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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-12-23 · 51 (23.12.1910) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
51 (23.12.1910)
Date
1910-12-23
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 854 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 51 mancherlei für mich daraus resultierenden recht angenehmen materiellen Vorteile, was ich alles beim Willfahren der.an mich gerichteten Bitte leicht mit einem Male und für immer mir verscherzen könnte. Andrerseits fiel es mir aber auch schwer, angesichts eines solchen erschütternden Falles, wie des vorliegenden, beim Blick auf die vor mir auf dem Boden in Schmerzen und Verzweiflung sich krümmende und stöhnende Mutter mich nicht der schönen und edlen Marime des lateinischen Dichters und Menschenfreundes zu erinnern: „homo sinn, human nihil a me alienum puto; darum versprach ich denn auch ohne viel weiteres Besinnen, daß ich behufs Nachforschung und Ermittlung wegen des Verbleibes des Mädchens auf der Stelle im griechischen Patriarchat und Kloster die notwendig erscheinenden und Erfolg versprechenden Schritte tun werde. Nachdem man der armen, bedauernswerten Mutter, welche während unserer Unterredung fortwährend teilnahmslos und wie geistesabwesend auf dem Boden sich wand und mit der ich mich im russisch-jüdischen Jargon nur schwer verständlich machen konnte, meinen Entschluß mitgeteilt hatte, kam sie bald wieder etwas zu sich, nach langen, schweren und finsteren Leidens- und Trauertagen flog erstmals wieder etwas wie ein leiser Hoffnungs- und Freudenschimmer über ihr vergrämtes und abgehärmtes Angesicht: nachdem sie mir, soweit es ihre schwachen Kräfte zuließen, wiederholt ihre innigsten Dankesbezeugungen kundgegeben hatte, ließ sie sich auch bewegen, etwas Speise zu sich zu nehmen, welche si,e seit Tagen fast gänzlich verweigert hatte. Wenn ich zum Voraus geahnt hatte, dab ich mich mit der Uebernahme der mir aufgetragenen Mission bei dem griechischen Patriarchen und seinen Priestern und Mönchen keiner der leichten und 'angenehme Anerkennung und Lorbeeren eintragenden Aufgabe unterziehen werde, so sollte ich es auch bald in Wirklichkeit erfahren, wie wenig ich mich in dieser meiner sofortigen Vermutung getäuscht hatte. Nachdem ich mich von dem jüdischen Hotel staute pede in das griechische Patriarchat begeben und meinen Wunsch zu erkennen gegeben hatte, wegen des vermutlich irgendwo in einem griechischen Kloster verborgen gehaltenen jüdischen Mädchens den Patriarchen zu sprechen, wurden der Dragoman und Sekretär des Patriarchen äußerst aufgebracht gegen mich und verweigerten mir rundweg den Zutritt zu dem Patriarchen, indem sie zum Ueberflutz auch noch mit dem. w*e sie wußten, mir besonders wohlgeneigten deutschen Konsul drohten. Als ich mich aber zwei Tage lang aller Widersetzung und Drohung und allen Konsuln zum Trotz nicht abweisen ließ, sondern immer wieder kam und auf der Durchsetzung meines Willens bestand, als ich zuletzt meinerseits drohte, die ganze dunkle Affäre in die Presse und vor die allgemeine Oeffent-. lichkeit zu bringen, wobei dann auf die griechische Geistlichkeit nicht gerade ein günstiges Licht fällen würde — da endlich, zum Beweis, daß heutzutage ein armer Journalist mit seiner leichten Feder unter Umständen mehr Macht und Einfluß besitzt, als der größte und mächtigste Potentat mit seiner schweren eisernen Waffenrüstung, öffneten sich von unsichtbaren Händen von innen die hohen Türflügel zu dem großen Empfangssalon, von dessen Wänden auf überlebensgroßen Gemälden die alten Jerujsalemer Patriarchen ernst und Würdevoll auf den Besucher herniederblicken, erhielt ich endlich den hartnäckig uachgesuchten Zutritt zu der erbetenen Audienz bei den Patriarchen. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Almauach Zydowski. I960. Verlag K. Iaffy. Lemberg. Ul. Kopernika. Preis K. 6.—. Dieses Prachtwerk, das seinem Herausgeber Dr. Leon Reich alle Ehre macht, erinnert von Neuem daran, wie viel die jüdische Renaissance unserer Tage Galizien zu verdanken hat. Die Meisten der Mitarbeiter wohnen noch jetzt dort oder stammen doch dorther. Besonders erfreulich ist die Revue jübisch-galizischer Künstler, die der Anhang in Proben ihrer Meisterschaft bietet. Von den Aufsätzen erwähnen wir die Arbeit von Slousch über nordafrikanische Juden, Plichowski über jüdische Künstler, Schipper über volkswirtschaftliche Leistungen der Juden Polens, eine karge Auslese aus einer Fülle belehrenden und anregenden Stoffes, bei dem Geist und Gemüt auf ihre Rechnung kommen. x. Im Verlag der D ü r r'schen Buchhandlung in Leipzig sind erschienen: I. Rehmke, Zur Lehre vom Gemüt. 2. Auflage. M. 3.—. Rehmke nimmt das Wort „Gemüt" als den zusammenfassenden Ausdruck alles dessen, was die besondere Bedingung des Gemütszustandes der Seele, also insbesondere der Bestimmtheitsbesonderheiten, die wir „Gefühl" und „Stimmung" nennen, bildet. Es kommen als solche Bedingungen sowohl Bewußtsein, als auch das körperliche Befinden in Betracht, das zweite als begleitendes oder maßgebendes Moment, je nachdem man den Gemütszustand des „Gefühls" oder den der „Stimmung" ins Auge faßt. Das Buch ist vorzüglich geeignet, zu psychologischem Studium auf dem Wege der Selbstbeobachtung anzuleiten. R. Platons Dialog Theätet. Uebersetzt und erläutert von O. Apelt (Philos. Bibl. Bd. 82. M. 8.40. Seitdem Kirchmann, der Begründer dieser Bibliothek, vor 30 Jahren den Theätet zum erstenmale für diese Sammlung übersetzt hat, ist die Forschung derart fortgeschritten» daß Apelt gut daran getan hat, eine ganz neue Arbeit zu liefern. Sie ist als eine Glanzleistung zu-bezeichnen. Rabbiner S. Carlebach, Vier Predigten zum Woche nf e st e. Lübeck 1909. Verlag des Verfassers. Schon auf den ersten Blick spricht die schlichte Ruhe des Tones dieser Predigten an, die der reifen Abgeklärtheit des reichen und tiefen Gedankengehaltes würdig ansteht. Es sind Predigten, die vor jedem Publikum, das dem Boden altjüdischer Ueberlieferung tätige Treue oder doch pietätvolles Verständnis bewahrt, ihrer Wirkung sicher sein dürften. x. Aramädische Urkunden zur Geschichte des Judentums im VI. und V. Jahrh. v. Ehr. Sprachlich und sachlich erklärt von W. S t ä r k. Bonn 1908. A. Marcus u. A. Weber. M. 0.60. Es handelt sich um die bekannten, von Rubensohn in Assuan- Elephantine entdeckten Papyri, die hier in billiger, ausgezeichneter Ausgabe vorliegen. R. K. Rühl, Eesare Lombroso. Halle a. d. S. 1910. Karl Marhold. M. 0.75. Das Schriftchen eignet sich für Alle, die den so oft verkannten, genialen Forscher in seiner Entwicklung kennen lernen wollen, ohne sich in Einzelheiten zu verlieren. x. Bei Meyer u. Müller in Berlin sind von R. L e szynsky erschienen: Die Lösung des Antoninusrätsels, eine Polemik gegen S. Kraus, difür die Identität des fraglichen Antoninus mit Antoninus Pius eintrikt. und eine sehr dankenswerte Zusammenstellung der gerade in jüngster Zeit reichlich auftretenden historischen Zeugnisse über „die Juden in Arabien" zur Zeit Mohammeds. x. H. v. Kutschern, Die Chasaren. 2. Aufl. Wien 1910. Adolf Holzhausen. Verhältnismäßig kurze Zeit nach seinem ersten Erscheinen hat die günstige Aufnahme dieses intereffanten Buches eine zweite Auflage erwünscht erscheinen lassen. Wenn auch die Literatur über die Chasaren seit Kutschera's Tode bedeutend angewachsen ist, sein Buch behauptet als eine fleißige und gutgeschriebene Studie über dieses merkwürdige, zum Judentum bekehrte Volk noch immer seine Stelle in der Wissenschaft und ist, wie kein anderes, geeignet, den Laien mit diesem Gegenständ bekannt zu wachen. R. N. Zoozmaun, Zitaten- und Sentenzenschatz der Weltliteratur alter und neuer Zeit. Leipzig. Hesse und Beckers Verlag. Der bekannte Dante- und Calderon-Uebersetzer hat hier in einem kleinen schmucken Bändchen eine sehr achtungswerte Leistung aufzuweisen. Die zahlreichen, im Vorwort angeführten Namen der Berater und Mitarbeiter zeugen von seinem redlichen Streben nach möglicher Vollständigkeit. Das Werk lohnte der Mühe und ist trefflich gelungen. M. Transactions of the Jewish Historical Society of England. Vol. V. 1902 — 1905. Edinburgh 1908. Ballantyne i Hanson u. Go. Der ansehnliche, vornehm ausgestattete Band konnte keine bessere Einführung wählen, als das Bild der zu früh verstorbenen,

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