Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 51 (23.12.1910)
- Date
- 1910-12-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 61 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 647 an das Konto der Steuerkaffe der Gemeinde bei der Hauptkaffe der Deutschen Bank, durch Einzahlung auf das Postscheckkonto der Gemeinde, welche keinerlei Portokosten verursacht und wofür Postschkcksormulare jeder Veranlagung beigefügt werden. Die pünktliche Erfüllung der Steuerpflicht liegt im eigensten Interesse der Gemeindemitglieder, da von ihr das Wahlrecht abhängt. Meran. Am Sonntag den 18. Dezember hat das Kuratorium der Königewarterstiftung und der Vorstand des Asy Vereines den ersten Jahrestag nach ihrem verstorbenen Beirat und 1. geschästsführenden Vizepräsidenten und Ehrenmitglied Herrn Dr. Wilhelm Hersch s. A. in feierlicher Weise begangen. Nachdem am Sabvalhabeud und am folgenden Sonntag unter Beisein des Vorstandes und aller Pfleglinge des Genesungshelmes die üblichen Gottesdienste abgehalten waren, wurde in einer Gedächtnisfeier das Andenken dieses verdienstvollen Mannes gewürdigt. Ein zahlreiches Publikum, unter welchem man die große Schar der Freunde des Verblichenen bemerkte, füllte das Gotteshaus. Nachdem Herr Oberkantor Löwy unter stimmungsvoller Harmonium-Begleitung den Trauerpsalm ergreifend vorgetragen hatte, widmete Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Kurrein dem Verklärten einen Nachruf, in welchem er die Vorzüge dieses seltenen Mannes pries. Nach beendetem Gottesdienste enthüllte Präsident Herr Dr. med. M. Koref das Bild des Verklärten, welches im großen Saale des Hauses seinen Ehrenplatz erhielt, und gedachte in warmen Worten der Würdigung der großen Verdienste Dr. Herschs. Im Sinne des Verblichenen, dessen hervorragender Tätigkeit die Entstehung des Genesungsheimes in Meran zu danken ist, hat dessen Gattin, Frau Dr. Rosa Herlch, dieses Institut mit einer neuen Bettstifiung im Betrage von Kr. 500t).— auf den Namen der Eltern ihres gottseligen Gatten, „Joachim und Rebekka Hersch", bedacht. Einen schönen Beweis ihrer frommen Gesinnung hat diese Dame dadurch gegeben, daß sie in hochherziger Weise für die Synagoge in Meran einen herrlichen Vorhang für das Allerheiligste, eine Altardecke, einen Thoramantel und eine Kanzeldccke gespendet hat. Der Armen, welche im Genesungsheime nicht verpflegt werden, gedachte sie mit einer Spende von Kr. 100.—, des Dr. Wilhelm Hersch-Fonds, welcher der Unterstützung armer, aus der Anstalt entlassener Pfleglinge dient, mit Kr. 200.— und des Unterstützungs - Fonds der Pfleglinge mit Kr. 50.—. Auch die Familie dieser Dame hat in wohltätiger Weise des Genesungsheimes an diesem Tage gedacht und hat Herr Ignaz Petschek und dessen Gattin, Frau Helene Pelschek. geb. Bloch in Aussig K. 200.— gespendet. Das Kuratorium der Konigswarterstiftung widmete an diesem Tage dem Pfleglings-Fond den Betrag von K. 100.—..Mehr aber als diese edlen Werke der Wohltätigkeit bedeutet das Wirken der edlen Dame, welche als gtschäftssüh'-ende Vizepiäsidentin des Vereines „A yl für mittellose, kranke Israeliten in Meran" die Stelle ihres in Gott ruhenden Gatten mit unvergleichlich'r Umsicht und Tatkraft ausfüllt. Nicht zum geringsten Teile ist es dieser Dame zu danken, daß daß GenesungSh'im in Meran eine so hervorragende Stelle unter den Wohlfahrtsinstituten Oesterreichs einnimmt. Auch diese Herbstsaison wies einen Andrang von Gesuchsstellern auf, dem selbst das große neue Genesungsheim nicht mehr ge wachsen war. Es ist nur zu wünschen, daß unter der ausgezeichneten Leitung dieses Institut auch weiterhin segensreich wirke. Nichtzulassung armer Emigranten in Amerika. Vom Bureau der „Israelitischen Allianz zu Wien" wird uns zum Zwecke der Information weiterer Kreise folgendes mitgeteilt: Unter den Tag für Tag sich an die Allianz um Hilfe, bezw. Zuschuß zu den Kosten der Auswanderung nach überseeischen Ländern sich wendenden russischen und rumänischen Glaubensgenossen kommen häufig Einzelpersonen und ganze Familien vor, welche selbst, wenn sie den größten Teil der Mittel bereits besitzen, vor der Reise nach den Vereinigten Staaten oder Kanada dringend gewarnt werden, da sie nach den bestehenden sehr strengen und immer strenger Werdenden Vorschriften nicht zugelafsen werden würden. Die Emigranten oder deren Fürsprecher halten häufig die Ablehnung ihres Gesuches für eine Härte seitens der Allianz, lassen sich nicht überzeugen und drängen solange, bis manchmal nachgegeben wird und die betreffende Person oder Familie endlich doch nach Amerika befördert wird. Leider harrt dann die furchtbarste Enttäuschung dieser Unglück ichen; sie werden, wie vorauszusehen war, von Nenyork bei der Landung unbarmherzig zurückgewiesen und find in solchen Fällen nicht nur die beträchtlichen Kosten der Ueberfahrt verloren, welche sich in der Regel aus den letzten Ersparnissen der Emigranten selbst, aus Beiträgen verschiedener Wohltäter und dem Zuschuß der Allianz zusammensetzen, sondern die bedauernswerten Heimgesandten kommen nach unsäglichen Strapazen ganz gebrochen und in einem noch unglücklicheren Zustande nach Wien zurück, als sie sich bei der Abreise befunden haben. Einer der jüngsten Fälle ist folgender: Eine Familie G., bestehend aus Frau G. und deren zwei Kinder, die sich in Wien länger als zwei Jahre aufgehalten hatte und hier von Unterstützungen verschiedener humanitärer Institutionen und privater Wohltäter lebte, wurde im Oktober d. I. von der Allianz nach Newyork expediert. Die Ueberfahrtskosten betrugen zirka 370 Kr; außerdem wurde der Frau ein Barbetrag von 125 Kr. mitgegeben, den sie bei der Landung vorweisen sollte. Die Allianz gab in diesem Falle einen Beitrag von zirka 150 Kr., während der Rest durch eine von einem Privatwohltäter eingeleitete Sammlung unter Inanspruchnahme anderer Wiener jüdischer Organisationen aufgebracht wurde. Die Frau wurde im Bureau der Allianz wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß sie nicht mit Sicherheit auf ihre Zulassung zur Landung in Newyork rechnen dürfe. Da sie aber dort eine Schwester hat, die in guten Verhältnissen lebt und sich zu ihrer Uebernahme bereit erklärte, ließ sie sich von ihrem Plane nicht abbringen und reiste Ende Oktober von Wien ab. In Castle Garden wurde sie nun ungeachtet der eifrigsten Bemühungen ihrer Schwester zurückgestoßen. Die amerikanischen Einwanderungsbehörden erklärten, eine Frau mit zwei erwerbsunfähigen Kindern, die nicht vom Manne übernommen wird, könne nach den bestehenden Gesetzen zur Landung nicht zugelafsen werden. Frau G. mußte die Rückreise nach Europa antreten und befindet sich nun mit ihren Kindern wieder in Wien. Ihre Lage ist viel schlechter als vor ihrer Abreise, da sie hier ihren bescheidenen Hausstand auflöste und nun vollkommen mittellos und ratlos ist. In zahlreichen anderen Fällen, wo es sich um einzelne, scheinbar arbeitsfähige Personen handelt, welche in Newyork oder in anderen großen amerikanischen Städten „Freunde" haben, vertrauen die Emigranten darauf, daß sie von ihren Freunden oder von Verwandten abgeholt und keine Schwierigkeiten finden werden. Es zeigt sich aber wiederholt, daß auch solche Personen, sei es, daß sie den Einwanderungsbehörden als schwächlich oder sonst nicht vollkommen arbeitsfähig erscheinen, sei es, daß sie die zur Vorweisung erforderliche Barsumme von 25 Dollars nicht besitzen, unnachfichtlich an der Landung gehindert werden und zur Rückreise nach Europa verhalten werden. So wurde erst im Sommer d. I. ein Mann namens B., der von der Allianz unter Bewilligung eines größeren Zuschusses nach Newyork geschickt wurde, wo ihn sein Bruder, ein dort seit mehreren Jahrzehnten ansäffiger Gewerbetreibender abholen wollte, obwohl er sich mit dem Besitze einer größeren Geldsumme ausweisen konnte, als „schwächlich" zurückgestoßen. Aus dem Gesagten ergibt sich, daß man unbemittelte Personen nicht eindringlich genug vor der Auswanderung nach den großen nordamerikanischen Städten warnen kann. Es empfiehlt sich im allgemeinen für Personen, die auswandern wollen, daß sie vor Antritt ihrer Reise sich genau bei den'bestehenden Emigrantenschutzkomitees informieren. Zur Lage der rumänische» Juden In dem soeben erschienenen Berichte der „Anglo- Iewish-Association" wird ein sehr trauriges aber leider sehr zutreffendes Bild der Lage der rumänischen Juden entworfen. Im abgelaufenen Iahre ist in Rumänien kein einziger Fall vorgekommen, in dem Juden gerecht behandelt worden wären. Im Gegenteile, die ganze rumänische Gesellschaft verhielt sich gegen die Iuden feindselig und ersann immer neue Verfolgungsarten im Wege der Gesetzgebung oder auf administrativem Wege. Die Lehrer, die Gesetzgeber im Parlament, die Minister und ihre Beamten scheinen überhaupt nichts anderes zu tun zu haben, als durch ihr Beispiel die Bevölkerung zum Hasse gegen die Iuden aufzumuntern. Die von den Professoren Iorga und Cuza unter den Schülern angefachte antisemitische Propaganda hat so sehr an Amfang gewonnen. daß den jüdischen Schülern der Besuch der Lehr-