Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 47 (25.11.1910)
- Date
- 1910-11-25
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 47 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 781 Allianee Israelile Universelle. Deutsche Konferenzgemeinschast. Wir erhalten aus Berlin folgende Zuschrift: Sehr qeehrter Herr Redakteur! Seil vier Wochen bekleide ich als Nachfolger des verstorbenen Klausner das Amt eines ehrenamtlichen Geschäftsführers der deutschen Abteilung der Alliance Israelite Universelle. Seit drei Wochen werde ich von der „Jüdischen Rundschau", dem offiziellen Organ der deutschen Zionistischen Partei, zur Zielscheibe der heftigsten persönlichen Angriffe gemacht. Wenn ich mir den Raum Ihres geschätzten Blattes zur Entgegnung ausbitte, so tue ich das in der Erwägung, daß es sich bei dem Nachfolgenden weniger um eine persönliche Angelegenheit, als um die Aufdeckung eines Krebsschadens unseres jüdisch-politischen Lebens handelt. Gleichzeitig finde ich erwünschte Gelegenheit, manche falsche Nachricht über den deutschen Zweig der Alliance-zu berichtigen. In dem Anfangs Oktober d. I. herausgegebenen Heft von „Ost und West", dem Organ der Deutschen Konferenzgemeinschast der A. I. U. erschien ein von der Pariser Zentralleitung dem deutschen Bureau zur Veröffentlichung übersandter Brief eines früheren 'Allianceschullehrers über das Leben von Alliancezöglingen in Iguitos (Peru). Die „Jüdische Rundschau" druckte am 4. November in ihrer Nummer 44 diesen Artikel ab und knüpfte eine scharfe Kritik daran, was ihr unbestreitbares Recht war. Sie schließt diese Kritik mit folgenden Worten: * Einstweilen halten wir aber den Bigamistenbrief und die kühnen Anmerkungen dazu für einen Schwabenstreich eines nach Klausners Tode eingesprungenen Interimsarbeiters, der anscheinend von den Aufgaben einer jüdischen Organisation vom Range der Alliance noch etwas seltsame Vorstellungen hat.« Dieser Schlußpassus ist allerseits als gegen mich gerichtet verstanden worden, und konnte auch gar nicht anders verstanden werden. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß ich mein Amt erst einige Wochen nach dem Erscheinen des betreffenden Artikels angetreten habe und daher mit dem bösesten Willen nicht für ihn verantwortlich gemacht werden kann. Dies mußte die „I. R." unter allen Umständen wissen, da sie selbst meine Ernennung erst am 28. Oktober veröffentlichte!! In der folgenden Nummer (45) der „I. R." folgt ein Leitartikel über die Alliance. In demselben wird ein Aufsatz des Hamburger „Israelitischen Familienblattes" über das gleiche Thema und eine Auslassung der Berliner „Nationalzeitung" über „geradezu unglaubliche Verhältnisse in der Alliance" abgedruckt. Dann fährt die „I. R" fort: (Unwesentliche Sätze lasse ich fort.) »Was mit diesen Veröffentlichungen bezweckt wird, das ist nicht nur der Kampf gegen die französischen Tendenzen der pariser Alliance-Leitung — in diesem Kampfe waren wir allemal auf der deutschen Seite, weil sie zugleich auch die jüdische war! — nein, das ist jetzt eine Kampagne gegen die Grundidee der Alliance IsraMite Universelle, und diesen Feldzug werden wir niemals mitmachen! Denn die Alliance hat — in jedem Falle — noch ganz andere Aufgaben zu erfüllen, als die jetzigen Kantönlipolitiker der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft sich träumen lassen. Wer ist es also, der jetzt mit diesen z. T. wenig einwandfreien Mitteln geführten Kampf gegen die Alliance inszeniert? Das seines der Mitglieder der Siebener-Kommission dem »Hamburger Familienblatt« das Protokoll jener Sitzung zugeschanzt haben sollte, muss nach unserer Kenntnis der Dinge als ausgeschlossen gelten. Ausser ihnen nahm aber nur noch der in derselben Sitzung eben erst zum ehrenamtlichen Geschäftsführer der D. C. G. ernannte Dr. Apfel an den Beratungen teil. Herr Dr. Apfel, der sicher doch nicht deshalb, weil er Beamter im Ehrenamte ist, meinen kann, weniger Beamter zu sein als ein besoldeter Geschäftsführer, wird sich also von dem Verdacht reinigen müssen, auf etwas merkwürdige Art als Beamter der Alliance einen Kampf gegen die Alliance geführt zu haben. »Die Kurzsichtigkeit einer solchen Kirchtumspolitik, den deutschen Zweig der Alliance von ihr loszureissen, statt durch ihn Einfluss auf die Alliance zu nehmen, braucht Leuten, die in jüdisch-politischen Dingen weniger unerfahren sind, gar nicht erst auseinandergesetzt zu werden. »Am kommenden Mittwoch findet in Paris die Sitzung des Zentralkomitees der Alliance statt. Was da im Einzelnen verhandelt wird, sind interne Angelegenheiten der Alliance — was aber keine interne Frage ist, das ist die Existenzfrage der Alliance selber, die aufgerollt worden ist, durch eine zuerst im geheimen und nun auch öffentlich geführte Aktion gegen die Einheitlichkeit der ältesten jüdischen Organisation, die sich selber aufgibt, wenn sie nicht mehr ist, was sie war und sein sollte, eine Alliance Isra61ite Universelle! »Den französischen Chauvinismus aus ihr zu verbannen, ist eine gute und ernste Aufgabe, - den Deutschen an seine Stelle zu setzen ein frevles Spiel mit grossen Interessen der Judenheit, für das diejenigen, die es unternehmen, die Verantwortung zu tragen, ganz gewiss viel zu klein und schwach sind.« In Nr. 46 behauptet danndie „I. R.": „einige z. >B. leitende Personen der D. K.-G. beabsichtigten die Absplitterung des deutschen Zweiges der Alliance von der Gesamtorganisation." Soweit dieser Vorwurf die „Kantönlipolitiker" der deutschen Konferenzgemeinschaft oder die Mitglieder der Siebener-Kommission treffen soll, zeugt er von gänzlicher Unkenntnis der bei diesen Herren herrschenden Stimmung. da die Mitglieder der genannten Körperschaften samt und sonders, ohne eine einzige Ausnahme, wetteifern in der Bekenntnis zur Universalität der Alliance und den bloßen Gedanken an eine Loßreißung als frivol betrachten würden. Soweit der Vorwurf meine Person betrifft, weise ich ihn als eine geradezu empörende Verdächtigung zurück. Sollte dem Redakteur der „I. R." irgend Jemand etwas derartiges von mir berichtet haben, so wäre für eine solche niederträchtige Handlungsweise das Wort „Lüge" eine milde Bezeichnung. Woher nimmt sich die „I. R." übrigens das Recht, einen solchen Vorwurf gegen mich zu erheben? Zum mindesten müßte sie doch eine tatsächliche Unterlage für die öffentliche Behauptung haben: Ich strebe eine Spaltung an. In keinem einzigen jüdischen Blatte Deutschlands (außer jetzt in der „I. R.") ist der Gedanke an eine Spaltung auchnurandeutungs weise erörtert worden! Wo soll ich also diesem Gedanken selb st oder durch Mittelspersonen Ausdruck gegeben haben? Wo ist ein Beschluß unserer Siebenerkommission, der praktisch die Absplitterung zur Folge gehabt hätte?? Weiter erhebt die „I. R." den Vorwurf gegen mich, daß ich als Beamter der Alliance einen Kampf gegen die Alliance geführt habe" (vgl. Nr. 45 und Nr. 46). Soweit die „I. R." diesen Vorwurf auf die Tatsache des Erscheinens jener plumpen Notiz in der „Nationalzeitung" stützt (deren Inhalt ich nicht andeuten will), um ihr keine Verbreitung zu sichern, habe ich folgende Frage: Wffl die „Jüdische Rundschau" mir etwa in die Schuhe schieben diesen Artikel geschrieben oder inspiriert zu haben oder überhaupt nur eine blaffe Ahnung davon zu besitzen, aus wessen Feder oder Hirn er stammt, dann bitte ich die ..Jüdische Rundschau", diesem Gedanken deutlich Ausdruck geben zu wollen, damit ich die Klage wegen verleumderischer Beleidigung zu meiner Rechtfertigung anstrengen kann. Weiter aber stützt die „3. R." den Vorwurf der Felonie auf den ermähnten Artikel in Nr. 43 des „Isr. Familienblattes" (Hamburg), der die Aufschrift trug „Deutsche Konferenzgemeinschast der Alliance Israelite Universelle". Dieser Artikel gibt ein im großen und ganzen richtiges Bild von den damaligen Vorgängen in der D. K. G. (ist aber, wie ich bemerken möchte, inzwischen durch die Ereignisse überholt worden), enthält jedoch zum wesentlichen Teil unrichtige Mitteilungen, insbesondere über die Stellung der Pariser Zentralleitung zur Bureau-Beitrags- .und Wan-