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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-12-09 · 49 (9.12.1910) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
49 (9.12.1910)
Date
1910-12-09
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 722 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 49 lebenlang Krüppel blieben. Die Täler entkamen und konnten nicht der Behörde übergeben werden. Da beschlossen die Fleischer., di,e beiden Adeligen zu fangen und als sie eines Tages die beiden Herren erblickten^, jagten sie ihnen bis zum 'Krakauer Tor nach und ergriffen sie hier. Nachher schlugen sie beide ohne Erbarmen, rissen ihnen die Kleider ab und schleppten sie an beiden Füßen durch die ganze Stadt ins Gefängnis.-") * * * Es war aber ein Feind im Ghetto, gegen welchen keine Wache half, das war der Pulver türm. Am 23. November 1703 ließ sich in der Stadt eine gewaltige Detonation vernehmen und ein starker Rauch umdüsterte den Himmel: als der Rauch weg war, lagen die meisten Häuser der „neuen Juden gasse" (B oimow) in Schutt. 36 Juden verloren ihr Leben und der Rabbiner Jakob Josue (Pnei Joschua) kam knapp mit dem Leben davon?^) Kaum haben sich die Juden von dem Unglück erholt, als die Stadt von den Schweden (1704) erobert wurde und eine schwere Kontribution zahlen mußte. Die Schweden raubten die Stadt aus Md vernichteten die ganze städtische Amunition. Die Juden konnten die ihnen auferlegte Summe nicht zahlen, und da ergriffen die Schweden die Vorsteher der städtischen Judenschaft, hängten sie an den Daumen am Galgen auf und ließen sie so lange hängen, bis die Körbe, die auf einer Wage standen, mit Silber gefüllt wurden.--) Der letzte Judentumult war anläßlich der Frankrstendisputation!im Jahre 1759 in Lemberg, durch den die Juden einen Schaden von 247.901 poln. Gulden-^) erlitten. Die österreichische Negierung, die im Jahre 1772 Galizien okkupierte, stellte einfür allemal die Judentumulte ab, nahm aber den Juden viele Freiheiten und drückte sie vermittels der Hofdekrete vom 12. Dezember 1793 und 12. Dezember 1795 in ihr altes Ghetto zurück.^) Hier in der Finsternis und im Schmutz verblieben sie bis zum Jahre 1838, in dem die Mauern der Judenstadt endgültig abgebrochen wurden. Ende. jjbntt». Hontheim I, Das Buch Job (Bardenhewers Biblische Studien.) Herder'sche Verlagshandlung. Freiburg 1904. M. 8.—, Gegen einige moderne Bibelkritiker wird die herkömmliche Auffassung deö Buches verteidigt. Die Reden Elias, den der Verfasser als Propheten auffaßt, find seiner Anficht nach echt. Job besteht die Prüfung glänzend. Die hohe Kunst des Job-Autors wird in das glänzendste Licht gestellt. Eine eingehende Textkritik mit sorgfältiger Analyse geht der Uebersetzung voraus. Die Gliederung der Reden in Vor-, Gegen- und Zwischenstrophen ist konsequent durchgeführt, die Uebersetzung schlicht und treu. x. In demselben Verlage erschien: Lippl I., Das Buch des Propheten SophoniaS. 1910. M. 4.40. Man muß die erdrückende Maffe von Literatur anstaunen, die der Verfaffer seiner Arbeit zugrunde gelegt hat. Daß er fie aber nicht nur gründlich bewältigt hat, sondern auch kritisch über seinem Stoffe steht, beweist jede Seite dieser vortrefflichen Arbeit. Sehr eingehend und klar ist auch der historische und religionsgcschichtliche Hintergrund des Prophetenbüchleins geschildert. x. -°) Grodarchiv C. L. Bd. 362, pg. 1784—5. 21) Jakob Josue war Rabbiner in Berlin, Metz, Frankfurt a. M., Mannheim und Offenbach. Siehe Buber: Ansche Schem Nr. 255. 22) Ehodynicki: Geschichte der Stadt Lemberg (poln.). S. 257. --) Stadtarchiv Fase. 257. ") Stadtarchiv Fase. 836. Das Räumungsdekret publiziert am 1. -Jänner 1796. Die Daten im Stadtarchiv stimmen nicht mit den Angaben Stögers: Darstellung der gesetzlichen Verfassung der galizischen Judenschaft. Bd. I. S. 32, Anm. 2, wo die Dekrete mit 21./XII. 1793 u. l./V. 1797 datiert find. E Seilliere, N ' etschee Waffenbruder Erwin Rhode. Berlin W 30. Hermann Barsdorf Verlag 1911. M. 3, geb. M. 4.50. Mit ficherem psychologischem Takt deckt S. die feinen Fäden auf, die Rhode und den Meister des Zarathustra aneinander knüpfen, um sich allmälich wieder zu lösen. Diese Biographie Rhodes ist zugleich eine lichtvolle Einführung in Nietzsches Gedankeugänge. R. W. Lütgert, Natur und Geist Gottes. Leipzig 1910. A. Derchert, M. 2.80. Die in diesem Bande vereinigten Vorträge vertreten einen orthodoxen Standpunkt, an dem wir nur auszusetzen haben, daß hier (S. 36) wieder behauptet wird, „Jesus war der Erste, der Liebe übte". Das kann nur aussprechen, wer das Judentum nicht kennt. Von allgemeinerem Interesse ist der letzte Vortrag „Goethes Ehtik", eine gründliche und gevankenvolle Arbeit. x. Herre P. Ad. Hofmeister und Rud. Stöbe, Quellenkunde zur Weltgeschichte. Leipzig 19t0. Verlag Dieterich (Th. Weicher), Jnselstraße 10. M. 4.80, geb. 6.50. Daß die Juden in diesem vortrefflichen Nachschlagewerk mit den Zigeunern zusammengestellt werden, geschieht gewiß nur aus dem Grunde, daß hiefür noch auf keinem Historikerkongresse eine Norm geschaffen worden ist. Was irgend an israelitischer und jüdischer Geschichte sich in die Rubrik „Altertum" unterbringen läßt, findet man S. 54 ff. Nur hätten wir besonders über das Judentum im neutestamentlichen Zeitalter, auch die tüchtigen Arbeiten jüdischer Forscher verzeichnet gesehen. Die Gerechtigkeit heischt, beide Teile anzuhören. Im „Mittelalter" sucht man aber schon vergebens etwas über die Geschichte der Juden. Nur die Nummer 60 unter „Allgemeines" bringt dann Grötz, Geiger und zwei ziemlich belanglose Sachen. Unter Weltgeschic! te versteht man eben noch immer Staatengeschlchte. Sowie der „christlichen Religion und Kirche im Altertum" eine eigene Rubrik gewidmet wird, das gleiche Recht gebührte „dem Judentum in Mittelelter und Neuzeit". R. M Hyamson, The oral law and other sermons. London 1910. Verlag von David Nutt, 57 bis 59. Long Acre, W. C. London, 3, 6 Sh. Der bekannte „Dayan of the United Synagogue“ bereichert mit di-sen, zum Teil bereits in englischen Wochenschriften erschienenen Predigten die homiletische Literatur um eine wertvolle Gabe. In geschmackvoller Verwendung bes Midrasch weiß er den so oft behandelten Gegenständen eine anziehende Beleuchtung zu geben. Betrachtungen über den Sabbath und die Feste, das schriftliche und das mündliche Gesetz, Thora, Aboda und Gemiluth Chasadim, das altjüdische Rechtsverfahren, R. Jehuda hanaffi und ähnliche Themen, sowie einige Gedächtnisreden füllen den zierlichen Band. R. S. Eckstein A , Die israelitische Kultusgemeinde Bamberg von 1803 bis 1853. Bamberg. Verlag der Handelsdruckerei, 19!0. Anläßlich der feierlichen E.öffnung der neuen Synagoge in Bamberg gab der um die Geschichte der Juden in Baiern hochverdiente Verfasser diese Festschrift heraus, die sich seinen früheren Arbeiten würdig anreiht. Sie bildet einen wertvollen Beitrag zur Kulturgeschichte. Die Ausstattung ist vorzüglich. L. Die Oden Salomos Aus dem Syrischen übersetzt, mit Anm. von A. Ungnad und W. Staerk. Bonn 1910. A. Markus und E. Webers Verlag. M. 0.80. Als Nummer 54 der Lietzmann'schen „Kleinen Texte" haben die Herausgeber dieses jüdisch-christliche Psalmbuch, das bereits von Harris, Flemming und Harnack bearbeitet worden ist, in einer musterhaften Ausgabe veröffentlicht. R. In demselben Verlage erschien: G- Loeschke. Jüdisches und Heidnisches im christlichen Kult. 1910. M. 0.80. Ein außerordentlich lehrreiches Schristchen. Aus dem Judentum hat die Kirche die Woche und die Benennung der Wochentage, die Fisttage (3. und 5. Tag), den Sabbath, die Gebetstunden, das Osterfest u. a., aus dem Heidentum Weihnachtsfest, Weihwaffer, Amulette, Totenkult, Heiligenverehrung, Bilderkult usw. x. H. Lhotzky, Die Zukunft der Menschheit. Berlin 1907. Karl Eurtins. Lhotzky zeigt starke Anklänge an Geister, wie Epiktet, Carlyle, Emerson. Es geht ein frischer, fröhlicher Zug durch das Buch, ein Aufwärtsführen. Geistvoll wird der Traum Nebukadnezars als ein Träumen von der Freiheit gedeutet. L. Wilh. Meyer. Kampfesmühe — Siegesfreude. Leipzig 1911. A. Deichert's Nachfolger. M. 1.80. Diese 18 Predigten sind bei aller Schlichtheit im Ausdruck von mächtiger Wirkung. Wenn Sie auch, wie die „vom Flieger" an Aktualität nichts zu wünschen übrig lassen, so wiffen sie doch Ewigkeitswerke zu bieten. R. K. Nöttger, Kind und Gottesidee. Berlin W 30, Modern-Pädagogischer und Psychologischer Verlag, 1910. M. 2.—. Bleibenden Wert gibt dieser anregenden Studie die Zusammenstellung von Aussprüchen führender Geister (Paulsen, Goethe, Keller, Hebbel, Marie Ebner-Eschenbach usw.) über ihre erste Be-

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