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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-12-23 · 51 (23.12.1910) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
51 (23.12.1910)
Date
1910-12-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 848 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 51 anstatt unerträglich gemacht wurde. Dieses Treiben ist so arg geworden, daß selbst chauvinistisch-nationale Professoren sich veranlaßt sehen, gegen diese Verrohung der Jugend zu protestieren, natürlich erfolglos. Die Regierung laßt die Antisemiten ruhig gewähren, weil sie diese Zustände für ihre politischen Zwecke braucht. Sollte die Regierung in die Hände der jetzigen Opposition übergehen, so würde die jetzige Regierungspartei, nach russischem Muster, das Volk gegen die Juden aufhetzen, es zu Pogromen treiben, um auf diese Weise die Regierung zu kompromittieren. So war es auch anläßlich des Bauernaufstandes im Jahre 1907. Die wirtschaftliche Unterdrückung der Juden geht natürlich ihren traurigen Weg weiter.. Durch verschiedene Gesetze und Verordnungen werden die Juden allmählich vom gesamten Handel und von der Industrie verdrängt und die Notlage der jüdischen Bevölkerung wächst von Tag zu Tag. Schließlich wird darauf hingewiesen, daß die europäischen Regierungen vor zwei Jahren, als die Idee einer Konferenz wegen Richtigstellung des Berliner Vertrages auftauchte, der rumänischen Negierung die Zusicherung gaben, daß auf dieser Konferenz die rumänische Judenfrage nicht werde berührt werden. Dieses Verhalten der Mächte hat die rumänischen Machthaber nur noch aufgemuntert, in ihrer Verfolgung und Bedrückung der Juden sorglos und unbekümmert um ihre Vertragspflichten so weit zu gehen, als ihnen beliebt. Unterrichtsminifter Graf Zichy über die Autonomie der israelitischen Konfession. Budapest. Die israelitischen Distriktspräsidenten erschienen kürzlich korporativ beim Unterrichtsminister Grafen Johann Zichy. Der Redner der Deputation, Dr. Moritz Mezei, bat den Minister, die Autonomie der ungarischen Judenschaft zu verwirklichen. Der Minister erklärte in seiner Erwiderung unter Anderem: Ich halte es sowohl im Interesse der Konfession, wie in dem der Gesamtheit direkt für wünschenswert, daß die ungarischen Israeliten möglichst bald in die Lage kommen, sich Statuten und Autonomie zu schaffen. Ich bin kein Freund unnötiger Zersplitterungen kultureller und moralischer Kräfte. Ich bin überzeugt, daß die Autonomie erst dann die erwarteten Folgen haben wird, wenn die gesamte Judenschaft des Landes von ihrer Notwendigkeit durchdrungen sein wird und wenn dann das solidarische G fühl dieser Not- Wendigkeit ohne Zwang und staatliche Einmengung jene Statuten schaffen wird, die eine Autonomie der ungarischen Israeliten zu sichern berufen sind. Auf jeden Fall seien Sie davon überzeugt, daß ich diese Frage mit Sympathie und Sorgfalt studieren und in dem Augenblicke, da ich mich davon überzeuge, daß dieses Streben ein allgemeines ist, nach Kräften darauf hinarbeiten werde, diesem Streben der ungarischen Judenschaft im ganzen Lande ordnungsgemäße Geltung zu verschaffen. Jener große, kulturelle Wert, der dem Judentumc innewohnt, besitzt für das Ungartum einen großen und unschätzbaren Wert, den ich auch würdige. Die Worte des Herrn Präsidenten, daß es in diesem Lande keinen Tempel, kein Gotteshaus gibt, in welchem Gott nicht in ungarischer Sprache gepriesen wird, haben mir . sehr wohl getan. Das schätze ich sehr, und ich will jenen kulturellen Wert, den Sie repräsentieren, nicht ausschalten, sondern vielmehr einschalten in das Staatswesen, und das wird nur den Interessen des ungarischen Staatswesens förderlich sein. Verfolgung galizischer Juden in Ungarn. Die traurige wirtschaftliche Lage der galizischen Juden und der bevorstehende Ruin zahlloser jüdischer Schenker in Galizien hat den ungarischen Politikern willkommenen Anlaß gegeben, die Verfolgung und Vertreibung eingewanderter galizischer Juden in noch stärkerem Maße auszunehmen, als dies bisher der Fall gewesen. Einen besonders feindseligen Ausdruck dieses „Polenhasses" gab der Abgeordnete Karl Huszar, der in Begleitung einer judenf kindlichen Motivierung die folgende Interpellation an die Regierung richtete: Haben die Herren Minister des Innern und der Justiz Kenntnis davon, in welcher Weise das im Nordwesten wohnende ruthenische Volt wirtschaftlich und moralisch von den aus dem Norden massenhaft einwandernden Kazaren (!) zugrunde gerichtet wird? Hat die Regierung Kenntnis von dem in dieser Gegend überhandgenommenen Wirtshaus-, Vieh-, Weide-, Arbeits-, Geld- und Bodenwucher? Hat sie Kenntnis von den skandalösen Sanitäts-, Sicherheits- und Verwaltungszuftänden auf dem Gebiete der Kazaren? Hat die Negierung Kenntnis davon, daß das Land vom Norden abermals durch größere einwandernde Gruppen gefährdet wird? Ist die Negierung geneigt, das ruthenische Volk mit aller Kraft gegen die Mißbräuche der Kazaren zu schützen? Ist die Regierung geneigt, für diese Gegenden Ausnahmswuchergesetze zu schaffen, das Vesitzminimum festzu stellen und zu schützen, die weitere Einwanderung zu verhindern, die Genossenschaften nachdrücklicher zu unterstützen. die Schanklizenzen einzuschränken, die Schulen zu vermehren und zu verbessern und die Zahl des Sanitätspersonals entsprechend zu vermehren? Daß dieser Haß gegen die polnischen Juden leider auch bei den ungarischen Juden schon tiefe Wurzel gefaßt hat, geht aus einer persönlichen Bemerkung hervor, die der jüdische Abgeordnete Paul Sandor geknüpft hat. Er betont, daß er mit seinem Zwischenrufe nicht habe sagen wollen, als ob er es für richtig hielte, daß an unseren Grenzen desparate Elemente hereingelassen werden, die über jene ungarischen Staatsbürger, die jüdischer Konfession sind, die größte Schande bringen. Die ungarischen Juden sehen mit dem gleichen Entsetzen auf die «verzweifelten Elemente, auf die der Abgeordnete Huszar verwiesen hat, wie die Angehörigen welcher Konfession immer. Deshalb darf aber auch hier unter den den Konfessionen kein Unterschied gemacht werden. Schließen wir alle Elemente gleicherweise aus, die geeignet sind, unsere Staatlichkeit zu schwächen, und greifen wir nicht einfach die Religion heraus, indem wir die Sache so darstellen, als ob das ganze ungarische Judentum die Einwanderung jener Elemente gerne sehen würde. Franz Deaks Wohnhaus — eine Synagoge. Aus Budapest wird uns geschrieben: Unlängst ist in Sojtor, im Zalaer Komitat, ein wohlhabender Kaufmann namens Stolzer gestorben. Sojtor ist der Geburtsort des Weisen der Nation Franz Deak, der sich erst später in Kehida niederließ. Das Haus, in welchem Franz Deak geboren wurde und in welchem seine Eltern starben, blieb unvermietet. Eines Tages erschien Stolzer bei Franz Deak und fragte ihn, ob er sein Elternhaus nicht verkaufen möchte. Deak verneinte. Das Haus, in dem seine gute Mutter ihren letzten Seufzer ausgehaucht, soll nicht durch fremde Menschen entweiht werden, das Gemach, worin sie gestorben, soll nicht von Lärm widerhallen. Stolzer bot schließlich eine hohe Summe, doch Franz Deak sagte, es sei ihm um keinen Preis feil. Wozu er übrigens das Haus benötigte, da er "doch selbst ein sehr hübsches und geräumiges Haus fein eigen nenne, wo er Mt seiner Familie und seinem Laden bequeme Unterkunft habe? Stolzer erwiderte, er wolle das Haus nicht für sich. Die kleine Judengemeinde von Sojtor besitze keine eigene Synagoge, und da Ieäks Haus leer stünde, imeinten sie. es würde sich gut zu einem Bethause eignen, und deshalb wollten sie es kaufen. Das sei etwas anderes, meinte Deak. Wenn das Haus als Synagoge verwendet werden soll, wird es nicht profaniert. Die Judengemeinde

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