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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-12-16 · 50 (16.12.1910) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
50 (16.12.1910)
Date
1910-12-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 50 Dr. Blochs Wochenschrift. Setk 831 lem wurde eine Subvention votiert und beschlossen, einen Delegierten nach Jerusalem zu entsenden, der die Frage zu studieren haben wird, auf welche Weise die Karäischen Heiligtümer in Jerusalem erhallen werden könnten. Den wichtigsten Teil der Tagesordnung bildete das Projekt des Wiederaufbaues der uralten Karäerstadt Tschufut-Kale in der Krim und die Errichtung eines historischen Museums daselbst. Aussehen erregt dier Beschluß, wonach in Hinkunft gestaltet sein soll, daß zwei Brüder zwei Schwestern heiraten, ebenso wurde die Erforschung der kinderlosen Frau des verstorbenen Bruders ohneweiteres als statthaft erklärt. Ein neuer Wohnrechtsraub in Rußland. Bekanntlich wurde den jüdischen Soldaten, welche den russisch-javanischen Krieg mitmachten, das Wohnrecht in ganz Rußland eingeräumt. Die Kiewer Eouoernementsverwaltung hat jedoch diese Begünstigung plötzlich so „erklärt", daß das Wohnrecht nur diejenigen jüdischen Soldaten besitzen, welche nicht nur an dem Krieg, sondern an einzelnen Schlachten teilgenommen haben. Infolge dieser willkürlichen „Erklärung" müssen nun zahlreiche jüdische Familien, deren Häupter für das russische Vaterland in den russisch-japanischen Krieg gezogen waren, Kiew verlassen, und es besteht die Gefahr, daß diese Auffassung des Kiewer Gouverneurs bald auch in den übrigen Gouvernements Anhänger finden werde. Die Legende vont eisernen Ring. In den literarischen Kreisen Rußlands wird - wie „Uns. Leben" berichtet — anläßlich des Todes Tolstois die folgende Legende aufgefrischt: Der russische Dichter Puschkin erhielt von einer Frau einen eisernen Ring zum Geschenk, den der berühmte Dichter als Talisman, der ihn vor jedem Unheil schütze, heilig hielt. Der Ring trug eine hebräische Gravierung, dir nach einer Behauptung die Worte: „Simchah, Vachor Josef Hasaken s. l.". nach einer anderen: „Simchah ben haraw Josef Hazadik s. I." hatte. Diesen Ring vermachte Puschkin dem Dichter Schukowski: von Schukowski ging der Ring in den Besitz von Turgenjew und von diesem auf Tolstoi über. Man erzählt, daß dieser Ring von Generation zu Generation stets auf den größten Schriftsteller Rußlands übergeht. Man fragt sich nun in Rußland: „Wem hat Tolstoj den Ring übertragen? Einige behaupten Kuprin, andere wieder Gorki: bestimmt weiß es jedoch niemand, wo der „hebräische Ring" sich gegenwärtig befindet. Die Tolstoj-Stiftung der Petersburger jüdischen Gemeinde. Der Vorstand der Petersburger jüdischen Gemeinde beschloß, zu ewigem Andenken an Leo Tolstoj eine Stiftung zu errichten, aus deren Zinsen zwei Waisenkinder im Petersburger jüdischen Waisenhause Erziehung und Ausbildung genießen sollen. Osfizietles Verzeichnis jüdischer Namen in Rußland. Die russische Regierung hat den Kischenewer Rabbiner I. L. Zierelsohn mit der Verfassung eines Verzeichnisses der in Rußland üblichen jüdischen Namen betraut. Bekanntlich hat die Verwirrung auf diesem Gebiete zahlreichen Juden viele Unannehmlichkeiten bereitet. Das interessante Verzeichnis ist bereits fertiggestellt und wird demnächst im Druck erscheinen. Pogrome sind keine Volksunruhen. Der Petersburger Gerichtshof hat eine prinzipielle Entscheidung getroffen, die für die Juden Rußlands von weittragendster Bedeutung werden kann. Er hat erklärt, daß Pogrome nicht als Volksunruhen zu betrachten seien, und hat dementsprechend eine Versicherungsgesellschaft, die auf Zahlung der Versicherungssumme für ein bei einem Pogrom in Brand geratenes Haus geklagt wurde, zur Zahlung der Klagesumme verurteilt. Ein jüdisches Tageblatt in polnischer Sprache. Mit Rücksicht darauf, daß die gesamte polnische Presse in Russisch-Polen die Bestrebungen der Juden iu politischen Fragen einseitig darstellt, haben die führenden jüdischen Kreise in Warschau beschlossen, ein polnisches Tageblatt ins Leben zu rufen, dessen Aufgabe es sein wird, die polnische Gesellschaft über die Forderungen und Wünsche der Juden in Polen in richtiger Weise zu informieren. Die zweite Advokatin in Rußland. Die erste Advokatin in Rußland ist. wie bekannt, eine jüdische Frau Fleischitz. die ihre Studien in Paris absolvierte und dann die Prüfung in Petersburg mit Auszeichnung bestand. Vorige Woche beschlossen die Odessaer geschworenen Advokaten, abermals eine Adookatin, die zweite in Rußland, in ihre Organisation aufzunehmen. Es ist dies gleichfalls eine Jüdin, namens Iarofchewskaja, die in Charkow mit Auszeichnung ihre Ilniversitätsftudien beendete und die vorgeschriebene Praris bereits absolvierte. Es bleibt abzuwarten, ob die zweite jüdische Advokatin mehr Glück haben wird, als Frau Fleischitz. deren Gesuch, in Prozessen als Rechtsoertreterin auftreten zu dürfen, in allen Instanzen abgewiesen wurde, so daß sie sich entschloß, das Schriftietzergewerbe zu erlernen, um in Petersburg bleiben zu können, und gegenwärtig tatsächlich in einer Petersburger Druckerei als Setzerin beschäftigt ist. VermLscbtes» Kranzablösnngsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien I., Leitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenoffen. Anläßlich des Ablebens des sel. Fritz Singer: Von Jnl. Modern K 20, kaiserlichen Rat Leopold Sachs 20, Otto Bunzl 20, Herr nnd Frau Direktor Wilhelm Herz 25. Zusammen K 85. Anläßlich des Ablebens des sel. Michael Neurath: Von Familie Michael Neurath K 100, Theodor Schrecker 50, Komm.-Rat Iosephy, Hugo Herzfelder und Dr. Gustav Haas 50, Gustav und Sofie Schlefinger 10. Zusammen K STIO. Vortrag ans jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur. Donnerstag den 22. Dezember 1910, präzise halb 8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekten- Vereines I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. Alois Schweiger aus Erlau statt. Thema: „Die Religion im Lichte der Völkerpsychologie". Eintritt frei, ohne Karten. Wien. Wie wir erfahren, erhielt der Lektor der Israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien, Herr Doktor V. A p t o w i tz e r, eine Berufung an das Rabbinerseminar „Union College" in Cincinnati an Stelle des kürzlich verstorbenen Talmudlehrers. Wien. Der Stadtrat hat in der Sitzung von 7. d. M. den Bürgerschullehrer D. L ö w i t, einen ausgezeichneten und verdienstvollen Pädagogen, zum Direktor der Bürgerschule, II., Kleine Sperlgasse 2a, ernannt. Wien. (Verlobung.) Fräulein Elsa Schlag, Tochter des Regierungsrates und Archivdirektors im k. k. Eisenbahnministerium Dr. Julius Schlag, hat fich mit dem Bahnkonzipisten der k.?. Nordbahndirektion Herrn Ignaz B r u n e r t verlobt.

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