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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-12-02 · 48 (2.12.1910) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
48 (2.12.1910)
Date
1910-12-02
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 804 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 48 lichen Männer und Frauen, die bei Juden im Dienste standen. Das Zeugnis einer „Judenmagb" war wertlos, sie durste sogar vor Gericht nicht erscheinen. Nichtsdestoweniger sehen wir, daß Juden christliche Ammen, Kindermädel, Kammerzofen bei sich hielten, um hier nur einen Beweis zu liefern. Maj;er Sohn Mosis klagt im Jahre 1599 seine christliche Magd Ewa an, sie hätte in seiner Abwesenheit seinen Kasten erbrochen und aus ihm Gold und Silber entwendet?) In den Responsen der Rabbiner jener Zeit finden wir oft die Frage wegen koscher und trefe, infolge der Unzulänglichkeit christlicher Dienstboten?) Wie gefährlich für die Juden das Halten christlicher Dienstboten war, belehrt uns ein Tumult aus dem Jahre 1638?) Die Studenten aus dem Jesuitenkolleg planten seit lange her einen Ueberfall auf die vorstädtische Judengasse und setzten sich mit dem Pöbel der Vorstadt in Einvernehmen. Am 2. Mai — er fiel auf einen Sonntag — rotteten sich mehrere Studenten und Handwerker in der Vorstadt zusammen und begannen die Juden zu beschimpfen und zu plagen. So lange es hell war. ging es noch mit, als aber die Dunkelheit herangebrochen war, fielen die Studenten und Handwerker mit gezogenen Säbeln und Knütteln über die Judenhäuser her. erbrachen Türen und Tore und plünderten alles Gold, Silber, Kupfer, alle Pfänder und Kleider aus. Manche schleppten auf Wagen ihre Beute weg und suchten sie am nächsten Tag in der Stadt zu verkaufen. Es fehlte auch nicht an Menschenopfern. Eine Jüdin namens Rifka und eine christliche Magd sind von den Einbrechern zu Tode geschlagen worden, viele Juden und Jüdinnen wurden schwer verwundet. Am nächsten Tage ergriffen die Juden Abraham der Mützenmacher und Osias Sohn Baruchs, einen Studenten, schlugen ihn halbtot und schleppten ihn gekettet ins Schloßgefängnis, von wo ihn der Rektor besteien wollte?) Bald kam der Vater der ermordeten Christin, der arbeitsame^) Olera Szczurzak aus Malczyce und klagte den Juden Juda, bei dem seine Tochter diente, im Schloßgericht an, er hätte seine Tochter mit einem Baumwollschall erdrosselt. Zeugen fanden sich an Ort und Stelle ein und sagten aus, sie hätten selber gehört, wie das Mädchen den Juden um Erbarmen gebeten, wie sie furchtbar geschrien und wie ihre Stimme allemal schwächer wurde. Das Mädel wurde feierlich zu Grabe getragen, und am Friedhof rief der Amtsdiener dreimal den Namen und den Kopf Judas aus. Der arme Mann wußte, was ihn erwarte, ließ Hab und Gut zurück und floh mit Weib und Kind in die Ferne?) Lemberg hatte bis zum Jahre 1609 nur eine K at h edralschule. in dem Jahre wurde ein Jesuitenkolle g eröffnet, und somit erhielten die Juden neue Feinde. Die Schüler beider Schulen waren einander sehr feindlich gesinnt, der Haß der Lehrer ging auf die Schüler über, ein Haß, den die Konkurrenz und der Neid zeitigten. Wenn es sich aber um Juden handelte, da hörte aller Zank und Hader auf und alle Schüler warfen sich in bester Eintracht auf die Juden. Man vergaß sogar an den Klaffenunterschied, und die hochadeligen Studenten, die ihre Prügelstrafen nur auf einem sammetbedeckten Stuhl erhalten durften, verbanden sich gerne 3) Stadtarchiv: Schäffeakta Bd. 31. pg. 75. 4) Responsa des Isaak Halevy [Editio Neuvitt 1736] Nr. 22. «) Krobakta, C. L. Bd. 389, pg. 598. *) ibidem pg. 611. *) Arbeitsam war der Titel eines Bauern, Wohl gebar e n eines Adeligen, ebrenfest eines Bürgers, fürsichtig des Amtrdieners und ungläubig einer Juden. «) Grodakta'Bd. 38°, pg. 617—19 und RatSakta Bd. 46. pg. 748—52 und 757 —8. mit Handwerkern und Bauern, um nur auf die Juden zu stürmen. Um die Studenten sich vom Halse zu schaffen, zahlte die jüdische Gemeinde dem Rektor der Kathedralschule ein jährliches Gehalt und verpflichtete sich, den Studenten Kostüme für das Schülertheater zu borgen. Als infolge der Eröffnung des Jesuitenkollegs die Frequenz in der Kathedralschule gesunken war, müßten die Juden das Gehalt dem Rektor erhöhen, um ihn für den Verlust seiner Einnahmen zu entschädigen?) Diese Bemühungen der Gemeinde halfen nicht viel, und jahraus, jahrein brach ein neuer Judentumult aus, der kleinere oder größere Dimensionen annahm. Katastrophal war der Judentumult im Jahre 1664?0) Schon lange vorher merkten die Juden, daß die Jesuitenschüler etwas Böses planen und baten den Rektor um Schutz. Nachdem sie bemerkt hatten, daß man im Kolleg ihre Bitte nicht ernst nahm, bewaffneten sie ihre Jugend und bildeten eine zirka 200 Mann starke Schutztruppe. Jeden Tag hielt die jüdische Jugend am Stadtwall militärische Musterung, zum Hohngelächter des gaffenden Stadtgesindes. Leider erwies sich die Schutztruppe zu schwach, um dem gewaltigen Anprall der Studenten und Handwerker Stand halten zu können. Am 3. Mai brach das Gewitter los und am 12. Juni wuchs es zu einer förmlichen Judenschlacht. Der Burghauptmann gab den Juden seine Schloßwache zur Verteidigung der Synagoge. Diese verriet aber ihre Schützlinge und schlug mit der ganzen Wut auf die Iudenwache los. 100 Jünglinge fielen in dem Gemetzel und über ihre Leichen trabte der Pöbel in die Synagoge und plünderte sie gänzlich aus. Die Bänke und Leuchter wurden zerbrochen und in Brand gesteckt. Die Thorarollen wurden zerrissen, alles Gold, Silber, alle Mäntelchen und Vorhänge wurden gestohlen. Die Studenten wollten sogar die Synagoge demolieren, sie gingen aber davon ab, und erstürmten die Privathäuser und raubten sie gänzlich aus. Aus der Vorstadt, wälzte sich die ganze Menge in die Stadt, um mit einem Schlag auch die städtischen Juden auszumorden. Der Bürgermeister und Dichter Joseph Bartolomäus Zimorowicz, mobilisierte die Zünfte und ließ die Stadttore schließen. Die Stadtglocken schlugen ihr Sturmgeläute und die Zunftmeister musterten auf den Basteien ihre Brüder. In der städtischen Judengasse herrschte Todesangst. Die Aeltesten der Gemeinde flehten den Hetmann Stanislaus Potocki um Hille an nnd rr sandte zur Entsatzung ein Dragoner-Fähnlein. Die Soldaten fanden aber die Tore geschlossen und bald entspann sich auf dem Platze zwischen dem Rate und dem Dragonerkommandanten ein Streit wegen des Oeffnens der Tore. Die Zünfte verließen ihre Posten und ein Stadttor wurde für die Reiterei geöffnet. Da stürzte durch das offene Tor der Pöbel in die Stadt und jagte über den Marktplatz, direkt auf das Judentor los. Es war geschloffen, einige Bürger hielten hier Posten, und der Rektor des Jesuitenkollegs wehrte die Studenten ab. Die aufgeregte Menge ließ sich nicht abschrekken und kletterte über die Dächer der benachbarten Häuser in das Judenviertel hinüber. Zu spät erblickten die Juden, daß der Feind sich schon in der Gasse befinde. Vor Schreck verließen sie das Tor, das schnell erbrochen wurde. Der Rektor wich von seiner Stelle und die wachehaltenden Bürger wurden im nu zur Seite geschoben. Es begann in der Judengaffe ein Schlachten, wie einst § fl 3 4 * * * * 9) RatSakta Bd. 28, pg 1289. (Vertrag vom 1. März 161t). ") Dokumente zu diesem ,.S cb ü l e r g e l ä u f" im Stadtarchiv Fase. 571 und im Krodarchiv in den R e 1 a t i o n e s 1 e opoliensis ans den Jahren 1664—1680. Die Beschreibung bei Zubszycki: Chronik der Stadt Lembera 1844 (poln.) und von dort übersetzt und bearbeitet in Caro's: beschichte der Juden in Lemberg. Einzelne Partien in der Lrmberger Jesuitpnchronik fMannsrkipt der Wiener Hofbiblioth?k Nr. 11988] von pg. 278.

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