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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-11-18 · 46 (18.11.1910) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
46 (18.11.1910)
Date
1910-11-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 46 Dr. Blochs Wochenschrift. Seitc 757 in Städten bis zu 10.000 Einwohnern . 1734 Juden „ „ von 10— 50.000 Einwohnern 1791 „ „ „ „ 50—100.000 „ 1052 „ „ „ über 100 000 Einwohnern . . 2060 „ „ kleinen Städtchen .. 2738 „ außerhalb der Städte.1295 „ Interessanter noch gestalten fich die Verhältnisziffern der Juden zur Gesamtbevölkerung im Allgemeinen. Diese Ziffern beweisen, daß der Perzentsatz der Juden am größten in den kleinen Städten bis zu 10.000 Einwohnern ist. In 57 solchen Städten bilden die Juden die Mehrheit der Bevölkerung; in acht solchen Städten beträgt die Zahl der Juden wohl weniger als die Hälfte der Bevölkerung, ist aber immerhin größer als diejenige der Polen und nur in 13 solchen Städten befinden fich die Juden in der Minorität. In den Städten mit einer Einwohnerzahl von 10 bis 30.000 gibt es 15 Städte, in denen die Juden in der Majorität find, während fie in 7 solchen Städten in der Minorität find; in 5 Städten dieser Kategorie ist die Zahl der Juden weniger als die Hälfte, jedoch größer als diejenige der Polen. Je größer die Stadt, desto geringer ist die Rolle der Juden in derselben. In allen Städten mit einer Bevölkerungszahl von über 30.000 find die Juden in der Minderheit und bloß in zwei Städten ist ihre Zahl größer als diejenige der Polen. Wichtig ist die Frststellung, daß von den 10 Gouvernementsstädten zwei, und zwar Suwalk und Scalletz eine jüdische Majorität ausweisen, in Lublin und Lomscha die Zahl der Juden etwas unter der Hälfte der Gesamteinwohner ist, während sie in den übrigen ein Drittel der Bevölkerung ausmachen. Das Schicksal der jüdischen Druckerei in Pisa. Nach einer von italienisch-jüdischer Seite veröffentlichten Statistik ist die Zahl der Juden in Italien in ausfallendem Rückgänge begriffen. Im Jahre 1870 hatte Italien noch eine jüdische Bevölkerung von 300.000 Seelen. Diese Zahl hätte bis heute schon auf Grund der natürlichen Vermehrung um die Hälfte höher sein müffen. In der Tat gibt es aber heute in Italien nicht mehr als 150—170.000 Juden. Was ist mit dem Rest geschehen? Sie find teils durch Mischehen, teils durch Taufen im Christentum aufgegangen. Noch deprimierender sind die Ausweise in Bezug auf einzelne Städte. Pisa war noch vor nicht allzulanger Zeit das Zentrum jüdischer Wiffenschaft. Cs hatte eine. angesehene jüdische Bevölkerung mit berühmten jüdischen Schulen und einer weltberühmten jüdischen Gemeindedruckerei. In dieser Druckerei, die jüdisches Kommunaleigentum ist, wurden die verläßlichsten Talmudausgaben und andere Werke jüdischer Wiffenschaft hergestellt und bildete dieselbe eine der reichsten Einnahmsquellen der jüdischen Kommune. In den letzten Jahren mußte jedoch die Druckereileitung die traurige Erfahrung Machen, daß die Nachfrage nach hebräischen Arbeiten und Druckschriften immer geringer wird und die Rentabilität der Druckerei immer mehr finkt, weshalb fie begann, immer mehr italienische anstatt hebräische Druckschriften herzustellen. Diese einst weltberühmte jüdische Druckerei hatte in jüngster Zeit so viele Kalamitäten durchzumachen, daß die Regierung fich veranlaßt sah, einzugreifen und die Druckerei zu übernehmen, wodurch sie den jüdischen Charakter vollständig einbüßte. Italien, das einst die ganze Welt mit hebräischen Büchern versah, ist heute so weit gekommen, daß die italienischen Juden heute im ganzen Lande eine Subskription einleiten müffen, um ein Gebetbuch für die italienischen Juden herausgeben zu können, und, wie es in dem Berichte heißt, gezwungen sein werden, den hebräischen Druck in Deutschland oder Rußland besorgen zu lassen. Eingesendet. Wien, 9. November 1910. Verehrliche Redaktion der „Oesterreichischen Wochenschrift Wien. Nach dem Jahre 1848 fiedelten fich viele unserer Urgroßeltern auf dem flachen Lande in Niederösterreich an. Die aus Oldenburg und Mattersdorf kamen, machten fich zumeist in Wr.-Neustadt seßhaft. Die Nikolsburger blieben in den Ortschaften längs der Brünner Straße. Von Preßburg und Umgebung kamen fie über die March nach Dürnkrut und weiter hinauf ins Weinland nach Matzen. Auersthal, Bockfließ. Groß-Enzersdorf, Prllichsdorf, bis Wölkersdorf gegen den Bisamberg. In den meisten Ortschaften blieben ein, zwei bis drei jüdische Familien, wo fie kleinen Handel trieben und mit Weinsteinklopfen, das damals etwas mehr Verdienst abwarf, fich ehrlich und redlich ernährten. Die guten jüdischen Grundsätze haben fie, trotzdem fie vereinzelt unter der christlichen Bevölkerung lebten, strenge beibehalten, sind fromme, ehrliche und kaisertreue Juden geblieben und oft sah man bei Morgenanbruch den Mann mit Teffillin und Tallis inbrünstig betend, über Feld ins nächste Dorf eilen, um mit dem Bauer, bevor er zur Arbeit ging, das Geschäft abzuschließen. In Wölkersdorf war ein Minjan-Berein, welcher am Schabbes und Feiertagen seine Mitglieder zur religiösen Andacht zusammenrief. Bei einem Todesfall wurde die Leiche nach Wien geführt und nahm damals die Kultusgemeinde in munifizenter Weise die unentgeltliche Beerdigung auf dem Währinger Friedhofe vor. Anfang der 70er Jahre erklärte die Kultusgemeinde Wiens, daß sie wegen Raummangels keine Leiche mehr übernehmen kann und sollen fich die Baalbattim zusammentun und einen eigenen jüdischen Friedhof schaffen. Damals kaufte Herr Gottlieb Grünwald, der zu den Wohlhabenderen gehörte, in Deutsch-Wagram ein Feld, errichtete darauf einea Friedhof und ließ fich für eine Grabstätte zirka fl. 5.— bezahlen. In diesem Friedhofe befinden sich beiläufig 80 jüdische Gräber und wurde derselbe dann von der Behörde aus sanitären Gründen geschlossen. Nun kümmerte fich Niemand mehr um diesen Friedhof. Die Waggonleihgesellschaft kaufte fich rings um den Friedhof an und was nicht im Laufe der Zeit verwitterte, wurde durch rohen Vandalismus zerstört und vernichtet. Ich wende mich an die Oeffentlichkeit mit diesen Zeilen, damit fich vielleicht ein reicher Stammesgenoffe oder dazu berufene Körperschaften, denen das Judentum am Herzen liegt, finden, die fich bemühen, den Friedhof mit den jüdischen Grabsteinen für spätere Zeiten zu erhalten und somit auch den christlichen Anrainern von der Solidarität und dem Wohltätigkeitsfinne der Juden ein Zeugnis geben. Im Vorhinein für den Abdruck dieser Zeilen bestens dankend, zeichnet mit Hochachtung David Steiner, _ I-, Postgaffe 11. Der Srref aus der Fremde. Von I. O e h l e r. Ich habe einen lieben, jungen Freund. Als Knabe war er mein Schüler und nun ist er mir zum Freunde herangewachsen. Und das will viel heißen, wenn man das unreife Verhallen der reiferen Jugend ihren ehemaligen Lehrern gegenüber kennen gelernt hat. Doch diesmal war es anders. Daß es anders ist, merkten wir aber eigentlich erst, als mein junger Freund in die Fremde gezogen war. Auf heimatlichem Boden, unter dem Schutz guter materieller Verhältnisse und dem urwüchsigen Beispiel feiner Kameraden, schlug er oft kräftig

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