Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 48 (2.12.1910)
- Date
- 1910-12-02
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 48 Dr. Blochs Wochenschrift. 6ettc 801 zubauen, der unterdrückt damit den besseren Kern seiner eigenen Persönlichkeit, der sagt sich von dem seelischen Inhalte seiner Persönlichkeit los. Diese Apostaten von ihrem eigenen besseren Selbst sind keine Vollmenschen mehr, es entwickeln sich aus ihnen Menschen, die innerlich arm find. Der Vortragende wies dann auf die im Westen zunehmenden Mischehen hin und stellte auf Grund statistischer Daten für eine vielleicht nicht zu ferne Zukunft der Möglichkeit des Verschwindens der jüdischen Rasse in Aussicht. Hierauf warf er die Frage auf, ob einem höheren Gesetze damit gedient sei, wenn man sich diesem Prozesse entgegenstellt. Bei Beantwortung dieser Frage sei die Wertigkeit der Rasse das Entscheidende. Den Beweis für die Wertigkeit führte Dr. Zollschan in folgender Weise aus: Ein semitischer Rassenstolz braucht nicht mit spekulativer Beweisführung zu arbeiten, die einfachen gewaltigen Tatsachen der Geschichte selbst, die allerdings in allen gebräuchlichen Lehrbüchern der Geschichte kaum berücksichtigt werden, entheben jeder anderen Beweisführung. Der von allen Judengegnern erhobene und fast unwidersprochene Grundvorwurf, daß die semitische Rasse keine Schöpferkraft besitze, steht in merkwürdigem Gegensatz zu dem Ergebnis der modernen Forschungen, die alle Kultur überhaupt auf den semitischen Urlprungsort in Mesopotamien zurückleitet. Keine Periode der Geschichte aber wurde mehr totgeschwiegen, als die Glanzzeit semitischer Kultur in Spanien und der Einfluß, den diese auf die Entwicklung Europas zur Folge hatte. Es lasse sich lückenlos der Beweis erbringen, daß der Ursprung von Humanismus und der Renaissance, die das große Wahrzeichen unserer derzeitigen Kulturepoche darstelle, auf die Semiten, Juden und Araber in Spanien zurückzuführen sei. Hiermit sei der Beweis für die Wertigkeit der Raffe geliefert und es wirft sich die Frage auf, wie man sie erhalten wolle. Das einzige Mittel sei die Erhaltung der Rassenreinheit. Sie allein ist der Mutterboden, aus dem die höchstwertigen Typen der Menschheit, die Genies, erstehen können. Zu diesem Zwecke müssen die Juden in geschlossener Masse beisammen wohnen. Sie müssen auf alle Berussarten verteilt sein, sie müssen vor allem der Urproduktion, der Bodenbewirtschaftung angehören. Hiermit sei aber das zionistische Ziel determiniert und deshalb sei.Redner Zionist. Das jüdische Proletariat müsse, aus seinem Klein- und Zwerghandel zur Urproduktion wieder gebracht werden, in einem geschlossenen Gebiete unter freien kulturellen Entfaltungsmöglichkeiten, unter der die Stabilität und den auswärtigen Schutz sichernden Souveränität eines Großstaates. Jetzt entsteht nnn die Frage, welches Land das geeignetste wäre. Dem Redner persönlich scheint das Problem nach der Richtung hin klar, daß die Umwandlung eines Händlervolkes in ein freies Bauernvolk nur in dem Lande möglich ist, das durch seine historischen Beziehungen auf seine Einwohner läuternd und seelisch revolutionierend einwirken kann. Und dieses Land sei Palästina. Der Redner erntete stürmischen Beifall. H. Dank des Kaisers für ein hebräisches Huldigungsgedicht. Aus Budapest wird geschrieben: Ein ehemaliger Zögling der Rabbinatsschule in.Preßburg, namens Samuel Blum» der jetzt in Kaschau ein kleines Gasthaus führt, hatte anläßlich des 80. Geburtstages des Kaisers ein Huldigungsgedicht in hebräischer Sprache verfaßt, dieses auf eine Pergamentrolle nach Art der Thorarollen geschrieben und iu einer eigens hiezu hergestellten eleganten Kartonrolle am 16. August an die Kabinettskanzlei nach Ischl geschickt. Der Rolle war ein Gesuch um Annahme der Huldigung beigelezt. Die Kabinettskanzlei ließ das Gedicht übersetzen und scheint es für gut befunden zu haben. Dieser Tage bekam nämlich Blum vom Obergespan der Stadt Kaschau das folgende Schreiben: Zufolge des unter Zahl 2461 vom 3. September an den königlich ungarischen Minister des Innern gerichteten Schreibens des Oberstkämmereramtes Seiner Majestät verständige ich Sie, daß Seine Majestät angeordnet hat, daß Ihnen für das anläßlich des Allerhöchsten achtzigsten Geburtstages in hebräischer Sprache verfaßte und der Allergnädigsten Annahme unterbreitete Gedicht der Allerhöchste Dank bekanntgegeben werde. Indem ich Ihne« dies behufs erfreulicher Kenntnisnahme mitteile, verständige ich Sie gleichzeitig, daß Ihr. Gedicht in der Familiensideikommißbibliothek untergebracht wird. Sziklay m. p., Obergespan. Neue Hetzen gegen die rumänische» Jude». In einem rumänischen Dorfe find jüngst 30 Bauern in Hast genommen worden, weil sie sich zu der christlichen Sekte der Adventisten bekannten. Dies hat der Bischof der untere« Donau, der zukünftige Metropolit der Moldau, zu einer Enzyklika gegen die Juden benutzt, die von allen Kanzeln verlesen wird und folgende Stelle enthält: „Die Juden, die Juden, die uns ökonomisch beherrschen, wollen unS jetzt auch moralisch unterdrücken. Die Sekte der Adventisten wird von der „Alliance" gefördert, um unsere Religion zu schwächen. Hütet Euch vor den Juden!* Newyork. Das House of Deputies of the Episcopal General Convention, dem die bedeutendsten und einslutzreichsten Geistlichen und Vorstände der Episkopalkirche angehören, hat in Cincinnati eine Sitzung abgehalten und in dieser mit Bezug aus die russischen Greuel, insbesondere die Iudenversolgungen folgende Resolution angenommen: „Da der Zustand der Unterdrückung und Verletzung unveräutzerlicher Menschenrechte durch gesetzlose Elemente in Rußland mit jedem Jahr unerträglicher wird und da die Verfolgung sich hauptsächlich gegen unseres Heiligen Herrn altes Volk Israel zu richten scheint, dessen Angehörige in vielen Fällen des Lebens und 'Eigentums beraubt werden, beschließen wir: Erstens, daß wir gegen die ungerechte und unmenschliche Behandlung der Juden prostetieren. Zweitens, daß dies in keiner Hinsicht aus der Absicht heraus geschieht, das Gebiet der Politik zu betreten oder uns in Regierungsangelegenheiten zu mischen, sondern ein feierlicher Protest und der Ausdruck unserer aufrichtigen Sympathie mit unseren leidenden Brüdern ist. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien I., Setteustetteugasse 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens de8 fel. Hermann Liebermann, Josef- Winterstein K 60, Adolf Winterstein 20, Leopold Pick 10, L. Kraus 20, Hermann Beck 20, Josefine Kupfer 10, Friedrich Pollak 20, Heinrich Bäck 10, Alexander Hofbauer 10. Zusammen K 170. Anläßlich des Ablebens der fel. Jakob Fischer: Bon Oberstabsarzt Dr. Anton Fischer K 16, Paula Korst 10. Zusammen K 26. Anläßlich des Ablebens des sel. Dr. Adolf G u t t m a n n (Forts.), Aron Guttmann im Namen der ginzen Familie K 20, Familie Hellmann 10, Familie Albert Drechsler 20. Zusammen L 50. Wie». (Große Spende.) Am 34. November, dem Todestage des Generalgouverneurs Theodor Ritter v. T a u s s i g, hat die Witwe Sidonie von Tanssig eine Stiftung von 130.000 K für das jüdische Knabenwaisenheim errichtet. Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler i» Wie». Die Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Wien (früher jüdisch-akadem. Lesehalle) geht daran, einen Verband der Alten Herren zu begründen, um alle jene, die einst in ihrer Studentenzeit für die Halle tätig waren, enger aneinander zu schließen und sie in näheren Kontakt mit der Halle und deren jetzigen Mitgliedern zu bringen. AuS diesem Grunde bitten wir alle, die zu Alten Herren ernannt wurden oder Ausschußmitglieder der Halle waren, ihre Adresse schriftlich dem Vereine an seine Adresse, Wien, IX., Porzellangaffe 11, bekannt geben zu wolle». msä. LeonKolb L. Max Körner Schriftführer. Präses.