Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 47 (25.11.1910)
- Date
- 1910-11-25
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 47 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 787 der Kischmewer Rabbiner wegen seiner besonderen Loyalität noch vor wenigen Monaten vom Premier zum Vorsitzenden der Rabbinerkommission aus ersehen worden war. Niemand vermag eben in Rußland loyal genug zu sein. Präsident Tafts Besuch in Ellis-Jsland. Präsident Taft hat vor einiger Zeit der Einwanderungsinsel Ellis-Island im Newyorker Hafen einen Besuch abgestattet, dem man für die weitere Entwicklung der Einwanderungsfrage in Amerika große Bedeutung beimißt. Präsident Taft hat als Ergebnis feiner Jnspektionsvisite die folgenden Wünsche bekanntgegeben: 1. Die bisher vorgesehene Strafe gegen Schiffahrtsgesellschaften, welche unerwünschte Einwanderer nach Amerika bringen, soll erhöht werden. 2. Durch ein neues Gesetz soll die Möglichkeit, Familien auseinanderzureißen, in dem nur einem Teil einer Familie die Landung gestattet, während der andere deportiert wird, aus der Welt geschaffen oder zumindest auf das unerläßlichste Maß herabgemindert werden. 3. Jeder Versuch, die Einwanderung nach den Vereinigten Staaten in Ellis-Jsland beziehungsweise in Newyork zu konzentrieren, soll unmöglich gemacht werden. Zu diesem Zwecke soll das Projekt der Vergrößerung der Einwanderungsstation Ellis- Jsland aufgegeben und an Stelle dessen an verschiedenen Punkten der Bereinigten Staaten neue Einwanderungsstationen errichtet werden. Präsident Taft hat auch den Wunsch ausgesprochen, daß die Bemühungen der Jto und ihrer affiliierten jüdischen Organisationen, die jüdische Einwanderung nach Texas via Galveston zu dirigieren, die weitestgehende Unterstützung erfahren. Die Rede eines zionistischen Missionärs. Die amerikanischen jüdischen Blatter sind in heller Aufregung über einen Bortrag, den Pastor Russell aus Broocklyn vorige Woche im Hyppodrome in Newyork unter zionistischer Aegide zu Gunsten des Zionismus gehalten hat. Nahezu 4000 Juden find der Einladung gefolgt, die Wochen hindurch in den jüdischen Blättern -Tag um Tag gedruckt war, um schließlich sich einem echt amerikanischen Missionärsbluff gegenüber zu sehen. In zweistündiger Rede schmeichelte Pastor Ruffel den Juden und besonders den Zionisten, kündigte den Juden die Ankunft „ihres Messias" für spätestens 1915 oder 1916 an und munterte die Zionisten auf, noch wenigstens diese paar Jahre in ihrer Arbeit auszuharren. Und während die Zionisten den Saal unter Zustimmungskundgebungen für Pastor Ruffell und das herrliche Lied „Hatikwah" singend verließen, verteilten die Sekretäre und Sekretärinnen des Pastors Ruffell seine Traktätchen und Misfionsbroschüren — gratis unter die enthusiasmierten Zionisten. Darüber herrscht nun große Aufregung und nun schiebt ein Blatt die Schuld für diesen Auffitzer auf das andere und keine der zionistischen Gruppen, welche die Propaganda für den Besuch der Versammlung betrieben hatten, will nun die Verantwortung für diese „latsst folly“ („die jüngste Verrücktheit"), wie die Blätter es nennen, tragen. Pastor Ruffell geht nun, ermuntert durch seinen Erfolg in Newyork, nach London, um auch dort im jüdischen Ghetto den Messias zu verkünden. Hoffentlich erkennt man dort rechtzeitig, daß die Unterstützung Ruffells durch die Juden nicht so sehr eine „Verrücktheit", wie ein Verbrechen wäre. Die Juden iu Südamerika. Ein Reisender, der die entlegensten Gegenden von Südamerika bereist hat, berichtet im „Jewish Chronicle" über die Juden, die er angetroffen hat. In Para fand der Reisende einige Juden, die ihm berichteten, daß sie eine Synagoge besitzen, die jedoch nur an den höchsten Feiertagen zu gottesdienstlichen Zwecken benützt wird. Ebenso traf er in Manaos eine hübsche Zahl Juden. Die Stadt liegt an den Ufern des Amazonenstromes und wird von Flüffen Porto Valo, Madeira und San Antonio Generio gewissermaßen umrahmt. Auch diese Juden halten die Feiertage und feiern den Sabbath blotz dadurch, daß sie sich des Rauchens enthalten. Im übrigen unterscheidet sich der Sabbath durch nichts von den Wochentagen. Sie besitzen keine Synagogen, sondern verrichten den Gottesdienst an hohen Feiertagen in Privathäusern. Hingegen beobachten sie das Pessachfest sehr strenge. Anders liegen die Verhältnisse in Jquitos^ einem Städtchen, das ehemals ein Jndianerdorf war, von dem noch ein Teil bis auf den heutigen Tag erhalten blieb. Hier gibt es ungefähr hundert Juden, welche Besitzer der größten Gunrmrplantationen und der ansehnlichsten Kaufhäuser sind. Die übrigen sind Angestellte in diesen Geschäften. Auch der grobbritannische Konsul dieser Stadt ist ein Jude. Leider haben diese Juden fast jedes jüdisch-religiöse Gefühl verloren. Mit Ausnahme des Jom-Kippur wird überhaupt kein Festtag gefeiert. Der größte Teil dieser Juden stammt aus Frankreich und Marokko und nur ein Bruchteil aus England. Interessant ist die Beobachtung des Reisenden, daß gerade die marokkanischen Juden sich am weitesten vom jüdisch-religiösen Leben entfernt haben, wahrend die englischen Juden noch die verhältnismäßig religiösesten sind. American Jewish Historieak Society. Die neunzehnte Jahresversammlung der jüdisch-historischen Gesellschaft in Amerika ist für Sonntag den 12. und Montag den 13. Februar 1911 nach Philadelphia ausgeschrieben. Das Präsidium der Gesellschaft macht alle diejenigen, die die Absicht haben, in dieser Versammlung zu referieren, aufmerksam, dies unter Angabe des genauen Titels bis spätestens den 10. Jänner 1911 dem Sekretär Albert M. Friedenberg, 38 Park Row, Newyork. N. 9. zu tun. Es wird besonders aufmerksam gemacht. daß das Thema der Referate nicht auf Fragen der Geschichte der Juden in Amerika beschränkt ist, daß die Aufgabe der Gesellschaft vielmehr sich auf die Forderung des Studiums der jüdischen Geschichte im allgegemeinen erstreckt. Der Präsident der Gesellschaft ist der bekannte jüdische Gelehrte Cyrus Adler (2041 N. Broad St. Philadelphia). vermischtes. Aranzablösrmgsspeude« zugunsten der Chewra-Kadischa in Wie» I., Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenoffen- Anlaßlich de-Ablebens des sei. Karl Brunner:: von JulinS Rritlinger K 20. Anläßlich des Ablebens der sel. Johanna PiSling: von Ludwig und Dr. Hans Rosenzweig K 20. Anläßlich deS Ablebens der sel. Paula SteiuSberg: Von Felix Lederer L 2b. Anläßlich der Ablebens der sel. Pauliae K o h n e r: Bon Felix Lederer K 25, Dr Alfred Lederer 30. Zusammen K 65. Anläßlich deS Ablebens deS sel. Samuel Salzer: Bon David Steiner L 20. Anläßlich deS Ablebens des sel. Emil Engel: Bon Wil-: Helm Kuffner K 20. Anläßlich des Ablebens des sel. Maximilian M a u d l Bon Anna Zamastny K 12. Wien. (Israel. Kultusgemeinde.) Einladung zur öffentlichen Vertreterfitzung, I., Seitenstettengaffe 4, II. Stock Sitzungssaal, Montag den 28. November 1910, 6 Uhr abends, Gegenstand: Ermittlung und Verkündigung der am 27. Nov. 1910 vorgenommenen Wahlen in den Kultusvorstand. Der Präsident. Wie«. In die Enquete über die neue Bauordnung für Wien wurde für die Jngenieurskammer der Herr Ingenieur Sigmund Brunn vom Bürgermeister einberufen.