Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 49 (9.12.1910)
- Date
- 1910-12-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 816 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 49 Hochschülerverein Var Kochba besonders wirkungsvoll Herr phil. cand. Willi Stein und noch viele andere. Sämtliche Redner wiesen auf die eigenartige Stellung des jubilierenden Vereines innerhalb der verschiedenen Strömungen hin und auf sein unbestrittenes Verdienst, das er sich in dem einheitlichen Zusammenhalt aller differenzierten Richtungen erworben. Die Jubiläumsfeierlichkeiten fanden ihren würdigen Abschluß in dem Festabend, der am 27. vorigen Monats in Prags größtem und vornehmsten Saale, dem Rudolfinum stattfand, das die Direktion der böhmischen Sparkasse, unter Hintansetzung aller Formalitäten, mit dankenswerter Bereitwilligkeit noch in letzter Stunde zur Verfügung stellte, nachdem sich der in Aussicht genommene Festsaal des jüdischen Rathauses als viel zu klein erwiesen hatte, um allen Einlaßsuchenden Platz zu gewähren. Tatsächlich waren auch die weiten Räume des Rudolfinums, wie noch nie zuvor, derart überfüllt, daß noch viele Hunderte der Späterkommenben keinen Einlaß mehr finden konnten. Das Programm des Festabends war von dem Gedanken getragen, den Anteil der Juden an dem literarischen Schaffen in Deutschböhmen, bezw. in Oesterreich während der letzten 50 Jahre darzutun und gelangten demgemäß, in bedachtsamer Weise gegliedert, Rezitationen von Dichtungen Moritz Hartmanns, Seligmann Hellers, Kurandas, Siegfried Kappers, David Mendels und David Kuhs in erster Reihe zu Gehör. Dann kamen die neuesten, wie Kompert, Frankel, die bereits bewährten Prager, Friedrich Adler, Hugo Salus, Mar Brod und der hochbegabte Novize Friedrich Thieberger an die Reihe, während die dritte Abteilung, mit einer epischen Dichtung des bekannten Ghettoerzählers S. Kohn beginnend und unter Einschiebung des einzig schönen „Schlafliedes an Mirjam" von dem Wiener Beer Hofmann, mehrere Proben der neuen jüdischen Dichterwerke von Rosenfeld, Frug und Reisen brachte. Den Abschluß bildete die scharf pointierte Satire Theodor Herzls „Im Speisewagen", die von ihm selbst als elegischer Schwank bezeichnet wird. Die einzelnen Gedichte wurden von Fräulein Lilly von Helling und Herrn Anton Tiller, zwei hervorragenden Mitgliedern der deutschen Landesbühne, in ausgezeichneter vom Publikum stürmisch bejubelten Weise zur Geltung gebracht. Fräulein von Helling, ein bereits gern gesehener Gast im Vortragssaale, vermochte durch die feinsinnige Herausarbeitung dieser erquisiten Lyrik und durch den auf einen eigenen Herzenston gestimmten und die Zuhörerschaft rasch gewinnenden Vortrag auf angenehmste zu wirken, während Herr Tiller durch das scharfe Eindringen in den Geist der Dichtung, durch sein prächtiges, volltönendes Organ und durch kunstvolle Gliederung seinen Ruf als Rezitator von außergewöhnlicher Qualität neuerlich bewährte. Der Abend brachte jedoch auch noch eine andere Ueberraschung, nämlich einen Vortrag des jungen, aber bereits vielgenannten Berliner Literarhistorikers Viktor Klemperer, der über den größten deutsch-österreichischen Dichter, über Arthur Schnitzler, sprach. Sein ungemein fesselnder, frei gehaltener Vortrag ließ erkennen, daß eingehendes Studium und scharfes Erfassen des Stoffes sich hier mit einer glänzenden oratorischen Begabung verbunden hatten. Klemperer, der die bei Schnitzler stets mitklingenden tragischen Momente einer vielfach komplizierten Natur in geistreicher Weise formulierte. wies auch die Nachwirkung von Abstammung und Beruf des Dichters auf fein dichterisches Schaffen nach. Und wenn er auch nur die meisten seiner Werke flüchtig streifen, hiebei jedoch besonders bei dem „Schleier der Beatrice", den er als des Dichters reifstes Werk bezeichnete, sowie beim „Weg ins Freie" länger derweilen konnte, und sich auf d as Nachdrücklichste dagegen verwahrte, Schnitzler als Dichter des „Süßen Mädls" zu bezeichnen, so legte Redner um so mehr Wert darauf, nachzuweisen, was Schnitzler als Mensch und als Dichter für das Judentum bedeutet, wfe sich seine Abstammung in vielfachen seiner Werke Wiederspiegelt und wie de,r jüdische Geist viele seiner Werke direkt befjruchtete. Es würde zu weit führen auch nur einen Teil der vielen Vortragsfeinheiten, die nur hei unmittelbarem Anhören einen Genuß — da jedoch einen ganz außergewöhnlichen — bieten, aufzuzählen und genügt es zu konstatieren, daß Klemperer bei der fast 2000 Menschen zählenden Zuhörerschaft einen ganz außerordentlichen Erfolg errang, der mit überreichem Beifalle des Publikums belohnt und von den Kennern einmütig bestätigt wurde. Der so gelungene im vornehmsten Stile gehaltene Festabend wurde auch von der Tagespresse mit Worten ungeteilter Anerkennung gewürdigt und diese eigens geartete Leistung des Vereines in den weitesten Kreisen überaus gerühmt und zugleich anerkannt, daß diese eine gesettschaftliche Sensation bildende Jubiläumsfeier in keiner würdigeren — für Prag allerdings ganz neuartigen — Form hätte begangen werden können. Studentenversammlung in -er Aula -er Czernowitzer Universität. — Eine Wische Mensa. Unter dem Vorsitze des Herrn Prof. Wojuzki fand über Einladung der Ausschüsse des „Universitäts- Studentenheims" und des „Akad. Kranken- und Unterstützungsvereins" eine von Hörern und Hörerinnen überaus stark besuchte Versammlung statt. Als Vertreter der Universität nahmen an dieser Versammlung Rektor Friedwagner, der Dekan der juridischen Fakultät Dr.« P o t s ch e k und P>r o f. K o g l e r als- Obmann des „Kranken- und Unterstützungsvereines" teil. Die Versammlung hatte die „Veranstaltung eines akademischen Balles" zugunsten obengenannter Institutionen und Mensaangelegenheiten" zur Tagesordnung. Auf das Referat über den ersten Punkt folgte eine längere erregte Debatte, an der u. a. insbesondere die Herren Kand. jur. Schnapp („Hebronia") und abs. jur. Krämer („Zephirah^ sich beteiligten. Herr Kand. jur. Schnapp, der im Namen der fünf jüdischen Verbindungen und der gesamten jüdischen Finkenschaft sprach, unterzog die Verwaltung des „Studentenheims" einer vernichtenden Kritik. Er wies unter lebhaftem Beifall der Zuhörer nach, daß die erwähnte Institution die ihr Entstehen ausschließlich jüdischem Gelde verdankt, merkwürdiger Weise unter der Herrschaft der Rumänen steht. An der Hand einer sorgfältig ausgearbeiteten Statistik zeigte der Redner, baß die jüdischen Studenten in krasser Weise bei der Verteilung der Wohnzimmer zugunsten der Rumänen zurückgesetzt werden. Die anderen Nationalitäten seien deshalb auch nicht gebührend berücksichtigt. Die jüdischen Studenten fordern eine gründliche Abhilfe. Abs. jur. Krämer verwies darauf, daß es den Juden bei allen Stiftungen, „ohne Unterschied der Nation und Konfession" flies jüdischen) ähnlich ergehe und erklärte, da der Vorsitzende, unterstützt vom Dekane Doktor Petschek eine weitere Kritik nicht-zuließ, die jüdischen Studenten würden die Oeffentlichkeit über die famose Wirtschaft im Studentenheim aufklären. 'Zum zweiten Punkte der Tagesordnung: Mensaangelegenheiten, ergriff nach dem Hauptreferentery der für die Gründung einer neuen allgemeinen Mensaakademika eintrat und eine in diesem Sinne abgefäßte Resolution verlas Kand. für. Rothfeld („Zephiral") bas Wort.