Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 50 (16.12.1910)
- Date
- 1910-12-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021873-3021924--19804-3044808- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 828 Dr. Blochs Wochenschrift. r»,r. 60 zuheben. damit sie nicht erst durch Neichsgesetz dazu gezwungen werde. Obwohl diese Meldung uns, wie gesagt. von zwei verschiedenen Seiten und aus recht zuverlässigen Quellen zugegangen ist, sträuben wir uns doch dagegen, sie für richtig zu Hallen. Die sächsiche Regierung hat in ihren Aeußerungen die Notwendigkeit des Verbotes so überzeugend begründet, daß es schlechthin unverständlich sein würde, wenn sie sich zu sich, selbst in einen so krassen Gegensatz stellen wollte". — Es würde unseres Erachtens der sächsischen Regierung nur zur Ehre gereichen, wenn sie durch Aufhebung des Schächtverbotes einen Irrtum berichtigen würde, zu dem sie die Antisemiten unter der Maske des Tierschutzes verleitet haben. Die Schächtmethode ist keine Tierquälerei, ein SchächLoerbot aber eine Menschenquälerei. Wer ein solches Verbot befürwortet und dabei versichert, daß dies keinen Angriff auf die jüdische Religion bedeute, der verdient denselben Glauben, wie der, welcher andere Zurücksetzungen der Juden mit Rassenvorurteilen beschönigt, aber Beförderungen nach erfolgter Taufe richtig findet und trotzdem religiöses Vorurteil bestreitet. Judentum und Astrologie. In der literarischen Montagsbeilage „Der Zeitgeist" schreibt Geheimrat Prof. Ed. König (Bonn) in einem Aussatz über „Die Astrologie bei den Babyloniern und den Hebräern" u. a. folgendes: „Von Wirklicher Astrologie, von Sterndeuterei, ist in der älteren Literatur der Hebräer nicht einmal bei Erwähnung der Arten von Mantik die Rede, welche von den führenden Geistern Israels ihren Zeitgenossen un6 unten ihrem Niveau stehend bezeichnet wurden. Erst spater, als die assyrische und noch mehr die babylonische Weltmonarchie immer mehr eine direkte Herrschaft über Palästina begründete und die Kultur des Euphrat-Tigris-Landes in breiten Kanälen auch nach dem Lande Israels strömte, da wurde der Protest gegen die Astrologie anderer Völker im hebräischen Schrifttum laut. „Kennst du die Satzungen des Himmels?" lautet eine von den beschämenden Fragen, durch die in dem grandiosen Hiobgedichte (38, 33) dem leicht seine Schranken vergessenden Menschen die Enge seines Horizontes zum Bewußtsein gebracht wird. Ein direkter Einspruch dagegen aber, daß die Anhänger der prophetischen Religion Israels nach der.Methode der anderen Nationen „Untersuchungen betreffs der Zeichen des Himmels anstellen und vor diesen erschrecken" ertönt erst in dem Buche Jeremias (10, 2), der ja ein Zeitgenosse des übermächtigen Heranflutens der babylonischen Weltmacht war. Erst bei einem Redner aus dem babylonischen Eril (Jes. 47, 13) sind die babylonischen Autoritäten verspottet, die — zu astrologischen Zwecken — den Himmel in bestimmte Felder zerteilten und so „nach den Sternen schauten", weil sie aus dem Eintreten der Sterne in diese Bezirke etwas erschließen zu können meinten. Die althebräische Kulturstufe befindet sich hinsichtlich ihrer Würdigung in einer tragischen Situation. Gerade weil sie ihrer religionsgeschichtlichen Bedeutung nach ein Element unserer allgemeinen Bildung von Jugend auf sein darf, läuft sie dann später Gefahr, nicht mehr ernstlicher ins Auge gefaßt zu werden. Aber diese Stimmung der llebersättigung, die in Bezug auf das Studium der althebräischen Kultur weithin herrscht, möge an dem jetzt ins Auge gefaßten Punkte dadurch überwunden werden, daß dieser noch einige Momente lang unter den Brennspiegel der vergleichenden Altertumsforschung unserer Tage gerückt werde.... Wenn wir nun so sehen, daß auch die großen Kulturnationen des Altertums voll Neigung zur Sterndeuterei — und zum Gestirnkultus — waren, müssen wir uns da nicht über die Zurückhaltung wundern, die gegenüber solcher Neigung sich in der klassischen Literatur der Hebräer ausspricht? Bei ihnen aber hören wir sogar im Gedicht von Hiob, worin doch viele äußerst kühne Sätze über religiöse Probleme laut werden, den Haupt- Helden seiner Erhabenheit über jede Art von Gestirnkultus mit Nachdruck betonen. Denn der Dichter laßt ihn folgende Fragen aussprechen (31,26f.): „Sah ich etwa das Licht (das heißt die Sonne) — in andächtiger Bewunderung — an, wenn es hell leuchtete, und den Mond, wenn er prächtig daher waltete, und betörte sich etwa heimlich mein Herz und legte sich meine Hand — zum Kusse — an meinen Mund?" Also mit Stolz weiß er sich frei von der Sitte mancher Leute, den Gestirnen eine bewundernde Aufmerksamkeit zu widmen oder durch zugeworfene Kußhändchen eine Huldigung darzubringen. Ja, dieselbe Sternenwelt leuchtete über Babylonien und über Palästina. Aber in dem einen Lande schaute man bis an das Firmament, um durch dessen Veränderungen die Beschlüsse der Götter zu erforschen, und in dem anderen Lande war das Auge der Bannerträger des Volkes über das Firmament hinaus dahin gelenkt, wo der Weltgeist ist „der ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht". Diese eigenartige Stellung der Hebräer zur Astrologie ist aber nicht etwa deshalb in Frage zu stellen, weil man annehmen könnte, ein Volk des Altertums könne doch nicht isoliert sein. Nein, die Kulturverwandtschaft der Nationen ist nicht eine absolute. Die Aehnlichkeit zweier Kulturkreise darf nichtobgleich dies in neuer Zeit dann und wann geschehen ift, zur Gleichheit gestempelt werden. Oder läßt sich das nicht gerade bei den Hebräern durch eine ganze Reihe einfacher Tatsachen zeigen? Hier seien einige Beweise! Schon die Schrift der Hebräer (und Phönizier) ist von der Keilschrift der Babylonier und Assyrer gänzlich" verschieden und im -Unterschied von. ähr eine Buchstabenschrift, deren Erfindung nach Ed. Meyer (Geschichte des Altertums I, 2, § 203) die große kulturgeschichtliche Errungenschaft der Aegypter war. Sodann die Schreibrichtung der Hebräer geht von rechts nach links, während die Babylonier und Assyrer umgedreht von links nach rechts, wie wir. schreiben. Auch die hebräischen Stemnamen kommen nicht bei den Babyloniern vor! Auch hatten die Hebräer zuerst gleiche Monatsnamen mit den Phöniziern, aber die babylonischen Monatsnamen tauchen im hebräischen Schrifttum erst nach dem babylonischen Eril auf. Die Hebräer hatten weiterhin die Woche von sieben Tagen, während man in Babylonien „eine Einheit von fünf Tagen an Stelle der siebentägigen Woche" hatte. Folglich ist es gar nicht einmal auffallend, daß die Hebräer auch in Bezug auf die Astrologie eine selbstständige Stellung emnahmen. Zur GeMchte der Juden in Galizien. In der polnischen Zeitung „Slove Polskie" erschien dieser Tage ein Artikel über die Geschichte der Juden in Przemysl, der interessante Daten zur älteren Geschichte der Juden in Galizien enthält. Nach Dokumenten im dortigen städtischen Archiv haben sich die Juden zur Zeit Kasimirs des Großen, im 14. Jahrhundert, in Przemysl angesiedelt, die Nordseile der Stadt besetzt, die seitdem den Namen Judenstadt führt. Die Zahl der damals eingewanderten jüdischen Familien läßt sich nicht feststellen: sie wird jedoch mit 15 angenommen, und es steht fest, daß sie sich mit Handel beschäftigten und frei von jeder Steuerleistung waren. Mit der Einführung der Magdeburger Gesetze im Jahre 1389 gründeten die Juden ihre erste kaufmännische Organisation, im Jahre 1559 erhielten sie vom König Sigmund das Recht, in der ganzen Stadt