Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 46 (18.11.1910)
- Date
- 1910-11-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Kr. 46 Dr. Bkochs Wochenschrift. Sette 759 einrückt, und da seine Schuldigkeit tut. Daß er sie aber auch tun kann, dafür mutz eine zweckmäßige Schulung Vorsorgen. Im Religionsunterricht soll der Gottesdienst sich so vollkommen widerspiegeln, daß der für das Leben ausgerüstete Kämpe nicht fremd auf dem Boden der Synagoge bleibe. Korrespondenzen Wien. (Israelitische Kultusgemeinde.) Anläßlich der bevorstehenden Wahl von Vorstandsmitgliedern und Vertrauensmännern finden die nachstehend angeführten Wähler- Versammlungen statt, zu welchen hiermit die P. T. wahlberechtigten Mitglieder der Kultusgemeinde Wien eingeladen werden: Samstag den 19. November 1910, 7 Uhr abends, im Saale des RestaurantGuth, II., St?phaniestraße 14; Montag den 21. November 1910, 7 Uhr abends, im Saale des H o t e l „Franz Josefs-Bahn", IX.. Nordbergstraße 4; Dienstag den 22. November 1910, 7 Uhr abends, im Saale des „Hotel Savoy", VI., Mariahilferstraße 81; Donnerstag den 24. November 1910, 7 U hr abends, im Saale des Hotel „Zur Post", I., Fleischmarkt 16. — Der Eintritt in die Versammlungen ist nur Wahlberechtigten gegen Vorweisung der Wahllegitimation gestattet. Wien. Herr Dr. Alfred Berger, welcher sein Mandat als Vorstandsmitglied der israel. Kultusgemeinde aus Gesundheitsrückfichten zurückgelegt hat, richtete aus diesem Anlasse nachstehendes Schreiben an den ersten Sekretär Herrn kaiserl. Rat Dr. Theodor Lieben: Baden, 4. November 1910. Mozartstraße 10. Sehr geehrter Herr kais. Rat! Anläßlich meines Scheidens aus dem Kultusvorstande halte ich es für meine Pflicht, mich von Ihnen, sehr geehrter Herr kais. Rat, und in Ihrer Person als dem Chef der Beamtenschaft, auch von dieser zu verabschieden. Während meiner langjährigen Tätigkeit bin ich mit allen Ressorts in Kontakt gekommen und habe allseits hervorragende Fachkenntnis, rastlosen Fleiß und eine unter den widrigsten äußeren Verhältnissen nicht versagende Hingebung an den Dienst beobachtet, welche stets meine volle und rückhaltlose Anerkennung gefunden haben. Gegenüber dem fortgesetzten Wechsel der gewählten Vorsteher bildet die Beamtenschaft die umwandelbare Grundlage der Gemeindeverwaltung und ist als die Trägerin einer guten alten Tradition ein nicht zu unterschätzender Faktor. Ich selbst habe von den Beamten wiederholt Belehrung und Anregungen entgegengenommen, wie auch bei denselben für meine Bestrebungen stets ein dienstfertiges Entgegenkommen gefunden. Die Beamten waren mir deshalb Mitarbeiter, denen ich stets eine freundliche Erinnerung bewahren werde. Indem ich mir das Gleiche als Gegendienst erbitte, verbleibe ich mtt dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung Ihr Dr. Alfred Berger m. p. Wim. Dienstag den 8. d. M. begab sich eine Deputation der jüd.-nat. Studentenschaft zum Rektor der Universität Hofrat Bernatzek, um demselben den Dank und die Sympathie der jüdischen Studentenschaft für seine anläßlich der RektorinauguraÜon gehaltene Rede, in welcher er unter anderem die Berechtigung der jüdisch-nationalen Bestrebung.anerkannte, auszusprechen. Der Rektor dankte der Deputation für diese Kundgebung und versicherte, daß er, was in seinen Kräften liege, tun werde, um die - Forderung der jüdisch-nationalen Studenten zu erfüllen. Hiebei erkundigte sich der Rektor im Laufe des Gespräches, wie sich die jüdisch-nationale Studentenschaft zur Sprache verhalte. Als nun der Sprecher der Deputation erklärte, daß die jüdisch-nationale Studentenschaft die hebräische als die Nationalsprache anerkenne, meinte der Rektor, daß seiner Ansicht nach wohl das sogenannte „Jüdische" als Nationalsprache anzuerkennen wäre, und verwies auf die große Rolle, die diese Sprache in London, Newyork und in anderen jüdischen Zentren spiele. Senatspräfident Dr. Sigmund D6esey. Die großen äußeren Ehren, unter deren Zelebrierung in Budapest der verstorbene vensionierte Senatspräsident der königlichen Kurie Dr. Sigmund Decsey zu Grabe geleitet wurde, geben Zeugnis von der allgemeineu Verehrung, deren sich der Dahingeschiedene wirklich in allen Schichten der ungarischen Gesellschaft erfreute, und von der tiesaehenden Teilnahme, die sein plötzlicher Heimgang allerwärtS erweckte. In der großen Trauergemeinde sah man zahlreiche hervorragende Vertreter des öffentlichen Lebens, mehrere aktive und gewesene Minister, ferner die einstigen Kollegen des Verblichenen: die Richter an der königlichen Kurie nahezu vollzählig, dann Abordnungen der anderen Gerichte, der Advokatenvereinigunqen. Vertreter des wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens der Hauptstadt. Der Raum, in dem der Sarg, umgeben von zahlreichen Kränzen, aufgebahrt war, und der Hof, in dem die Trauerzeremonie vollzogen wurde, vermochten nur einen geringen Teil jener zu faffen, die gekommen waren, um dem dahingeschiedenen Senatspräsidenten die letzten Ehren zu erweisen. Viele der Trauergäste waren genötigt, im Vestibül und im Treppenhause zu bleiben. Vor dem Hause und in der Vorhalle waren zahlreiche Konstabler in Paradeuniform unter dem Kommando des Polizeiinivektors Thomas v. Benieky zur Ausrechthaltung der Ordnung postiert. Die Zeremonie begann mit einem von Mitgliedern des Männergesangschors der königlichen Oper vorgetragenen Trauerchoral. Der Sarg wurde sodann, gefolgt von den Familienangehörigen, in dem bis zur Höhe des ersten Stockwerkes mit schwarzem Tuch drapierten Dof getraaen, der von den Trauergästen dicht gefüllt war. Es hatten sich hier eingefunden: die Minister Karl Hieronymi. Ladislaus Lukaes, Franz Szekely und Graf Bela Srenyi, der P'äst'rent des VerwaltungsgerrchtShofes. Geheimer Rat Dr. Julius v. Wlaffics, der Präsident des Abgeordnetenhauses Geheimer Rat Albert B Berzeviezy, der Kapitän der Trabant-nleibgarde General der Infanterie Baron Geza Fejervary, die Magnatenhausmitglieder Baron Alexander V. Hatvany, Baron Josef v. Hatvany, Adolf B. Ullmanu, Wilhelm v. Ormody und Profeffor Dr. Gustav Heinrich. Reichsratsabgeordneter Paul Sandor. die Barone Peterherzog, Jniius v. Madaraffy-Beck. der zweite Präsident des Staatsrechnunashofes. Nach einem Chorgesang widmete Rabbiner Dr. Simon Hevefi dem Verstorbenen einen ergreifenden Nachruf. Ec schilderte den großen Verlust der ungarischen Juristenwelt und würdigte den Verblichenen als Richter und Menschen. Unter den Klängen eines Chorals wurde der Sarg sodann auf den sechsspännigen Leichenwagen gehoben und gefolgt von der Trauergemeinde in den Kerepeser Friedhof überführt, wo die Beisetzung in einem Ehrengrabe erfolgte. Ableben einer jährigen Frau. Vorige Woche starb in dem ungarischen Dorfe Ragy» Tarkäny die älteste Frau Ungarns, Frau Martin Schwarz im sicherlich seltenen Alter von 117 Jahren. Die Verstorbene, hatte, eine wunderbare Körperkraft, fie war niemals krank und hatte bis in die letzten Tage ihres Lebens einen Appetit, um den fie; so manche viel jüngere Person beneiden konnte. Es ist wiederholt vorgekommen, daß fie ihren 90 jährigen Sohn, wenn er nicht parierte, durchprügelte. Außer diesen Sohn hinterließ fie noch einen zweiten im Alter von 85 Jahren und eine Tochter im Alter von 83 Jahren. Die Familie lebte fast immer in großer Not. Kaiser Franz Joseph sandte der hochbetagten Frau in den letzten Jahren eine jährliche Geldspende. Adrianopek. Ueber den jüngsten Besuch des Sultans in Adrianopel berichtet die Schulleiterin der dortigen Allianceschule Fräulein Aigranti dem Zentralkomitee wie folgt: Adrianopel, 2. November 1910. Wir haben die Ehre gehabt, den Besuch Seiner kaiserlichen Majestät des Sultans in Adrianopel, der an historischen Erinnerungen so reichen zweiten Hauptstadt des Reiches, zu empfangen. Zur Begrüßung des Sultans vor dem Selamlik find alle Schulen in dem großen Hofe des Sultans Selrm aufgestellt worden. Die kleinen Mädchen in weißen Kleidern mit roten Schärpen, die Knaben in ihrer