Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 49 (9.12.1910)
- Date
- 1910-12-09
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 49 De. Blochs Wochenschrift. Seite 823 kanntschaft mit Gott, ihr erstes religiöses Erlebnis. Jeder Pädagoge, insbesondere jeder Religionslehrer sollte dieses Buch lesen, vor allem den richtigen Kerngedanken beherzigen, daß sich dem Kinde Gott in der Freude offenbaren müsse. R. Aristophaues* Werke. Uebersetzt von Seeger. Neue Auflage von Fischer. Wilh. Schmid. Bd. I. Stuttgart-Berlin 1910. I. G. Cotta's Nachf, M. 3.—. Aristophanes ist der härteste Prüfstein für jeden Uebersetzer. Wenn die Herausgeber der Seeger'schen Meisterleistung gerade dieses Werk des viel zu wenig gekannten Dichters neu beleben, um ihn zu der gebührenden Würdigung zu verhelfen, so darf dieser Griff als sehr glücklich bezeichnet werden. Man staunt auf jeder Seite über das Sprachgenie und das feine poetische Nachempfinden, die an Fulda erinnern. R. A. Kober, Die rechtliche Lage der Juden im Rheinland während des 14. Jahrhunderts im Hinblicke auf das kirchliche Zinsverbot (S. bis A. aus der „Westdeutschen Zeitschrift für Geschichte und Kunst", Heft II/III, 1909.) Diese gediegene Studie weist wieder einmal an der Hand urkundlicher Belege auf den Widerspruch hin zwischen dem theoretischen Kampf der Kirche gegen den jüdischen Wucher, der sich übrigens von dem christlichen durchaus nicht unterschied, und der kirchlichen Praxis auf der anderen Seite. Auch der Widerstand der weltlichen Mächte ist beachtenswert. R. „Die Hilfe." Wochenschrift für Politik, Literatur und Kunst. Herausgegeben von Friedrich Naumann, M. d. R. Nummer 48. 4. Dezember 1910. Aus dem Inhalte: Friedrich Naumann: Vieh und Fleisch. — Theodor H e u ß: Die Kaiserdebatte. — Paul Rohrbach: Wirtschaft, Politik und Moral in Afrika. I. — Gottfried Traub: Klatsch. — Karl Strecker: Leo Tolstoi. — Hans O situ ald: Unter dem schiefen Dach. — Karl Wilhelm Fritsch: Um Michelburg. — Verlag der„Hilfe", L-Abteilung, Berlin-Schöneberg. Jesus, die Häretiker und die Christeu. Schriften des Institutum Judaicum in Berlin, Nr. 37. Nach den ältesten jüdischen Angaben, Texte, Uebersetzung und Erläuterungen von Prof. D. Doktor Hermann L. S t r a ck. I. C. Hinrichs'sche Buchhandlung, Leipzig, Blumengaffe 2. Die gerichtliche Medizin in der biblisch-talmudischen Gesetzgebung. Vortrag gehalten im Lokale der Asociatiune Medieo farmaceutica von Dr. K. Lippe in Jaffy den 23. Jänner 1910. Herausgegeben von dem Komitee der rumänisch-zionistischen Förderation in Galatz-Braila. Zum 80. Geburtstag des Verfassers ihres Ehrenpräsidenten am 14. Marcheschwan 5671 (November 1910). Druck C. Abermann Str. Stefan Cel Mare, Jaffy. Kriefkaftrm „Teut". Daß antisemitische Blätter ihren Lesern die Lektüre jener Stellen, in denen sich Schopenhauer allerdings wenig freundlich über das „Judentum" ausspricht, empfehlen, ist ein Zeugnis ihrer Unwissenheit. Es ist den Leuten offenbar entgangen, daß Schopenhauer unter dem Begriff „Juden" vielfach auch Christen faßt, und er ausdrücklich an verschiedenen Stellen in diesem Sinne von „Judenchristen" spricht. Dem Philosophen des Pessimismus konnte allerdings der Optimismus des jüdischen Glaubensbekenntnisses sich nicht in sein NnwanaparadieS fügen und darum war er theoretisch ein Gegner der jüdischen Lehre, aber kein Gegner der Juden. Insbesondere da Schopenhauer den Juden David Asher und den getauften Juden Julius Frauenstädt zu seinen Testamentsvollstreckern ernannte und dem Juden Dr. Martin Emden, mit dem ihn tägliche Freundschaft verband, die Abfassung seines Testamentes übertrug. Vielleicht lesen die deutschnationalen „Gelehrten" einmal nach, was Schopenhauer über die deutsche Nation (Band IV, S. 118) sagt, wo er es mit Wieland ein „Unglück nennt, als ein Deutscher geboren zu s in. „Das sei eine Nation, welche in politischen und finanziellen Angelegenheiten Mangel an wahrer Ehrenhaftigkeit bewiesen hat," wie er an anderer Stelle (Band IV, S. 427) es ausspricht. Denn Judentum und deutsche Nation beurteilt er gleich unfreundlich, sie sind bei Schopenhauer „socii malorum“. D. B. Es ist eine Lüge, daß Jack der Aufschlitzer, der vor einigen Jahren die entsetzlichen Frauenmorde in einem Vororte von London verübte, ein Jude gewesen. Anscheinend hat man sich dabei gestützt auf ein vor wenigen Monaten erschienenes Buch des Oberstleutnant Sir Henry Smith, der damals Polizeikommissär und Vorstand der Detektivabteilung war. Dieser erzählt im Verlaufe der Schilderung der einen Mordtat u. n.:, „Während wir den Mitre-Square absuchten, rannte einer meiner besten Detektives, Mr. Halse, nach der finsteren, abscheulichen Goustronstreet, um dort nach dem Verdächtigen zu fahnden. Und plötzlich steht er einen Fetzen auf der Straße liegen, der nichts anderes ist als ein Stück von der zerrissenen Schürze des vielleicht vor einer halben Stunde ermordeten Mädchens. Er war zusammengefaltet und mit Kreide waren auf dem Stoffetzen die Worte geschrieben: „Die Juden sind Menschen, die sich nicht wegen nichts verachten laffen." Ich verständigte sofort von diesem ungeheuer wichtigen Funde» der meiner Ansicht nach uns den Mörder ausliefern mußte, den Polizeichef, und nun geschah etwas ganz Unerwartetes. Innerhalb weniger Minuten kam der Wagen Sir Charles WarrenS herbeigesaust. Sir Charles Warren besah den Fetzen, erbleichte und ordnete an, daß die mit Kreide geschriebenen Worte sofort ausgewaschen werden müssen. Und auf meinen Protest erklärte er, daß er so handeln müsse, wenn er nicht einen Aufstand gegen die Juden in London heraufbeschwören wolle. Meiner Ansicht nach war aber diele Maßregel ein fataler Fehlgriff, dem wir es zu verdanken haben, daß Jack the Ripper nicht entdeckt wurde und nie entdeckt werden wird." Londoner Blätter erklären richtig, der raffinierte Mörder habe die Aufmerksamkeit von sich auf die Juden ablenken wollen, eine Praktik, welche früher angewandt wurde und selbst noch heutzutage stellenweise angewendet wird. „National". Nicht die Unterstützung Dr. Ofners gegen einen Antisemiten wird getadelt, sondern vielmehr die Entgegennahme einer Kompensation für solche Wahlhilfe gegen Judenfeinde, wird als entehrend angesehen. _ Notiz. YXTX. «taatslotterie. Am 15. Dezember l. I. findet die Ziehung der XXXX. Staatslotterie für Zivilwohltätigkeitszwecke statt. Der Spielplan weist 20.788 Gewinste im Gesamtbeträge von 620.000 Kr., darunter einen Haupttreffer von 200.000 Kr., ferner Treffer zu 50.000 Kr., 30.000 Kr. rc. auf, welche sämtlich in barem Gelbe ausbezahlt werden. Lose ä 4 Kr. sind in Tabak-Trafiken, Lottokollekturen, Wechselstuben rc. erhältlich. Salomon Horowitz Widmung für Arme. Anzahl der Piätze: Unbestimmt im Betrage von zusammen K 70.—. BewerbungsberechtiQt Sind: würdige jüdische Arme, unter welchen verarmte Deszendenten des Herrn Salomon Horowitz in erster Reihe berücksichtigt werden. VCFlelhllDgstag: 30. Jänner 1911 (1. Schebat). — Gesuchsbeilagen: Geburtsschein, Armutszeugnis, event. Nachweis der direkten Abstammung von dem Widmungs- Namensträger. - Letzter Tag der Einreichungsfrist: 15. Dezember 1910. — Eiorelcbstelle: I, Seitenstettengasse Nr. 4, II. Stock (EinreichungsprotokoU). — Näheres In den von der Elnrelchstelle unentgeltlich zu beziehenden Gesuchsbögen. Lori Baumgarten-Stiftung für herzkranke Frauen. Anzahl der Stiftplätze: Einer im Betrage von K 40.—. — Bewerbungsberechtigt Sind: bedürftige, herzkranke Frauen israel. Glaubensbekenntnisses. — Verleiftungstag: 16. Februar 1911 (18. Schebat) — Gesuchsbellagen: Geburtsschein, Armutszeugnis, ärzti. Zeugnis. — Letzter Tag der Einreichungsfrist: 15. Dezember 1910. — Einreichsteile: I., Seitenstettengasse 4, II. stock (Einreichungsprotokoll). — Näheres in den von der Einreichstelle unentgeltlich zu beziehenden Gesuchsbögen. Wien, 1. Dezember 1910. Der Vorstand der isr. Kultusgemeinde Wien. dx-V'man Synagogen-Verband in London. Oberrabbiner-Posten. Der Ausschuss des Synagogen - Verbandes in London wünscht einen Ober-Rabbiner, der seine ganze Zeit zu Gunsten dieser Gemeinde widmen soll. Muss Orthodoxe, Talmudist in vollem Sinne sein und auch den Titel Doktor der Philosophie besitzen. Soll beherrschen und auch fähig sein, Predigten zu halten in Jüdisch-Deutsch wie auch in Englisch (letzteres würde von dem erwählten Kandidaten verlangt werden innerhalb einer vereinbarten Periode). Der Posten wird für eine Periode von elf Jahren vergeben zu einem Salair von Pfd. St. 500 (M. 10.000) per annum, welches bereits eingezahlt und angelegt ist; diese Periode würde eventuell verlängert werden, falls Umstände dies gestatten. Bevorzugt wird ein Herr im Alter von nicht über 45 Jahren, jedoch ältere Bewerber werden eventuell nicht verweigert. — Agitieren in irgend welcher Weise ist verboten. — Nur diejenigen Bewerber werden als Kandidaten anerkannt, die offiziell vom Sekretär verständigt werden und die Reisespesen werden nur denjenigen bezahlt, die eine offizielle Einladung vom Sekretär erhalten werden. Offerte mit Abschriften von Zeugnissen (auch Photographie wennmöglich; keine Verantwortlichkeit wird akzeptiert für irgendwelche Dokumente oder Photographien) werden bis zum 19. April 1911 an den Sekretär Joseph I. Blank, 119 Farleigh Road, Stoke Newington, London N. erbeten. Der Name des gewählten Kandidaten wird dem Very Rev., dem Haupt-Rabbiner Dr. Adler vorgelegt werden. ises