Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 47 (25.11.1910)
- Date
- 1910-11-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 778 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr 47 um Ihnen die Möglichkeit zu weiteren Forschungen zu geben, denn Aerzte können nur dann tüchtig arbeiten und mit Forschungen sich beschäftigen, wenn sie das Material hiezu haben. Nun wurde die Ausführung dieses Vorhabens von uns nicht für leicht gehalten, es war Gefahr, daß man, um Raum zu schaffen, die Zahl der Krankenbetten werde reduzieren müssen, und daß man infolgedessen, was man auf der einen Seite gut macht, auf der anderen Seite schlecht machen würde. Cs wurden Erhebungen gepflogen und auf Grund der Ausführungen unseres ausgezeichneten Direktors Dr. Fleischmann hat sich ergeben, daß wir vorläufig mit unseren Ubikationen das Auslangen finden und die Zahl der Betten nicht zu verringern bemüssigt sein werden. Allerdings werden sich die Herren Aerzte einschränken müssen,- es hat denn auch der Direktor sein Direktionszimmer für den Primararzt zur Verfügung gestellt. Es wurde weiters festgestellt, daß die Zahl der Hilfsärzte nicht vermehrt werden müsse, weil die Primarärzte erklärten, sich mit zwei Aerzten zu begnügen, während bisher der Primararzt zwei Aerzte und einen Hilfsarzt zur Seite hatte. Hofrat Professor Ofer hat sich ganz außerordentliche Verdienste um unser Spital erworben. Er hat eine Abteilung mit 120 Betten geleitet: er war ein solcher Idealist, daß er in den letzten Jahren auf die Ausübung der Privat-Praris verzichtet und den größten Teil seiner Zeit im Spital zugebracht hat. Bei allem Idealismus, der jetzigen Bewerber konnten wir nicht die Zumutung stellen, daß sie auf die Ausübung der Praris verzichten und wir konnten dementsprechend nicht verlangen, daß ein Primararzt allein die interne Klinik leite, und dies umso weniger, als die Kranken-llntersuchung an den Arzt andere Anforderungen stellt als früher. Es waren also rein sachliche, dann auch moralische Gründe, welche den Kultusvorstand veranlaßt haben, zwei Aerzte Lu Primarärzte zu bestellen. Ich habe schließlich noch auf eine weitere Bemängelung des Dr. Landau zu erwidern, daß nämlich im Berichte nicht von notwendigen Herstellungen die Rede ist, sondern daß manche Herstellungen nicht möglich sind, und ein zweiter Satz, der sich an diesen ersten anschließt, geht dahin, daß wir deshalb an unsere wohlhabenden Glaubensgenossen appelliert haben, daß sie durch Spenden und auf andere Weise für diese Herstellungen Sorge tragen. Wer will, findet die Erklärung des ersten im Inhalt des zweiten Satzes. Und ich kann Ihnen heute schon sagen, der Appell war nicht vergebens. Es kann sein, daß uns die nötige Kraft, das nötige Wissen, die nötige Energie und die Begriffsbestimmung fehlt, aber eines fehlt uns nicht: der gute Wille, und den lasse ich mir und den anderen Vorstandsmitgliedern auch von Dr. Landau nicht absprechen. (Lebhafter langanhaltender Beifall.) Oberstabsarzt Dr. Oswald Byk erklärt, daß die Wahl zweier Primarärzte eine Wohltat sei zunächst für die armen Kranken und spricht den Wunsch aus nach Herstellung einer Mischen Leichenkammer in der Stadt. Ferner sei eS Pflicht der Gemeinde, ein würdiges Amtshaus zu errichten. Der jetzige Zustand sei unhaltbar und unwürdig. Die Gemeinde habe auch Pflichten der Repräsentation. Der Tätigkeitsbericht des Vorstandes sei ein Dokument segensreichen Wirkens, zu welchem er die Gemeinde nur beglückwünschen könne. Herr M.Baum : „Auch ich möchte erzählen, wie Doktor Stern in die Kultusgemeindestube kam. Dr. S t e r n hat eine der besten Kanzleien in Wien gehabt mit der feinsten Klientel; sein angeborenes Gefühl für Gemeinfinn hat ihn aber dazugedrängt, seine Kanzlei aufzugeben, um das Mandat im Gemeinderate und in der Kultusgemeinde voll und ganz auszufüllen. „Ich bemerke, daß ich seit Jahrzehnten, aber nicht als Reklame, in Opposition zur'Kultusgemeinde stehe, immer meiner Ueberzeugung folgend, vorhandene Mißstände tadelte, aber nicht bloß vor den Wahlen, wo man die Vorsteher nicht mehr erziehen kann, sondern viel früher führte mich der Weg in die Seitenstettengasse, um dort auch während des Jahres meine Meinung offen und frei auszufprechen. „Herrn Dr. Landau möchte ich nahelegen, wenn es ihm wahrhaft darum zu tun ist, das Prestige jenes Vereines zu heben, dessen Obmann er ist, einen andern Weg, als den von ihm eingeschlagenen, zu wählen. „Wenn diese Gruppe, der oft — und ich stehe nicht an, zu bemerken, zuweilen in ungerechtfertigter Weise — eine Aversion entgegengebracht wird, diese beseitigen will, muß sie in einer Form austreten, wie sie es hier gegenwärtig eben nicht tut. Betreffend die Ausführungen des Dr. Landau in Angelegenheit des Spitales bemerkt Redner: „Wenn wir in seinem Blatte lesen, die Kultusgemeinde steht vor dem Bankerotte oder sie wird von Dr. Stern dem Abgrunde zugeführt, wer soll dann der Gemeinde das Vertrauen schenken? Das „Deutsche Volksblatt" holt sich seine Informationen aus dieser und ähnlichen Quellen und es wäre „jüdisch-patriotische" Pflicht, sich in solchen Zeiten einer größeren Diskretion zu befleißen, selbst auf die Gefahr hin, etwas an Popularität einzubüßen. Ich habe soeben vom Präsidenten Doktor Stern und vom Oberstabsarzte Dr. Byk Ausführungen gehört, die mich sehr sympathisch berührt haben. „Ich bedauere nur, daß Dr. Byk nicht unter den Kandidaten ist, wiewohl er ursprünglich in Aussicht genommen war. „Ich möchte Ihnen auch bezüglich des Zentralwahlkomitees, dem man eine gewisse Abhängigkeit zu den Machthabern der Gemeinde vorgeworfen hat, mitteilen, daß wir nur nach bestem Wissen und Gewissen solche Männer zur Wahl empfehlen, von denen vorausgesetzt wurde, daß sie Ersprießliches zu leisten im Stande find. Nach den Resultaten des heutigen Abends muß ich es direkt bedauern, daß wir bezüglich einzelner Personen nicht im Sinne des Vorstandes votiert haben. Es ergibt sich speziell in der Kandidatur für Floridsdorf eine derartige Differenzierung gegen den Mandatswerber des XVI. Bezirkes, daß wir es nur bedauern müssen, hierin gegen den Willen des Vorstandes gehandelt zu haben." (Lebhafter Beifall.) Gegenüber einer Bemerkung des Herrn H o f b a u e r und eines zionistischen Jünglings konstatiert zum Schluffe Hof- und Gerichtsadvokat Dr. L i f c z i s: Es war die Rede davon, daß wir anläßlich einer vor nicht langer Zeit stattgehabten Wahl in einen öffentlichen Vertretungskörper bei unseren Bestrebungen, die als Kandidaten nominierten getauften Juden zu Falle zu bringen, von der zionistischen Partei nicht unterstützt worden sind. Es steht als Tatsache fest, daß, als wir uns mit Rücksicht auf den Mangel eines Wahlfonds an die zionistischen Studenten gewendet haben, uns bei der Agitation behilflich zu sein, eine ablehnende Antwort kam, daß aber in dem offiziellen Organ der zionistischen Partei gesagt wurde: wir mischen uns in diesen Kampf nicht ein, weil uns der behufs Bekämpfung der Taufjuden aufgestellte Gegenkandidat nicht paßt. Angesichts dieser Handlungsweise kann ich nicht umhin zu sagen: Gott beschütze uns vor unseren Freunden, vor unseren Feinden werden wir uns selbst zu schützen wiffen. (Lebhafter Beifall.) Mit einem Danke an die zahlreich erschienenen Gemeindemitglieder schließt der Präsident Dr.. Alfred Stern die Versammlung. _ II« Wählerversammlung von Montag den 21. November im Saale des Hotels Franz Josefs-Bahn IX. Bezirk. Der Präsident Dr. Alfred Stern eröffnete die Versammlung, begrüßte die zahlreich erschienenen Gemeindemitglieder und bringt ein Schreiben des Herrn Richard Bettelheim und ein zweites von Herrn Dr. Jakob Deutsch zur Verlesung, welche ihre Abwesenheit entschuldigen. Die Briefe lauten: