Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 46 (18.11.1910)
- Date
- 1910-11-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sertc 760 Dr. Blocks Wochenschrift. Nr. 46 Gymnasiastenuniform, haben sich durch ihre bescheidene Haltung ausgezeichnet. Vor dem von Seiner Majestät bewohnten Palast sangen die Schülerinnen in türkischer Sprache einen Chor, der den lebhaftesten Beifall fand. Außerdem überreichten sie dem Sultan im Namen der Allianceschulen ein kunstvoll gesticktes Bild, das in einem Blumenkranz die Moschee des Sultans Selim darstellt. Die gute Idee dieses Geschenks hat außerordentlich gefallen. Sichtlich gerührt aber war der Sultan von der folgenden^ in türkischer Sprache gehaltenen Ansprache: „Majestät! 2n unser aller Namen bitten wir, Mädchen und Knaben, Euere Majestät, unsere bescheidene Gabe als Beweis unseres Fleißes und unserer Fortschritte freundlichst annehmen zu wollen. Wir haben ihr unseren Beitrag für die Flotte unseres lieben Vaterlandes beigefügt. Es ist nur wenig, aber wir bitten, dabei nur unsere gute Absicht erkennen zu wollen. Wir versprechen Eurer Majestät, gute Hausfrauen und brave Soldaten zu werden, und mit ganzer Seele für das Gedeihen unserer teuren Türkei tätig zu sein. Mit diesem kindlichen Schwur bitten wir Euere Majestät, die Huldigung verehrungsvollster Liebe und herzinnigster Wünsche entgegen zu nehmen von Ihren israelitischen Kindern Adrianopels." Seine Majestät hat uns mit seinem Dank ein Geschenk von 10 türkischen Pfund für unsere geschickten Arbeiterinnen und 50 türkische Pfund für unsere Knaben- und Mädchenschulen mit der Bitte übermitteln lassen, das von uns versprochene Ideal aufrecht zu erhalten und vornehme aufrechte Menschen heranzubilden. Die beschenkten Schülerinnen haben sofort die Summe von 10 türkischen Pfund zur Anfängseinrichtung eines Physillaboratoriums bestimmt, um das Andenken unseres Adrianopeler Besuchers unseres erhabenen Monarchen für immer festzuhalten. Ihr Dankbrief lautet: „Majestät! % Unsere Schulvorsteherin hat uns mitgeteilt, daß Sie uns die große Ehre erwiesen haben,, unser bescheidenes Erinnerungszeichen änzunehmen und daß Sie geruht haben, uns eine Belohnung dafür zu gewähren. , Tief gerührt von Eurer Majestät Güte haben wir, um die freudige Erinnerung an Ihren Besuch festzuhalten, die uns gespendete Summe zum Ankauf von Phisikinstrumenten bestimmt. Bei ihrer Benutzung werden wir immer daran denken, daß sie Geschenk Euerer Majestät sind. Wü werden nach Ihrem Wunsche bestrebt sein, unserem Vaterland treue und ergebene Bürger zu werden. Wir wünschen, daß allen Städten der Türkei ebenfalls das Glück zuteil werde, den Besuch Euerer Majestät zu empfangen und beten für die Erhaltung Ihrer segensreichen Tage." Der Thronfolger hat unseren Schulen 20 türkische Mund geschenkt. Ferner berichtet Fräulein Aigranti, daß der Abgeordnete von Adrianopel, Riza Tewfik Vey, unsere Schulen besucht und sich mit den Knaben und Mädchen kameradschaftlich unterhalten hat. Er hat seiner Freude über ihre Fortschritte Ausdruck gegeben. „Ihr steht an der Spitze von allen Schulen Adrianopels", sagte er zu den Kindern. „Ihr habt unserem erhabenen Herrscher, seinem Gefolge und mir, der ich mich voller Stolz zu den Allianceschülern von Adrianopel rechne, den besten Eindruck gemacht: ich bin stolz auf Euch. Verliert Eueren ersten Platz nicht, sondern haltet .ihn fest, indem Ihr immer weitere Fortschritte macht. Die Zukunft gehört Erich!, und wenn Ihr einst vom Glück begünstigt -seid, vergeht die bescheidene Schule nicht, in der Ihr Euere jungen Jahre verlebt habt. Besucht sie oft und arbeitet für sie. Dankbarkeit und treues Gedenken bringen alle schönen Dinge zum Gedeihen." Riza Tewfik Bey hat mir versprochen, morgen wieder unsere Mädchenschule gu besuchen und sich persönlich von den Fortschritten unserer Schülerinnen zu überzeugen. Er hat ihnen schöne Karten geschenkt und wird .ihnen gute Bücher verschaffen, sobald sie eine Bibliothek haben werden. Jüdische Finanz-Generalinfpektoreu in der Türkei. Im Wege der öffentlichen Konkursausschreibung wurde von sechs Konkurrenten der jüdische Aspirant Zeki Hayon zum Generalirüpektor im Finanzministerium ernannt. Hayon ist der dritte jüdische Generatinspektor im türkischen Finanzministerium? Verfolgung minderjähriger Kinder in Rußland. Trotzdem der russische Senat wiederholt die Verfügung übereifriger Polizeidirektoren, durch welche kleine jüdische Kinder, die bei ihrer Mutter find, vertrieben werden, annulliert hat, hören die Ausweisungen kleiner Kinder nicht auf. So wurde dieser Tage gegen den vierjährigen Sohn einer jüdischen Hebamme namens Hausner, die ohne ihren Mann in Moskau lebt, ein Ausweisungsbefehl erlaffen. Dasselbe Schicksal traf die 7-, beziehungsweise 8-jährigen Kinder einer anderen jüdischen Familie. Große Spende. Das Vorstandsmitglied der Petersburger Kultusglmeinde M. A. Ginzburg, bekannt unter dem Namen „Port-Arthurcr Ginzburg", hat das Gemeindepräfidium verständigt, daß er zu Zwecken einer noch zu bestimmenden jüdischen Wohlfahrtsanstalt die Summe von 300.000 Rubel spende. Diese große Spende soll zur Errichtung einer jüdischen Altersversorgungsanstalt verwendet werden. Mehrere reiche Gemeindemitglieder haben sich bereit erklärt, für eine solche Anstalt gleichfalls namhafte Spenden zu machen. Eine Klinik für jüdische Einwanderer irr Paris. Aus Paris wird berichtet: Der Vorstand der jüdischey „Volksuniverfität" hat auf Vorschlag der Herren Doktor Marmorek und Hahn den Beschluß gefaßt, eine Klinik-für verschiedene Krankheiten ins Leben zu rufen, in welcher eingewanderten Juden unentgeltliche ärztliche Hilfe geboten werden soll. Es soll dafür gesorgt werden, daß mit den Kranken in der Sprache derselben verkehrt werden könne. Es wurde bereits eine'Sammlung eingeleitet, die schon ein schönes Ergebnis aufweist. Auszeichnung für heldenmütiges Verhalten. Das französische Amtsblatt verzeichnet die Verleihung der Verdienstmedaille an den aus Salonique stammenden Jsaac H. Saporta in Paris für verschiedene Akte aufopferungsvoller Tapferkeit. Saporta hat vor fünf Jahren bei der Katastrophe der Metropolitain mehreren Menschen unter eigener Lebensgefahr das Leben gerettet. Sein eigenes Leben äufs Spiel setzend, ist Saporta damals in den Tunnel gedrungen und hat zahlreiche Menschen vom sicheren Tode gerettet. Ebenso zeichnete sich Saporta bei der letzten Ueberschweckmungskatastrophe in Paris aus, indem er freiwillige Retterdienste leistete. Dankesadresse von Indianern an einen Juden. Londoner Blätter veröffentlichen eine Dankesadresse, welche die Madraser Jndianerstämme an Herrn H. S. Polak anläßlich seiner Uebersiedlung von Madras nach Burban in Südafrika überreicht haben. In der prachtvoll ausgestatteten Adresse wird Herr Polak als der gerechteste und unerschrockenste Vorkämpfer für die Rechte der Indianer gefeiert, der für die Indianer mehr getan hat, als je ein. Europäer oder selbst ein Indianer. Seine Kämpfe gegen die sogenannten „Gesetze gegen Asiaten in Transvaal" waren fürstliche Heldentaten, die eine ganze Raffe zu ewigem Danke verpflichten. Herr Polak wird schließlich gebeten, wenn irgend möglich bald zurückzukehren, um das begonnene Werk zu Ende zu führen.