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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-11-04 · 44 (4.11.1910) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
44 (4.11.1910)
Date
1910-11-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 44 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 723 Bemerkung ein Witz sein soll, woher der Hohn? Man erinnert sich lebhaft der Ehrenbürger aus dem Simplizissimus, von denen einer sagte: „Fünfundzwanzig Jahre leb' ich unter Euch und nichts könnt ihr mir beweisen!" Von den Christlich- Sozialen hat man zwar schon vielen etwas bewiesen, aber noch viel mehr von ihnen sind vorhanden, von denen die Spatzen sich zwar sehr viel erzählen, die man aber nicht kontrollieren kann und von denen man nur die Resultate weiß. Auf die allerehrlichste Weise sind so viele Parteiführer in wenigen Jahren reich geworden, der Hatzl weiß von gar nichts, in den Aemtern stecken ebensowenig Freunderln, wie bei Grundkäufen und Lieferungen, alles geht mit den besten Dingen zu, aber der Hraba schreibt weiter Briefe und das. „Volksblatt" Artikel, dann kommt der geduldige § 19 und rettet die Korruptionstöter vor dem Ruf der Korruption. Nur daß zum Schluß die Bevölkerung ihren Glauben an die christlichsozialen Ehrenmänner denn doch noch berichtigen dürfte. König Carol und die Lage der Inden in Knmönien. Wien, 1. November 1910. Zwischen den Balkanstaaten Bulgarien und Rumänien herrscht seit Kurzem eine nervöse, überreizte und uuverhüllt feindselige Stimmung, die in der Presse beider Länder vielfachen Widerhall findet. Da jedoch der „Kulturstaat" Rumänien ln xuneto der „gesetzlichen" Behandlung seiner Bewohner, namentlich der Juden, viel Butter am Kopfe hat und nicht recht unter die Sonne gehen kann, ist es für die bulgarische Presse ein sehr leichtes Spiel, mit ihrer rumänischen Kollegin die journalistische Klinge zu kreuzen. „Dnevuic" — eines der angesehensten Sofianer Tagesjournale — erinnerte sich dieser Tage an das von König Carol von Rumänien einem Redakteur der „Neuen Freien Presse" noch im Mai dieses Jahres gewährte Interview und veröffentlicht im Anschluß daran folgenden bemerkenswerten Artikel unter der Ueberschrift: „König Carol und die Lügender Juden in Rumänien", dem wir folgende interessante Ausführungen entnehmen: „Die Erklärung des Königs Carol, daß die Judenfrage in Rumänien nicht gelöst werden könne, weil die Gleichstellung der Rumänen mit den rumänischen Bürgern das Leben der Nation und des Staates erschüttern könnte (siehe Nr. 16.415 der „Neuen Freien Presse" vom 5. Mai d. I.), diese Erklärung bekundet, daß man die Juden in Rumänien auch in Zukunft als Fremde in einem Lande behandeln wird, in dem sie geboren sind und dem sie dienen; — fürwahr, ein Schandfleck des Jahrhunderts!" „Dnevnic" erinnert hierauf an die Intervention des " Berliner Kongresses in der Judenfrage und sagt: „Die Fremden konnten den Widerstand des rumänischen Parlamentes gegen die Emanzipation der Juden nicht verstehen. Sie begriffen die Ursache erst dann, als König Carol in einem Privatbriefe an den Generalkonsul Bamberg den wirklichen Grund angab, weshalb die rumänischen Bojaren die Fortdauer der Ungerechtigkeiten und Gewaltakte gegen die Juden wollten. Der Grund war die Furcht der Großgrundbesitzer, daß die bürgerliche und politische Gleichheit den Juden gestatten werde, in den Besitz ihrer stark überschuldeten Güter zu kommen." „Diese Furcht war es, die die rumänische Regierung veranlaßte, Europa herauszufordern, und beide Kammern erklärten die Juden als Fremde, die man im Lande dulden werde, so lange die Möglichkeit hiefür vorhanden sei. Seit der Anerkennung der Unabhängigkeit Rumäniens blieben die Juden — entgegen der von Rumänien übernommenen bindendenVerpflichtung — nahezu in der gleichen unterdrückten Lage, wie zur Zeit des byzantinischen Reiches." Das Blatt spricht hierauf von der vor einigen Jahren erfolgten Intervention Roosevelts und des Lordmajors von London zugunsten der rumänischen Juden und schließt seinen Artikel folgendermaßen: „All dies hat die Lage der Juden in Rumänien in keiner Weise verbessert. Die Juden dieses „Kulturstaates" an der unteren Dona« sind und bleiben ohne Rechte! Die Erklärung des Königs dem Mitarbeiter der „R. Fr. Presse" gegenüber bestätigt dies und ist eine unerhörte Herausforderung an die Signatarmächte! Diese jüngste Erklärung König Carols beweist, daß Rumänien auch in Hinkunft für die Juden ein mittelalterliches Land bleiben wird!" Wir haben diesen trefflichen Ausführungen des genannten Blattes nichts hinzuzufügen .... W.— Dom Jahrmarkt des Lebens. An die Juden der Bukowina! Stammesgenossen! Was alle Kenner unseres Landes und seiner Bewohner seit Jahren hätten voraussehen müssen, was alle stammesbewussten Männer unter uns mit Schmerz geahnt haben, das ist jetzt eingetroffen : die einst so leichtlebigen Juden der Bukowina blicken samt und sonders in eine dunkle, sorgenschwere Zukunft, ein grosser Teil steht schon heute vor dem Ruin. Tausende von fleissigen Menschen, die früher in der Holzindustrie ausgiebige Beschäftigung fänden, sind jetzt auf der Suche nach neuen Nahrungsquellen, die sich nicht finden lassen. Tausende Anderer, die früher auf dem Lande das Wirtsgeschäft betrieben, werden durch die neuen Verhältnisse aufs Pflaster geworfen. Und das ist, wie alle Kundigen wissen, nur der Anfang einer Krise, die täglich an Umfang und Tiefe gewinnt, täglich neue Opfer fordert. Die grosse Mehrheit der jüdischen Bevölkerung in der Bukowina treibt, wenn ihnen nicht baldige Hilfe wird, der sicheren Verarmung, der Ratlosigkeit und Verzweiflung zu. Weniger grell, weniger sinnfällig als die Not der Massen, aber nicht minder erschütternd ist das vornehme Elend unseres gebildeten Proletariats, einer Menschenklasse, deren hloses Vorhandensein eine himmelschreiende Anklage unserer Gedankenlosigkeit, einen schneidenden Hohn auf die Meinung von der jüdischen Klugheit bedeutet. Unter unsäglichen Entbehrungen studieren unsere jungen Leute an den Mittel- und Hochschulen, und wenn sie, mit staatlichem Wissen, vortrefflichen Zeugnissen und volltönenden Titeln ansgestattet, die Universität verlassen, starrt ihnen im Spiegel der Welt die teuflische Fratze der Ueberflüssigkeit entgegen. Der reiche Tisch dieser Erde ist bis aufs letzte Plätzchen besetzt — die studierten Herren unseres Blutes haben das Zusehen. Nach Hunderten zählen unsere unbeschäftigten Juristen, nach Dutzenden unsere Aerzte, deren Geschicklichkeit niemand erproben will, unsere akademisch gebildeten Lehrer, nach deren Bildung niemand verlangt. Unerspriesslieh wäre es, nach den Schuldigen zu suchen, deren Aufgabe es hätte sein müssen, einer solchen Heimsuchung vorzubeugen. Die Betroffenen selbst können sich die Vorwürfe ersparen. Die Massen werden von den Sorgen des Tages aufgebraucht; „vor Kürze des Atems und vor schwerer Arbeit“ kommen sie nicht dazu, über ihre Lage nachzudenken. Wir, denen ein günstiges Geschick die drückendsten Lasten von den Schultern genommen hat, wir Bevorzugten, die wir — mit den Worten Jakobs zu reden — Brod zum Essen und ein Gewand zum Bekleiden haben, wir allein tragen an dem Unglücke unseres Volkes die Schuld. Wir hätten warnen sollen und haben geschwiegen; wir hätten Vorsorgen müssen und haben die Hände müssig in den Schoss gelegt. Stammesgenossen! Besser spät als gar nicht. Raffen wir uns auf, Juden der Bukowina, und geben wir uns selbst un i unseren armen Brüdern auserlesene Männer, dass sie uns beraten in unserer Not. Treten wir endlich zusammen und rufen wir den Volksrat der Bnkowinaer Jaden ins Leben. Dreissig Männer von bewährter Tatkraft und tadellosem Rufe sollen mindestens alle zwei Monate zusammentreten, um unsere gemeinsamen Angelegenheiten zu beraten, die Anregungen aus der Mitte des Volkes entgegenzunehmen, dem Volke Weisungen zu erteilen. Jede Gemeinde soll in offener Versammlung eine bestimmte ihrer Grösse entsprechende Zahl von Männern ihres Vertrauens in den entsenden. j i ■ 1 '} ' .. 1 f i 1. Volksrat der Bnkowinaer Jaden

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