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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-10-28 · 43 (28.10.1910) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
43 (28.10.1910)
Date
1910-10-28
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 43 Dr. Bkochs Wochenschrift- «eite 717 Kempen i. P (Trauung.) Mittwoch den 2. November findet hier die Trauung des Frl. Flora Dzialowski, Tochter des Herrn Adolf Dzialowski, mit Herrn Josef Diamant, Sohn des Herrn Norbert Diamant, statt. Kattowih O.-S. Herr Oberkantor Singer-Kattowitz schreibt uns: In meiner jüdischen Antiquitäten-Sammlung befindet sich eine 15 cm. hohe und 10 cm. breite Schnapsflasche, die genau denselben Verschluß wie die Rauch'sche Flasche hat, aber als Einlage die kunstvolle Nachbildung des ganzen Altars der Seitenstetten-Synagoge zeigt; das ganze ist in den natürlichen Farben reich mit Gold verbrämt, am töu steht ein Kantor im vollen Ornat, ganz prachtvoll ist der ®Tpn px sowie der Tön -u nachgebildet; die Flasche ist zirka 51 Jahre alt; ein Wiener Kunstforscher erklärte uns vor einigen Jahren, daß die Flasche, beziehungsweise der kunstvolle Inhalt, die jahrelange Arbeit eines Gefangenen sei, er wollte dies aus dem Material erkannt haben, sowie aus dem mit Schnüren angebrachten Verschluß, der auf einem einfachen Kunstgriff bafiere; als Verfertiger der Flasche ist mit Goldbuchstaben der Name Jacob Fink 1860 bezeichnet. _ Feuilleton. Skizze« und Studien zur Geschichte der Jude« in Polen. Von Dr. Majer Balaban, Lemberg. VIII. Schluß. Die Brüder Abraham und Michael Esophowicz, Ritter von Leliwa. (Finanzminister und Iudenmeister.) Dasselbe, was mit Abraham, mußte auch mit Michael aus Brzeäo gewesen sein, nur daß die Akten des litauischen Kronmatrikels keine diesbezüglichen Dokumente bis auf unsere Zeit aufbewahrt und somit wir nur per analogiam unsere Schlüffe ziehen können. Abraham und Michael wurden beide im Jahre 1514 zu Iudenpräfekten ernannt, bei beiden mußte aber Sigismund I. von der Zentralisierung der Juden abgehen. Die Juden Polens und Litauens hatten allein ein Zentralorgan geschaffen; dieses entwuchs aber dem Volke und faßte tiefe Wurzeln, die für zwei Jahrhunderte hinreichten. Dies Zentralorgan war die Vierländersynode (1580—1764), — ein richtiges Judenparlament in Polen und Litauen. Hatte das Beispiel Abraham des Böhmen auf Michael gewirkt, oder war er so reich, kurz er hält sich — trotz seines Amtes — finanziell fest und treibt weiter seine Geschäfte. Mit seinem getauften Bruder, dem Finanzminister Abraham, bleibt er in Verbindung, unterschreibt als Zeuge sein Testament und führt in Vertretung seiner Neffen manche Geschäfte seines verstorbenen Bruders weiter. Er ist seit dem Ableben Abrahams der größte Finanzmann in Litauen, er erteilt Vorschüsse auf die Gehälter aller hohen Beamten und Offiziere, pachtet Zölle und Mauten, baut Straßen und Brücken. So pachtet Michael am 22. Oktober 1522 beim König Sigismund die Wirtshäuser in Mohitow auf 3 Jahre mitsamt allen EinMnften vom Bier, Meth, Wachs usw?o) Am 30. Dezember d. I. pachtet Michael mit Einwilligung des Pfarrers zu Witebsk und Bischofs von Kamieniec dieselben Einkünfte in Witebsk. Er zahlt jährlich 220 Schock Groschen, von denen 60 der Kirche zu St. Stanislaus in Wilna, der Rest dem Bischof von Kamieniec gehören.^) Im Jahre 1523 übernimmt Michael die Mauten in Brzese Litewski?^) Drob°) '>?. I. A. I, 7«. 51) R. I. A. I. 74. R. I. A. 77. hiczyn, Grodno, Kamieniec, Podolski, Bosice, Mielnica. Viata, Buck und Ladimir auf 3 Jahre für 3000 Schock Groschen jährlich; der König annulliert alle Freibriefe, die er jemals irgendwem für diese Mauten ausgefolgt hat. Michael hat manche Kompagnons zu den Geschäften, so z. B. führt er die Maut in Biala mit dem dortigen Bürgermeister Timosz Segeniewicz?^) An anderen Orten sitzen Subpächter oder Diener Michaels?^) Aus den Geschäftsbüchern Michaels im Jahre 1524 erfahren wir, daß ihm verschiedene Personen folgende Summeen schuldeten. Die Erben Abrahams 537V2 Schock Groschen für Samt und Damast an den König, der König 700 Schock Groschen, und noch andere Summen.^) Michael legt Beschlag (mit Einwilligung des Königs) auf verschiedene Staatseinnahmen und Zölle. Georg (ein Adeäger) schuldete an Michael 70 Schock Groschen: der Kaufmann Kort in Danzig, der Starost von Brzeäö Litewski?^) Michael Zenowicz, der Hofmeister des Königs, der Fürst Peter Massalski, waren auch seine Schuldner??) Das Geld nahm Michael in barem Gelde oder in Rohprodukten, wie Getreide, Honig, Wachs usw. zurück. Denn er führte mit diesen Produkten einen bewegten Handel, pachtete selbst Waldprodukte im Kreise Drogiczyn (18. November 1525) und eiportierte die Ware auf dem Bug und der Weichsel nach Danzig?^) Diese verschiedenartigen Geschäfte brachten ihn oftmals in Konflikt mit dem Adel und den Städten. Bürger und Adelige klagen vielmals über die Rücksichtslosigkett Michaels und seiner Diener bei der Bemessung von Zöllen und Maulgeldern, auch kommen in den Abrechnungen größere Differenzen vor?V Trotzdem wächst das Ansehen Michaels beim König, und dieser beschließt im Jahre 1525, Michael zum Ritter zu schlagen. Die Gelegenheit war da. Am Marktplatz in Krakau hatte König Sigismund den Homagialeid von Al brecht Markgraf von Brandenburg und Prinzen von Preußen empfangen. Nach langen Verhandlungen kam die Angelegenheit des säkularisierten Kreuzritterordens zu ihren Abschluß. Große Festlichkeiten und Turniere wurden am Ringplatz der alten Krönungsstadt veranstaltet und mit großer Pracht viele Knappen und Bürger zu Rittern geschlagen. Unter den geadelten war auch der Jude Michael Josephowicz?") In der Nobilitationsurkunde erwähnt der König der festlichen Gelegenheit und führt zwei Motive an, die ihn bewogen, Michael zu adeln. Ein Motiv ist das Andenken an den verstorbenen Abraham, das zweite bilden die Verdienste „des vortrefflichen Mannes, Michael Josephowicz, des Hebräers, des Zöllners zu Brzeäü". (Idonei viri M. J. hebraei, theloneatoris Nostri Brestensis.) Michael wird zum Ritter und Adeligen (in m i 1 i t e m et nobile m creavimus et nobilitavimus .... militemque et nobilem facimus) uii seiner Nachkommenschaft geschlagen und erhält das Wappen Leliva, also dasselbe, welches sein Bruder erhalten hat. Dies Wappen führte einst im Schilde der Wojewode von Smolensk. Georg Ehlebowicz. Wie es scheint, war er der letzte seines Stammes und daher wurde das Wappen frei. Michael wurde also mit seinen Nachkommen geadelt, diese bereiteten aber dem Vater nicht viel Freude. 53) R. I. A. 78. ") Em D'ener hieß Bogdan (Jude), R. I. A. 80. 5S) R. I. A. 83. Unter den Schuldnern finden wir die Frau Gregor Witwe des Wofiwoden von Troki, Marschall Jan Gletowicz. die Frau Niklas Stanislanowiczwna, Statthalter von Krychow Fürst Wasyli. Hosläute: N kolaus und Michael, Bojaren, Witwen rc. rc. A T Ql) 57) Sä! Sl I,' 111. (1524—1526. I.) 58) R. I. A. I. 106. 5a) R. I. A. I, 84, 85. 104. (1525—1525.) °°) Die Nobilitierungsurkunde R. I. A. 1,96 vom 20. April 1525.

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