Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 50 (16.12.1910)
- Date
- 1910-12-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 834 Dr. Blochs WochenschM. Nr. 50 freundliche Tätigkeit. In der politischen Führung der Wiener Judenschast hatte sein kluger Rat, seine weise Mäßigung, dabei aber doch seine konsiqnente freiheitliche Gesinnung hohe Geltung. Er hatte in seiner Jugend den Geist des jüdischen Schrifttums in sich ausgenommen und sein logisch geschlossenes Denken, sein ungewöhnlicher Scharfsinn waren gewiß auf diese geistige Schulung aus frühester Jugend zurückzuführen. Dr. Philipp Meitner war aber auch ein Mann von selten tiefer und zarter Empfindung. Unendliche Güte strahlte aus seinen leuchtend blauen Augen und seine sonnige, heitere Natur konnte auch durch die vielen Enttäuschungen des Lebens und manche schmerzliche Schicksalsschläge nicht verdüstert werden. Er war einer jener seltenen Menschen, von denen man sagen kann, daß sie keinen Feind haben. Am offenen Grabe widmeten dem Dahingeschiedenen der Vizepräsident der „Oestcrreichisch-Jsraelitischen Union", Herr kaiserl. Rat Wilhelm A n n i n g e r, und namens des Vereines „Kommunikation" Herr kaiserl. Rat N. S ch e f f t e l tiefempfundene Nachrufe. Wien. (Requiem.) Der Vorstand der türkischsephardischen Gemeinde veranstaltete Sonntag den 11. d. M., halb 4 Uhr nachmittags, in ihrem herrlichen Tcmpel, anläßlich der Enthüllung einer Gedenktafel, welche den um die Gemeinde hochverdienten verstorbenen Mitgliedern Herrn Menachem H. Elias, Frau Veneziana M. Elias, Herrn Abraham M. Elias, Frau Paulin A. Elias und Herrn Heinrich M. Elias gewidmet ist, ein feierliches Requiem. Eingeleitet wurde dasselbe durch die Aufführung des stimmungsvollen Requiems Josef Goldsteins (Psalm 49), welches vom Oberkantor Jakob Bauer — Chor und Orgelbegleitung unter der Leitung des Kantors und Chordirigenten Herrn Isidor Löwit — sehr wirkungsvoll zu Gehör gebracht wurde. Hierauf hielt Herr Rabbiner M. P a p o die Gedenkrede in spanischer Sprache. Nun trat das Vorstandsmitglied Herr Leon H a i m vor die fast vollzählig erschienene Gemeinde und richtete an dieselbe in deutscher Sprache folgende Worte: „Hochgeehrte Gemeindeversammlung I Bangen Herzens stehe ich vor Ihnen, da ich zum ersten Male meine Stimme in den heiligen Hallen unserer Synagoge erheben soll. Nur der pietätvolle Zweck, der in der Erfüllung des mir zuteil gewordenen Auftrages liegt, läßt mich meine Zaghaftigkeit überwinden, um auch im Namen des Gesamtvorstandes anläßlich der Enthüllungsfeier, das Wort zu ergreifen. Sie haben durch den berufenen und redegewandten Mund unseres ehrwürdigen Herrn Oberrabbiners vernommen, welch' hohe und unvergängliche Verdienste sich die bereits verewigten" Familien-Mitglieder, Männer und Frauen aus dem altehrwürdigen Hause Menachems H. Elias erworben haben, nicht nur um den Bestand unserer Gemeinde, sondern auch um die Erhaltung und Festlegung des täglichen Gottesdienstes und die pekuniäre Förderung unserer Wohlfahrts-Institute. Ausgewachsen in den Traditionen jüdisch sephardischer Glaubenstreue, haben diese Mitglieder der Familie Elias es nicht verschmäht, selbst als sie in der Finanz-Hierarchie zu hoher Stellung und Ansehen gelangten, für ihre Stammesgemeinde und deren Angelegenheiten ein warmfühlcndes Herz zu bewahren und mit Rat und Tat werktätig einzugreifen. Fürwahr, ein erhebendes Beispiel von Gesinnungstreue in unserer Zeit, wo man für Glauben und Tradition nur wenig übrig hat. Die Gemeinde und an ihrer Spitze der Vorstand waren stets von den aufrichtigsten Gefühlen der Dankbarkeit für diese Wohltäter beseelt und nach ihrem allmäligen Ableben hielt es der Vorstand für seine heilige Pflicht, diesen Empfindungen der Dankbarkeit offensichtlich Ausdruck zu verleihen. Nicht ephemer, sondern mit dem Bestand unseres Tempels aufs innigste verknüpft, mit ehernem Meißel auf Marmelstein eingegraben, so sollte unsere Dankbarkeit offenkundig werden. Deshalb beschloß der Vorstand einstimmig und mit Akklamation, dem Andenken dieser verewigten Mitglieder der Familie Elias im Atrium unseres Tempels eine Gedenktafel zu errichten, deren Enthüllung Sie heute beiwohnen werden. Hochgeehrte Versammlung! *Saxa loguuntur« auch Steine haben ihre Sprache; und jene Steintafel vor dem Eingänge in unseren Tempel soll ihnen und den kommenden Geschlechtern eine stete Mahnung sein, mit Dank und Pietät dieser Wohltäter zu gedenken, [utib wenn dieses edle Vorbild auf den Wohltätigkeitssinn unserer Gemeinde aneifernd wirken sollte, wird dies der schönste Lohn für die Manen der Dahingeschiedenen sein." Nach diesen eindrucksvollen Worten wurde vom Oberkantor Bauer das Seelengebet in ergreifender Weise verrichtet, worauf mit Abfingung des „Schiwiti" diese würdevolle Feier schloß. Anwesend waren unter Führung des Präsidenten Herrn Licco A d u t t der Vorstand, Jochanan A s r i e l, Moszo de Maja, Abram A l b a l a, Leon H a i m, Lazar S u s s i n, der Beirat Salamon R. F a r ch i, der Bethausvorsteher Salamon D. Hassan und in Vertretung der Kultusgemeinde Herr Dr. I. Samuely. Wien - Mariahilf. Der Vorstand des Mariahilfer Tempelvereines veranstaltete einen Trauergottesdienst für weiland Hermann Liebermann. Der schwarzdrapierte Tempel in der Schmalzhosgasse war von einem vornehmen Trauerpublikum dicht gefüllt; als Vertreter des Kultusvorstandes erschien Herr Kultusvorstand Samuel Steiner; man sah ferner die Bethaus- Präsidenten Beck, Bettelheim, Hofmann und Straßberg nebst Abordnungen der meisten Wiener Tempelvereine, Herrn Dr. K l e m p e r e r mit zahlreichen Mitgliedern des Vereines „B'nai-B'rith", den Präsidenten Dr. Engel mit dem Gesamtvorstand des Mariahilfer Tempelvereines, Herrn kais. Rat Ruz i 6ka, Herrn Präsidenten Dr. Karl Löw y des Humanitätsvereines, sowie fast sämtliche Mitglieder des Mariahilfer Tempelvereines und viele Damen. Nach Entzünden des Seelenlichtes und tief ergreifendem Vortrage eines Trauerpsalmes durch Herrn Oberkantor Dünnmann hielt Herr Gemeinderabbiner Dr. T a g l i ch t eine ausgezeichnete Gedenkrede, die einen tiefen Eindruck auf die Trauerversammlung machte. -y. Austritte aus dem Judentum Vom 4. bis inkl. 10. Dezember 1910. Agul.r Otto, Zahntechniker, geb. 24. Juli 1893, Wien, VII., Siegmundsgasse 5. Bettelheim Babette, Manipulantin, geb. 20. August 1881, Wien, I., Wipplingerstrasse 22. Brauner Hugo, geh. 17. Dezember 1883, Wien, 111., Hintzerstrasse 3. Bukowitz Arnold, Hausbesitzer, geb. 16. Oktober 1876, Wien, I., Salzgries 12. Deutsch, Dr. Kurt, Med.-Dr., geb. 25. Juni 1870, Bielitz, XIII., Vinzenz Hessgasse 29. Eisler Amalie, geb. 13. Juni 1890, Wien, XIV., Arnsteingasse 15. Eskenasi Heinrich Kaufmann, geb.. 12. April 1860, Wien, XIV., Arnsteingasse 15. Fantl, geb. Pokorny Berta, Private, geb. 24. April 1876, Trebitsch, IX., Pfluggasse 6. Goldberger de Buda Stefan Ludwig, Prokurist, geb. 9. Dezember 1882, Wien, I., Zelinkagasse 2. Haudek, Dr. Martin, Arzt, geb. 27. November 1880, Wien, IX., Lazarethgasse 30. Hirschler Franziska Anna, geb. Wilhelm, Private, geb. 5. Oktober 1850, Wien (Pfarre Lichtenlhal), VIII., Lederergasse 25. Klammer Isidor, Student,. 20. November 1882, Radautz, IX., Sechsschimmelgasse 7. Krumholz Moses, leg. Korn, geh. 21. Jänner 1881, Kolomea, III., Beatrixgasse 3 a. Schaffer Josefa, geb. 11. November 1886, Bielitz, XIII., Leegasse 7. * * * „Eine katholische Protestversammlung. (Berichtigung.) In unserem am 11. November unter obigem Titel erschienenen Artikel wurde unter Anderem darauf hingewiesen, daß Profeffor Dr. S. F e i l b o g e n für den Katholizismus gewonnen worden sei. Wie wir inzwischen festzustellen Gelegenheit hatten, beruht dies nicht auf Richtigkeit und die diesbezüglichen Zeitungsmeldungen waren irrtümliche. Klattau. (Leichenbegängnis.) Am 8. d. M. wurde hier Frau Regina L ö w y, die Mutter des hiesigen Brauereibesitzers und Stadtverordneten Herrn Franz Lanner und Schwiegermutter des Prager Advokaten und Landesschulratsmitgliedes Herrn Jur.-Doktor Gustav Kuh, unter zahlreicher Beteiligung aller Bevölkerungsschichten beerdigt. Die Verblichene zeichnete sich durch besondere Herzensgüte aus und war die Zierde ihrer weitverzweigten Familie. An dem Leichenbegängnisse nahmen der Gesamtvorstand der Kultusgemeinde, der Chewra-Kadischa, des Chor- und Gesangvereines, sowie des Kaiser Franz Josephs-Frauenvcreines mit nahezu sämtlichen Mitgliedern teil; auch bemerkten wir unter den Trauergästen den Bezirkshauptmann Herrn Jur.-Dr. Anton P k i b y l, mehrere Stadtverordnete, viele Fabrikanten und Großindustrielle. Am Grabe widmete Herr Rabbiner Dr. S. B r e t der Verblichenen Worte innigen Gedenkens; Herr Oberkantor R o s e n s ch e i n rezitierte die Trauergesange in exakter Weise.