitt E, Versorgungsanstalt und Siechenhaus, hat gegen das Vorjahr ein nur um K 12.000 höheres Erfordernis, obgleich für die Neuanlage der Wäscherei und Malen des Stiegenhauses allein K 22.000 neu eingesetzt sind, und sich außerdem die Verköstigung infolge weiterer Preissteigerungen um K 4000 höher stellt, während auch endlich die Gehalte um K 3500, Neuanschaffung von Wäsche um K 1000 mehr betragen, als im Vorjahre. Dagegen sind aber auch die Einnahmen um K 14.000 höher veranschlagt, hauptsächlich infolge der neuen Karl und Rosalie Goldschmidt-Stiftung, außerdem wird bei der Wäschereinigung, die nun in eigener Regie erfolgt, K 5000 weniger budgetiert. Ob und inwieweit diese letztgenannten Erwartungen gerechtfertigt sind, werden wir natürlich erst in einer gewissen Zeit, etwa nach einem Jahre, zu beurteilen imstande sein, doch kann im Hinblick auf unser so überaus rühriges Üamenknmitee mit seiner Präsidentin Erau Ida Dia man d, sowie der zielbc wußten Tätigkeit, weh heiler Obmann der Versorgungshauskommission Herr Salo Cohn und auch unser geehrter Vizepräsident Herr Hofrat Dr.Rappaport diesem Institute in intensivster Weise widmet, wohl angenommen werden, daß das Interesse unserer Gemeinde, wie bisher, in vollstem Maße gewahrt werden wird. Allen sei dafür unser herzlicher Dank ausgesprochen (Lebhafter Beifall), ebenso aber auch unserem pflichttreuen Verwalter Herrn B r ö s l e r. der willig auf alle Intentionen eingeht und sie zur Ausführung bringt. Abschnitt F, Armen- und Wohltätigkeitsangelegenheiten, ist der Zuschuß um K 17.000 gestiegen, infolge notwendiger Erhöhungen bei Kap. 25: der Posten 1, 2, 8, 10 und der Reserve. Die Post 10, periodische Unterstützung, wurde allein um K 7000 höher dotiert, wobei leider selbst der nunmehr für diese Rubrik ausgesetzte, sicher nicht niedrige Betrag von K 65.000 keineswegs den gesteigerten Ansprüchen genügt, außerdem ist auch Kap. 26 um K 2000 gestiegen. Wenn wir uns die alljährliche Zunahme der jüdischen Bevölkerung, um etwa 5000 Seelen, und die leider unbestreitbare Tatsache vor Augen halten, daß diese Zunahme weitaus mehr den mittellosen Teil unserer Mitbürger betrifft, dann müssen wir uns mit Recht fragen, wieso es denn komme, daß trotzdem unser Budget alljährlich nur den fast gleichen Betrag -für das vorliegende Kapitel veranschlagt. Und damit, meine sehr geehrten Herren, berühren wir wohl einen der wundesten Punkte und eines der schwersten Probleme unseres Gemeinwesens, die schmerzliche Tatsache nämlich, daß wir dem wachsenden Elend unter der Judenschaft machtlos gegenüberstehen, daß wir nicht mehr imstande sind, mit der Zunahme der Bevölkerung und auch mit der durch Verteuerung aller Lebensbedürfnisse bedingten Erhöhung der früher gewährten Unterstützung gleichen Schritt zu halten. Wir sind fast am Ende unserer Kraft angelangt, wir können nicht weiter gehen, ohne das Gleichgewicht unseres Haushaltes zu gefährden, und es bleibt uns nichts übrig, als an unsere Mitbürger den dringenden Appell zu richten, uns durch Errichtung von Stiftungen und durch Spenden zu Hilfe zu kommen und es zu ermöglichen, daß wir den für dieses traurige Kapitel aufgesetzten Betrag von fast einer Viertelmillion Kronen entsprechend zu erhöhen imstande sind. Abschnitt G, Finanzielle und administrative Angelegenheiten, zerfällt in mehrere von einander unabhängige Abteilungen. Kapitel 28 wurde um K 20.000 höher in den Einnahmen veranschlagt, Kap. 29 ist K 3000 höher als im Vorjahre, hier ist bei Gehalten, außerordentlichen Erfordernissen und Spesen eine Steigerung von K 19.000, beim Pensionsfond von K 1000 und bei diversen kleinen Posten von K 3000 eingetreten, dagegen entfällt die im Vorjahre für Wahlen eingesetzte Summe von K 20.000. Kap. 30 erfordert Dr. Blochs Wochenschrift.