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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-11-11 · 45 (11.11.1910) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
45 (11.11.1910)
Date
1910-11-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 744 Dr. Plochs Wochenschrift. Nr. 45 Berlin Am Sonntag. 25. September, fand in Berlin die 10. Vorstaudsfitzung des «Jüdischen Frauenbundes" statt. Fräulein Pappeoheim gibt nach kurzer Begrüßung der Versammlung ihre Abficht bekannt, das Amt der ersten Vorsitzenden niederzulegen, da sie es nicht für ersprießlich hält, wenn die Leitung zu lange in den Händen einer Persönlichkeit liege. Nach längerer Debatte wird der Entschluß abgelehnt und der Antrag zurückgezogen. Für die Ergänzungswahlen zum Vorstand am Delegiertentag wurden Frau Martha Schlefiuger-Frankfurt a. M., Frau Professor Deffau-Charlottenburg. Frau Dr. Ziemlich-Nürnberg und als stellvertretende Schriftführerin Frau Helene Meyer-Stargardt vorgeschlagen. Zu Punkt 2der Tagesordnung: Delegiertentag. wird vorgeschlagen, den äußeren Rahmen der Tagung so einfach wie möglich zu gestalten. Die Tagesordnung des Dclegiertentages wird darauf vorgeschlagen und festgesetzt: Dieser findet Dienstag den 27. Dezember 1910 statt, und haben Referate übernommen: Frau Meyer-Stargardt: «Ueber Stellenvermittlung", Fraulein Werner-Hämburg: «Erziehungsfragen". Za Punkt 4 der Tagesordnung: Gründung eines Internationalen jüdischen Frauenbundes wird die Notwendigkeit eines solchen Zusammenschlusses anerkannt und 100 Mk. für diese Zwecke zur Verfügung gestellt. Fräulein Werner hat mit Miß Sadie American eine Vereinbarung getroffen, daß sie von der Abreise jeder von Amerika in die Heimat zurücktraaspoitierten, in Amerika wahnsinnig gewordenen Jüdin, wie solche Falle häufig vorgekommen find, telegraphisch oder brieflich Nachricht rehalt, damit sie von den Heimatsbehörden Bescheinigungen über die Ankunft in der Heimat erbitten kann, da man bisher häufig über den Verbleib dieser Unglücklichen keine Nachricht hat. Berlin. Die «Deutsche Konferenzgemeinschaft der Alliance Jsraelite" hat an Stelle des auf so tragische Weise ums Leben gekommenen Schriftstellers M. A. Klausner dieser Tage zum Geschäftsführer und zwar im Ehrenamte Herrn Rechtsanwalt Dr. Alfred Apfel- Berlin gewählt. Herr Dr. Apfel hat das Amt bereits übernommen. Lord Nathauiel Notschild-London. In London rüstet man sich, den 70. Geburtstag des am 8. November 1640 dort geborenen Lord Rothschild, des Chefs des Londoner Hauses der Rothschilds, festlich zu begehen. Der Jubilar war ein intimer Freund des verstorbenen Königs Eduard VII. von England und liberales Mitglied des englischen Unterhauses von 1865—1885. Ec erbte 1876 die englische Baronetwürde von seinem Onkel und die österreichische Baronie 1879 von seinem Vater. Im Jahre 1885 erhielt er die englische Peerswürde und war der erste Jude, der einen Sitz im englischen Unterhause eiunahm. Er ist Ritter des Großkreuzes des englischen Viktoria-Ordens. Für jüdische Angelegenheiten hatte er immer das regste Interesse und eine mit fürstlicher Freigebigkeit offene Hand. Ein von ihm entworfener Plan zur geistigen und materiellen Hebung der armen Juden des Londoner Osteuds scheiterte freilich an verschiedenen Widerständ u, rbwohl er eine halbe Million Mark dafür zur Verfügung stellte. Für das jüdische Freischulwesen in London hat er fortdauernd reiche Mittel aufgewendet und gegen die, hauptsächlich feine nichtenglischen Glaubensgenossen schwer bedrückenden Bestimmungen des englischen Einwanderungsgesetzes als Politiker im Parlament wie als Mitglied der Königlichen Eiuwauderungskommission stets angekämpft. Er ist Präsident der United Synagoge und Vorsteher der orthodoxen Großen Synagoge von London. Seine Privatwohltätigkeit ist eine sehr umfangreiche. Auch die deutschen Juden hegen für diesen ihren hervorragenden Glaubensgenossen an dem Tage,' da er in das Patriarchenalter eintritt, die besten Wünsche. Baron Rothschild in Palästina. Baron Edmund de Rothschild von Paris begibt sich demnächst nach Palästina, um. wie der offizielle Bericht behauptet, an der Stelle, wo die Königsgräber vermutet werden, archäologische Grabungen vornehmen zu lasten. Sein Vertrauensmann, ein berühmter französischer Archäolog, ist bereits nach Jerusalem abgereist. Wie aus Jerusalem berichtet, wird sich die Tätigkeit des Baron Rothschild in Paris nicht auf diese Studien allein beschränken. Der Baron habe nach dieser Meldung die Absicht, auch die verschiedenen jüdischen Kolonien und den heutigen Stand der Kolonisations-Möglichkeiten in Palästina und der asiatischen Türkei kennen zu lernen. Bewahrheitet sich dieses Gerücht, so kommt ihr eine um so größere Bedeutung zu, als es ja bekannt ist, daß vom Pariser Haus Rothschild kein Mitglied seit 10 Jahren - in Palästina war und daß der letzte Aufenthalt des Barous im Heiligen Lande eine scharfe Auseinandersetzung mit den Weinbau treibenden Kolonisten und infolgedessen die Uebergabe der Rothschild-Kellereien an die Jca im Gefolge hatte. Auswanderung aus Palästina. In den letzten Jahren hat die Zahl der jüdischen Auswanderer aus Palästina stark zugenommen. Viele von den Auswanderern haben.sich.in Panama niedergelassen. Die Zahl der palästinensischen Juden in Panama scheint ziemlich groß zu sein, wie aus einer Eingabe derselben an die türkische Regierung ersichtlich ist. In dieser Eingabe weisen die in Panama ansässigen palästinensischen Juden auf den Umstand hin, daß sie als ottomanische Untertanen in ihrem gegenwärtigen Wohnlaube mangels einer ottomanischen Regierungsvertretung jedes Jnteressenschutzes entbehren. Die Petenten verlangen daher die Errichtung eines ottomanischen Konsulates in, Panama. Die Regierung dürfte dem Ansuchen Folge leisten. Polen als Bedrücker und Bedrückte. Dort, wo die Polen sich als Bedrückte fühlen, über fließen sie von Humanität. Anders aber dort, wo sie die Macht in Händen haben. Das haben sie jetzt wieder in Russisch-Polen gezeigt, wo selbst die sogenannten polnischen Progressisten einen Beschluß faßten, bei der bevorstehenden Schaffung der Selbstverwaltung in den polnischen Städten für die Begrenzung der Rechte der Juden einzutreten. Dieser Beschluß hat in der progressiven russischen Presse den schärfsten Protest hervoegerufen. Das Organ der Kadettenpartei „Rjetsch" macht die Polen aufmerksam, daß sie durch diesen Beschluß das System der nationalen Unterdrückung, unter welchem sie ja selbst zu leiden hätten, bestätigt haben. Sie geben damit ihre Zustimmung nicht nur zur Unterdrückung der Juden, sondern auch zu derjenigen der Polen. „Der jüdischen Bevölkerung in Polen", heißt es im „Rjetsch" weiter, „wird der Beschluß der Polen wenig schaden; es ist jedoch kein Zweifel, daß die Polen von den Folgen dieses Beschlusses noch viel zu leiden haben werden. In den Augen aller Reaktionäre werden die polnischen Proteste gegen die Unterdrückung der polnischen Nation ihren Wert verlieren und die Kraft einbüßen, die ihnen bis jetzt innewohnte. Aber auch das progressive Rußland wird sich die „doppelte Buchführung" der polnischen Parteien gut merken. Das bisherige Verhalten der Pol n hat weder das Vertrauen des offiziellen Rußland, noch dasjenige der Opposition zu erwecken vermocht. Und jeder neue Zug enthüllt von neuem das wahre politische Gesicht der polnischen Parteien. In Kiew wird wieder revidiert. In Kiew hat der jüngste Befehl des Polizeimeisters, die jüdischen Handelsfirmen bezüglich ihres Wohnrechtes einer neuerlichen „gründlichen" Revision zu unterziehen, - große Aufregung hervorgerufen. Begründet wird diese neuerliche Maßregel mit der gesetzlichen Bestimmung, daß Juden, die als Handwerker oder Arbeiter ein Wohnrecht in Kiew besitzen, sich nicht mit Handel befassen dürfen. Solche Juden werden aus Kiew vertrieben und ihre Ware verfällt der Konfiskation. In Polizeikreisen „versichert" man, daß dieser Maßregel mehrere Tausend Juden zum Opfer fällen werden. Bedrohliche Lage der kaukasischen Bergjnden. Die russische Verfolgungsmanie gegen die Juden ist nun auch bei den kaukasischen Bergjuden angelangt. Unter Bergjuden versteht man jene Juden, die seit vielen Generationen im Kaukasus wohnen und deren Wohnrecht bisher niemand angezweifelt hat. Selbst als im Jahre 1892 ein. kaiserlicher Befehl mit Wohnrechtsbegrenzungen für die Juden der Kubaner und Tereker Bezirke erlassen wurde, haben die Lokalbehörden diese Begrenzungen nicht auf die erbgesessenen Bergjuden, sondern auf Juden aus anderen Bezirken bezogen.. Im Zirkular des

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