Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 49 (9.12.1910)
- Date
- 1910-12-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 816 Dr. Mochs Wochenschrift. Nr. 49 die unglaublichsten Verfolgungen auszustehen. Ohne Rücksicht darauf, ob ein Jude ein geborener Sibirier, der Abkömmling eines sogenannten Nikolajewer Soldaten, oder gar selbst ein „Nikolajewer" ist — der bekanntlich unbeschränktes Wohnrecht besitzt — oder nicht, droht jetzt jedem sibirischen Juden die Vertreibung von dem Orte, in dem er geboren und erzogen wurde. Auf den Eisenbahnzügen, den Dampfern und selbst in den Wohnungen der Juden ereignen sich täglich polizeiliche Ueberfälle mit dem Zwecke, das Wohnrecht derselben festzustellen und wehe dem, der das Wohnrecht, das vielleicht schon sein Großvater erworben hat, nicht sofort dokumentarisch nachzuweisen'vermag. Diese unhaltbaren Zustände haben zahlreiche Juden, die es in Sibirien zu einem gewissen Wohlstand gebracht hatten, bereits zur Auswanderung veranlaßt.! HWj Neue Einwan-erungsschwierigkeiten aus Ellis Island. Wie aus Newyork berichtet wird, hat der berüchtigte Einwanderungskommissär auf Ellis Island, Williams, wieder mit seinen Verationen eingesetzt. Durch neue Maßregeln soll die Einwanderung der Juden noch mehr erschwert werden. Bis jetzt genügte es, wenn ein amerikanischer Bürger durch eine Zuschrift an das Einwanderungsamt die Verantwortlichkeit für einen Einwanderer auf sich nahm und dieser wurde durchgelassen. Laut der neuen Verordnung wird dieser Vorgang nicht mehr zulässig sein, sondern der betreffende amerikanische Bürger wird, ohne Rücksicht auf die Entfernung seines Wohnsitzes verpflichtet sein, persönlich in Ellis Island zu erscheinen und den Einwanderer, für den er haftet, persönlich zu übernehmen. Ebenso werden von nun an die Männer ihre Frauen und Binder persönlich übernehmen müssen, wahrend es bis jetzt genügt hat, daß das Einwanderungsamt amtlich feststellt, daß die eingewanderten Frauen oder Kinder ihre Männer, beziehungsweise Väter, tatsächlich in Amerika haben. Juden in den letzten amerikanischen Wahleiü ' Beden letzten Wahlen in Amerika wurden 12 Juden in den Kongreß gewählt. In den Senat wurde kem einziger Jude entsendet. Von den 12 gewählten Juden gehören 10 der demokratischen und 2 der rupublikanischen Partei an. In Groß-Newyork wurde der bekannte jüdische Politiker Henry M. Goldfogle zum sechstenmale wiedergewahlt. Auch der andere Newyorker Deputierte, Jeffersohn M. Lewy, war bereits einmal Mitglied des Kongresses. Lewy gehört einer sehr alten, einflußreichen amerikanisch-jüdischen Familie an. Interessant war der Wahlkampf um den Posten eines Staatssekretärs im Staate Newyork. Hier standen einander zwei jüdische Kandidaten, gegenüber: der bisherige Staatssekretär Samuel König, ein aus Ungarn stammender Jude und Eduard Lazaresky, ein aus Rußland stammender Advokat in Brooklyn. Den Sieg trug Lazaresky davon. Vermischtes. Srauzablöfungsfpeuden zugunsten der Chewra-Kadischa iu Wien I.» Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubeusgenoffen. Anläßlich des Ablebens der sel. Klara P i n e l e s: Von Julius S. Reich K 20. Anläßlich des Ablebens der sel. Henriette Steiner: Von Sigmund und Minna Spitzer K 10. Anläßlich des Ablebens des sel. Hermann Liebermann: Von I. Amster K 20, Jgn. Klein 10, Emil Storch 20, Jg. Liebermann 10. Zusammen K 60. Anläßlich des Ablebens des sel. Dr. Wilhelm F i s ch l: Von Richard Mattersdorf K 20. Anläßlich des Ablebens der sel. Friederike Grün: Von Mathilde Grün K 20, Adolf Grün 5. Zusammen K 25. Anläßlich des Ablebens des sel. Felix E s k a n a s y : Von Minna Pinkas X 20. Anläßlich des Ablebens des sel. Theodor Friedmann: Von Siegmund und Grete Kis K 10, Jacques Löb und Frau 10, Ignaz Zweig und Frau 10, Therese Jakobsühn 10, Irene und Otto Popper K 10, Direktor Josef Spitalsky 40. Zusammen 90. Anläßlich des Ablebens des sel. Ignaz Pserhofer: Don Dr. Alois Bloch K 15, Dr. Emil Löwy 20. Zusammen K 35. Anläßlich des Ablebens des sel. Wilhelm S e g a l: Von Benö Chateskes K 5, Joses Weißkops 10, Simon Deutsch 10, Jakob Deutsch 5, Kalman Deutsch 5. Zusammen K 35. Anläßlich des Ablebens Dr. Adolf Guttmann: Von Oskar Reitzes X 10, Dr. Osias Wasser 20, Dr. Schneper 10. Zusammen K 40. Vortrag ans jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur. Donnerstag den 15. Dezember 1910, Präzise halb 8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekten- Vereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Max Gruuwald statt. Thema: „Adolphe Cremieux". (Zum 50jährigen Bestehen der „Alliance Jsraelite Universelle.) Eintritt frei ohne Karten. Wien. („Oesterreichtsch-JsraelitischeUnion".) Dienstag den 13. Dezember d. I., präzise halb 8 Uhr abends, wird Herr Reichsratsabgeordneter Prof. Dr. Arthur Mahler im Festsaale desNiederösterreichischen Gewerbevereines, I.,' Eschenbachgasse 11, das aktuelle Thema: „Die Volkszählung und die Juden" sprechen. Der Eintritt zu diesem Vortrage ist nur gegen Vorweisung der Einladungskarten oestattet. Wie«. (Auszeichnung.) Das Buch „Die Zauberformel" von Herrn Rabbiner H. & Reich wurde der k. k. Familien-Fideikommiß-Bibliothek einverleibl und dem Verfasser für die Uebersendung der Allerhöchste Dank bekanntgegeben. Wien. Der k. k. Bezirksschulrat Wien hat sich vom 20. Oktober 1910 bestimmt gefunden, dem Herrn Samrrel I. P o l l a k, städt. Lehrer an der Knabenbürgerschule, II., Kleine Sperlgasse 2a, „di e besonders belobende An erkennung für seine fast fünfzigjährige, sehr verdienstvolle Tätigkeit als Lehrer" auszusprechen. M. Wien. (Vermählung.) Am 18. d. M. feiert in der Synagoge zu Pilsen Herr Siegfried Schwarz aus St. Pölten seine Vermählung mit Fräulein Berta G r ü n f e l d aus Pilsen. Wien. Der Ausschuß des Verbandes der isr. Religionslehrer an den österr. Mittelschulen hielt am 30. v. M. unter dem Vorsitze des Obmannes Prof. Dr. Heinrich P o l l a k seine zweite Sitzung in diesem Schuljahre ab, in welcher ein vom Verbände der isr. Religionslehrer an den Mittelschulen Böhmens übersandter Bericht über eine Standesangelegenheit, welche in letzter Zeit den Gegenstand des Gedankenaustausches beider Verbände bildete, freudig begrüßt wurde. Zugleich wurden auch einige von Rabbiner Prof. Dr. B i a ch gegebene Anregungen einer gründlichen Besprechung unterzogen. Wien. Mittwoch den 14. Dezember 1910 findet im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, I., Eschenbachgässe 9 ein Vortrag Martin Bubers (Berlin) über „Erneuerung des Judentums" statt. Beginn präzise 8 Uhr abends. Karten a K 5.—, 3.—, 2.—, 1.— sind zu haben in Guttmanns Hofmusikalienhandlung (I., Opernhaus) und bei Kehlendorfer (I., Krugerstraße 8). Auskünfte werden täglich von 7—9 Uhr abends im Vereine zionistischer Hochschüler „Theodor Herzl", VIII., Lenaugaffe 7, T. 10 a erteilt. Wien. (Freitag-Abend-Vorträge im Beth-Hamidrasch Talmud-Thora, II.. Malzgasse 16.) Am 9. d. M.: Herr Prof. Antscherl -„Ein Blick ins Heilige Land" und am 16. d. M.: Herr Rabbiner M. Schenk: „Die Psalmen." Beginn jedesmal um 7 Uhr 30 Minuten. Wien.(Beth-Hamidrasch „Montefiore", II., Taborstraße 38.) Vortrag des Herrn Rabbiners Moritz Flesch: Sonntag den 11. d. M., 474 Uhr nachmittags: „Midrasch." Mittwoch den 14. d. M., 4V4 Uhr nachmittags: »Chowos halwowos.« Gäste willkommen.