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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-12-02 · 48 (2.12.1910) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
48 (2.12.1910)
Date
1910-12-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 48 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 803 den Herr Dr. S. Rubin leiten wird. Dieser Kurs, der für Vereinsmitglieder gratis ist, bietet die Gelegenheit, sich mit der jüdischen Rechtswissenschaft näher vertraut zu machen. Vorkenntnisse im Hebräischen nicht erforderlich. — Der Verein bittet ferner alle seine Freunde und Förderer, durch Bücherspenden die Bibliothek zu vergrößern. Wien. Der Jubiläums-Frauenverein zur Bekleidung und Unter stützun g armer alter Frauen hält, wie alljährlich, auch heuer am 8. Dezember 1910, nachmittags 4 Uhr, im Saale der Frucht- und Mehlbörse II., Taborstraße, das Bekleidungsfest ab mit nachfolgendem Programm: 1. Chor; 2. Ansprache der Präsidentin Frau Herrniue Gerber; 3. Prolog, verfaßt von Dr. Alexander Singer, gesprochen durch das Mitglied des Deutschen Volkstheaters Herrn Wels; 4. Festrede, gehalten vom Ehrw. Rabbiner Herrn Dr. Feuchtwang; 5. Musikalische Vorträge der Schwestern Frl. Eibuschitz; 6. Beterlung von 80 armen Frauen mit kompletten Kleidern, Schuhen und Naturalspenden. Wien. (Wiener Beth-Hamidrasch, II., Ferdinandstraße 23.) Vorlesungen des Herrn Rabbiner Dr. Armand Kaminka im Wintersemester 1910/11: Jeden Mittwoch 7—8 Uhr abends: Religionsphilosophie (Maimonides, More Nebuchim III. Teil); jeden Donnerstag 6—7 Uhr abends: Talmud, Sanhedrin. Wien. (Beth-Hamidrasch „Tal'mud-Tbora", II., Malzgasse 16.) Am 2. Dezember Herr Rabbiner M. Schenk: „Die Psalmen" und am9.Dezember: Herr Professor Mor.Antscherl: „Ein Blick in das Heilige Land". Anfang jedesmal um 7 Uhr 30 Min. Wien. (Beth - Hamidrasch „M ontesiore". II.. Tabor st raße 38.) Vortrag des Herrn Rabbiners Moritz Flesch: Sonntag, 4*/4 Uhr nachm.: Midrasch. Mittwoch, 474 nachm.: Chowos Halwowos. Gäste willkommen. Austritte aus dem Judentum Vom 20. bis inkl. 26. November 1910. Deutsch Berta, Private, geb. 4. September 1887, Kagran, XXI., Leopoldsplatz 4. Eskenasy Felix, Volontär, türk.-isr., geb. 7. Dezember 1893, Wien, IV., Scbönbrunnerstrasse 7. Fried Anna, Schneiderin, geb. 17. Mai 1882, Stabletz, Böhmen, fiiaser Emanuel, geb. 16. Dezember 1875, Wien, XVI., Wattgase 59. Hirschmann Moriz, Privat-Beamter, geb. 18. Oktober 1886, Vilna, Russland, Wien, V., Schönbrunnerstrasse 46. Köhler Emma, Kontoristin, geb. 22. Juni 1883, Wien, XVI., Kirchstettengasse 92. Neufeid Eduard, Tapezierergehilfe, geb. 31. Mai 1886, Laaben, N.-Oe. VII., Kirchberggasse 8. Penezek Karl, Kaufmann, geb. 18. Mai 1862, Budapest, VII., Kandlgasse 16. ' Singer Ziona, Private, geb. 29. Jänner 1891, Pohrlitz, II., Obere Donaustrasse 19. Sonnenstein Otto, geb. 25. Oktober 1855, Wien, Mähr.-Budweis, Böhmen. Spitalnikoff Eva, Studentin, geb. 8. Mai 1875, Cherson, Russland, II., Taborstrasse 49. Szemere, geb. Weiss Eszter Etelka, geschieden, geb. 1884, Papa, Ungarn, III., Lorbergasse 12. Weiss, geb. Ziegler Leopoldine, geb. 13. Mai 1875, Wien, XX., Karajangasse 21. Winter Eduard, Buchhalter, geb. 20. Oktober 1860, Tucap, Böhmen, VII., Neustiftgasse 72. Prag, Das Leichenbegängnis der Frau Elisabeth Baum, Witwe nach dem Prager Lehrer und Institutsdirektor Herrn I. Baum und Mutter unseres langjährigen Mitarbeiters Herrn Oberlehrer A. Baum (Klattau), fand am 27. d. M. unter sehr reger Beteiligung statt. Unter den Trauergästen bemerkte man den Hofrat JUDr Ferdinand Nnger, den Philanthropen kaiserlichen Rat Moritz Hahn, den Feldpredrger und Rabbiner Prof. Dr. Kisch, den Großkaufmann und Präsidenten des Vereines der Prager Geschäftsreisenden Julius Pollak, den Obmann des israel. Landeslehrervereines Oberlehrer Siegmund Springer, den Vizepräsident^ der B'nai Brith Landesadookaten JUDr. I. Gintz, die M. U. Doktoren Eckstein (Prag) und S. Baum (Kladno), den Großindustriellen Wilhelm Oesterreicher, den Oberkantor Leo Kornitzer, den Gutsverwalter Dubsky, den R dakteur Richard Milrad und viele andere. Die Verblichene, die das 90. Lebensjahr erreicht hatte, entstammte einer alten, frommen Prager Familie. Gleiwitz in Oberschlefien. Gelegentlich des letzten Konzertes der zionistischen Ortsgruppe wirkte auch Herr Oberkantor S. Singer aus Kattowitz in solch' hervorragender Weise mit, daß. ihm von der Vereinsleitung in einem schmeichelhaften Schreiben die Eröffnung gemacht wurde, es sei als Zeichen des Dankes und Anerkennung seiner Leistungen auf seinen Namen die Pflanzung eines Oelbaumes gestiftet worden. jfeuttleton. Ski;;e« imd Studien »ur Geschichte der Jude« in Polen. Von Dr. Majer Balabau, Lemberg. X. Die Sicherheit im Lemberger Ghetto. Die Sicherheit des Juden in seinem Stadtviertel war von dem Verhältnisse zu seinen Mitbürgern abhängig. Mit dem reichen Bürger und dem Adeligen kam der Jude immer aus, und sehr oft associierte sich der jüdische Kaufmann mit seinem christlichen Mitbürger. Das Kapital kennt kernen Religionsunterschied! Auch hat der Adel in Polen den jüdischen Handel unterstützt, da er in ihm die natürliche Konkurrenz und Regelung der Preise, gegenüber den überschwenglichen Anforderungen des christlichen Kaufmanns sah. Ganz anders aber war das Verhältnis des Juden zum „gemeinen Mann", zum Handwerker undKleinkrämer, mit denen er stets glücklich konkurrierte und die im Judenhandel den Ursprung ihres Elends und ihrer Armut sahen. Der Judenhandel war seit jeher durch verschiedene Gesetze beschränkt, verbriefte Pakt« boten dem christlichen Krämer vollkommene Handelsfreiheit, während sie dem Juden gar eigenartige Beschränkungen auserlegten. Der Jude konnte sich aber an die vorgeschriebenen Regeln nicht halten, da der Ein- und Verkauf sich nicht ziffernmäßig begrenzen läßt. Wer nur 1000 Ochsen auf einem Jahrmarkt kaufen darf, der kauft auch 2000. wenn er sie nur preiswürdig bekommt. Der „gemeine Mann" wollte sich aber in seinen Rechten nicht kürzen lassen, und es kam daher sehr oft zu Reibungen, Prozessen, Ueberfällen, Mordtaten usw. Auch das Religionsmotiv und der alte Rassenhaß müssen hier in Betracht genommen werden, und diese beiden Motive, d. i. Handelskonkurrenzund Religionshaß. waren stets die Ursache aller Unruhen und Unglücksfälle im Ghetto. Das Religionsmotiv war stets stärker und gefährlicher. die immerwährenden Anschuldigungen wegen Hostiendiebstahl, sog. Ritualprozesse, gaben stets den Anlaß zu blutigen Unruhen. Die Furcht der Juden vor diesen Verleumdungen war derart, daß als einst der christliche Synagogenwächter von den Stiegen gestürzt und an Ort und Stelle tot blieb, die Juden es nicht wagten, ohne Assistenz eines Gerichtsdieners die Synagoge zu öffnen?) Ein anderesmal kam der Jude Abraham aus Konstantynow mit einem Burschen nach Lemberg, der hier erkrankte und an der Pest starb. Bei allem, daß Abraham den Feldscheer und die Apotheke aus eigenem bezahlt hatte, sandte die Stadt ihren Balneator (Bademeister), die Obduktion der Leiche vorzunehmen, ob ja nicht ein Ritualmord in diesem Falle vorliege (1597)?) Diese Verdächtigungen sind wohl darauf zurückzusühreu, daß die Juden, trotz der wiederholten Verbote. Kirchengegenstände in Versatz nahmen und christliche Dienerschaft in ihren Häusern hielten. Die Kirche publizierte Achtbriefe und belegte mit dem Bann alle christ- *) Grodarchiv C. L. 366, pg. 435.“«® "" ~ a) Stadtarchiv: Ratsakta Bd. 17, pg. 471. > jf

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