Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 47 (25.11.1910)
- Date
- 1910-11-25
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 782 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 47 derarmenfürsorgefrage, indem nämlich das Zentralkomitee erst am 30. November, bei Gelegenheit der Beratung des deutschen Etats, über die erwähnten Punkte Beschlüsse fassen kann. Da die „I. R." an den Abdruck dieses Artikels folgenden Satz knüpft: »Vieser Artikel, der mit seinen detaillierten Mitteilungen aus einer streng vertraulichen Sitzung 6er genannten LiebenerKemmission nur durch eine grobe Indiskretion in das Hamburger Blatt gelangt sein konnte, musste stutzig machen.« und weiter behauptet (in Nummer '45, mit Sperr-, in Nr. 46 mit Fettdruck), diese „Indiskretion" könne nur von mir begangen sein, so sehe ich mich veranlagt, die beiden Satze des betreffenden Artikels, die über die Sitzung der Siebenerkommission berichten, wiederzugeben: 1. Satz. »In einer kürzlich abgehaltenen Sitzung der seinerzeit von der Konferenzgemeinschaft eingesetzten Siebenerkommission wurde u. a. der Beschluss gefasst, an die deutschen Mitglieder des Zentralkomitees vermittelst Rundschreibens das dringende Ersuchen zu richten, an dieser Pariser Tagung vollzählig teilzunehmen.« 2. Satz. »Wenigstens hat ihre Vertrauenskommission, die Siebenerkommission, vor allen die Forderung aufgestellt, dass ihr von den Geldern, die in und aus Deutsch'and der »Alliance« zufliessen, die Hälfte zur Erfüllung ihrer Spezialaufgaben in Deutschland, ferner zur Bestreitung der Verwaltungs- und Propagandakosten zur freien Verfügung gestellt werden solle.« Um zunächst die Sache in den Vordergrund zu stellen, teile ich mit. daß in der entscheidenden Pariser Sitzung, die endgültig am 30. d. Mts. stattfindet, ein von den um eine Verständigung außerordentlich verdienten Frankfurter Führern (Blau, L. Picard u. a.) herrührender Kompromißentwurf den Beratungen zu Grunde liegen wird, d er die Chancen eines würdevollen Ausgleiches erfreulicherweise in bedeutendem Maße gesteigert hat. Nun zurück zu der obigen Veröffentlichung, die nach Ansicht der „I. R." nur durch einen „von Dr. Apfel verübten unerhörten, gröblichen Vertrauensbruch" möglich war! 1. Ich soll nach der kenntnisreichen „I. R." als einziges Nichtmitglied der Sitzung der Siebenerkommission beigewohnt haben. Dies ist eine Unwahrheit, indem noch mehrere andere Personen daran teilgenommen haben. Das hätte die „I. R." übrigens auch wissen dürfen, denn ihr Inspirator weiß es! 2. Wochenlang ist über das Ergebnis dieser Sitzung durch alle Teile unseres Vaterlandes korrespondiert worden. Das Resultat der Sitzung ist in einem Statutenentwurf niedergelegt worden, der mit dem Protokoll an sämtliche Mitglieder der deutschen Konferenzgemeinschaft zur Begutachtung eingesandt wurde. Ich persönlich habe, obschon ich mein Amt erst einige Zeit später übernahm (als nämlich die Pariser Bestätigung eintraf), und obschon kein Teilnehmer der Sitzung ihre Vertraulichkeit verlangte, die Ergebnisse der Sitzung als streng vertrauliche betrachtet. In der ganzen Sitzung der Siebenerkommission ist übrigens kein Wort gefprochen worden, das nicht jeder ehrliche Jude und jeder ehrliche Christ hätte hören dürfen. Es gibt überhaupt in der Alliance nichts, was das Licht der Oeffentlichkeit zu scheuen hätte, und Ihre Leser können versichert sein, daß ich, wie das stets meine Art war, mein Amt in vollster Oeffentlichkeit und insbesondere in durchaus notwendiger Zusammenarbeit mit der gesamten jüdischen Presse jedweder Parteirichtung führen werde. Daß mir allerdings z. ZI, nichts an der Sympathie der „Jüdischen Rundschau" liegen kann, werden Sie aus folgendem ersehen: 3. In der letzten Nummer stellte die „Jüdische Rundschau" (mit Recht) fest: »Herr Dr. Apfel hat uns nicht dementiert. Wir können vielmehr heute einfach feststellen, dass Herr Dr. Apfel nicht dementieren konnte.« Ich hätte es auch heute noch für überflüssig gehalten, ein Blatt, dessen Leiter, durch eine einfache telephonische Anfrage von mir die Wahrheit oder die Unwahrheit des ihm Zugetragenen erfahren haben könnte, einer Antwort zu würdigen, wenn die Angelegenheit nicht inzwischen dadurch beachtenswert geworden wäre, daß ein sehr verbreitetes jüdisches Blatt es für nötig erachtete, der „I. R." zu antworten, und weil diejenigen, die aus Gründen, die auf der Hand liegen, gegen mich einen Vernichtungsfeldzug führen wollen, wohl infolge des geringen Leserkreises der „I. R." zu dem Mittel gegriffen haben, bei allen maßgebenden französischen und deutschen Instanzen der Alliance die Verbreitung der wichtigtuerischen Artikel der „I. R." Sorge zu tragen. Noch charakteristischer erscheint mir, daß, trotzdem ich fast eine Woche vor Erscheinen des letzten Artikels der „I. R.". dem derzeitigen Leiter der deutschen Zionisten,. Herrn Rechtsanwalt Dr. Hantke, der in einer Sitzung unseres Berliner Lokalkomitees die Angriffe der „Jüdischen Rundschau" ausgenommen hatte, in der energischsten Weise gegenübergetreten bin und auf das allerbestimmteste jede (auch nur indirekte) Gemeinschaft mit den Artikeln der „Nationalzeitung" und des „Israelitischen Familienblattes" abgelehnt hatte, er die weiteren Angriffe auf meine persönliche Ehre nicht verhindert hat, trotzdem diesU Herr nach meinen Informationen dem Redaktionskomitee der „I. R." angehört und positiv sicher bestimmenden Einfluß auf die „I. R." hat! Es ist meinen Nachforschungen gelungen, festzustellen, auf welcher sauberen Hintertreppe meine Angreifer zur „I. R." geklettert sind. Als ich nach dem Erscheinen des ersten Artikels mit einem befreundeten Zionistenführer über das eigenartige Vorgehen der „I. R." sprach, machte mich dieser in lauterster Absicht, vielleicht ohne es zu wollen, auf die wahrscheinliche Quelle der „I. R." aufmerksam. Ich ging dieser Spur nach und erfuhr, daß einige Zeit nach Erscheinen des Artikels im „Isr. Familienblatt" auf unserem Bureau zwei Herreü sich eingefunden hatten, denen aus irgend welchen Gründen die „neuen Besen" nicht paßten. Diese Herren gaben in der Unterhaltung mit unserem Sekretär der durch nichts gerechtfertigten naiven Ansicht Ausdruck, daß der Artikel in „Isr. Familienblatt" nur auf einer widerrechtlichen Ausnutzung des Protokolls der Siebener-Sitzung beruhen könne. Daraufhin gab ihnen der Sekretär die sicher zutreffende Antwort, daß unser Bureau das Protokoll keinem Journalisten gegeben habe. Auf weiteres Befragen entschlüpfte dem Sekretär die Bemerkung, daß sichseines Wissens in den Händen des Doktor Apfel das unkorrigierte Protokoll jener Sitzung befinde. Da ferner mit genialem Blick kombiniert wurde, die im Hamburger Blatte enthaltene Aeußerung des Herrn Salomon Reinach über die russischen Juden könne nur aus dem bei mir befindlichen Protokoll entnommen sein, (obschon diese Aeußerung von dem seligen Klausner wenige Zeit vor seinem Tode in geharnischter Weise öffentlich bekämpft worden ist und in orientierten weilen Berliner Kreisen Tagesgespräch war), — da glaubten meine Sherlock Holmes, den Dr. Apfel (und wohl auch den Präsidenten) endlich gepackt zu haben. Und es traf sich dann ganz nett, daß Herr Dr. Apfel dem Kreis der „Jüdischen Rundschau" aus politischen Gründen nicht genehm war, und das Sensatiönchen wurde gemacht. Ich will einmal unterstellen, ich hätte wirklich den Hamburger Artikel instruiert und hätte dem hochangesehenen, durch seine Zuverlässigkeit und Sachlichkeit ausgezeichneten Berliner Korrespondenten dieses Blattes das