Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 50 (16.12.1910)
- Date
- 1910-12-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 80 Dr. Blochs WocheMriist. Seite 833 Wien. Die „Donauperle", dieser in der Leopoldstadt sehr populäre Bekleidungsverein, hat in Ausübung seiner seit zehn Jahren erfolgreich betriebenen, Humanitären Tätigkeit in diesem. Jahre 42 jüdische, arme Kinder mit vollständiger Winterkleidung, Strümpfen, Schuhen, Mäntel und Hüten beteilt. Im Caf6 Hausner, II., Untere Augartenstraße 10, versammelten sich die Kinder am 7. d. M. und wurden mit einer kurzen, herzlichen Ansprache vom Obmanne Herrn S. Lemberger begrüßt und erhielten sodann eine Jause. Wien. (Jüdiicher Handlungsgehilfenverband „Achwa h", II., Taborstraße 20, Souterrain). Sonntag den 18. d., 7 Uhr abends, Vortrag des Herrn Dr. Leopold Plafchkes über „Kapital und Unternehmen". — Dienstag den 20. d., 8 Uhr abends, Vortrag des Herrn Redakteurs Theodor Porges. Thema: „Der Jude im kaufmännischen Leben". Eintritt frei. Gäste (Damen und Herren) willkommen. Einschreibungen für die kostenlosen Unterrichtskurse in Englisch, Hebräisch und Stenographie werden noch diese Woche jeden Abend entgegengenommen. Die Vereinsleitung. Wie«. (Spende n.) Für die arme Familie Frost (laut Aufruf in Nr. 48) sind uns von Herrn Sigmund Hermann K 4.40, Don G. Skamperl's Witwe aus Oberhollabrunn K 4.— zugekommen. Wien. (Leichenbegängnis.) Mittwoch vormittag fand vom Trauerhause, II. Bezirk, Glockengasse Nr. 2 aus das Leichenbegängnis der am 11. d. M. verstorbenen Kommerzialratswitwe Frau Eleonore Bettelheim unter großer Beteiligung der Finanzwelt und humanitärer Vereine statt. Die Söhne und Geschwister und die übrigen Familienmitglieder der Verblichenen waren im Sterbezimmer versammelt. Unter den übrigen Trauergästen waren zu sehen: der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr Alfred Stern mit dem Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn und den Vorstandsmitgliedern S. Steiner, S. Brod und dem Sekretär kaiserlichen Rat Dr. Lieben und Bureauvorstand Fuchsgelb, der erste Prokurist des Bankhauses S. M. v. Rothschild Moritz Blum mit den Prokuristen Max Kantor, Pollack und Kitt, die Rabbiner Papo und Dr. Kaminko, die Gemeinderäte Dr. Mittler, Eder und Frank, die Prokuristen der Kreditanstalt Hitschmann und Leo Klinenberger, die Schriftsteller Ludwig - Klinenberger, Ernst Klebinder, Regierungsrat Neumann und Dr. M. Löwy, Notar Dr. Beermann, Advokat Dr. Moritz Ascher, die Börsenräte Brenner und Eichberg, Religionsinspektor Kanitz, Ortsschulrat Dr. Weiß, Großindustrieller - Frankl, Finanzier v. Löbl, Oberkantor Bauer, Abordnungen des fortschrittlichen Bürgervereines „Donauklub" und des Philanthropischen Vereines rc. Qberrabbiner Dr. Güdemann hielt der Verblichenen einen warmen Nachruf, Nachdem Oberkantor Fuchs die rituellen Gesänge zum Vortrag gebracht, wurde der Sarg auf den Zentralfriedhof gebracht. Schriftsteller Fritz Singer gestorben. Ein liebenswürdiger Dichter und eine warme, in den literarischen Kreisen Wiens aufrichtig geschätzte Persönlichkeit, Fritz Singer, ist Samstag, den 10. d. M., nachmittag nach langem Leiden gestorben. Singer hat ein Alter von beinahe siebzig Jahren erreicht, am 14. Juni 1841 ist er in Wien geboren worden. Ursprünglich zum Kaufmannsstande bestimmt, war er lange Zeit im Bankhause Rothschild beschäftigt, bis er sich selbständig machte und stiller Gesellschafter eines eigenen Bankgeschäftes wurde. Das gewährte ihm die Mutze zur persönlichen literarischen Fortbildung und zur dichterischen Tätigkeit, mit der er schon in jungen Jahren in die Oeffentlichkeit treten konnte. Das Carltheater spielte 1871 seinen Einakter. „Die Herren der Schöpfung", das Vurgtheater 1872 „Die Zauberformel". Fritz Singer, der seine Dichtungen unter dem Pseudonym S. Fritz drucken liefe, hatte ein anmutiges Plaudertalent: den scherzhaft tändelnden Ton der Wiener Gesellschaft, der später in der Anatolpoesie eine weitere künstlerische Ausbildung fand/ traf er in anheimelnd sicherer Weise. Seine Satire war elegisch angehaucht, weltmüde, blasiert. Als ihm seine schöne Frau jung verstarb, trauerte er ihr in den „Liedern eines Träumers" (1879) und in dem Gedichte: „Aus ungleichen Tagen" so innig und ergreifend nach, datz. ihm diese einem echten Schmerz entquollenen Verse ein Andenken in der Wiener Literatur zweifellos sichern. Eine dritte Sammlung: „Zu Tal", erschien erst viele Jahre später. 1893, und erst im vorgerückten Alter hat er ein zweitesmal geheiratet. Seinen ersten dramatischen Versuchen folgten später noch manche andere nach: bekannter davon wurden die Lustspiele: „Die goldene Freiheit", in Verbindung mit C. Karlweis, und „Die liebe Eitelkeit", im Verein mit Marco Brociner geschrieben: letzteres wurde auch im Raimundtheater mit gutem Erfolg aufgeführt. Am bekanntesten wurde jedoch S. Fritz durch seine Plaudereien. die zum Teil in Reclams Universalbibliothek erschienen: „Toren und Törinnen": „Ein Jahr", „Duette aus dem Eheleben"; „Briefe eines Junggesellen"; „Auch für Mädchen": „Plaudereien eines Schweigsamen" (1909). Sie alle tragen das Gepräge eines sorgfältig gepflegten Stils, natürlichen Dialogs und guten Geschmacks. Mit seiner grundgütigen Natur hatte Fritz Singer das Bedürfnis, sich an philanthropischen Unternehmungen zu betätigen. deren tätiges Vorstandsmitglied er viele Jahre lang war. Er war viele Jahre hindurch Vorstandsmitglied der Jsr. Allianz, an deren Arbeiten er regen Anteil nahm. Ebenso wirkte er in der Leitung anderer jüd. Humanitätsvereine. Auch dem Vorstand der „Concordia" gehörte Fritz Singer längere Zeit an und betätigte sich eifrig dabei. Ein schweres Herzleiden hat ihn schon vor vielen Monaten ergriffen und ihn endlich, nach qualvollem Ringen dahingerafft. Unter sehr großer Beteiligung wurde Montag vormittag die Leiche beerdigt. Die Witwe konnte an der Leichenfeier nicht teilnehmen, weil sie selbst bedenklich erkrankt ist. Im Trauerhause Am Hof hatten sich ein gefunden : der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern mit den Vorstandsmitgliedern Salo Cohn, Dr. Markus Spitzer, Bankier kaiserl. Rat Leopold Langer, Dr. Adolf Schreiber und S. Steiner, sowie dem Sekretär kaiserlichen Rat Lieben, der Präsident der Alliance israölite David Ritter v. Gutmann und dem Vizepräsidenten Dr. Artur Kuranda, dem Vorstandsmitglied Wilhelm Pappenheim und dem Sekretär Dr. Kaminski, der Vizepräsident des Journalisten- und Schriftstellervereines „Concordia" Balduin Groller mit dem Vorstandsmitglied Moritz Epstein, die Schriftsteller Vinzenz Chiavacci und Gemalin, Jauffeathaler, Siegfried Löwy, Hans Müller und Schwarzkopf, Bezirksrat Max Hiller, kaiserl. Rat Sachs, kaiserl. Rat Arnold Fröhlich, kaiserl. Rat Dr. Theodor Friedmann, die Berwaltungsräte Dr. Hans v. Mauthner und Dr. Hermann Mauthner, Generalkonsul Hofrat S. Ritter von Hahn, Regierungsrat Wismayr, Börserat Eichberg, der Direktor der Bodenkreditanstalt Bachrach, Sensal Felix Ritter v. Sonnenthal, der Miteigentümer des Theaters an der Wien Josef Simon, Direktor Specht, Kommerzialrat Hutter, Finanzier Benies und Andere. Mit einem Trauerchoral, den Oberkantor Fuchs, begleitet vom Ersten Kantor Jurberger und dem Chore, sang, wurde die Feier eröffnet. Der Sarg wurde dann gehoben und auf die israelitische Abteilung des Zentralfriedhofes gebracht. In der Zeremonienhalle hielt Oberrabbiner Dr. Güdemann dem Verblichenen einen Nachruf. Im Namen der „Jsr. Allianz" widmete Herr Wilhelm Pappeheim dem Verblichenen Worte des Gedenkens. Ferner sprachen im Namen der „Concordia" Vizepräsident Groller, Dr. Hermann Wolf für den Verein zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studenten, für den Therefien-Kreuzerverein Dr. Alexander Hirsch. Dr. Philipp Meitner. Unter zahlreicher Beteiligung wurde Sonntag den 11. d. der Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Philipp Meitner zu Grabe getragen. Der Dahingeschiedene genoß nicht nur in seinen engeren Fachkreisen den Ruf eines ausgezeichneten Kollegen und eines überaus gewiffenhasten Anwaltes, sondern hat sich auch um die geistigen und politischen Interessen der Wiener Judenschaft außerordentliche Verdienste erworben. Dr. Philipp Meitner gehörte viele Jahre lang dem Vorstande der „Österreichisch- Israelitischen Union" an und widmete den armen und schutzbedürftigen Juden in durchaus uneigennütziger Weise seine rechts-