Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 49 (9.12.1910)
- Date
- 1910-12-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 49 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 817 Er erklärte, daß die gesamte jüdische Studentenschaft das Projekt begrüße. Unter stürmischen Hedadrufen der Zuhörer forderte er aber für die jüdischen Studenten, die hierzulande an rituelle Kost gewohnt und mit Rücksicht auf ihre Zahl — 45 Prozent der gesamten Hörerschaft der Universität — zu dieser Forderung berechtigt sind: Die Schaffung einer jüdischen Mensa, innerhalb der allgemeinen Mensa- Akademika. Rektor Friedwagner versprach in kulantester Weise, daß diesem berechtigten Wunsche in kürzester Zeit werde Rechnung getragen werden. Jur. Brendzan (Ruthene) unterstützte die Forderung der jüdischen Studenten und trotz der rüden lächerlichen Ausführungen eines christlich-sozialen Agitators, wurde die Resolution auf Gründung einer Mensa, mit dem Zusatzantrag der jüdischen Studenten fast einstimmig angenommen. Daß das christlich-soziale „Volksblatt" am nächsten Tage in schamloser Weise über die jüdischen Studenten herfiel, macht uns wahrscheinlich keine Unehre. Jedenfalls bezeichnend für die Herren, die dieses Sudelblatt in so verlogener Weise informiert haben. Die Darstellung des erwähnten Blattes, als ob die jüdischen Studenten gegen andersnationale Kommilitionen ausgetreten wären, ist durchaus erlogen. Die jüdische Studentenschaft verlangt keine Aufteilung nach einem „Schlüssel", sie verlangt nur bei allen Institutionen gerechte Berücksichtigung nach Würdigung und Dürftigkeit. Die jüdische Studentenschaft hat in dieser Versammlung ihr Recht gefordert und darüber wird sie fürderhin getreulich wachen. Von -er Budapester Universität. Dem jüngst erschienenen Jahrbuch der Budapester Universität ist zu entnehmen, daß im Schuljahre 1909/10 die Gesamtzahl der Hörer 6751 betrug. Hievon waren 2359 <34*95 Prozent) Juden. Demgegenüber zählt die Budapesler Universität unter 93 ordentlichen Professoren nur drei Juden, alle an der philosophischen Fakultät. Im medizinischen Fach hat es noch kein Jude zur ordentlichen Professur gebracht, obwohl die hervorragendsten Aerzte des Landes Juden sind. Fleischteuerung und Antisemitismus. In Budapest fand vorige Woche eine Enquete über die Fleischteuerung statt. In der Debatte leistete sich der gewesene Justizminister Polonyi, der wegen verschiedener schmutziger Geschäfte seinerzeit demissionieren mußte, einen Ausfall gegen die Juden. Jesuitisch sagte Polonyi u. A.: „Ich empfinde es sehr schmerzlich, daß auch das rituelle Schlachten das Fleisch sehr verteuert. In Budapest gibt es 150 Koscher-Fleischhauer. Diese haben nicht nur rituelle Schlachtgebühr zu entrichten, sondern jeder Einzelne muß nebstdem für die rituelle Aeberwachung monatlich 80—90 Kronen zahlen. Die Fleischhauer, die auch Trefe-Fleisch verkaufen, rechnen die Ritualspesen in ihre Geschäftsspesen ein, wodurch auch Trefe-Fleisch verteuert wird (?). Ich will Niemandem sein Privatvergnügen verderben, aber wie kommen die Christen dazu, die rituelle Passion der Juden zu bezahlen." (Es braucht nicht erst erwähnt zu werden, daß diese Behauptung Polonyis falsch ist. Red.) Im weiteren Verlaufe seiner Rede hetzte Polonyi in noch schärferen Worten gegen die Juden, die sich angeblich dem Jahre 1848 gegenüber sehr undankbar zeigten. Der in der Enquete anwesende jüdische Abgeordnete Dr. Wilhelm Vazsonyi gab dem Erminister eine treffliche Abfuhr und sagte: „Die mit dem gelben Fleck hegen die tiefste Pietät für das Jahr 1848. Pietät, nicht Dankbarkeit, die selbstbewußte Männer für die Gewährung der ihnen gebührenden Rechte nicht hegen dürfen. Niemand kann das Gefühl tiefer Pietät aus dem Herzen jener ausreißen, die im Jahre 1848 freie Bürger wurden, jene, die im Jahre 1848 die Rechte bewilligten, würden sich aber im Grabe umdrehen, wenn sie hören müßten, wie heute Geza Polonyi die im Jahre 1848 befreite Bevölkerung des Vaterlandsverrates beschuldigt, in Verbannung senden will, weil sie die Einfuhr serbischen Viehes will . . Die italienischen Inden auf der internationalen Ausstellung für Hygiene. Die italienischen Juden werden, wie aus Rom berichtet wird, mit einer außerordentlich interessanten Kollektion an der internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden vertreten sein. Das Material wurde vom „Oomitato pro Oiiltura israelitica“ in Padua, dessen Präsident Dr. Edgar Morpurgo ist. wie folgt zusammengestellt: A) Die talmudische Epoche in Italien: 1. Jüdische Katakomben in Rom II III. Jahrhundert: a) in Porta San Sebastiano, b) in Porte Portuesa. 2. Jüdische Katakomben bei Venosa. Topografische Skizze. B) Die nachtalmudische Epoche in Italien: a) Berühmte jüdische Aerzte in Italien, 17—19. Jahrhundert, b) Statistik der Juden in Italien 1902—1903. C) Von den einzelnen Gemeinden: 1. Rom. a) Bilder und Photographien vom Ghetto, 16—17. Jahrhundert: Häuser. Synagogen, b) Synagogen von Lungo Tevere. 2. Florenz. Bilder vom Ghetto, 16—19. Jahrhundert. 3. Padua, a) Photographien vom Ghetto. 16—18. Jahrhundert: Häuser. Friedhöfe, das Palais Ghirondi, Palais Triefte usw. b) Der alte Friedhof. Plan, Gräber berühmter Juden, c) Friedhof in Brusegana, Plan, d) Das Diplom des Dr. David Morpurgo aus dem Jahre 1625. e) Photographien und Kethuboth. f) Ordonnanzen des- Ghetto. 1862. g) Die hebräischen Gesellschaften in Padua. 1580. 4. Venedig, a) Photographie des Ghetto. 16. bis 16. Jahrhundert. Levantinische und deutsche Schule, b) Das Leben im Ghetto: Pefsach. 17. Jahrhundert. Lampen. Tapisserien usw. c) Printegium der Venetianer Rappresentanza an Abraham Grassin aus dem Jahre 1697. d) Porträt des Levue da Modena. 5. Ferrare. Manuskript des Arztes Jaques Salem. 1680: Kethuboth der Familie de Rofsi 18. Jahrhundert. 6. Ancona. Privilegien der Familie Morpurgo. 1772, vom Erzbischof Buffalini und vom Papst Pius VI. Jafsy. (Ll o r s j u d a i c o.) Der aufopfernden, zielbewußten Arbeit unseres ehrwürdigen Oberrabbiners Dr. Niemirower ist es gelungen, einen großen Erfolg in der Frage des sogenannten Judeneides „more judaico“ für die gesamte rumänische Judenheit zu erwirken. Der vereinigte Kassationshof, die höchste Instanz, hat sich im Prozesse Niemirower nach glänzenden Reden der gewesenen Minister Dissescu und Arion als Advokaten und des mit ihnen übereinstimmenden Generalstaatsanwaltes Popeseu gegen mors j u d a i c o ausgesprochen. Sollte es noch nötig sein, so werden die Notabeln und Rabbiner des Landes jetzt eine m i n i st e r i e l l e oder legislatorische Verordnung gegen den sogenannten Judeneid hoffentlich erreichen können, nachdem der 40 jährige Kampf, an dem Männer, wie Dr. Lippe, Dr. Beck, Dr. Schwarzfeld und Braustein Mebaschan teilgenommen, durch einen gerechten Sieg beim gesamten Obersten Gerichtshöfe gekrönt wurde. Was tapferen Männern in Focsani (Dr. Nacht), Braila (Dr. Silberstein) usw. lokal gelang, ist jetzt fürs ganze Land durchgesetzt worden. Dr. Niemirower und die ihn unterstützende Bnei - Brith, welche die durch den Großpräsidenten Dr. A. Stern und Dr. Beck gesammelten Gutachten in dieser Frage herausgegeben, werden allgemein gefeiert. Man hofft allgemein, daß die Formen, die ungesetzlicherweise durch eine Verordnung 1844 zur Lox-Obreja geworden sind, jetzt gewiffermaßen durch die Lex- Niemirower des hohen Kaffationshofes endgiltig aufgehoben wurden. Judenverfolgungen in Sibirien. Wie überall außerhalb des jüdischen Ansiedlungsgebiekes in Rußland, haben die Juden in Sibirien jetzt