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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-12-23 · 51 (23.12.1910) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
51 (23.12.1910)
Date
1910-12-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 51 Dr. Bloch’s Iahrgangxxvn Zenttalorgan kür die gesamten Unteressen des Judentums.? A. N. PoflfxarKsffenamk Slearing-Verll ebr Mr. 8X0.976. Redaktion und Administration: Wir« IX/i, Hahngasse Nr. 15. j) Telefon Nr. 14.847. £ oO ■ - - "OQ -- Wien, 23. Dezember 1910 LrscbeLnt jeden Freitag. . Brief-Adresse: Wien, IX/i, Hahngasse 15. Telegrannn-Adreffe: Bloch'S Wochenschrift, Wien. O Cr ■' ■ --OO ”p Vr;ugspreks für Oesterreich: Halbjährig 8 Kronen; Einzelexemplare 50 Heller. Fiir's Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 4malgespaltene Petttzeile 24 Heller. G n O -r-D Q - > . lii1■m Inhalt: Leitartikel: Chanuka. — Vom Jahrmark.t des Lebens: Das israelitische Blindeninstitut in Jerusalem. Hundert jüdische Kinder christlich erzogen. Maler Ludwig Bruck. Die blutigen Ausschreitungen gegen Juden in Schiras. Juden als Soldaten. — Korrespondenzen: Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 18. Dezember 1910. Des Zionismus Ende und — Anfang. Konzertarifführung Salomon Sulzer'scher Kompositionen. Israelitischer Humanitäts-Verein für die westlichen Bezirke Wiens «Nachlat Jeschurun". Reform der Einbedung der Kultussteuer in Berlin. Nichtzulassung armer Emigranten in Amerika. Zur Lage der rumänischen Juden. Unterrichtsminister Zichy über die Autonomie der israelitischen Konfession. Verfolgung galizischer Juden in Ungarn. David DeakS Wohnhaus — eine Syna wge. Brünn. Ein antisemitischer Militärkaplan. Anerkennung der jüdischen Schulen in der Türkei. Eine Millionenstiftung für jüdische Bildungszwecke. Gesamtorganisation der südafrikanischen Inden. — Vermischtes. — Feuilleton: Der Taufroman eines russisch-jüdischen Mädchens in Jerusalem. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Chanuka. Seine historische und zeremoniale Entwicklung. Von Dr. Sch. Ochser-Kuttenplan. Es gibt kein zweites Fest, welches vom Judentum in einer so stiefmütterlichen Weise behandelt worden wäre, wie Chanuka, das zu feiern wir eben im Begriffe sind. Es in eine graue Vorzeit zu versetzen, haben Wellhausen und viel früher noch Ewald und Paulus Caffel versucht. Eine ähnliche Verlegung in die Vergangenheit hatte auch schon das Judentum freilich aus anderen Gründen, wie später erläutert werden soll — versucht. Aber auch als ein religiöses Fest ist es zweifelsohne viel älter als die allgemein christlichen Weihnachten. Den links stehenden Glaubensgenossen dürfte man es füglich nicht ganz so verübeln, wenn sie um Ende Dezember einen Weihnachtsbaum anzünden, wenn — ja, wenn sie auch von der Tatsache Kenntnis hätten, daß es Jahrhunderte gegeben hatte, in denen Chanuka dem Judentum nur unter dem Namen das „Lichterfest" bekannt war, und wenn fie diese Tatsache denen auch mitteilen würden, für die fie den Weihnachtsbaum Herrichten, da auch die Form, wie das Chanukafest zu begehen, sich im Lauf der Jahrtausende stark verändert hat. Historisch betrachtet vollzieht sich die Einsetzung des Chanuka, nach den ältesten Quellen (1. und 2. Makkabäerbuch) nach dem Siege der Hasmonäer über die griechischen Syrer im Dezember 165 v. Ehr. (Nach b. Sabb. 21 d, erst 164.) Von Judas Makkabäus und dem damaligen Synhedrium wird bestimmt, den letzten Sieg und die Eroberung der Taupelburg durch ein alljährlich abzuhaltendes achttägiges Fest zu feiern, welchem in erster Zeit der Name „Skenopegia tou Cliaseleu menos“, das heißt Laubhüttenfest des Monates Kislew, beigelegt ward. Natürlich mit Recht, da es von allen Juden durch Tragen von Zweigen und Gesang von Lobliedern gefeiert werden sollte. (2. Makk. I., 9, 18; II. 16; X. 8.) Versucht man seine Rekonstruktion, in ältester Zeit wenigstens nach Mischna Sukka IX, 5, 7, so ergibt sich folgende Zeremonie. An den einzelnen Tagen umging man den Altar, welcher mit der Araba geschmückt war, mit Palmensträußen und Festkränzen, währenddem von den Stufen der Azarah herunter die Loblieder der Leviten, begleitet von Zither- und Harfentönen, erklangen. Nicht anders dürfte es am Chanuka gewesen sein, nur daß man noch außerdem den Psalm 30 (selür clianukat lia-bajit) sang. Zu einem der wichtigsten Punkte des Gottesdienstes im Tempel gehörte zu jeder Festeszeit das Borlesen eines auf den Tag paffenden Bibelabschnittes durch den jeweiligen Hohenpriester oder Fürsten (Mischna Jom. VII. 1 und Sota VII. 7. 8.). Diese Zeremonie durste natürlich auch beim neu eingeführten Chanukafeste nicht fehlen, umso weniger, als doch die Makkabäer beide Würden — die des Hohenpriesters und des Fürsten — in einer Person vereinigten. Es lag somit nichts näher, als jenen Bibelpassus für die Verlesung am Chanuka im Tempel zu akzeptieren, wo in so ausführlicher Weise die Geschenke und Opfer geschildert werden, die am Tage der Einweihung des Mischkan in der Wüste von den einzelnen Stammesfürsten Israels dargebracht worden waren. (Vergl. Num. VII.) In einem einzelnen Punkte stand Chanuka den anderen jüdischen Feiertagen nach, man durfte außer dem vorgeschriebenen Tagesopfer (korban hajom) noch ein zweites nicht hinzufügen (korban Massaf), da doch von der Bibel ein besonderes Opfer für diese Tage nicht vorgeschrieben sein konnte; es entfiel aus diesem Grunde die Tagesheiligung (koclnsebat ha-jom) und dies hatte zur weiteren Folge, daß die Arbeit an diesem Feste nicht zu ruhen brauchte. Bedenkt man aber, von welcher Tragweite der Sieg Judas für ganz Judäa war, wie sein Bruder und Nachfolger Jonatan durch Umsicht und tatkräftiges Ausnützen jener ihm günstig scheinenden politischen Gelegenheit der eigentliche Begründer des makkabäischen Staates geworden, wie Simon mit angeborener Würde Krone und Tiara auf seinem greisen Haupte vereinigte, so erscheint es selbstverständlich, daß mit der zunehmenden Macht des hasmonäischen Hauses auch die Liebe des Volkes zu seinen Fürsten und mit ihr auch die Bedeutung des Chanuka als nationalen Festes in mächtiger Weise zunahm. Eine natürliche Folge war es aber auch, daß, je mehr der Glanz der Makkabäer sank, auch Chanuka sein Interesse beim Volke einbüßen mußte. Die fortwährenden Familienzwistigkeiten des regierenden Hauses, die ihm auch 39 v. Ch. dem Untergange zuführten, die Uebernahme der Hirrscherwürde durch Herodes, was dem der Römer gleichkam, übten auch eine Rückwirkung auf das Weihefest aus. Herodes, vollends der Emporkömmling und Edomite, hätte, wenn auch nirgends darüber berichtet wird, es sicherlich nie und nimmer geduldet, daß in seinem Tempel der Sieg der Hasmonäer

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