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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-12-23 · 51 (23.12.1910) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
51 (23.12.1910)
Date
1910-12-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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«eite 846 Dr. BlochlS WochenfchM. Nr. 51 Der Erfolg der Versammlung enthält eine Lehre und eine Mahnung, die bald gehört werden muß. Die anständigen Zionisten müssen sich zusammenschließen, die Idee '»idjt unbefugten Leuten und minderwertigen Elementen überlassen — oder sie müssen sich öffentlich von ihnen lossagen. Wenn sie sich austaffen und zu gemeinsamer Arbeit vereinigen, werden sie sicher die Unterstützung aller Kreise des Wiener Judentums finden, die heute sorgfältig alles meiden, was von den offiziellen Zionisten ausgeht. Gewiß, es kommen alljährlich nette und begeisterte junge Leute in die Leitung der zionistischen Vereine, allein sie werden bald in den Sumpf gegen ihren Willen hineingezerrt oder sie laufen verärgert und enttäuscht davon und überlaffen das Feld den Radaubrüdern. Wir haben ganze Generationen solcher jungen Burschen kommen sehen, sie veranstalteten viel Spektakel und verschwanden bald wieder aus dem Gesichtskreis, nachdem sie die besten Männer der Gemeinde und ihre eigene Partei verlästert hatten — sie verschwanden spurlos, nachdem sie eine Desorganisation hinter sich zurückgelaffen haben. Ob sich die besonnenen Elemente ermannen und die Ehre chrer Partei in Wien retten wollen, das ist am nächsten Ende ihre Sache, aber wir werden uns den 18. Dezember 1910 merken und alle Beteiligten immer wieder an dieses Datum erinnern. Ist dieser Tag das Ende des Wiener Radau-Zionismus, dauu beginnt ein neuer Weg für das praktische Arbeiten in Palästina, und dann schließt sich an dieses Ende ein Anfang: ein segensreicher Anfang allgemeinen Friedens. Wird jedoch immer wieder den Zufallsleuten die Führung gelassen — dann wird sie endlich die Flut der allgemeinen Mißstimmung und Mißachtung mitreißen — den Verleumdern ist niemand gewachsen, auch sie selbst nicht, das beweist der Gestank, der allwöchentlich aus dem Parteiblalt in Wien aufsteigt und in welchem nach uud nach alle alten Parteigenoffen abg'eschlachtet werden, deren Name noch gute» Klang hat. Israelitischer Humanitäts Verein für die westlichen Bezirke Wiens „Nachlat Jeschnrnn". Samstag den 17. Dezember fand im Freitischlokale, VI., Kollergerngaffe 1, die 43. ordentliche Generalversammlung des ifraelitischen Humanitätsvereines für die westlichen Bezirke Wiens statt. Derselben wohnten außer zahlreichen Mitgliedern als Gäste bei: Herr Kultusvorstand Dr. Jakob Engel, Herr Rabbiner Dr. I. Ta glicht, das Ehrenmitglied des Vereines Herr Dr. I. S. Bloch, die Präsidentin des Frauen-Wohltätigkeits - Vereines für den VI. und VII. Bezirk Frau Frida Strauß, die Präsidentin des Vereines zur Ausspeisung armer Kinder im XII.—XV. Bezirk Frau Regine L a n d e i s. Nach Begrüßung der Genannten und Verifizierung des Protokolles der vorjährigen Generalversammlung erstattete der Präsident Herr Dr. Karl Löwy den Jahresbericht und hebt besonders hervor, daß in diesem Jahre zum erstenmale die laufenden Einnahmen zur Deckung der erforderlichen Ausgaben nicht hinreichten. Herr Dr. Jakob Engel begrüßte die Versammlung als Präsident des Mariahilfer Tempelvereines, als Obmann der Bezirkskommisfion und als Mitglied des Kultusvorstandes und versprach, sich beim Kultusvorstande energisch für eine ausreichende Subventionierung des Humanitätsvereines einsetzen zu wollen. An das Referat des Kaffaverwalters Herrn Hermann König knüpfte sich eine lebhafte Debatte über die finanzielle Gebahruug des Vereines, an der sich insbesondere die Herren kaiserl. Rat Toffler, R. Foges, I. Klein, Doktor Schlichter und der Präfident Dr. Löwy beteiligten. Nach - Erteilung des Absolutoriums an den Vorstand wurde zu den Wahlen geschritten: Gewählt wurden u. a. einstimmig in den Vorstand die ausscheidenden Herren: Adolf Hirsch, Richard K n e p l e r, Moritz T i l l e r und Jakob Winkler; zu Revisoren die Herren Ernst Schüller und Friedrich Haas. An die Generalversammlung schloß sich, wie alljährlich, ein gemeinsames Abendessen der Teilnehmer, in dessen Verlaufe die Herren Präsident Dr. L ö w y, Rabbiner Dr. T a g l i ch t und Dr. Bloch Trinksprüche ausbrachten. Konzertaufführung Salomon Sulzer scher Kompositionen. Aus Posen wird uns berichtet: Am 4. d. M. fand hier im Festsaale der Akademie zugunsten des „Russenfonds des Hilfsvereins der deutschen Juden" ein Konzert statt, bei welchem Salomon Sulzer's Requiem (Ps. 16 und 49) für Solo, Chor und Orgel und desselben Meisters Psalm 111 (Hallelujoh) mit Orchesterbegleitung (instrumentiert vom k. u. k. Hofmufiker Professor Josef S u l z e r) äußerst wirkungsvoll und unter enthusiastischem Beifalle zur Aufführung gelangten. Die Soli in beiden Werken, welche Musikdirektor Berggruen feinfühlig und schwungvoll dirigierte, sang Oberkantor Klein aus Berlin mit Begeisterung und vortrefflichem Vortrage. Durch die Aufführung der beiden Sülze r'schen Meisterwerke außerhalb des Rahmens der Synagoge dokumentierte sich abermals die Tatsache, daß es diesem Meister in unvergleichlicher Weise gegeben war, den Stimmungsgehalt der religiösen Texte in ergreifende, dem Hörer — welch' Glaubens er auch immer sei — zu Herzen gehende Töne umzusetzen. Verleiht Salomon Sulz er seinem Requiem düstere und zugleich sanft tröstende Klänge, so läßt er seinen Psalm 111 in festlich jubelnden Hymnen erschallen. Hier wie dort herrscht höchste, künstlerische Vollendung bei begeistertem, erfolgreichstem Ringen nach Wahrheit im Ausdrucke. Dieser Enthusiasmus, der in allen, auch den kleinsten Tonstücken im Schir Zijön austönt, ist denn auch im Wesentlichen die Ursache der unzweifelhaften Ueberlegenheit Salomon S u l z e r's gegenüber den berühmtesten Meistern, die sich mit der Komposition synagogaler Gesänge befaßten. Ein Beispiel hiefür liefert der Psalm 92 (Töw l’hödös) von Franz Schubert, den dieser Tonheros dem ihm befreundet gewesenen Salomon S u l z e r als künstlerischen Beitrag für dessen epochales Werk „Schir Zijön“ verehrte, der sich jedoch zum praktischem Gebrauche wenig eignet und an synagogaler Charakteristik und Innigkeit dem allsabbathlich zum Vortrage gebrachten Sülze r'schen Töw l’hödös nicht gleichgestellt werden kann. Aehnlich verhält es sich mit einigen von Meyerbeer und H a l e v y herrührenden Tempelgesängen. Auch sie tragen zu deutlich die Marke einer „bestellten" Arbeit, um mit den mit höchster Hingabe und Herzenswärme geschaffenen S u l z e rschen Meisterwerken erfolgreich konkurrieren zu können. Als erfreulicher Beweis für die allgemeine Erkenntnis des unschätzbaren Wertes der Werke Salomon Sulzer's diene die Tatsache, daß dieselben sowohl in Deutschland, als auch in Rußland und Amerika bei Konzerten häufig und unter enthusiastischem Beifalle aufgeführt werden. Ebenso dokumentiert sich die Unvergänglichkeit dieser Meisterwerke durch die stets anwachsende Verbreitung der neuen Ausgabe des Werkes „8okir Zijön", die in jüngster Zeit auch in sämtlichen Synagogen Frankreichs und Englands Eingang fand. Reform der Einhebung der Kultusfteuer in Berlin. Die Vertretung der Berliner jüdischen Gemeinde hat beschlossen, die Steuern nicht mehr durch Boten abholen zu lassen; vielmehr find die Steuern zu bringen. Jedes steuerpflichtige Mitglied der Gemeinde erhält eine Benachrichtigung über den veranlagten Jahressatz und die einzelnen für jedes Vierteljahr zu entrichtenden Beträge. Es sind Einrichtungen getroffen, um die Erfüllung der Steuerpflicht möglichst bequem zu machen. Die Steuern können gezahlt werden: Bei der Steuerkasse der Gemeinde, Oranienburgerstraße 29, bei jeder Depofitenkaffe der Deutschen Bank in Berlin und Vororten, durch Ueberweisung

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