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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-12-02 · 48 (2.12.1910) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
48 (2.12.1910)
Date
1910-12-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Nr. 48 Serie 802 Dr. Blochs Wochenschrift. Wien. In den jeden zweiten Sonntag nachmittags stattfindenden, unentgeltlichen Schnittzeichenkursen für Dienstmädchen und Arbeiterinnen, die die F r a u e n v e r e i n i g u n g für soziale Hilfstätigkeit unterhält sind noch einige Plätze ftei. Bewerberinnen wollen sich nur brieflich an die Leiterin cher Gruppe „Unterricht",, IX., Seegassc Nr. 16, wenden. Wien. Am 28. November d. I. fand im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde zu Wien in Fortsetzung der Besprechungen betreffend die galizische Aktion eine Versammlung der Delegierten derjenigen Organisationen statt, die eine Zusammenfassung und Vereinheitlichung der bisherigen Arbeit zugunsten der jüdischen Bevölkerung in Galizien anstreben. An dieser Versammlung beteiligten sich, fast' alle jüdischen Reichsrats¬ und Landtagsabgeordneten aus Galizien sowie die Vertreter der meisten galizischen Kultusgemcmden. Nach eingehender Beratung wurde eine Kommission gewöhlt, welche konkrete Vorschläge in bezug auf die Organisation der beabsichtigten Humanitären Tätigkeit auszuarbeiten hätte. Jüdische Toynbeehalle. XX'., Othmargasse 46; (Haltestelle der Elektrischen: Jagerstraße.) Das Wochenprogramm ist, wie folgt, festgesetzt .- Samstag den 3. Dezember: Festabend anläßlich des zehnjährigen Vereinsbestandes. — Sonntag den 4. d. M.: Frau Müller-Rosenzweig: Lichtbildervortrag. (Eine Palästinareise.) — Montag den 5, d. M,: Dr. Josef Jerusalem: Dienst- und Arbeitsrecht. (Zyklus IIL) — Dienstag den 6. d. M.: V. Liechtenstein, Fachlehrer: Laienansichten über normale und abnormale Geisteszustände. — Mittwoch den 7. d. M.: Georg Schmied!: Die Pflege des Verantwoltlichkeitsgefühles. — Donnerstag den 8. d. M.: Jur.-Dr. Plaschkes: Was das Volk für „Recht" hält. — Freitag den 9. d. M.: Bibelerklärung. Beginn an'Wochentagen um halb 8 Uhr, Samstag, sowie an Sonn- und Feiertagen um 7 Uhr abends. — Anmeldungen von Vorträgen und Mitwirkungen bei Konzerten an den Obmann Doktor I. Samuely. I., Fischerstiege 6. erbeten. Die Konzertabende der Toynbeehalle bringen auch in diesem Jahre den Besuchern reichen Kunstgenuß, den Milwirkenden vielen Beifall. Frau Else Freund-Funk hatte in sehr dankenswerter Weise das Arrangement des ersten Konzertes dieser Saison durchgeführt, bei welchem die jugendliche Pianistin Frl. Kalser Proben reifer Kunst darbot und Frau Dr. Humphreys als Cello-Virtuosin der Schule Professor Anders alle Ehre machte. Diese Künstlerin brachte in Duetten, die sie mit Herrn Mailing (Barylon) sang, ihren klangvollen Soprau zu bester Geltung. Vielen Beifall fanden auch die Gesangsvorträge des Frl. Uermmuz. welche Geschmack und gute Schule verrieten. — Am letzten Donnerstag hat Kantor I. Grob „Jiddisches in Literatur und Musik" dem Publikum der Toyubee-Halle in meisterhafter und höchst interessanter Weise geboten. Selbst verfaßte Skizzen, eigene und selbstvertonte Texte, Volkslieder im Jargon und schließlich ein Rückblick auf den zehnjährigen Bestand der Halle wurden von Herrn Grob trefflich und unter stürmischer Anerkennung der Zuhörer wiedergegeben. Samstag den 26. d. M. konnte man in der Pianistin Frl. Singer eine ernste Künstlerin bewundern, die in ihrem Spiel an Vornehmheit, Auffassung und Technik Ungewöhnliches bot. Der kleine Geiger Mischa Stilmann, am Klavier von Frl. Mikola trefflich akkompagniert, bewies, daß er seit dem Vorjahre anerkennenswerte Fortschritte gemacht. — Nicht nur den Großen, auch den Kleinen hat diese Saison schon mannigfache Freude gebracht. 110 Kinder sind in den letzten Tagen durchwegs mit warmer Wäsche, teilweise auch mit Kleidern. beschenkt worden und. Sonntag den 4. Dezember d. I. findet nachmittags die erste Kinderjause für 300 arme Schützlinge statt, Hasomir-Abend. Unter den jüdischen Veranstaltungen war eine der harmonischesten und intereffantesten der Montag den 23. v. M. im Hotel „Stephanie" stattgehabte Hasomir-Abend. Es war dies die III. in Verbindung mit der Siegler'sche» Truppe arrangierte Theatervorstellung des vor Jahresfrist gegründeten und rüstig aufstrebenden Vereines. Ebenso wie die ersten Male war auch diesmal das Haus aüsverkauft.. Das Programm brachte, nach einigen mit Wärme und schöner Stimme von den Herren Deutsch und Rosenstein vorgetragenen Volksliedern, das Debüt des Hasomir-Chores; derselbe führte sich unter der Leitung seines Dirigenten I. A. Lubetzky trefflich ein. Den zweiten Teil des Abends, welchen Schalom Asch's Drama „Moschiachs Taten" ausfüllte, leitete eine Ansprache des Vereinsobmannes Lubetzky ein, der das Drama in meisterhafter Weise charakterisierte. Es ist echtester Schalom Asch, mit allen seinen großen dichterischen Vorzügen — und auch — mit seinen Schwächen. Mit wundervoller Kraft greift Schalom Asch mitten hinein ins moderne jüdische Leben, wo e8 am heftigsten schäumt und brodelt, wo es am heißesten und lebendigsten ist, und rollt in einer herrlichen Exposition, in der sein ganzes großes Dichtertalent zum Ausdruck kommt, die inneren Momente und treibenden Motive seines Dramas vor uns auf. Der greise Red Chonon schickt sich an, nach Erez Jisroel zu gehen, um dort, nach altem Brauch, auf heiligem. Boden zu sterben. Bevor er geht,, versammelt er um sich seine Kinder und Kindeskinder. Sie kommen alle — und mit ihnen eine Welt der Gegensätze.-Da ist sein Sohn, der Materialist, der moderne Geschäftsmann und seine Frau — die Modedame; — da, der andere Sohn, ein armer Mann, dem das Brausen der Welt von neuen großen Ideen ein leises Echo zugetragen hat; — hier, der Schwiegersohn, der Posener Reform-Jude, dem «Sonnabend", „Prediger" und „Synagoge" das Um und Auf des Judentums bedeuten; — dann die Enkel: der eine, der Zionist, der von Zion träumt, sich noch Zion sehnt und doch kein Jude ist im «inne des Alten— da ein anderer, der Sozialdemokrat, dem man vom Juden nicht reden darf„Allen Armen sollt ihr helfen, dann ist auch dem Juden geholfen!" — Hier einer, der im kleinen Judengäßchen die Heimat, die traute Wiege seines Lebens fühlt und der den Kleinkram und die enge Nestwärme des Golus nicht für Ideale eintauschen möchte; da ist ferner der Sohn des Reichen, der Student — ein Entwurzelter, dem das Judentum fremd ist und der nirgends Ersatz gefunden hat für die verlorene Volksgemeinschaft. „Auf dem Scheidewege hat meine Mutter mich verloren! Werbin ich? Wer liebt mich? Wen lieb'-ich?" Und endlich Justine, seine Schwester, die schwärmerische Phantastin, die all ihre Glut und Liebe auf das Polentum konzentriert hat und die dem Großvater zum Abschied eine Scholle polnischer Erde in die Hand drückt: „Auf dieser Erde hast du gelebt und gelitten, die leg' unter dein Haupt, wenn du auf Muttererde ruhen willst!" — Wie alle diese auseinanderstrebenden Seelen, jede in ihrer Art, in tieflyrischer Weise sich austönen, ist von ergreifender poetischer Schönheit. Doch bleibt das Problem ungelöst; der Dichter entläßt uns mit einem symbolistischen Ausklang: Schofartöne, die das Nahen einer neuen Zeit ankündigen — Morgenröte, die den Weg nach dem Lande der Sehnsucht bestrahlt. Die Aufführung war vorzüglich. Man müßte jeden einzelnen anführen, um Lob zu spenden; das Publikum dankte den Darstellern mit lebhaftestem Applaus. Wien. („H a s o m i r", Verein zur Förderung jüdischer Literatur und Kunst) Mittwoch den 7. Dezember 1910, findet im Souterrainlokal des Cafs „Eoncordia" I., Concordiaplatz ein literarischer Abend mit folgendem Programm statt: 1. Eröffnung durch den Vereinsobmann Schriftsteller I. A. Loubetzky. 2. „Hasomirchor". 3. „Ahasvers Rast und Unrast" von Schriftsteller Bernhard Tag, gelesen vom Verfasser. 4. Vorlesung jüdischer Skizzen. 5. Violinvortrag von A. Bunin absolv. Konservatorist. 6. Rezitation jüdischer Gedichte. 7. Irdisch: Volkslieder, vorgetragen von den Mitgliedern des jüdischen Theaters. 8. Schlußwort. Beginn präzise 1/29 Uhr abends. Entree frei. Gäste willkommen. Wien. Der humanitäre GeselligkeitSvereill der Pohrlitzer in Wien hielt Sonntag den 20. November 1910 seine diesjährige Generalversammlung, ab. Dem vom Obmanne Herrn Dr.- Karl Steiner erstatteten Rechenschaftsberichte ist zu entnehmen, daß der genannte Verein im abgelaufenen Vereinsjahre einen Betrag von K 371.—, in den vier Jahren seines Bestandes einen Gesamtbetrag von K 1436.42 für Unterstützungen armer Landsleute verausgabt hat; fürwahr eine bedeutende Summe, wenn man die geringen Mittel, die dem Vereine zur Verfügung steht n, in Rücksicht zieht. Mit Bedauern wurde in der Generalversammlung konstatiert, daß die Mitglieder des Vereines seinen geselligen Bestrebungen wenig Interesse entgegenbringen und glauben genug getan zu haben, wenn sie den gering bemessenen Jahresbeitrag einzahlen. Es ergeht daher auch auf diesem.Wege an die Mitglieder die Bitte, sich am Vereinslehen rege zu beteiligen und so die Zusammengehörigkeit zu dokumentieren. Bei den Neuwahlen wurden in die Vereinsleitung wieder-, bezw. neugewählt die Herren: Dr. Karl Steiner, Dr. S. Frei, Signmnd Frankl, Hugo Brunner. Gabriel Frankl. Wilhelm Ellinger, Louis Donnebanm, Wilhelm Haas. Hermann Singer, Julius Stagl, Sigmund Bondi und Emil Donnebanm. Lese- und Redehalle Jüd. Hochschüler in Wien. IX., Porzellangasse Nr. 11. Das jüd. informative Seminar der Lese- und Redehalle Jüd. Hochschüler halt am Samstag den 3. Dezember 1910, 7 Uhr abends, einen Diskussionsabend über das Thema „Assimilation". Derselbe wird von irroä. Jean Vecsler eiugeleitet. Gäste herzlichst willkommen! Wien. Der Jüdisch-Ak ad emische Juristenvere i n veranstaltet Mittwoch den 7. Dezember 1910 eine Vorlesung des Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Paul Wertheimer. Herr Dr. Wertheimer, der bekannte Wiener Poet, wird „Ernste und heitere Iuri st en g e s ch i ch t e n? vorlesen. Ort: Hörsaal 31 der juristischen Fakultät. Beginn 7 Uhr. Gäste, auch Damen, herzlichst willkommen. — Der „Jüdisch-Akademische Juristenverein" veranstaltet ebenso wie im Vorjahre Vorbereitungen für die Staatsprüfungen. Anmeldungen täglich zwischen 6 und 6 Uhr im Vereinslokale (IX., Porzellangasse 11) bei cand. jur. Robert Friedländer, der auch die näheren Auskünfte erteilt. — Weiters veranstaltet der Juristenverein einen Kurs für jüdisches Recht,

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