Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 43 (28.10.1910)
- Date
- 1910-10-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr 43 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 715 "Wien. Mit Bewilligung des k. u. k. Korpskommandos in Wien fand wie alljährlich so auch Heuer während der hohen Festtage in der Rossauer Kaserne für die Mannschaft jüdischen Glaubens „bereits zum fünfundzwanzigsten Male unter Leitung des Oberoffizia'.s der israel. Kultusgeme nde, Herrn Jakob Stein", ein feierlicher, von den Funktionären Herrn Haymann Reich und Mayer Brunner in würdiger Weile abgehaltener Gottesdienst statt, dessen Weihe durch eine am V'rsöhnungstage gehaltene Predigt des Herrn Feldrabbiners Dr. Armin Abeles noch erhöht wurde. Es wurden an beiden Neujahrstagen wie auch nach Schluß des Versöhnungstages nahezu an 500 Mann seitens des Vorstandes der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde verköstigt. Der Ausschuß des Verbandes der israelitischen Religiouslehrer an den österreichischen Volksschulen hielt am 28. September unter dem Vorsitze des Obmannes Professor Dr. H. P o l l a k die erste Sitzung im neuen Schuljahre ab, in welcher das während der Ferien eingelaufene Material in eingehender Weise beraten wurde. Aus der Reihe der Beschlüsse ist hervorzuheben, daß der Ausschuß konform mit der Eingabe des Verbandes der israelitischen Religionslehrer an den Mittelschulen Böhmens einen selbständigen Schritt im Standes interesse unternehmen solle. Wien. (Lese- und Redehalle Jüd. Hochschüler i n W i e n.) Bei der XXXIII. ordentlichen Plenarversammlung, die Samstag den 22. Oktober stattfand, wurde der Ausschuß folgendermaßen gewählt: I. U. C. Max Körner, Präses; I. U. C. Richard Teltscher, I. Vize-Präses; zur. Leopold Jahoda. II. Bne-Präses; med. Leon Kolb, I. Schriftführer; med. Ignatz Schild. II. Schriftführer; I. U. C. Robert Friedländer. Kassier; exp. Ernst Rosenberger, Kassier; zur. Chaim Wasser. Bibliothekar; zur. Hermann Stark. Zeitungsverweser; arcb. Johann Sobelsohn, Hausverweser. Zu Kassarevisoren wurden gewählt: cand. phil. Berthold Hirschl, zur. Alfred Haberfeld. Wien. Am ersten Sukkoth-Tage beging der jüngste Sohn des Obmanns des Brigittenauer Tempelvereins Herrn Herrmann Eltbogen und der Frau Adele Eltbogen, im Tempel in der Kluckygasse. seine Bar-Mizwah. Der Konfirmand Paul Eltbogen wurde als Maftir zur Thora gerufen und rezitierte derselbe die Hafthora in der exaktesten Weise, worauf Ehrw. Rabbiner Dr. Abeles an denselben eine inhaltsreiche Ansprache richtete. — Herr Herrmann Eltbogen spendete aus diesem Anlasse namhafte Beträge für den Tempelvereiu. die im XX. Bez. bestehenden humanitären Vereinen und für das Tempelpcrsonal. Wien. (Jüdischer Handlungsgehilfen - Verbau d (A ch w a b), II., T a b o r st r a ß e i0.) Mittwoch den 2. November d. I. findet im Vereinslokale ein Vortrag des Herrn Dr. Kupfer statt. Thema: Geschichte der Juden in Oesterreich. Beginn 8 Uhr'abends.Gäste willkommen. Der Verein eröffnet anfangs November U n t e r r i ch t s k u r s.e in Buchhaltung, Stenographie, Hebräisch. Deutsch, Englisch, eventuell Französisch, Böhmisch, Italienisch und Ung a r i s ch Regiebeitrag pro Gegenstand und Monat 1 bis 2 Kronen. Anmeldungen werden schriftlich oder mündlich täglich von halb 8 Uhr bis halb 10 Uhr abends im Vereinslokal entgegengenommen. Die Vereinsleitung. Austritte aus dem Judentum Vom 16. bis 23. Oktober 1910. Adler Rosa, Hilfsarbeiterin, geb, 29. August 1881, Nagymarton, Wien, XVII., Frauenfelderstrasse 7. Blum Hermine, Bedienerin, geb. 17. Februar 1880, Brünn, Wien, XVII. Steinergasse 3. Färber Anna, geb. 15. September 1896, Wien laut Zuschrift Bezirkshauptmannschaft St. Pölten. Fröhlich Johanna, geb, 16. März 1879, Wien, XVIII., Gymnasiumstrasse 40. Jäger geb. Ries Berta, Private, geb. 8. Dezember 1876, Budapest, Wien, XVI., Lindauergasse 21. Hallatscbek Anna verehelichte Salfer, geb. 4. August 1875, Wien, III., Hegergasse 21. Leopold Philipp, Handlungsreisender, geh. 6. Mai 1871, Lugos, Wien, XII., Schönbrunnerstrasse 253. Platschek Siegfried, Handelsagent, geb. 14. Jänner 1881, Wien, XV., Würfelgasse 4. Reich Mathias, Agent, geb. 9. Oktober 1868, Szobotist, Wien, XIII., Bonygasse 29. Reich Emil, geb. 25. Mai 1881, Votic, Bezirk Selcan, Böhmen, Wien, XIII,, Wiener Versorgungsheim Lainz. Rubin Emma, geb. 5. August 1888, Czecze, Wien, XX., Klosterburgerstrasse 24. Tennenbaum Margarete recte Grete geb. Gersti, geb. 20. Juli 1887, Wien, XIII., Hietzing, Hauptstrasse 22. Wsetin. Am 20. d. M. wurde Frau Direktor Bettina Schönbeck unter großer Beteiligung aller Konfessionen zu Grabe getragen. Die F>-au war eine Zierde der Gemeinde. Dr. Rabbinovic hielt einen gediegenen Nachruf. Der Kantor Herr Blau rezitierte die Trauergesänae. Unter den Anwesenden waren auch die Cbefs der Firma, die Herren Ignatz und Julius Reich, Glasindustrielle. Vierzigjähriges Rabbinerjubiläum. Aus Wiener-Neu st adt wird uns berichtet: Unsere Kultusgemeindeh atte letzten Sonntag einen Festtag. Es galt, unseren Rabbiner Herrn Benjamin Weiß anläßlich seines vierzigjährigen Wirkens in unserer Gemeinde zu ehren. Welcher Hochachtung und Wettschätzung sich der Jubilar nicht nur unter den Mitgliedern seiner Gemeinde, sondern auch bei den Angehörigen der anderen Konfessionen erfrem, bewies die erhebende Feier, welche in unserem schönen Gotteshause veranstaltet wurde. Aus Stadt und Umgebung waren die Gemeindemitglieder herbeigeeilt und auch viele christliche Bewohner unserer Stadt füllten den festlich beleuchteten und dekorierten Tempel bis auf das lktzte Plätzchen. Der Jubilar wurde vom Vorstandstellvertreter Herrn Ehrenhaft und den beiden Gründern der Gemeinde Herrn Lazar Löb und Herrn Adolf Rosenberger in seiner Wohnuna eingeholt und in den Tempel geleitet. Nachdem Oberkantor M. A. Landau das Ma tauwu und das Minckaaebet zum Vortrag gebracht hatte, trat Kultuspräsident Herr Dr. Wilhelm Wolf vor und hielt an den Jubilar folgende tiefempfundene Ansprache: „Euer Ehrwürden, Herr Rabbiner! Der heutige Tag ist ein Freudentag für Sie und Ihre Familie, aber auch für Ihre Familie im weiteren Sinne, für die israelitische Kultusgemeinde in Wiener- Neustadt. Daß Sie für dieselbe stets wie ein Vater gesorgt haben, auf ihr Wohl und Gedeihen bedacht waren, weiß jeder, der auch nur kurze Zeit hier geweilt. Wenn ich zurückdenke an die Zeit meiner Jugend, wo Sie als Rabbiner und Religionslehrer uns unterrichteten und sich Mühe gaben, uns zu glaubenstreuen Juden zu erziehen, so ist mir zugleich in Erinnerung, daß Sie auf das Innigste und Herzlichste mit meinem Elternhause Freud und Leid geteilt haben. Die gleiche warme Freundschaft verbindet Sie mit allen jüdi'chen Familien in unserer Gemeinde. Fern vom Tagesstreite, nur Ihrem erhabenen Berufe lebend, haben Sie es verstanden, die Liebe und Anerkennung aller Mitglieder unserer Gemeinde zu erringen. Wenn die Kultusgemeinde Wiener-Neustadt eine religiöse genannt werden darf, so ist dies Ihr ausschließlid es Verdienst, der Sie stets bestrebt waren, den religiösen Sinn der Bevölkerung zu heben, durch Ihre Predigten und ermahnenden Worte die Mitglieder der Gemeinde zu einem frommen Lebenswandel zu bewegen. 40 Jahre hindurch haben Sie als Rabbiner dieser Gemeinde Ihre Pflicht voll und ganz erfüllt, mit einer Liebe und einem E fer, die noch mehr wie Pflichtbewußtsein bedeuten und haben damit nicht allein unserer Gemeinde, sondern auch dem Judeutum im allgemeinen großen Nutzen gebracht. Wie viele Gläubige haben Sie dem Judentum gewonnen, wie viele im Glauben Wankende gestützt, ermahnt und auf den rechten Weg gewiesen! Wo es Ihnen nur möglich war, haben Sie Gutes gestiftet, die Armen unterstützt, ja, Sie waren stets an der Spitze derer zu finden, die ihr Scherflem zur Linderung des Elends beitrugen. Darum herrscht nur eine Stimme des Lobes und der Anerkennung üb^r Ihr 40 jähriges Wirken, und es erfüllt mich als Ihr ehemaliger Schüler mit stolzer Freude, heute an der Spitze dieses Gemeindewefens der Dolmetsch seiner Gefühle zu sein. Aus kleinen Anfängen ist unsere Gemeinde entstanden und Sie haben um kargen Lohn, jedoch stets unverdrossen Ihres hehren Amtes gewaltet. Heute haben Sie die Genugtuung, zu sehen, da« die Gemeinde aus mißlichen Verhältniffen sich emporgearbeitet hat und schön dasteht, heute haben Sie auch die Genugtung, zu sehen, daß Ihre Gemeinde in charitativem Belange solches lesstet, daß man sich täglich wundern muß, wie eine solch kleine Gemeinde dies imstande sei. Ihre hervorragenden Verdienste um den Staat, Ihre mustergiltige Matrikenführung, Ihr patrionsches Wirken und Ihr erfolgreiches Bemühen, die Jugend in Liebe zum Allerhöchsten Herrscherhause, in Liebe zum Vaterlande zu erziehen, wird jedenfalls anderweitige Anerkennung finden. Euer Ehrwürden Herr Rabbiner ersehen aus dem Gesagten, daß wir Ihre vierzigjährige aufopferungsvolle Tätigkeit zu würdigen, Ihre Verdienste zu schätzen wissen. Und so möge es Ihnen denn vergönnt sein, noch lange Zeit in ungetrübter Gesundheit hier zu wirken, zum Wohle der israelitischen Kultusgemeinde Wiener-Neustadt, zum Wähle des ganzen Judentums!" Man hörte laute Bravorufe, als der Kultaspräsident seine vom Herzen kommende Ansprache, die bei allen tiefe Wirkung machte, beendet hatte. Nun beglückwünschte der Vorstand der Chewra-Kadischa Herr Adolf Mayer namens dieser Körperschaft den Jubilar, welcher zu ihrem Ehrenmitglieds ernannt worden ist. Sodann hielt Herr Rabbiner Reich aus Baden eine großangelegte, formvollendete F e st r e d e, in welcher ec in feffelnder Weise die historische Bedeutung der Judengemeinde Wiener-Neustadt, wo ein Gelehrter von Weltruf, der .Thrumas Hadeschez", im Mittelalter gewirkt habe, erörterte. Der Festredner feierte den Jubilar als Muster eines Seelsorgers, der, ein Schüler berühmter Gelehrter, in seltenem Maße die talmudischen Wissenschaften beherrsche und ein Meister der hebräischen Sprache genannt werden dürfe. Die heutige Feier bezeige, wie schon hier Gemeinde und Seelsorge zusammenwirke. Rabbiner Reich schloß seine glänzende Rede mit den Segenswünschen für den Jubilar und die Gemeinde. Tiefgerührt dankte der Jubilar in seiner bescheidenen Att, alle Ehrungen seinem heiligen Amte zugute haltend, und verrichtete sodann vor der offenen Bundeslade das Kaifergebef.