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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-12-23 · 51 (23.12.1910) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
51 (23.12.1910)
Date
1910-12-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 51 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 845 dis siebente Compagnie, und dis anderen Freiwilligen die vierte Compagnie. Die sogenannte ..Hebräerkompagnie" zeichnete sich, wie Oberst Dövara berichtet, ganz besonders aus. Sie war aus der Katastrophe, in welche das piemontesische Heer hineingeraten war. unversehrt hervorgegangen und rettete dann in Mailand Karl Albsrt aus großer Gefahr. Als dann im Äahre 1849 der Krieg von neuem begann, überschritt die ..Hebräerkompagnie" mit der achten Kompagnie, unter der Führung Karl Alberts, den Ticino und kämpfte 'überaus tapfer bei der „Siorzesca". Zwei Tage später tat sie bei der ..Bicocca" wahre Wunder von Tapferkeit. Inmitten der Kompagnie wurde der General Perrons getötet und der heldenhafte Major Lyons durch eine Kanenenlugel schwer verwundet und aus dem Sattel geschleudert. Unter dem Rufe: ..Rächen wir unsern Major!" stürzte sich die Hebräerkompagnie dann auf den Feind, den sie mit solchem Ungestüm angriff, daß er in wilder Flucht das Schlachtfeld verließ. Als die Hebräer dann erfuhren, daß in ihrer Nähe ein Infanterieregiment von Savona von der feindlichen Uebermacht hart bedrängt werde, und daß sein; Fahne bedroht sei, wandten sie sich mit großem Elan dem neuen Feinde zu. Hauvtmann Cattaneo, der Führer der Kompagnie. wurde so schwer verwundet, daß er wcn'ge Tage darauf starb ,' der Leutnant Ritter Radicati. der an seine Stelle trat, wurde getötet: von der ganzen Komvagnie kehrten nur etwa vierzig Bersaglieri. unier der Führung des Unterleutnants Dr. Modena heim: aber die Fahne war gerettet! Korrespondenten Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes unter dem Borfitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern Vom 18. Dezember 1910. Beginn 10 Ufjr vormittags. Im Einlaufe befinden fich: Entscheidung über die Giltigkeit der am 27. November und 7. Dezember 1910 vorgenommenen Wahlen in den Kultusvorstand und der Vertrauensmänner. Der Präsident konstatiert, daß innerhalb der statutarischen Frist — d. i. innerhalb 8 Tagen nach dem letzten Wahltage — keinerlei Einwendung gegen die Giltigkeit der Wahlen vorgebracht worden ist. Die Wahl der nachbenannten Herren wird anerkannt: Von der Gesamtheit der Gemeindemitglieder gewählt: Für eine sechsjährige Mandatsdauer: Dr. Markus Spitzer, Dr. Jakob Engel, Siegmund Kauders, Richard Bett elheim. Carl Lemberger, Leopold Langer, Jakob G a r t n e r, Salomon B r o d. Für eine vierjährige M a nd at s d a u e r: Dr. Heinrich Schreiber, Heinrich G r ü n w a l d. Für eine zweijährige M a n d a t s d a u e r: Dr. Anselm H a l p e r n. Von den höherbesteuerten Gemeindemitgliedern gewählt: Für eine sechsjährige Mandatsdauer: Dr. Josef Breuer, David Ritter von G u t m a n n, Moriz Edler von K u f f n e r, Wilhelm K u f f n e r. Für eine vierjährige Ma n dat s d aue r: Ernst Hirsch. Für eine zweijährige M a nd a t s d a uer: Max Zirner. Weiters werden die am 27. November, beziehungsweise 7. Dezember 1910 vorgenommenen Wahlen der Vertrauensmänner anerkannt. Nach Erledigung einer Reihe von Stiftungs- und Subventionsangelegenheiten wird die Sitzung um 1 Uhr nachmittags geschloffen. Des Zionismus Ende und — Anfang. Zur Vorlesung Franz Oppen bei mers am 18. Dezember 1910. Wenn wir Feinde des Zionismus wären, dann hätten wir geschrieben: „Des Zionismus Anfang und Ende". Aber wir glauben an den Zionismus, wie wir an das Judentum glauben, es hat nie ein Judentum gegeben, ohne die Hoffnung auf Palästina, ohne die Liebe zu dem Lande unserer Väter und an dem Tage, an dem die Juden samt und sonders an Erez Israel vergeffen sollten, wird das Judentum katastrophal enden. Wir sind aber gegen jene Abart und Entartung des Zionismus, die seit einigen Jahren das jüdische Leben in Wien vergiftet und die Gemüter erregt obne sie zu befriedigen, wir sind gegen jene als Zionisten verkleideten Radaubrüder, die sich als Herren des Judentums aufspielen, überall Z'mst und Zwietracht säen und die verdientesten Männer in unserer Mitte mit Unglimpf bewerfen, wir find gegen jene halbgebildeten Schreier, die eine uralte, allgemein jüdische Idee zum Eiaentum einer beschränkten Sekte herabwürdigen wollen. Diese Spielart des Zionismus ist eine unglückselige Sp-zialität unserer Stadt. Wenn aber nicht alles täuscht, ist dieser Radau-Z'onismus an seinem Ende anaelanat. Das bewies vor allem die Versammlung am 18. Dezember. Der zur europäischen Autorität aufsteigende, noch immer jugendliche Dozent der Berliner Uuiverfität. der Nationalökonom und Soziologe Dr. Franz Oppenheimer, ein Schüler Gumplowicz, propagiert die Idee der Siedelunqsgenoffenschast und will fie mit Juden aus dem Osten Europas in Palästina verwirklichen. Dazu braucht man Geld, Oppenheimer hat in vielen Städten Deutschlands und auch in Oesterreich Versammlungen einberufen, um von Zionisten und N'chtzionisten die Mittel für die Genoffenschaft zu erlangen. In Wien tunen freilich die offiziellen Herren, welche den Zionismus gepachtet haben, gar nicht in Betracht. Herr Johann Kremenezky einer von der alten Garde Theodor H e r z l s. der Gründer des Nationalfondes, den die Wiener Radau-Zionisten derart behandelt haben, daß er seit Jahren jeden wie immer gearteten Verkehr mit diesen Leuten meidet, — dieser wahre und aufrechte Idealist ging zu allen hervorragenden nicktzionistischen jüdischen Korporationen der Wiener Gemeinde und stellte fich ein Kom'tee zusammen, an dessen Spitze Namen, wie der des Präfidenten der israelitischen Kultusqemeinde Dr. Alfred Stern, des Oberrabbiners Dr. Moritz Güdemann standen, daneben die Vorstandsmitglieder der großen jüdischen Vereine und einflußreichen Organisationen. Jawohl der Präfident der israelitischen Kultusgemeinde, der noch vor wenigen Tagen von den offiziellen Zionisten anläßlich der Wahlen verhöhnte und beschimpfte Dr. Alfred Stern, stand an der Spitze der Einberufer jener großen Versammlung zugunsten der Siedelungsqenoffenschast; auch Dr. Bela T a u s s i g, Vorstandsmitglied des Jüdischen Kolonisationsvereines, der. als er 3000 Frks. für den Beratet spendete, von einem der zionistischen Hauptmacher anqestänkert wurde, zählte mit zu den Veranstaltern der Versammlung. Man vergißt gerne die entsetzliche Gesellschaft, die jeden beschimpft, der dem Judentum dient — wenn es nur eine gute Sache gilt. Sieht man doch, daß es den engeren Parteigenoffen dieser Leute eigentlich nicht besser ergeht. So ist vielleicht die Hoffnung nicht unberechtigt, daß der 18. Dezember eine Wendung in der Geschichte des Wiener Zionismus bedeutet, die ihre Wirkung auch in der Zukunft üben wird. In der Versammlung im „Hotel Continental" sah man so ziemlich die Vertretung von allem, was im Wiener Judentum Bedeutung hat, von den Zionisten fast nur die alten Freunde Theodor H e r z l s, die man sonst in zionistischen Versammlungen nicht mehr zu sehen bekommt. Oppenheimer sprach bei aller Sachlichkeit mit solcher Kraft und Begeisterung, daß er nicht nur stürmischen Beifall fand, sondern auch im Saale selbst 10.000 Mark gezeichnet wurden. Nun gehen die jüdischen Korporationen daran, im eigenen Wirkungskreise die Arbeit foctzusetzen, um den wackeren jüdischen Gelehrten nach Kräften zu fördern.

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