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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-12-23 · 51 (23.12.1910) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
51 (23.12.1910)
Date
1910-12-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 842 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 51 alljährlich gefeiert würde. Aber die Liebe des Volkes zu seinem unglücklichen, mit Gewalt vernichteten Herrscherhause konnte jenes Weihefest nicht ganz vergessen lassen. Es ist zwar vorauszusetzeu, daß dessen feierliche Begehung aus dem Tempel auf Zion für immer verbannt war, aber das Volk schuf sich einen Ersatz dadurch, daß es vom 25. Kislew bis zum 3. Tebeth seine Häuser beleuchtete. Der stolze Name „Skenopegia“ Laubhüttenfest war verschwunden, und es hieß nunmehr „tu Fnkainia“ das Einweihungsfest (Ap. Joh. X. 22) oder schlechthin „ta Fota“ das Lichterfest (Jos. Ant. XII. 7. 8), für welch letztere Bezeichnung der hebräische Name überhaupt fehlt. Schon damals war man darauf bedacht, dem Feste eine religiöse Basis zu geben, was durch zwei Traditionen bestätigt wird. Die eine lautet: An 18 Tagen und in einer Nacht wird das Halle! gelesen und zwar, an den 8 Tagen des (Laubhütten-)Festes, an den 8 Tagen des Chanuka, am Azeret (Pfingsten), am 1. Tage des Pesach und in der zu ihm gehörigen Nacht. (Bericht des Amoräers, der ersten Generation Simeon ben Jehozadak vergl. jer. Sukka IV. Halaka 5, Gemaraanfang.) Ob schon damals im 2. Jahrhundert auch die Hoda'a (al-da-Xissiw) fixiert war, muß dahingestellt bleiben. Die zweite, vielleicht ältere Tradition lautet: Die Schule Schammais verordnet, am ersten Tage 8 Lichter anzuzünden und von da ab ihre Zahl täglich zu vermindern, die Schule Hillels aber, am ersten Tage ein Licht anzuzünden und von da ab die Zahl täglich um 1 zu vermehren. Dieser Streit scheint aber ursprünglich nur ein theoretischer gewesen zu sein, da man nach wie vor die Lichter nach eigenem Gutdünken anzuzünden pflegte (b. Sabb. 21 d). Eines ist als feststehende Tatsache zu bezeichnen, als die Mischna redigiert und abgeschlossen wurde, hatte Chanuka so sehr an Interesse verloren, daß man ihm nicht einmal einen ganzen Abschnitt widmete und die an ihm abzuhaltenden Zeremonien nur nebenbei berührte; so wird es in der Mischna nur siebenmal (Bik. I, 6. R. H. I, 3. Tan. II. 10 Meg. III, 4. 6. M. K. III. 9, und B. K. II, 10.) in der Tosifta gar nur viermal (Ber. III, 14. Tan. II. 5, Meg. IV, 4 und B. K. VI. 28) erwähnt. Die Gleichgiltigkeit war so groß, daß man selbst die alte Verordnung, das Verbot des Fastens am Chanuka (Meg. Tan. § 23) erst zum Teile (M. K. III. 9) etwas später aber vollkommen aufgehoben zu haben scheint (Tosifta Tan. II. 5). Da aus allen obigen Quellen hervorgeht, daß das Fest zwar vorausgesetzt nicht aber eingeschärst wird, so ist anzunehmen, daß es zwar nicht mehr als nationale Feier, wohl aber als Gedenktag beobachtet wurde, was aber nicht nur in Palästina sondern auch in Egypten (vergl. H. Makk. oben) und in Syrien geschah (b. Sabb. 21 d). An manchen Orten bestand die Sitte, daß das Familienoberhaupt für sein ganzes Haus die Lichter anzündete, au anderen wieder zündete sich jedes Familienmitglied selbst, auch die Frauen und Mädchen, Lichter an. Es geschah niemals im Zimmer, sondern in Häusern ohne Stockwerk wurde immer der Toreingang, in Stockwerken hingegen wurden die Frontfenster beleuchtet. Als aber die Verfolgungen des 3. Jahrhunderts ausgebrochen waren, wurde dieser Brauch abgeschafft und die Weihelichter nunmehr nur auf dem Tische mitten im Z'mmer aufgestellt. Da aber auch diese Gepflogenheit ganz zu erlöschen drohte, tat man alles Mögliche, dem Feste eine neue Basis zu geben, ohne aber die historische dadurch verwischen zu wollen. Die alte Tradition, daß auch Nehemias den zweiten Tempel am 25. Kislew eingeweiht hätte (II. Makk. I. 18 ff.) wurde noch weiter ausgebaut und folgende Anekdote erzählt. Als Moses am 10. Tischri vom Sinai heruntergekommen und die Verzeihung der Sünde Israels erlangt hatte, erging an ihn der göttliche Befehl, mit dem Baue des Mischkan gleich zu beginnen. Dies geschah auch und nach Verlauf von drei Monaten war die Arbeit so weit gediehen, daß am 25. Kislew man die Einweihung der Stiftshütte vornehmen konnte. (Pes. Rabb. VI.) Hatte das Fest nun auch eine religiöse Färbung erhalten, so lag es schon nahe, diesen Brauch noch mehr zu vertiefen und dies geschah dadurch, daß man auch einen Segen für das Anzünden der Lichter festsetzte; man ging dann soweit, daß man selbst beim Anschauen eines Weihelichtes den Segen sprechen mußte. Dadurch erhielten die Lichter erst die besondere Weihe, was zur Folge hatte, daß man sich ihrer zu keinerlei profanen Arbeit bedienen durfte. (Sabb. 21 b und 23 a; R, Ghija Bar Aschi, Jirmah). Anders war es in Persien, das Volk war in eine neue ihm vollständig fremdartige Umgebung geraten, niemals konnte es zwar der Schmerzensheimat vergessen, aber welche Bande sollten es mit den Siegen der Makkabäer in der Vergangenheit verknüpfen? Welcher Umstand sie das Chanuka feiern lassen? Tatsächlich wurde auch eines Tages an einer der beiden Jeichibot die Frage aufgeworfen: „Mai Hanuka?" „Was ist Chanuka?" An welches Faktum knüpft es an? Die Antwort lautete: Eine Borajta berichtet: „Als die Jewanim ins Heiligtum eingedrungen waren, verunreinigten sie alles in ihm befindliche Oel; als aber die Herrschaft der Hasmonäer die Oberhand gewonnen hatte, wurde nach geweihtem Oel gesucht, aber nur ein einziges mit dem Siegel des Hohenpriesters versehenes Krüglein mit Oel gefunden, das höchstens für einen einzigen Tag ausgereicht hätte, da geschah das Wunder, daß es volle acht Tage reichte, weshalb man vom darauffolgenden Jahre angefangen die Einschaltung des Hallet und der Hodaa in den Gottesdienst an diesen Tagen festsetzte, (b. Sabb. 21 d.) Wenn somit das Chanuka für die ganze Gola einfür allemal fixiert war, den Glanz, wie im ersten Jahrhundert nach seinem Entstehen, hat es nie mehr erhalten. Bis in das 11. Jahrhundert war das Anzünden der Weihelichter eine private häusliche Angelegenheit, ja selbst der berühmte Zedekjah dei Manfi, der römische Arzt vermerkt es ausdrücklich in seinem Werke (Schibole haleket § 185), daß das Anzünden der Chanukalichter in der Synagoge ein Brauch sei, für den es keinerlei Erklärung gibt. Im 13. Jahrhundert machte sich die Sitte geltend, den kurzen Satz, der mit den Worten „lia-Nerot halalu“ beginnt, in die Segensprüche einzuflechten; nachweislich war R. Meir aus Rottenburg (1215—1293), der erste, der dies getan hatte. (Vergl. Rosch zu Sabb. II, 8.) Als allerletzte Zutat erscheint noch das kleine Gedicht „Maoz Zur“, dessen Verfasser Mardochaj hieß, von dem aber sonst weiter nichts bekannt ist. Außer der bereits angeführten kurzen Borajta über die Entstehung des Chanukafestes erzählten darüber in ausführlicher Weise das 1. Makkabäerbuch, welches ursprünglich in hebräischer Sprache verfaßt war und ein „Leier due Haschmonaj", dessen Titel und ein einziger Satz von Saadja Gaon zitiert werden. Es existiert ferner eine Erzählung in hebräischer Sprache unter dem Titel „Negillat Antiochos“ welche aber mit obigem „Sefer" nicht zu verwechseln ist und zum ersten Mal in Neapel 1491 im Drucke erschienen ist. Im Jahre 1851 veröffentlichte H. Filipowski den aramäischen Text dieser Erzählung und versuchte den Nachweis zu erbringen, daß dieser allein der ursprüngliche sei. — Von Übersetzungen jener Erzählung existieren solche in lateinischer, deutscher und spanischer Sprache. Zu den ausführlichsten Abhandlungen über das Chanukafest gehört die des Professor S. Krauß—Wien in Revue Et. Juives. Band XXX. und XXXV. vom Jahrmarkt des Lebens. Das israelitische Blindeninstitut in Jerusalem. Von Rabbiner Dr. D. F e u ch t w a n g. Es besteht seit dem Jahre 1902. Wer weiß nicht, daß Palästina, das so viel Licht in die Welt gebracht hat, auch leider Heimat schwerer Augenkrankheiten ist? Im Jahre 1899 und 1910 wüteten sie furchtbar heftig, so daß viele Kinder mit Blindheit geschlagen wurden. — Unser weltbekanntes Blindeninstitut auf der „Hohen Warte" weiß von dem Elend in Jerusalem zu erzählen. Denn nicht selten suchten die Unglücklichen in Wien Zuflucht und fanden sie. Die Kinder aus Palästina gehörten und gehören stets zu den besten und begabtesten Schülern. Einer der nunmehrigen Leiter des Jerusalemer Instituts Herr Luncz, der bekannte Literat und Buchdrucker, war Schüler der Wiener Anstalt, und eine der trefflichste^ Lehrerinnen ging ebenfalls aus unserem heimischen Institute hervor. Die Gründung in der heiligen Stadt war in

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