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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-12-09 · 49 (9.12.1910) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
49 (9.12.1910)
Date
1910-12-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 820 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 49 Hermann Liebermann. Mit Hermann Liebermann ist ein um das Judentum unserer Stadt und insbesondere um den Mariahilfer Tempel- Verein hochverdienter Mann aus dem Leben geschieden. Seit fast 40 Jahren gehörte er dem Vorstande dieses Vereines an; das große Werk des Tempelbams hat er durch jahrelange emsige Vorarbeit wesentlich gefördert; er war hiebei der fleißigste Mitarbeiter Max Fleischers s. A., mit dem ihn eine sinnesverwandte innige Freundschaft bis an dessen Lebensende verband. In der schwierigsten Epoche des Vereines — während des Tempelbaues — nahm er die Last der Präsidentschaft auf seine Schultern und seinem unermüdlichen Fleiße und seiner Tüchtigkeit war es zu danken, daß schon im Jahre 1884 der Mariahilfer Tempel als erster Wiener Vereinstempel entstand, mustergiltig und bahnbrechend für viele nachfolgende, als ein Wahrzeichen gemeinnützigen Wirkens und edler Begeisterung für eine heilige Sache. Nach Vollendung des Tempels wirkte er bis zu seinem Tode als Schriftführer des Vereines, als Obmann der Tempelsektion und des Betsitzkomitees mit seltenem Pflichtgefühle und großer Gtwiffenhaftigkeit. Er war der fleißigste Tempelbesucher, fehlte bei keiner Sitzung und sein letzter Gang im irdischen Leben galt am vergangenen Simchas-Thora dem Tempel, in welchem er, schon den Todeskeim iw Herzen, als Chasan Bereschis seine Spende am Altäre des Herrn darbrachte. Durch seine persönliche Liebenswürdigkeit und Bescheidenheit, feine außergewöhnliche Herzensgüte erwarb er sich allenthalben Freunde und Verehrer und er war zweifelsohne einer der populärsten und wohlgelittensten Männer Mariahilfs, geschätzt auch von den politischen Gegnern. Seit vielen Jahren gehörte er dem Vorstande des Gremiums der Buchdrucker und Cchriftgießer an, war Obmann ihrer Krankenkasse und von dir Finanzbehörde ernanntes Mitglied der Steuer-Schätzungskommiffionen. In seinem gemeinnützigen Wirken wurde er von seiner edlen Gattin unterstützt, die ihn in seinem Berufe eine überaus emsige und tüchtige Mitarbeiterin gewesen und willig die Sorgen des Tages auf sich nahm, um ihm seine öffentliche Tätigkeit zu erleichtern. Der Heimgang dieses wackeren Mannes hat überall nur aufrichtiges Mitgefühl hervorgerufen, das sich in einer außerordentlichen Beteiligung beim Leichenbegängnifle betätigte. Die meisten der hochansehnlichen Trauergäste gaben ihm das Geleite auf den Zentralfriedhofe, in deffen Zeremonienhalle nach den erschütternden Trauergesängen des Oberkantor Dünnmann der ehrwürdige Rabbiner Dr. Taglicht in einer Meisterrede ein lebenswahres, lichtvolles Bild des Verewigten entwarf, daß auf dse imposante Trauerversammlung mächtig wirkte. Dann nahm d^r Präsident des Mariahilfer Tempelvereines Herr Kultusvorstand Dr. Jakob Engel in überaus warmen, Liebe und Verehrung für den Heimgegangenen Freund atmenden Worten bewegten Abschied von dem Verklärten und schließlich entbot Herr Dr. Knöpfmacher namens des Humanitätsvereines B'nai-B'rith dem Entschlafenen in wirkungsvoller Rede die letzten Brudergrüße. Dann wurden die sterblichen Ueberreste Hermann Liebermanns zur ewigen Ruhe gebettet. B—y. Wieu-Mariahilf. Der Vorstand des Mariahilfer Tempelvereines veranstaltet für seinen dahingeschiedenen Schriftführer Hermann Liebermann s. A. Sonntag den 11 d.M., halb 12 Uhr vormittags, im Tempel VI., Schmalzhofgasse, einen Trauergottesdienst. Wien. (Israelitischer Frauenverein im XVIII. Bezirk.) Wie seit vielen Jahren, hat auch heuer dieser rührige Verein eine größere Anzahl von Kindern (45) mit vollständigen Winterkleidern, Schuhen und Wäsche bekleidet, u. zw. am 2. d. M.. dem Tage der Thronbesteigung unseres Kaisers. Am 3. d. M., dem darauffolgenden Tage, erschienen die Kinder bereits in ihren neuen Kleidern beim Jugendgottesdienste im Tempel, XVIII., Schopenhauerstraße 39, wo Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang in gewohnt schwunghaften und zu Herzen gehenden Worten an die Kinder eine Ansprache hielt und gleichzeitig der braven Geberinnen gedachte. — Nach dem Gottesdienste wurden die Kinder noch mit Korben, welche Obst, Backwerk und Würstel enthielten, und einen Laib Brot beschenkt. — Wahrlich, voll Hingabe und Aufopferung ist die Tätigkeit der Vorstands- und Komiteedamen dieses im echten jüdischen Sinne wirkenden Vereins und ist es daher nicht zu verwundern, daß derselbe bereits zu solcher Blüte gelangt ist. Auch wir wünschen dem Verein ein weiteres Wachsen, Blühen und Gedeihen, um seiner schwierigen Aufgabe gerecht werden zu können. Wien. (Spenden.) Für die arme Familie Frost (Laut Aufruf Nr. 48) sind uns von Herrn F. Götzl K 20.—, Sigmund Hermann K 7.—, Alfred Heller, Altenbach K 6.— und unter „Wenig aber vom Herzen" K. 3.—. S. Hermann, ergeben aus einer Sammlung im Personale der Weingroßhandlung Em. Pollak und Sohn K 11.20, R. K. K 5.—, zngekommen. Weitere Spenden ersuchen wir direkt an die Familie Frost, XX., Bäuerlegasse 9/19 zu senden. Austritte aus dem Judentum Vom 27. November bis inkl. 3. Dezember 1910. Bett Julius, Makör, geb. 8. Oktober 1872, Wieu, VIII, Lerchenfelderstrasse 48. Brunauer Stefan Robert, Mediziner, geb. 31. August 1887, Wien, II., Kembrandtstrasse 32. Brüll Hermine, Private, geb. 30. August 1888, Wien, IX, Liechtensteinstrasse 4. Liters Wilhelm, geb. 19. August 1883, Belgrad, I., Graben 30. Goldenberg geb. Weissenberg Anna, Witwe, geb. 23. Juni 1862 Wien, IV., Technikergasse 5. Götzl Bertha, Hilfsarbeiterin, geb. 7. November 1889, Klosterneuburg, XX., Rauscherstrasse 9. Hammer Olga geb. Bettlheim, Buchh.-Gattiu, geb. 13. November 1869, Wien, IX, Waisenhausgasse 22. Heiller Helene, Private, geb. 7. April 1887, Wien, VIII., Lerchenfeiderstrasse 30. Richler Anton, Jockey, geb. 14. Oktober 1887, Wien, II., Sterneckplatz 3. Trebitsch Berthold, Schauspieler, geb. 22. Mai 1881, Wien, V. Wiedener Hauptstrasse 123a. Türtauer Elrviera geb. Straussler, Private, geb. 18. September 1884 Wien, III., Obere Weissgärberstrasse 18.; Schüler-Stipendien. Die Verteilung der von der ifrael. Kultusgemeinde in Baden aus Anlaß des 1898 stättgefundenen Regierungs-Jubiläums Sr. Majestät des Kaisers Franz Joseph I. beschlossenen Stipendien an würdige Schüler am Badener Gymnasium erfolgte Samstag den 3. d. abends im reich dekorierten Sitzungssaale der Kultusgemeinde an 4 Schüler der bezeichneten Anstalt. Der Kultuspräsident Herr Moriz Lettner hielt an die würdig befundenen Schüler eine warme Ansprache, in welcher er sie zu weiterem Fleiße und pflichtvollem Eifer aufmunterte. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner W. Reich richtete hierauf an .die Schüler in erhebenden Worten die Ermahnung, mit ihrem Eifer und Lebenswandel sich und ihrem Volke Ehre zu machen, dankte dem Vorstande für die bekundete patriotische Gesinnung und schloß mit einem dreimaligen Hoch auf den Kaiser, in welches die anwesenden Gäste mit Begeisterung einstimmten. Der Schüler Ludwig Jellinek sprach im Namen seiner Kollegen für die ihnen gewordene Würdigung den Dank aus. Falkenau a. d. Eger. Am 21. Dezember 1910 fand hier die Konstituierung des neu gegründeten „Israelitischen Frauenvereines" statt, wobei der Kultusvorsteher Herr Leopold Mohr intervenierte und in warmen und erhebenden Warten das Jnslebentreten dieses humanitären Vereines namens der Kultusgemeinde begrüßte; insbesonders gedachte derselbe der besonderen Verdienste, die sich die Großkaufmannsgattin Frau Jda Fischer um das Zustandekommen genannten Vereines im Zusammenschlüsse mit anderen hiesigen Damen erworben und wünschte dem neuen Bindegliede der hiesigen Kultusgemeinde bestes und ersprießliches Gedeihen. In den Ausschuß wurden gewählt die Damen: Jda Fischer, Rabbinersgattin Dr. Gertrud Feuerstein, Veronika Pollak, Marta Pick, Jda Zentner, Frida Wassermann, Dr. Hanne Steiniger, Paula Löbenstein, Ernestine Hansel, Dr. Hermiue Auerbach, Kantorsgattin Regine Kurzweil, Marie Steiniger. Als Amtshalterinnen wurden gewählt die Damen: Jda Fischer Vorsteherin, Veronika Pollak Stellvertreterin; Gertruds Feuerstein Schriftführerin. Marta Pick Stellvertrewrin; Frieda Wassermann Kassierin, Marie Steiniger Stellvcrtreterin. Die Vorsteherin Frau Jda Fischer begrüßte nun den neuen Ausschuß und dankte den Herren Vorständen Mohr und Pollak, sowie dem Rabbiner Herrn Dr. Feuerstein für die tätige Mitwirkung bei der Gründung des Vereines, worauf die Versammlung geschloffen wurde.

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