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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-12-16 · 50 (16.12.1910) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
50 (16.12.1910)
Date
1910-12-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 630 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 50 vereine, die dem Vereine hilfreich zur Seite standen. Der Verein hat während feiner 30jährigen Tätigkeit 108 Lehrlinge freigesprochen, darunter 4 taubstumme Waisen. Herr Kestel erinnerte die Herren an ihre eigene Lehrlingszeit und bat sie, dem Verein auch fernerhin ihr Wohlwollen zu bewahren, da ein Lehrling nie auf Rosen gebettet ist, gar erst, wenn er arm ist und keine Eltern mehr hat. Im letzten Jahre betreute der Verein 20 Lehrlinge und schloß seine Geldgebahrung bei K 1045 Geldausgaben mit einem Kasiarest von 80 K. Die Rede des Herrn Kestel rief großen Beifall hervor. Herr Kestel wurde sodann über Antrag des Herrn L. Sachs zum Ehrenmitgliede des Vereines ernannt und mit einer schön ausgeführten Adresse bedacht. Der Verein und sein verdienstvoller Obmann wurde dann noch in Ansprachen gefeiert von Herrn kais. Rat Pollak, S. Tugendhat und schließlich Herrn Bürgermeister Hoffmann. Die Lehrlinge wurden nach Schluß der Sitzung bewirtet und mit Kleidern und Schuhen versehen. Jüdische Parlamentsmitglieder in Australien. Bei den jüngst durchgeführten allgemeinen Parlamcntswahlen in Neu-Süd-Wales wurden auch zwei Juden zu Deputierten gewählt und zwar Ivan I. Cohen und Daniel Lewy. Der erstere wurde vom Wahlbezirke Petersham und der zweite von Daslinghurst ins Parlament entsendet. Beide hatten den Wahlsieg nach schwerem Kampfe errungen. 2n der vorigen Session gab es drei jüdische Parlamentsmitglieder: Mr. A. E. Collins, der früher im Parlamente saß, jedoch diesmal nicht mehr kandidiert hat und sein Mandat fiel der Arbeiterpartei zu. Die zwei Neugewählten spielen auch im jüdischen Gemeindeleben ihres Wohnortes eine aktive Rolle. Juden auf der Insel Ceylon. Ein jüdischer Forscher, der gegenwärtig in Indien weilt, unternahm jüngst eine Reise nach Ceylon, um dort das unter dem Namen „Synagoge" bekannte historische Gebäude zu besichtigen. Er fand ein Gebäude vor, das im Synagogenstyle des 17. Jahrhunderts gebaut ist, und heute als Miethaus von Privaten bewohnt ist. Die Juden, die im 17. Jahrhundert, als Ceylon noch den Holländern gehörte, daselbst eine eigene Gemeinde bildeten, sind zum Teile ausgewandert und zum Teile in der übrigen Bevölkerung aufgegangen. Unter der eingeborenen europäischen Bevölkerung gibt es zahlreiche christliche Familien, mit jüdischen Familiennamen. Mehrere Ortschaften auf der Insel tragen biblische Namen. Die UrStzte Synagoge der Welt. Die jüdische Gemeinde in San-Franzisko beschloß, eine neue Synagoge zu errichten. Die Baukosten sind mit 2y> Millionen Dollar bemessen. Die Synagoge wird die größte der Welt sein. Zweiter Kongretz jüdischer Farmer. Diese Woche findet in Newyork der zweite Kongreß der jüdischen Farmer in Amerika statt. Außer den Organisationsfragcn stehen die Schaffung kooperativer Kreditinstitute für jüdische Kinder, die religiöse Erziehung jüdischer Farmerkinder und die Förderung des gesellschaftlichen Lebens und der praktischen Fortbildung der Farmer aus der Tagesordnung. Das Zeitungswesen in Palästina. Im heiligen Lande ist die politische Presse weniger zahlreich vertreten, als man vielleicht in Anbetracht der geheiligten Stätten, auf denen sich die größte Tragödie der Menschengeschichte abgespielt haben soll, infolge des großen alljährlich sich dorthin ergießenden Touristenverkehres annehmen dürfte. Trotzdem wird diese Tatsache aber dadurch erklärt, daß das ganze Land zum großen Teile Wüstengegend ist, die nur von den arabischen Beduinen-Nomadenvölkern durchzogen wird, während der gesamte Handel und Verkehr sich auf Jerusalem, Jaffa und Haifa konzentriert. Die Hauptstadt Jerusalem besitzt nicht ganze 100.000 Einwohner, wo sich die Juden und Araber zu gleichen Teilen die Wagschale halten. Allerdings erscheinen dort 10 politische Blätter (vier in arabischer, vier in hebräischer, 1 in griechischer und „Der Bote aus Zion" in deutscher Sprache). In Jaffa sind zwei Organe hebräisch, zwei arabisch; auch dann wird schließlich noch die Zeitschrift „Evangelische Blätter" von Pastor E. Albrrs in Bethlehem herausgegeben. Eine archäologische Forschungsreise nach Mesopotamien. Legationsrat Dr. Mar Frhr: v. Oppenheim, von der Gesandtschaft in Kairo, teilte in der Berliner Gesellschaft für Erdkunde mit, daß er im Januar eine auf zwei oder drei Jahre berechnete neue Reise nach. Mesopotamien und Syrien unternehmen werde, die vornehmlich archäologischen Grabungen und Studien gewidmet sein soll. v. Oppenheim ist ein verdienter Orientalist, der in den 90 er Jahren zwei sehr erfolgreiche Reisen in jenen Gebieten ausgeführt und die erste in feinem Werke „Vom Mittelmeer zum Persischen Golf" beschrieben hat. Erfand damals am Chabur, einem linken Nebenfluß des Euphrat, den Teil Halaf auf, einen Ruinenhügel, der eine Hethiterstadt birgt, konnte ihn aber damals nicht, näher untersuchen, und diesem Hügel vor allem werden nun die Ausgrabungen Oppenheims gewidmet sein. Später will er sich im oberen westlichen Mesopotamien, wo unter der heutigen Wüste alte Kulturstätten liegen müssen, und auch bei Babylon umsehen, auch von neuem die syrisch? arabische Wüste durchziehen. Judenmißhandlung in Algier. Die Pariser jüdische Zeitung „Pariser Journal" berichtet: Aus Konstantin in Algier kommt die Nachricht von argen Ausschreitungen gegen die dortigen Juden. Einige Araber gerieten mit mehreren Juden in Streit, der bald in Tätlichkeiten ausartete. Als nun einige jüdische Soldaten ihren bedrängten Glaubensbrüdern zu Hilfe eilten, drangen mehrere hundert Araber ins Judenviertel und inszenierten eine wüste Schlägerei, die über zwei Stunden andauerte. Als die Polizei am 'Kampfplätze erschien, fand sie eine Anzahl Schwerverletzte auf der Straße liegen, die in lebensgefährlichem Zustande ins Spital gebracht wurden. Die Untersuchung wurde eingeleitel. Jüdischi-historische Gesellschaft in Rußland. Unter dem Namen „J'mei Kedem" („Die Vorzeit") hat sich in Petersburg eine Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der Geschichte der Juden in Polen und Rußland gebildet. An der Spitze der Gesellschaft stehen Baron David v. Ginzburg und Rabbiner Dr. Eisenstadl in Petersburg, von denen auch die Idee zur Gründung der Gesellschaft ausging. Eine Spende Baron Ginzburgs an die Stadt Kiew. Baron Ginzbürg machte der Stadt Kiew eine Bronze- Statue Alexanders II.. ein Meisterwerk des verstorbenen jüdischen Bildhauers Antokolski, zum Geschenk. Die Statue wird demnächst aufgestellt und feierlich enthüllt werden. Die Beschlüsse des Karaitenkongresses. Der wiederholt angekündigte Kongreß der Karaiten hat nun in Eupatoria, unter Ausschluß der Oeffentlichkeit, stattgefunden. Den Hauptgegenstand der Beratuntungen bildete die Frage der religiösen Erziehung. Es wurde beschlossen, das Programm zur Erlernung der hebräischen Sprache und der Religionsgesetze zu erweitern. Zu diesem Zwecke soll ein karaitisches Gebetbuch und Katechismus in hebräischer und russischer Sprache herausgegeben werden. — Der Karäersynagoge in Jerusa-

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