Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 43 (28.10.1910)
- Date
- 1910-10-28
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021873-3021917--19685-3044682- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 716 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 43 Im herrlich geschmückten Sitzungssaale erfolgte sodann die feierliche Ueberreickung der Ebrengesckeike seitens der Gemeinde, der Chewra-Kadischa und des Frauen-Wohltäti»keitsv'>reine8, in dessen Namen Frau Weißkopf sprach. Herr Anton Schneider beglückwünschte den Jubilar namens der Gemeinde Baden. Dem Jubilare kamen zahlreiche ehrende Gratulationen zu, so von der Stadtaemeinde Wiener-Neustadt, dem Bezirkshauptmann Statthaltereirat Ritter von Stahl, dem Bezirksarmenrat, den Direktoren der Mittelschulen, dem Kommando der Militärrealschule in Fischau, dem Kinderasyle in Zillingdorf, dem Präsidenten Dr. Stern und dem Vorstande der Wiener Kultusgemeinde, sowie von den nieder österreichischen Kultusgemeinden. Biala - Lipuik. (Vierzigjähriges Amtsjubiläum des Rabbiners Dr. NathanGlaser.) Zu einer seltenen Feier rüstet die israel. Kultusgemeinde Biala- Lipnik. Den Anlaß hierzu gibt die Vollendung des 40. Dienstjahres Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Dr. Nathan Glaser. Der würdige, allseits hochgeschätzte Jubilar verdient eine solche Auszeichnung vollauf. Am 1. November 1870 kam er, nachdem er das Doktorat der Philosophie in Jena erworben und die Rabbinatsprüfung am Jüdisch-theologischen Seminar in Breslau abgelegt hatte, in unsere Gemeinde, als deren geistiges Oberhaupt er nun 40 Jahre lang segensreich wirkt. Während dieses Zeitraumes hat stets volle Harmonie zwischen ihm und den Gemeindeangehörigen bestanden, die ihm aufrichtige Dankbarkett, Hochachtung und Verehrung entgegenbringen. Er begnügte sich aber nicht damit, den Frieden innerhalb der Gemeinde zu erhalten, er entfaltete auch eine rege, seelsorgerische Tätigkeit. An allen öffentlichen Schulen in Biala und an der Vereinsschule in Llpnik erteitte er während dieser ganzen Zeit Religionsunterricht; so verdanken ihm ganze Generationen die erste grundlegende Unterweisung in der Führung eines sittlich-religiösen -Lebenswandels. Wiederholt hat er ferner bei Rabbinervakanzen in Bielitz nicht nur die rabbinischen Funktionen versehen, sondern auch den Religionsunterricht an den Mittelschulen zur vollen Zufriedenheit der Vorgesetzten Behörden erteilt. Auch in Andrychau und Saybusch-Zablocie führte er jahrelang die Rabbinatsgeschäfte. Als wahrer Seelenhiert glaubte er nicht genug getan zu haben, wenn er den Gottesdienst durch Anregung zum Bau eines neuen Tempels förderte und die religiös-sittliche Ausbildung seiner Glaubensgenoffeu durch Gründung einer Talmud-Thora-Schule auf eine höhere Stufe hob, er hatte auch jederzeit ein warmes Herz für die Armen und Notleidenden und lenkte den Wohltättgkeitsfinn seiner Gemeinde dahin, dauernde und wirksame Einrichtungen zu schaffen, um Armut und Elend zu lindern. So war er ein Mitbegründer und ist gegenwärtig auch Präsident des Bialaer Waisenunterstützungs-Vereines, der zur Erinnerung an das 60-jährige Regierungsjubiläums Sr. Majestät ins Leben gerufen wurde. In allen seinen Stellungen, wie überhaupt im öffentlichen Leben bekundete Rabbiner Dr. Glaser eine vornehme, konziliante Gesinnung, zeigte Entgegenkommen gegen jedermann und war stets darauf bedacht, den Frieden unter den Konfessionen zu erhallen. Politisch ist er nie hervorgetreten, doch hat er seine Bürgerpflicht stets im Sinne einer friedlichen Entwicklung Bialas in seiner bisherigen Richtung erfüllt. So kommt es, daß der Jubilar in allen Kreisen, nicht bloß bei seinen Glaubensgenoffen, sondern auch bei allen Bürgern Hochachtung und besondere Sympathien genießt. Diese Gefühle werden wohl bei der Feier zum Ausdrucke kommen, die die Kultusgemeinde Biala-Lipnik für Montag den 31. d. M. und Dienstag den 1. November d. I. plant. Es findet nämlich zur Einleitung des Jubiläums Montag den 31. d. M. um 5 Uhr abends ein Festgottesdienst im Lipniker Tempel statt. Dienstag den 1. November, 11 Uhr vormittags, begibt sich der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Biala-Lipnik zum Jubilar, um ihm in feierlicher Weise die Wünsche der Gemeinde und des Vorstandes auszusprechen. Es steht zu erwarten, daß sich auch die zahlreichen Freunde, Anhänger und Schüler des allgemein verehrten Mannes anschließen werden. Eger. (Auszeichnung.) Aus Anlaß des 80. Geburtstages unseres Kaisers hatte der Oberkantor Herr Armin W i lk o w i t s ch in Eger eine von ihm verfaßte und auch selbst vertonte Jubel-Hymne, die auch bei dem Fefigottesdienst in Eger gesungen wurde, an die Kabinettskanzlei eingeschickt. Vom Oberstkämmereramte wurde dem Genannten nunmehr mit Schreiben vom 5. Oktober l. I. für die Vorlage der Hymne der Allerhöchste Dank mit dem Beifügen bekanntgegeben, daß die erwähnte Hymne der k. u. k. Familien-Fideikommiß-Bibliothek einverleibt worden ist. Göding. Laut Aufruf in Nr. 39 der „Oesterr. Wochenschrift" sind füi de» kn klag nswerten Mann noch folgende Spenden beim Rabbinat Göding eingelaufen: Erna H. a»s Linz Kr. 5, Max Rainer, Brünn Kr. a, Summe Kr. 8. Hiezu die bereits ausgewiesenen und weiter beförderten 80 Kr., zusammen Kr. 88. Dr. L. Lazarus, Rabbiner. Aussig. (Ehrung des Herrn Rabbiners Baß) In wenigen Tagen verläßt der emerine'te Rabbiner der hiesigen israel. Kultusgemeinde, Herr Rabbiner S. Baß, untere Stadt, um seinen Ruhestand im Kreise seiner Ve> wandten in Wien zu verleben. Herr Rabbiner Baß hat durch L2 Jahre in der hiesigen Gemeinde als Rabbiner und Seelsorger, sowie als Religionslehrer gewirkt und sich wähend dieser langen Reihe von Jahren durch sein bescheidenes und liebenswürdiges Benehmen die Sympathien nicht nur der israelitischen Gemeinde, sondern aller jener erworben, die ihn gekannt und mit ihm zu tun hatten. Darum wird sein Scheiden aus unserer Stadt allgemein mit grobem Bedauern empfunden. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde hat dem scheidenden ehemaligen Seelsorger die Evren erwiesen, die sich derselbe um die Gemeinde redlich verdient batte. Die Kultusgemeinderepräsentanz ließ durch eine Deputation des Vorstandes Herrn Rabbiner Baß und seine Gemahlin die besten Glückwünsche für deren ferneres Wohlergehen ausdrücken und ihm zur Ennne ung ein kostbares Ehrengeschenk überreichen. In seiner Ansprache rühmte der Vorsteber der Gemeinde die besonderen Verdienste, die sich Herr Rabbiner Baß um die Aussiger Kultusgemeinde erworben, und gedachte . des unermüdlichen Pflichteifers, sowie der Unverdrossenheit, mit der derselbe seines Amtes gewaltet. Der Vorstand, sowie die ganze Gemeinde sei sich des großen Dankes bewußt, den sie dem Herrn Rabbiner Baß schulden und diesem Dankgefühle sei auch der einstimmig gefaßte Beschluß entsprungen, dem Bildnisse des Herrn Rabbiners Baß im Sitzungssaale der israelitischen Kuliusgemeinde einen Ehrenplatz anzuweisen Eine weitere Ehrung wurde dem scheidenden Seelsorger vom israelltischen Tewpelchore, zu dessen Gründern Herr Rabbiner Baß gehört, zuteil, indem derselbe in seiner Generalversamn.lung Herrn Rabbiner Baß zum Ehrenmitgliede ernannte. Auch die Beerdigungsbrüderschaft, sowie der israelitische Frauenverein ehrten die Verdienste des Herrn Rabbiners. und seiner Gemahlin, durch Ueberreichung schöner Ehrengeschenke und durch die Verleihung der Ehrenmitgliedsch ft. Aber auch von Seite der Vorgesetzten Schulbehörden wurde die 40jährige segensreiche Tätigkeit des Herr» Rabbiners Baß in seiner Eigenschaft als Religionsiehrer an den Volks-, Bürger- und Mittelschulen in der ehrendsten Weise gewürdigt und ihm sowohl vom k. k. Landesschulrate >fllr seine vieljährige pflichteifrige und sehr ersprießliche Lehrtätigkeit" der Dank und die Anerkennung ausgesprochen. Es ist wohl der Wunsch aller seiner Freunde und Bekannten, daß Herr Rabbiner Baß seinen wohlverdienten Ruhestand an der Seite seiner Gemahlin noch viele Jahre in ungetrübter geistiger und körperlicher Frische genießen möge. Teplitz. Ein außerordentlich begabter, beliebter und geachteter Mann, als Mensch und Arzt in hohem Ansehen, ist in jugendlichem Alter von noch nicht vierzig Jahre.« freiwillig aus dem Leben geschieden. Dr. Arthur Hauser kehrte eben von einer größeren Erholungsreise heim, nahm seine ausgedehnte Praxis wieder auf und nichts ließ ahnen, daß schwarze Gedanken in seinem Kopfe nisten. Vorgestern besuchte er in Begleitung seiner Mutter das Theater und in früher Morgenstunde machte er seinem hoffnungsreichen, vielbeneideten Leben ein jähes Ende. Ob er diese entsetzliche Absicht mitbrachte, oder ob der verhängnisvolle Gedanke plötzlich in ihm aufblitzte und er ihn allzu rasch zur Tat machte — wer kann in das Getriebe des menschlichen Gehirns blicken? Es ist ein ungelöstes Rätsel, ein erschütternder Fall, der weite Kreise in Trauer versetzte und die allgemeinste Teilnahme weckte, denn der Hingegangene war ein ganz hervorragender, nach jeder Richtung hin ausgezeichneter Mensch, den wir alle liebten und schätzten und dem wir nun ein Monument in unserem Herzen errichtet werden. H.-F. Jüdische Wohltätigkeit. Aus Budapest wird geschrieben: Die jüngst verstorbene Gattin des hiesigen Privatmannes Adolf Blau, Frau Regina Blau, geborene Fischer, hat zu wohltätigen Zwecken mehr als 400.000 Kronen testiert. Fast sämtliche Stiftungen fallen jüdischen Anstalten zu.