Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 52 (30.12.1910)
- Date
- 1910-12-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 52 De. Blochs Wochenschrift. Seite 863 Schuldirektor M. Gombrich in Nürnberg und die Herren PaulLaskar, Dr. jur. F. M. Marburg und Rechtsanwalt Dr. Lippmann in Hamburg, welche beiden letzteren Herren persönlich erschienen waren. Außerdem wurden die nach dem Turnus ausscheidenden Mitglieder wiedergewählt. Sodann wurde eine vom Vorstand vorgeschlagene Statutenänderung genehmigt, die es erleichtern soll, eine Sitzung des Kuratoriums auch außerhalb Hannovers stattfinden zu lassen, was mit Rücksicht darauf, daß die Anstalt aus ganz Deutschland unterstützt wird, schon früher als angemessen, anerkannt worden ist. Die Rechnung des Jahres 1909 wurde genehmigt, ebenso der vom Vorstand oorgrlegte Voranschlag für das Jahr 1911. Derselbe schließt zwar mit einem Ueberschuß ab, der indessen nur dadurch hervorgerufen ist, daß ein Legat von 8000 M. des in Hannover kürzlich verstorbenen Dr. Rosenberg in den Etat eingestellt werden konnte: im übrigen wurde sowohl aus dem Bericht des Vorstandes, als aus den Rechnungsziffern konstatiert, daß die Anstalt nur bei lebhafter allseitiger Unterstützung ihre Zwecke erfüllen kann, da ihr zinsentragendes Kapital nicht zur Verfügung steht. Die Gärtnerei befindet sich in guter Verfassung: ihre Erzeugnisse erfreuen sich in Abnehmerkreisen allgemeiner Beliebtheit. Als gewerblicher Betrieb ist Schneiderei neu eingeführt. während letztere bislang nur den Bedarf der Anstalt selbst deckte. Die Verhandlungen wurden durch ein vortrefflich zubereitetes Mittagessen unterbrochen, das vom Mädchenhause hergerichtet und von den Haushaltungs-Zöglingen in höchst gewandter Weise serviert wurde. Bei der Tafel nahmen Vertreter der Bne Bris-Logen zu Hannover. Göttingen und Hildesheim das Wort, um die Sympathien ihrer Vereinigungen für die Arbeit der Anstalt zu bekunden. Auch die anwesenden Kuratoriums-Mitglieder D r. Cohn, Dessau, und Karl Schiff, Berlin, äußerten sich bezüglich ihrer Logen in gleichem Sinne. Mit Interesse und Befriedigung nahmen die von auswärts erschienenen Teilnehmer Kenntnis von den Einrichtungen der Anstalt, ,den ausgestellten Arbeiten der Schüler, sowie von dem* vorzüglichen Aussehen und der strammen Haltung sämtlicher Zöglinge, die nach Schluß der Tafel einzeln an den Gästen vorüberzogen. Eine Ehrung der Familie Rothschild. Anläßlich der Vermählung der Baronesse Mirjan de Rothschild mit Herrn Baron Albert von Goldschmidt- Rotschild in Paris hielt der die Ziviltrauung vornehmende Funktionär Dr. Marechal eine vielbeachtete Ansprache an das Brautpaar. Er sagte u. a.: „Sie, Herr Bräutigam, sind durch manche Bande mit Paris verknüpft, wo jedes Mitglied des Hauses Rothschild, selbst unter den Arbeiterklassen, die weitestgehende Liebe sich erworben hat. Soll ich etwa die Baronin James, Ihre hochverehrte Großmutter, erwähnen, die bei allen, die sie kannten, so viele dauernde, heilige Erinnerungen zurückgelassen hat, oder die Barone Alphonse, Edmond, Gustav und Henri, wie wir sie kurz familiär zu nennen pflegen. Es genügt, von jedem bloß den Vornamen zu nennen, und jeder weiß, wer darunter zu verstehen ist. Fast jeder hat die Ueberzeugung gewonnen, daß der Name Rothschild nicht nur den Reichtum, sondern auch die Intelligenz, die Wohltätigkeit und den Edelmut bedeutet." Ein größeres Lob gibt.es nicht in der Welt. : . . Die türkische Regierung und die Alliance Israekite Universelle. Aus Konstantinopel wird dem „Iewish Chronicle" berichtet: Vor einiger Zeit machte der türkische Minister des Innern dem Chacham Baschi einen Besuch. Die Konversation bewegte sich hauptsächlich um jüdische Angelegenheiten. Der Minister versprach dem Großrabbiner in allen Fragen, welche die Förderung der jüdischen Gemeinden herbeiführen können, mit dem Großrabbiner zusammenzugehen, und die fremden Elemente (?), welche versuchen, Zwietracht unter den ottomanischen Juden zu säen, zur Raison zu bringen. Als Beweis seiner Bewunderung für die Tätigkeit der „Alliance", ließ sich der Minister in die „Association des Anciens eleves de l'Alliance Israelite Universelle" in Konstantinopel als ordentliches Mitglied aufnehmen. Ernennungen in der Türkei. Das türkische Amtsblatt registriert u. a. die folgenden Ernennungen: Zum Dragoman des Generaldepots der Gendarmerie in Salonichi Morse Iessua, ein Bruder des Sektionschefs im Kriegsministerium, Isaac Iessua, ferner die Ernennung des Jacques Devidas aus Smyrna zum Schulinspektor der mittelenischen Inseln. Isaac Jacoel wurde zum ersten Dragoman des portugiesischen Konsulats in Salonichi ernannt. Eine hebräische Adresse an Baron Edmond de Rothschild. Die Gemeinde von Smyrna hat an Baron Edmond de Rothschild anläßlich der jüngsten Vermählung der Baronesse Mirjam eine künstlerisch ausgestaltete Adresse in hebräischer und französischer Sprache überreicb rn lassen. Die Gemeinde gedenkt in dieser Adresse der viel n Wohltaten. die das Pariser Haus Rothschild der Smyrnaer Gemeinde toiederholt erwiesen hat. insbesondere aber der großen Spende der Baronesse Mirjam, durch welche die Restaurierung der alten portugiesischen Synagoge dieser Stadt möglich gemacht wurde. Die russischen Generakgouverneure über die Abschaffung des Ansiedkungsrayons. Im russischen Ministerium des Innern wird gegenwärtig das Material für die Behandlung des Gesetzentwurfes über die Abschaffung des jüdischen Ansiedlungsgebietes gesammelt. Zu diesem Zwecke wurde auch ein Fragebogen qn die Leiter der einzelnen Gouvernements verschickt, um auch deren Meinung über diese Frage zu hören. Eine große Anzahl von Gouverneuren, besonders in den nordwestlichen Gebieten, hat sich entschieden für die Abschaffung, oder zumindest für eine starke Vergrößerung des jüdischen Ansiedlungsgebietes ausgesprochen. Hingegen haben sich die Gouverneure von Zentral-Rußland, insbesondere diejenigen der Charkower. Poltawaer und Kiewer Gouvernements gegen die Aenderung des gegenwärtigen Zustandes ausgesprochen, weil eine solche Aenderung angeblich schwere wirtschaftliche Folgen nach sich ziehen würde. Aus Grund des eingelangten Materials hat nun das Ministerium des Innern einen ausführlichen Bericht an den Ministerpräsidenten Stolypin ausgearbeitet, in welchem die politische^ wirtschaftliche und rechtliche Lage der Juden in Rußland seit der Regierung Peters des Großen ausführlich beleuchtet wird. Die Verbreitung der Wissenschaften unter den Juden verboten. In Petersburg hat sich eine Gesellschaft zur Förderung und Verbreitung der höheren Bildung und Wissenschaft unter den Juden gebildet. Die Statuten der Gesellschaft wurden ausgearbeitet und der Behörde unterbreitet. Die Regierung hat jedoch die Gründung einer solchen Gesellschaft untersagt. An der Spitze der Gesellschaft standen die hervorragendsten jüdischen Persönlichkeiten von Petersburg: Baron Günzburg. M. A. Ginzburg, Wawelberg und Advokat Sliosberg.