Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 51 (23.12.1910)
- Date
- 1910-12-23
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 51 Dr. Bkochs Wochenschrift. Seite 853 jüdischen Idee und für die Förderung der Kolonisation Palästinas. Er war einer der Einberüfer der bekannten Kattowitzer Konferenz, die den Grundstein zur nationalen Palästinaarbeit legte, und gehörte lange Zeit der Leitung der Chowewe-Zion an. Auch an der modernen zionistischen Bewegung nahm S. P. Rabbinowitz regen Anteil; unter anderm war er Delegierter des 6. und des 8. Zionistenkongresses. Auszeichnung. Der König von Italien hat Herrn Dr. Angela Levi in Venedig zum Kommandeur des italienischen Kronenordens ernannt. Dr. Levi ist Präsident der Iudengemeinde in Venedig und widmet seine ganze Zeit jüdischen Angelegenheiten. Eine jüdische Hochschullehrerin. Frl. Louise Morpurgo, über deren Ernennung zur Direktrice des etrurischen Museums wir jüngst berichtet haben, hat die yemia legendi an der römischen Hochschule erhalten. Frl. Morpurgo ist die erste Frau, die in Italien zu solcher Würde zugelassen wird. Vierzehnhundert jüdische Kinder auf der Proflriptions- We. Die Moskauer Polizei hat ihre Untersuchungen über das Wohnrecht der dortigen Juden bereits beendet. Die Proskriptionsliste enthält die Namen von 1400 jüdischen minderjährigen Kindern, zumeist Waisenkindern, die in Moskau kein Wohnrecht besitzen und demnächst aus Moskau vertrieben werden'. Feuilleton. Der Tanfrornan eines rnffisch-fiidischen Mädchens in Jerusalem. Auf Grund persönlicher Erlebnisse dargestellt von Phil. Kieferudorf (Fortsetzung.) Nachdem ich mich selbst vom ersten Schreck beim Anblick dieser ergreifenden, nie gesehenen und' erlebten Szene etwas erholt hatte, fragte ich meine Umgebung, was sich denn mit dieser armen Frau eigentlich ereignet und erhielt hierauf folgenden Bericht: Vor ungefähr 4 Jahren kam diese Frau, namens Hodes, welche in zweiter Ehe einen armen jüdischen Schneider geheiratet hatte, mit ihrem Manne und ihren Kindern aus erster Ehe von Rußland nach Jaffa, wo sie einen kleinen Spezereiladen eröffnete, dessen Ertrag aber mit dem Verdienst des Mannes kaum hinreichte, die Familie nur kümmerlich durchs Leben zu bringen. Außer einer bereits verheirateten Tochter, deren Mann anfänglich, in der später fallierten Steinschen Fabrik in Jaffa Arbeit gefunden und später nach Egypten verzogen ist, befand sich im Hause auch noch eine etwa 16 jährige jüngere Tochter von angenehmem, gefälligem Aeußern, die sich aber mit dem Stiefvater sehr schlecht vertragen konnte und darum vorzog, bald nach der Ankunft der Familie in Jaffa das elterliche Haus zu verlassen. So kam sie denn nach Jerusalem, wo sie zunächst im Hause des Herrn Ben Jehuda eine Dienststelle fand, wo ich sie auch selbst einmal sehen und persönlich kennen lernen durfte. Weil aber das Mädchen offenbar schlechtes Sitzfleisch hatte und die Veränderung liebte oder Ben Iehudas mit ihren Leistungen wenig zufrieden waren, dauerte das Verhältnis und der Aufenthalt im Hause des Herrn Ben Jehuda nur ein paar Wochen, worauf das Mädchen in eine neue Stelle in dem Hause eines reichen bucharischen Juden, namens Kandinow, in der neuen, schönen Bucharer Kolonie in Jerusalem eintrat. In dem Hause dieses bucharischen Juden wohnte nun schon seit längerer Zeit eine christlich orthodoxe Russin, eine Schneiderin und Modistin, mit welcher das jüdische Mädchen sofort ein näheres Freundschaftsverhältnis einging. zu dem namentlich die beiderseitige genaue und geläufige Kenntnis der ruffischen Sprache die Hauptvermittlung bot. Dieser Russin erzählte dann die junge Jüdin ihre wenig beneidenswerte äußere Lage, wie sie es bei dem Stiefvater im elterlichen Hause in Jaffa nicht aushallen könne und wie sie auch keine Lust verspüre, länger bei fremden Leuten in Diensten zu bleiben und mit diesem offenen Bekenntnis waren der fanatisch religiösen, christlichorthodoren Russin vom ersten Augenblick der gegenseitigen Bekanntschaft an die Wege geebnet, auf das gänzlich unerfahrene, unselbständige und in der weltlichen und religiösen Bildung und Erziehung vernachlässigte jüdische Mädchen ihren unheilvollen religiösen Einfluß geltend zu machen, um dasselbe unter allerlei glänzenden Versprechungen und Vorspiegelungen irdischer und himmlischer Wonnen und Glückseligkeiten zum christlich-orthodoern Glauben herüberzuziehen. So hatte denn diese eifrig teilnehmende orthodoxe fromme Russin auf die wiederholten beweglichen Klagen des jüdischen Mädchens, wie Hamlet für Ophelia, immer nur den einen dringenden, treubesorgten Rat: „Geh' in ein Kloster, Ophelia, und das schleunig". Das Ende dieser fortgesetzten aufdringlichen religiösen Propaganda dieser orthodoxen Ruffin war denn auch schließlich, daß das jüdische Mädchen eines schönen Tages aus dem Hause des bucharischen Juden verschwunden war. ohne daß jemand wußte, wohin es geraten war. Der allgemeine Verdacht fiel aber sofort auf die orthodoxe Russin, daß sie bei dem ungewissen Schicksal des jüdischen Mädchens die Hände im Spiele habe und auf allgemeines Drängen und Zusetzen gestand dieselbe denn auch schließlich, daß sich das Opfer ihrer geheimen Umtriebe in einem Jerusalemer Kloster befinde, worauf die höchst aufgebrachten Juden die arglistige Verführerin und Unheilstifterin sofort mit Geschrei aus dem Hause des bucharischen Juden und zur Kolonie hinaustrieben. Hatte man jetzt auch über den Verbleib des jüdischen Mädchens im allgemeinen einen gewissen Anhaltspunkt, so war es doch bei der großen Anzahl der Jerusalemer Klöster immer noch keine leichte, sondern recht schwierige und komplizierte Aufgabe, den eigentlichen bestimmten Aufenthaltsort desselben genau ausfindig zu machen. Deswegen halten mich also der jüdische Hotelbesitzer Lasinsky und seine Bekannten, da sie wußten, daß ich zu dem griechischen Patriarchen Damianos und den griechischen Mönchen in dem großen Kloster des hl. Konstantin bei der Grabeskirche, nahe freundschaftliche Beziehungen unterhalte und behufs Unterrichtserteilung und sonstiger literarischer Beschäftigung täglich im griechischen Konvent verkehre, sozusagen mit Gewalt von der Straße in das Hotel hereingeholt, um muh nach genauer Information über den ganzen Sachverhalt zu bitten, jetzt über den Aufenthaltsort des jüdischen Mädchens im Patriarchat und griechischen Zentralkloster nähere Nachforschungen anzustellen und der armen Mutter Zutritt zu der schmerzlich vermißten Tochter zu verschaffen. Ich war mir zwar sofort darüber klar und ließ auch meine Auftraggeber diesbezüglich nicht im Zweifel, daß ich mich mit Uebernahms einer solchen Mission persönlich einer höchst unangenehmen und undankbaren Aufgabe unterziehen werde in Anbetracht meiner schon betonten bisherigen sehr nahm und höchst freundschaftlichen persönlichen und beruflichen Beziehungen zu dem griechischen Patriarchen und der griechischen Geistlichkeit und der