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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-12-16 · 50 (16.12.1910) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
50 (16.12.1910)
Date
1910-12-16
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 50 Dr. Vlochs Wochenschrift. Seite 837 gehen. Sie müssen hereinkommen. Sie müssen sehen und hören, was unerhört Schauderhaftes und Schreckliches Dich ereignet hat". Es wäre vergebliche Mühe gewesen, mich den Armen der drei Männer, die mich wie mkt eisernen Fesseln umklammert hielten, zu entrücken, darum, auch schon deshalb, um nicht auf der Straße einen förmlichen Aufstand und Menschenauflauf zu veranlassen und mich wegen meiner „Festnahme" schließlich noch in bösen Verdacht zu bringen, bat ich die Männer mich loszulassen, indem ich versprach, ihnen jetzt sofort zu folgen, um zu sehen und zu hören, was sich denn eigentlich so Ungeheures zugetragen habe. Nachdem wir also die wenigen Treppen zuin Eingang des Hotels hinaufgestie'gen waren und den schmalen Korridor durchwandert hatten, bot sich meinen Augen beim Oeffnen der Küchentüre am Ende des Korridors ein ganz ergreifender und entsetzlicher Anblick. Auf dem Steinboden der Küche lag oder wälzte sich vielmehr in konvulsivischen Zuckungen eine Frau in mittleren Jahren, die Kleider zerrissen, die Haare aufgelöst und in wirren Strähnen, das bleiche, abgemagerte, verstörte Gesicht und die hohlen, eingefallenen Wangen bedeckend, die Augen matt blickend, gequollen und rot von Tränen, welche in stetigen großen Tropfen, wie kleine Rinnen über die stark hervortretenden Backenknochen herunterrieselten, ein Bild des Grauens und Entsetzens und des Erbarmens zugleich. Als die arme, unglückliche Frau, welche sich in ihrer Verzweiflung sonst ihrer Umgebung gegenüber vollständig apathisch verhielt, auf meine Gegenwart aufmerksam gemacht worden war und sie mit einem schwerfälligen müden Aufschlag ihrer völlig glanzlosen, matten und trübgeweinten Augen meiner ansichtig wurde, richtete sie mit Zusammenfassung aller Kräfte ihren Oberkörper von der Erde halb in die Höhe und schrie, indem sie ihren wahrhaft geisterhaften Blick auf mich geheftet hielt, mit durchbohrender gellender Stimme: „Ach, Herr, guter, lieber ' Herr mein Kind, mein Kind! Oh, helfen Sie und retten Sie mein armes, verlorenes Kind. Ich bin eine arme Frau und kann Ihnen nichts dafür bieten, aber der Himmel wird Ihnen gewiß die einer armen, unglücklichen Mutter erwiesene Güte reichlich lohnen!" Mehr vermochte die trostlose, bedauernswerte Kreatur nicht zu sagen, sondern verfiel sofort wieder in die frühere geistesabwesende Apathie und Lethargie und die herzangreifenden epileptischen Konvulsionen. (Fortsetzung folgt.) Literatur. M. Steckelrnacher, Sabbathpredigten zum 1. Buche Moses. Leipzig 1910. M. W. Kaufmann. Da diesen Proben voraussichtlich recht bald weitere Perlen einer wirklich gediegenen Predigtkunst folgen werden, begnügen wir uns für heute damit, den Wunsch nach Fortsetzung zu äußern. R. Rosegger's Heimgarte«. Nov. 1910. Darin u. a. vom Herausgeber „Die Legion" (S. 115 ff.) mit einer empörenden Karikatur eines jüdischen Fremdenlegionärs. O. S. Mardeu, Was Dutust, dastuerecht! I. Engelhorn. Stuttgart. M. 1.—. Bei Marken weiß man nicht, ob man der Gediegenheit des Inhaltes oder der glänzenden Form den Vorzug geben soll. ES ist ein prächtiger Lebensmut, den diese Blätter ausströmen. In Amerika längst auf den Schild erhoben, wird M. nun in der Christlieb'schen Uebersetzung sich auch Deutschland erobern. x. Pfeuuigsdorf E., Der religiöse Wille. Leipzig 1910. A. Deichert's Nachfolger. M. 5.80. Eine gründliche und umfaffende Behandlung eineder wichtigsten Probleme der Religionspsychologie. Besonders gelungen scheint uns die Abgrenzung des religiösen von dem sittlichen Wollen. (S. 70 ff.) DaS Betonen des Wertes der Persönlichkeit im Unterricht (S. 194 ». sonst), wie überhaupt des Einflusses. den religiöses Wollen auf fremdes Seelenleben ausübt, kann nicht stark genug unterstrichen werden. u Wilhelm Ostwald. Die Organisation der Welt. Verlag des Weltspracheveremes „Ido", Basel, Klybeckstr. 23. A. Leepin. M. 0.40. Dieser Vortrag Ostwald's strahlt in allen Lichtern des ausgezeichneten Gelehrten und Redners. Er galt der Verbreitung der Weltsprache '„Ido". Sehr wirksam ist der Hinweis auf eine „Jdo"- Ueberfetzung aus Goarperz' Griech. Denker, die ein Grazer Professor. ohne das Original zu kennnen. so ins Deutsche zurückübersetzt ha», daß kaum ein Unterschied zwischen Uebertragung und Urtext wahrzunehmen ist. Herm. Gunkel» Die Religionsgeschichte und die alttestamentarische Wissenschaft. Berlin-Schöneberg. Protestantischer Schristenvertried. M. 0.50 Herm. Cohen. Die Bedeutung des Judentums für den religiösen Fortschritt der Menschheit. Ebendaselbst. M. 10.80. Die beiden auf dem 5. Weltkongreß für freies Christentum und religiösen Fortschritt gehaltenen Vorträge sind Leistungen, mit denen sich jeder jüdische Laie vertraut machen sollte. Gunkel zeigt, wie die Bibelkritik mit ihren oft phantastischen Auswüchsen durch die neuesten Errungenschaften der Religionsgeschichte oft ad absurdum geführt wird Cohen's Ausführungen. die im Judentume die einzig mögliche Grundlage für die Religion der Zukunft zu erweisen suchen, verdienen Wort fü- Wo:t in das Bewußtsein aller seiner Glaubensgenossen einzudringen und darin festzuhaften. R. H. Sidgwick. Die Methoden der Ethik. Deutsch von Dr. Bauer. Leipzig 1909/10. Verlag von Dr. W. Klinkhardt, Liebigstraße 2. Das Buch ist längst als eines der bedeutendsten der modernen englischen Philosophie anerkannt. Methode der Ethik bedeutet nach S. soviel wie Eth k selbst. Ethik ist das Suchen nach Methode, daS Material, das die Welt uns liefert, das Leben richtig zu gestalten. Obwohl S. mit aller Gründlichkeit arbeitet und mit dem Spaten seines Gedankens bis an die Wurzel der Probleme gräbt, lieft sich das Buch doch auf jeder Seite mit Genuß und ohne Verdrossenheit. Unwillkürlich fühlt man sich mit dem kundigen Führer von Utilitarismus eines Butler zum Jntuitionismus eines Kant geleitet. Der Uebersetzer und der Verleaer haben unsere deutsche philosophische Literatur durch diese Uebertragung um einen wertvollen Beitrag bereichert. x. In Loewy's Verlag Ferdinand Carl, Stuttgart, sind erschienen: Bermann, Sagen und Geschichten aus der Kaiserst a d t Wien, und von H. Frarmgruber die beiden Schriften „Oesterreichs Walhalla" und „Hoch Habsburg", jedes Buch zu M. 2.— in der Volksausgabe, zu M. 3.— in prächtiger Geschenkausgabe. Alles, was diesem Verlage entstammt, dokumentiert sich schon in der äußeren Ausstattung als etwas Besonderes, daS sich aus dem Chaos von Jugendschriften markant heraushebt. An den vorliegenden drei Büchern, wahren Prachtleistungen, berührt es uns besonders wohl, wie auch hier unser Oesterreich zu seinem Rechte kommt. Dieser Patriotismus ist nicht aufdringlich, er ist für unsere Jugend unentbehrlich. Die Spinnerin am Kreuz» der arme Augustin, der Prater und »eine Geschichte und vieles Andere aus Wiens Volksüberlieferungen soll jedem Wiener Kind vertraut sein. Namen, die, wie Eugenius, der edle Ritter, Kaunitz. Felbiger, Jacquin, Mozart, Grillparzer, Schubert usw. auf die Wiener Straßen und Plätze Hinweisen, müffen in unserer Jugend lebendige Bilder der Erinnerung wccken. Und das Leben unseres Kaisers, das zugleich die Geschichte der Umwandlung Oesterreichs in einen modernen Staat bedeutet, bildet einen unerschöpflichen Quell sittlicher Erhebung. Und alle diese schönen und wertvollen Dinge bringen uns die drei Bücher nahe. x. G. Lange, Da's Buch Koheleth. Frankfurt a. M. 1910. A. I. Hofmann. Während das viel diskutierte Buch überwiegend als eine Embolie griechisch pessimistischer Lebensauffassung in die Gefühlssphare des alten Judentums aufgefaßt wird, sieht dieser neueste Uebersetzer und Erklärer darin eine Proklamierung des Optimismus. Der konservative Standpunkt empfiehlt das Büchlein zur Benützung in unseren Schulen, die wir den wogenden, noch lange nicht geschlichteten bibelkritischen Meinungen fernhalten müffen. R. Die Werke Philos vo» Alexaudrev. II. Teil. Breslau 1910. M. und H. Marcus. M. 6.40. Von den „Schriften der jüdisch-hellenischen Literatur", deren Uebersetzung unter Mitwirkung von mehreren Gelehrten von L. Cohen herausgegeben wird, liegt jetzt in dem zweiten Teile der Werke Philos wieder eine Glanzleistung vor. Die Einzelgesetze (Alleinherrschaft Gottes, Priester, Opfertiere, die Opfernden, Sabbath) hat I. Heinemann, Frankfurt, übersetzt, die beiden anderen Abhandlungen „Ueber die Tugenden" und „Ueber Belohnungen und Strafen" der Herausgeber. R. Im Verlage von Georg Schöperl in Wien» IV.» Schönburgstraße 46, erscheinen: Oesterreichische Gesetze. Ausgabe mit Anmerkungen und ausführlichen Sachregister, bisher: I. Die österreichischen Staatsgrundgesetze Md die in diesen angeführten und

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