Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 51 (23.12.1910)
- Date
- 1910-12-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021873-3021925--19821-3044826- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 844 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 51 __Maler Ludwig Bruck.__ Die ungarische Kunst hat neuerdings einen schweren Verlust erlitten. Einer ihrer Bellen, der Maler Ludwig Bruck, dessen Name weit über die Grenzen seiner engeren Heimat, u^neutuu, in Paris lange Zeit unter den Ersten genannt wurde, ist plötzlich verschieden. Der vierundsechzigjährige Künstler litt seit einem Jahre an Herzbeschwerden, was ihn jedoch nicht hinderte, seine Tage nach wie vor im Atelier zu verbringen. Ludwig Bruck l ebte erst seit dem Jahre 1895 wieder in Budapest, wo er alle seither veranstalteten Ausstellungen — auch die eben erst erösfnete — beschickte. 2)en größten Teil seines ungemein arbeitsamen Lebens hatte er im Auslande verbracht. Bald nach seinen Studien in Budapest und Wien kam er nach Venedig, wo er unter der Leitung Molmentis arbeitete. Nach längeren Wanderungen durch fast alle deutschen Städte — Wanderungen, die in seinem Schaffen und seiner Entwicklung stets ihre Spuren hinterlietzen — gelangte er nach Neapel, dann nach Paris, wo ihm endlich die lang entbehrten Erfolge blühen sollten. Er kam in den Kreis Munkacsys, der damals, zu Beginn der Achtzigerjahre, auf der Höhe seines Ruhmes stand, und die Genrebilder und Porträts, die Bruck im Pariser Salon ausstellte, fanden rasch beim Publikum und der Kritik begeisterte Aufnahme. Er war nun bald mit Bestellungen überhäuft, und als er im Jahre 1885 für kurze Zeit nach England übersiedelte, ging ihm dorthin schon ein grotzer Ruf voraus, der ihm mühelos Zugang in die ersten Gesellschaftskreise und zum Hofe verschaffte. König Eduard — damals noch Prinz von Wales — zeichnete ihn wiederholt aus und mehrere Mitglieder des englischen Königshauses ließen sich von Bruck porträtieren. Später, als er nach neuerlichem Aufenthalte in Paris heimgekehrt war, blieb er auch hier eine zeitlang der Porträtist des Herrscherhauses. Im Justizpalais hängen die Bildnisse des Königs und der Königin, die Bruck malte. Er verewigte dann ferner die Züge des verstorbenen Erzherzogs Josef, seines Sohnes, der Erzherzogin Augusts, der Erzherzogin Elisabeth. Als Arrangeur der im Jahre 1699 in Petersburg veranstalteten ungarischen Ausstellung wurde Ludwig Bruck vom Zaren mit dem Nikolausorden ausgezeichnet. Zahlreiche seiner Bilder wurden von verschiedenen Galerien Europas erworben, einzelne sind im Besitze des Museums der Schönen Künste, mehrere schmükken die Schlösser des Königs. Die Gesellschaft für bildende Kunst und der Nemzeti Szalon haben auf ihren Ausstellungsgebäuden Trauerflaggen gehißt. In dem verstorbenen Künstler verliert der bekannte Maler Mar Bruck seinen Bruder. Das Leichenbegängnis des berühmten Malers erfolgte auf Kosten der ungarischen Landesgesellschaft für bildende Künste auf dem Budapester israelitischen Friedhof. Die Leichenhalle des Friedhofs in der der mit der Seidentrikolore des Vereines der ungarischen bildenden Künstler bedeckte Sarg inmitten zahlreicher Kranze aufgebahrt lag, war von einer zahlreichen Trauergemeinde dicht gefüllt. Es waren uute anderem anwesend: der Direktor des Nationalmuseums Emerich v. Szaläy, der frühere Leiter der Kunstsektion im Unterrichtsministerium Dr. Nikolaus Szmrecsanyi, der Klassendirektor des Museums der Schönen Künste Dr. Gabriel Terey, der Direktor der Hochschule für bildende Künste Konstantin Vardai, viele Künstler und Kunstfreunde usw. Die Zeremonie vollzog Rabbiner Dr. Simon Hevesi, der dem Verstorbenen einen ergreifenden Nachruf widmete. Nachdem der Opernchor einen Trauergesang vorgetragen hatte, hielten Eugen Jendrassik im Namen der Landesgesellschaft für bildende Künste und des Landesvereines ungarischer bildender Künstler, Direktor Bola Dery aber im Namen des Nemzeti Szalon Trauerreden. Ueber die blutigen Ausschreitungen gegen Juden in Schiras ist dem Deutschen Bureau der Alliance von dem Leiter der Allianceschule in Schiras ein ausführlicher Bericht zugegangen, dem wir folgende Einzelheiten entnehmen: „fes haben sich hier gestern Borgänge -abgespielt, die an Schrecken uno Barbarei alles, was die fruchlvarste Phantasie sich vorzustellen vermag, übersteigen. Im Zeitraum von wenigen Stunden ist das ganze Jaoenviertel zerstört und aurgeplündert, sind seine Bewohner auf das grausamne mißhandelt worben. Zar Rechtfertigung der Angriffe gegen die jüdischen Mitbürger beschuldigte man diese des Mordes und des Vergehens gegen die Neltgwn des Islam, der Koranschändung usw. Am Abend vor dem letzten Laubhütten-Feiertag wurde das Haus der beiden Oberrabbiner der Gemeinde von einer Bande Lutis (Srraßenpövel) überfallen, die einem Bazarhändler hierher nackgelaufen waren. Dieser behauptete, sein vierjähriges Töchterchen sei im Laufe des Nachmittags fortgelaufen und nirgends zu finden, es müsse zweifellos im Judenviertel versteckt gehalten werden oder man habe es dort umgebracht, um ihr Blut zu benutzen. Man kann sich das Entsetzen der unglücklichen Rabbiner vorstellen; alle beide schwuren, daß ihnen nichts von dem Aufenthalt eines mohammedanischen KindeS in ihrem Viertel wkannt und daß eine solche Beschuldigung vollkommen grundlos sei. Die Lutis entfernten sich mit der Drohung, daß sie das Judenviertel mit Feuer und Blut überziehen würden, wenn das Kind dis zum nächsten Tag nicht wiedergefunden würde. Am folaenden Abend fand man ungefähr einen Kilometer von der Stadt, nicht weit vom jüdischen Friedhof, den Leichnam eines Kindes; man vermutete, daß dieses das vor 10 Tagen vermißte kleine Mädchen sei und verbreitete das Gerücht, daß die Juden das Kind umgebracht hätten. Jeder Jude, der sich außerhalb des Viertels sehen ließ, wurde tätlich angegriffen. Bald konnte man das Geheul und Geschrei der Menge hören, die sich vor dem Palast des Gouverneurs immer zahlreicher ansammclte, den angeblichen Leichnam des mohammedanischen Mädchens mit sich führte und die Juden beschuldigte, den Mord begangen zu haben. (Später ist bewiesen worden, daß der ganz unkenntliche Leichnam der eines kleinen jüdischen Knaben gewesen ist, der vor 8 Tagen begraben worden und nun zum Zweck der Judenhetze ausgegraben worden war.) Der Juterimsgouverncur Kawam-el Molk hatte seinen Reitern Befehl gegeben, die Menge zu zerstreuen. Diese stürzte sich darauf sofort in das Judenviertel, das nun der Schauplatz unerhörter Greuel und Roheiten wurde. Die von Nasr-ed-Dowlet zum Schutz der Israeliten geschickten Soldaten beteiligten sich in erster Reihe an der Zerstörung und Plünderung des Judenviertels. Zwölf Juden wurden getötet, fünfzig verwundet, 5—6000 Mitglieder der jüdischen Gemeinde von Sckiras all ihrer Habe beraubt. WaS bei diesem Ereignis auffällt und seltsam berührt, ist die Untätigkeit der Ortsbehörden. Sie scheinen nur eines getan, nämlich den Soldaten befohlen oder gestattet zu haben, mit der Bevölkerung gemeinschaftliche Sache zu machen und das Judenviertel zu berauben und seine Bewohner an mißhandeln. Und das geschah trotz der dringenden Bitte, berittene Kosaken zu schicken, um der begonnenen Plünderung Einhalt zu tun, trotz der energischen Vorstellungen des englischen Konsuls Hr. Smart beim Jnterimsgouverneur Kawari. Eine Tatsache steht fest: die furchtbaren Ereignisse im Judenviertel sind wett weniger dem religiösen Fanatismus der Mollahs und der Bevölkerung von Schiras zuzuschreiben als politischen Motiven. Es ist bekannt, daß der Hauptgrund oder eigentlich der einzige Grund für den seit zwei Jahren im Schiras herrschenden anarchistischen Zustand in der ernsten Rivalität zwischen den Stämmen der Kaschgais und ihres mächtigen Oberhauptes Saulat-ed-Dowkeh einerseits und mit den arabischen Stämmen mit ihren Führern, den Brüdern Kawam andererseits zu suchen ist. Die Kaschgais überfallen die Karawanen, plündern die Dörfer ans, berauben die Post und werfen alle Schuld auf die Araber. Diese begehen dieselben Untaten und beschuldigen wieder die Kaschgais. Es ist jedenfalls zweifellos, daß die teuflische Machenschaft von einer der beiden politischen Parteien organisiert worden ist, um der anderen zu schaden, und daß als Folge dieser politischen Nebenbuhlerschaft heute 6000 Menschen sich in größtem Elend befinden." Der Vertreter der Alliance schildert des Weiteren das schreckliche Elend im Judenviertel zu Schiras und berichtet über die erste Hilfe, die den Unglücklichen gereicht wurde, sowie die Organisierung einer durchgreifenden Hilfsaktion. Schiras (Persien). Laut Telegramm der „Zeit" vom 21. d. M. wurde das Judenviertel total geplündert und zerstört. Juden als Soldaten. Bon den kriegerischen Großtaten der jüdischen Soldaten in Italien erzählt der Oberst Dovara in der „Grande Jtalia". Im Jahre 1848 wurden die Freiwilligen aus Piemont meist den Bersaglieri zugeteilt: man teilte sie in drei Kompagnien, die Studenten bildeten die dritte Kompagnie des vierten Bataillons, die Juden