Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-12-16 · 50 (16.12.1910) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
50 (16.12.1910)
Date
1910-12-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021873-3021924--19805-3044809
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 60 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite m zu wohnen, wodurch die jüdische Gemeinde an Ausdehnung gewann. Um diese Zeit waren die Beziehungen zwischen den Juden und Polen recht gute. Erst später verschlechterten sich diese infolge verschiedener Klagen von polnischer Seite, dah die Juden den Handel an sich reihen. Die Klagen wurden jedoch in den meisten Fällen als ungerechte abgewiesen. _ Der Görlitzer Judeneid. Im letzten Hefte der Zeitschrift der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften befindet sich die höchst interessante Studie des Professors Dr. Conrad Borchling in Hamburg über das Alter des Görlitzer Judeneides. In dem berühmten Görlitzer Rechtsbuche, das Dr. R. Jecht in seiner Schrift „Ueber die vorhandenen Handschriften des Sachsenspiegels und verwandten Rechtsquellen". 1906, im 82. Bande des Magazins beschrieb, stehen nämlich vorn auf dem ersten Blatte der Handschrift die Bruchstücke von Gebeten, Minneliedern und der Görlitzer Judeneid. Run ist zwar schon durch Müllenhoff-Scherer in den Denkmälern deutscher Poesie und Prosa die Stellung dieses Eides innerhalb der großen Literatur der deutschen Judeneide des Mittelalters bestimmt, aber über das Alter seiner Niederschrift konnte, weil das Original den beiden Gelehrten nicht vorlag, keinerlei Untersuchung angestellt werden. Das tut nun Borchling in scharfsinniger Weise, indem er auf Grund einer der Arbeit beigegebenen photographischen Abbildung und auf Grund genauer Einsicht in das Original das graphologische Verhältnis dieser Niederschrift zu dem Görlitzer Rechtsbuche und zu anderen gleichzeitigen Quellen erörtert und die sprachlichen Eigentümlichkeiten bespricht. Er kommt zu dem Schlüsse, dah die Schrift des Judeneides nicht älter als die des Rechtsbuches ist, vielmehr etwa ein oder zwei' Jahrzehnte .-jünger -und um.!.1300 oder gleich nach 1300 anzusetzen ist. Widerspruch erregt allerdings die Behauptung, dah eine am Rande zugefügte Notiz über die Zerstörung der Burg Liebstem (Limasberg bei Königshain) erst ins Ende des 14. Jahrhunderts zu setzen sei. Die Schwestern des „Hohen Rabbi Loew". Ein Leser des „American Jsraelite" richtet an das genannte Blatt die folgende interessante Frage: „Wurde der „Hohe Rabbi Loew" in Prag geboren und erzogen? Wie hiehen seine Schwestern? Waren diese verheiratet? Wann starb seine Mutier? Hinterlieh sie ein Testament und wer waren die Erben ihres Vermögens?" Der Redakteur des Blattes, der auch in Europa bekannte Gelehrte Professor Dr. Gotthard Deutsch, erteilt hierauf die folgende Antwort: Rabbi Judah Loew ben Bezalel, genannt der „Hohe Rabbi Loew", wurde in Worms oder Posen geboren, wohin sein Vater aus Worms gezogen war. Er war Rabbiner in Prag von 1573 bis 1609, während welcher Zeit er zweimal nach Posen ging, wo er einige Zeit als Rabbiner fungierte. Von seinen Nachkommen ist sein Enkel, der Wormser Rabbiner Samuel Bachrach, bekannt, dessen Sohn und Enkel gleichfalls Wormser Rabbiner waren. Ein Urenkel des „Hohen Rabbi Loew" war Rabbi Naftali Kosten, Rabbiner in Frankfurt a. M., der im Jahre 1719 auf seiner Reise nach Palästina in Konstantinopel starb. Die Nachkommen dieser Familie könnten bis auf den heutigen Tag verfolgt werden. Von etwaigen Schwestern des Rabbi Loew ist mir nichts bekannt. Ebensowenig von seiner Mutter, ihrem Testament und ihrem Nachlaß. Cs ist kaum anzunehmen, dah diese Menschen etwas anderes hinterlassen hätten, als eine Sabbatlampe und hebräische Bücher. Korrespondenzen Lvjähriges Jubiläum des israelitische» Handwerkervereines i» Bielitz. Sonntag nachmittag« fand im Sitzungssaale des israel. Gemeindehauses in Bielitz-Biala die Feier des 30jährigen Bestandes des B.-B. israel. Handwerkervereines statt, der unter der verdienstvollen Leitung seines Obmannes Herrn Rudolf Kestel eine überaus segensreiche Tätigkeit entfaltet. Der Feier wohnten u. a. bei die Herren: Bürgermeister Rudolf Hoffmann—Bielitz. Bürgermeister Anton Gürtler—Biala, Rabb. Prof. Dr. Markus Steiner—Bielitz, Rabb. Dr. Nathan Glaser—Biala, der Präses des Kaltusvorstandes und fein Stellvertreter und viele Damen und Herren. Herr Obmann Kestel begrüßte namens des Vorstandes in herzlicher Weise die Gäste, darunter die Damen Sophie Riesenfeld und R Steiner als Präsidentinnen des israelitischen FrauenvereineS. Herr Rabbiner Professor Dr. Steiner nahm sodann daS Wort und schilderte die Bewertung des Handwerkes im Judentum. Er schloß seine interessa ten Ausführungen mit dem Wunsche, der Verein möge einen sicheren Fond^ und ein eigenes Heim gründen können. Sodann hielt Herr Obmann Rudolf Kestel eine Ansprache, die auf die Anwesenden tiefen Eindruck ausübte und allgemeinen Beifall fand. Herr Kestel begann seine Ausführungen mit folgenden Worten: „Bevor wir in die Tagesordnung eingehen. obliegt mir die traurige Pflicht, einer Anzahl von verstorbenen Personen besonders zu gedenken, die sich um unseren Verein besondere Verdienste erworben haben. Es find dies der gewesene Obmann des Vorstandes Dr. Sigmund Marstrsfeld, die Vorstandsmitglieder Leopold Freund. Gustav Löwy. Adolf Schrenk und Politzer. Sie alle haben sich um den Verein große Verdienste erworben. E'enso gedenke ich mitG-fühlen des tiefempfundenen Dankeder edlen Spender, die d n Verein mit Spenden von ‘-00 K bedacht haben. Es sind dies die H:rren Salomon Tugendhat. Adolf Pollak und Frau Bertha W-ttmann. Im vergangenen Jahre hat unser Verein auch einige verdienstvolle Mitglieder verloren, und zwar die Herren Abraham Groß. Samuel Vorzimmer und Leopold Silbiger. Ich ersuche die Anwesend'n, sich zum Zeichen der Trauer von den Sitzen zu erheben. (Geschieht.) Begrüßungsichreiben sind eingelangt von Herrn k. k. Schulrat Barmaper—Wien, Generaldpektor Josef Mauksch-Wren und Gebrüder Lesser—Beuthen." Herr Kestel gab sodann einen interessanten Ueberblick über die 30jährige Entwicklung des Vereines. Ueber die Gründung des Vereines sagte er: Den ersten Impuls zur Gründung des Vereines gab Herr Louis Sachs, der im Jahre 1880 in Preußen zu einem Bruderfest eingeladen war und dort die nutzreiche Institution kennen lernte. Als er nach Hause kam. erzählte er von dem schönen Fest, das er mitgemacht hatte, dem Rabbiner Herrn Dr. Wolf Lesser. Dieser hielt dann im Tempel eine Predigt, in der er sagte, man solle dem Betteln und Schnorren Schranken setzen, dies könne man am besten durch die Gründung eines HandwerkervereineS tun." Es gründete sich bald darauf ein Komitee, das aus dem Redner und Herrn Louis Sachs bestand. Es gelang auch bald, bei den Kultusmitgliedern einen Fonds von 230 Gulden aufzubringen. Gleichzeitig meldeten alle Herren ihren Beitritt an. Man wendete sich sodann an Herrn Dr. Sigmund Markusfeld, der die Statuten ausarbeittte, die von der Landesregierung bewilligt wurden, worauf der Verein seine Tätigkeit beginnen konnte. Da am Anfang nur 5 Lehrlinge zu betreuen waren, beschloß man, kleinen mittellosen Handwerkern Darlehen ä 30 fl. zu gewähren, die ratenweise abzuzahlen waren. Da man später damit schlechte Erfahrungen machte, wurde mit dem Brauch gebrochen. Im Jahre 1885 gab es bereits 12 Lehrlinge, für die der Verein zu sorgen hatte. ES kamen nun gute und schlechte Zeiten für den Verein. Im Jahre 1896 kamen harte Schläge für den Verein. Herr Sachs legte sein Mandat zurück, Herr Dr. Markasfeld begann zu kränkeln und konnte bis zu seinem im Jahre 1903 erfolgten Ableben nicht mehr wie früher für den Verein tätig sein. Nicht genug daran, verlor der Verein die Vorstandsmitglieder Leopold Freund, Gustav Löwy und Adolf Schrenk durch den Tod. Das war ein harter Schlag für den Verein. Aber Herr Kestel ließ trotzdem den Mut nicht sinken und bat die Herren Sam. Tugendhat und Ludwig Langfelder um ihren Beistand, den sie ihm auch in liebenswürdiger Wecke gewahrten. Im Jahre 1904 wurde eine Generalversammlung zur N uwahl einberufen, in der Herr Rudolf Kestel zum Obmann, Herr Louis Sachs zum Obmann-Slellvertreter und die Herren Salo Rltterwann, Adolf Rosenbaum und Jakob Wagner zum Vorstand gewählt wurden. Mit neuer Kraft ging nun der Verein an die Arbeit. Aber die F ende sollte nicht lange währen. In den Jahren 1908—09 verlor der Verein infolge Domizilwechsels, mißlichen Gcschäflsganges und Ablebens 40 Mitglieder. Auch diesen Schlag hat der Verein ausgehalten. Es fand sich bald darauf ein edler Wohltäter, der die Lage des Vereines mit einem Schlage verbesserte. Es ist dies Herr k. k. Schulrat Barmaper, der dem Vereine 900 K zukommen ließ. Anläßlich seines Domizilwechsels 'pendele Herr Schulrat Barmaper 400 K Infolge dieser hochherzigen Spende wurde er am 11. Dezember 1909 zum Ehrenmitglied des Vereines ernannt, worauf er wieder 400 K spendete; sitzt sandte er neuerdings 120 K. Ihm sei der herzliche Dank gesagt. Ebenso dem löblichen Kultusvorstand, der 125 K spendete, dem Vorstand des löblichen Vereines B'nai B'nth, der 20 K spendete, und dem Freitisch- und Frauen-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.