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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-12-23 · 51 (23.12.1910) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
51 (23.12.1910)
Date
1910-12-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 51 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 849 kann das Haus haben. Der Kaufpreis beträgt zwei Dukaten. Und bei diesem Kaufpreis blieb es. Die israelitische Gemeinde von Söjtor erwarb Franz Deaks Geburtshaus für 2 Dukaten. Es wird noch heute als Bethaus verwendet, und wer die Geschichte nicht glaubt, der braucht sich bloß das Grundbuch anzusehen, wo noch heute jeder konstatieren kann, daß Franz Deak dieses Haus der Süjtorer isr. Gemeinde für 2 Dukaten verkauft hat. Brünn. (Bericht des isrc^elitischenProsem i n a rv e r e i n es in Brünn für die Jahre 1907 bis 1910.) Ein ebenso mühseliges wie ergebnisloses Beginnen dürfte es sein, für ideelle Zwecke an die Sympathie und hilfsbereite Teilnahme weiterer Kreise zu appellieren. Da muß man darauf gefaßt fein, selbst von wohlmeinender Seite die Warnung Salomos zu vernehmen: „Deine Worte, wären sie auch zutreffend, sind doch nur eine nutzlose Vergeudung!" Es sei uns jedoch gestattet, manches, worauf wir schon so oft die Aufmerksamkeit der Wohlgesinnten und Verständnisvollen zu lenken versuchten, hier zu wiederholen. . Es liegt im ganzen Wesen und in der Richtung unseres Vereines, der nicht auf rasch und auffällig hervortretende Erfolge Hinweisen kann, die Zweckerfüllung vielmehr unmerklich aber stetig reifen läßt, von lauten, vordringlichen Kundgebungen sich ferne zu halten. Während es zu den Behelfen anderer gemeinnütziger Verbände gehören mag, so viel als möglich von sich reden zu machen und Aufsehen zu erregen, müssen wir solche Mittel, die bei Vereinstätigkeiten immer mehr in Schwung und Hebung kommen, entbehren und vermeiden. Ob durch jene Vorgänge auf die Gesinnungen der Einzelnen, auf das allgemeine Wohl, und auf die öffentliche Moral vorteilhaft gewirkt wird, ob Aeußerungen und Veranstaltungen der opferfrohen Nächstenliebe den gebieterischen Forderungen der wirklichen Not und der tatsächlichen Notwendigkeit zu gehorchen haben, oder ob sie aus neugeschaffenen Bedürfnissen, aus der Steigerung -von Begehrlichkeiten sich Anregung und Anlaß holen sollen, ist hier nicht der Ort, weiter zu erörtern. Wir wollen ja nicht die gute Absicht anders gearteteter, mildgesinnter Bemühungen entwerten, vielmehr nur dem Vorwurf der Lässigkeit in der Vertretung unserer Vereinsinteressen begegnen. Wie unsere Alten darüber dachten, ergibt sich schon aus einigen beherzigenswerten Sprüchen: „Die ersten Bundestafeln, die unter Donner und mächtigem Posaunenschall gegeben wurden, gingen in Trümmer-; doch die zweiten Bundestafeln, welche in lautloser Stille zuteil wurden, sie bestehen fort . . :u „Man darf den Unterricht der Schulkinder nicht stören, auch nicht um den heiligen Tempelbau in Jerusalem zu fördern. . . ." „Man darf ein Bethaus (Synagoge, Tempel) in ein Schulhaus umwandeln, aber nicht ein Schulhaus in ein Bethaus — nach dem Grundsätze: Bei weihevollen Werken ist nur eine Steigerung, doch nicht eine Herabmindernng der weihevollen Handlung gestattet. . . ." Ein Spruch, der in die Liturgie ausgenommen wurde, lautet: „Alle anderen heilvollen Handlungen und Pflichterfüllungen wiegt der Unterricht in der Thora auf . . ." „Ein heilvoller Zweck verlangt auch heilvolle Mittel ..." Sollten diese Aussprüche hoher Lebensweisheit ihre, beredte Wirkung schon eingebüßt haben? Eine befriedigende Antwort darauf könnten uns die verehelichen Kultusgemeinden und deren Mitglieder durch eine erhöhte Teilnahme für unsere Anstalt erteilen, welche mit geringen Mitteln Bedeutsames zu leisten sich bemüht. Vielleicht mag sich diesmal die Erwartung in dem Maße erfüllen, als sie eine berechtigte ist, daß die Mitglieder nämlich unseren Bericht einer besonderen Beachtung würdigen werden. Der Obmann : Doktor B. P l a c z e k. Ein antisemitischer Militärkaplan. In Iaroslau, Galizien, begann dieser Tage der Ehrenbeleidigungsprozeß des Militärkaplans Plachetk.a gegen 23 Mitglieder des dortigen Gemeinderates. Der Sachverhalt, welcher der Anklage zugrunde liegt, ist folgender: Am Frohnleichnamstage brachte Plachetka bei einer Feier einen Toast aus, in welchem er u. a. dem Bürgermeister von Iaroslau, Reichsratsabgeordneten Doktor Dietzius, vorwarf, daß er im Gemeinderate mit Juden zusammensktze, nach deren Befehl er sich richte. Dr. Dietzius sah sich daraus veranlaßt, in der Gemeindsratssitzung vom 31. Mai seinen Rücktritt anzumelden. Der Gemeinderat sprach jedoch, dem Bürgermeister sein Vertrauen aus und gab seiner Entrüstung über das Vorgehen Plachetkas Ausdruck. Der Gemeinderat beschloß, die Militärbehörden um Versetzung des Geistlichen anzugehen. Infolge dieses Beschlusses belangte Plachetka 23 der angesehensten Bürger von Iaroslau vor Gericht. Anerkennung der jüdischen Schulen in der Türkei. Durch Zufall erfährt man jetzt, daß es in der Türkei eigentlich nur eine einzige staatlich anerkannte jüdische Schule gibt. Die Allianzschulen in Smyrna bestellten vor einiger Zeit im Auslande verschiedene Lehrmittel, welche bei ihrem Anlangen in Smyrna von der Zollverwaltung einer Verzollung unterzogen wurden. Nun genießen aber die Lehrmittel in der Türkei vollständige Zollfreihei^ Auf eine Vorstellung des Großrabbiners in Konstantinopel beim Finanzminister, erklärte dieser, daß die Zollfreiheil nur solchen Schulen zuaute kommen könne, die durch ein kaiserliches Irade als öffentliche Schulen anerkannt sind. Jetzt stellt es sich heraus, daß bloß die jüdische Schule im Vororte Haskeng im Besitze eines solchen kaiserlichen Irade ist. während die übrigen jüdischen Schulen wohl von der Regierung, nicht aber durch ein kaiserliches Irade anerkannt wurden. Der Großrabbiner unternahm nun die nötigen Schritte, um auch den übrigen jüdischen Schulen das Privilegium der Zollfreiheil zu sichern. Finanzminister Diavid Bey konnte jedoch dem Großrabbiner blüh das Vprspreben geben, d'e Lehrbücher vom Zoll zu befreien, während die übrigen Lehrmittel dieses Privileg nicht genießen können. Eme Millionenstiftung für jüdische BildungsMecke. Die sogenannte Verzentnorm, die in Rußland jüdischen Schülern und Studierenden gegenüber angewandt wird, hat unter der jüdischen Jugend im Zarenreiche schwere Folgen gezeitigt. Groß ist die Zahl der Selbstmörder unter den jüdischen Studenten, die durch die Perzcntnorm in ihrem Studienganae gestört wurden: noch größer ist die Zahl derjenigen, die. um ihre Studi"n iortsetzen zu können, sich laufen ließen. In jüdischen Kreisen von Petersburg werden nun zwei Pläne beraten, um diesem Uebrl Einhalt zu tun. Nach dem einen Vlan soll ein Fonds geschaffen werden, aus welchem unbemittelte jüdische Studenten, die im Inlande in keiner Hochschule Aufnahme fanden, unterstützt werden, daß sm ihre Studien im Ausland fortsetzen können. E'n solcher Fonds hat bereits in den Jahren 1901—1905 auf ..nicht legalem Wege" bestanden. Er zählte mehrere Tausende von Beitraaenden, und es wurden damals auch mehrere jüdische Studenten an auswärtigen Universitäten aus diesem Fonds unterstützt. Der zweite P^an schlägt die Gründung einer Privathochschule und mehrerer Mittelschulen für Juden in Rußland vor. Die Anhänger dieses Planes nehmen an. daß die Regierung einer solchen Gründung keine Hindernisse in den Weg legen werde, eristmren doch heute schon mehrere private Mittelschulen in Rußland. Welcher dieser beiden Pläne schließlich durchgetübrl werden wird, wird sich bald zeigen, da die diesbezüglichen Verhandlnnaen bald beendet sein werden. Das wichtigste ist. daß. wie der ..Moment" mitteilt, sich ein Petersburger jüdischer Millionär schon bereit erklärt bat, für diesen Zweck eine halbe Million Rubel zu svenden. und auch andere Petersburger Persönlichkeiten die Geneigtheit zeigen, dem Beispiels des vorläufig unbekannten Spenders zu folgen.

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